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News · 16. Juli 2021

Fitnesstracker erkennen Long COVID

In einer amerikanischen Studie zeigte sich, dass die Herz­frequenz bei COVID-19-Patienten über 2 bis 3 Monate erhöht bleibt, während Schlaf und körperliche Aktivität sich schneller normalisieren. Neu ist der Nachweis einer relativen Bradykardie, zu der es in der Akutphase der Erkrankung kommen kann. Fitnesstracker, die mittlerweile viele Erwachsene Tag und Nacht tragen, können genutzt werden, um die durchschnittliche Dauer von Erkrankungen zu ermitteln und können dabei helfen Long COVID zu diagnostizieren.

In den USA trägt bereits jeder 4. Erwachsene einen Fitnesstracker wie Fitbit, Apple Watch, Garmin, Amazefit, OURA oder Beddit. Diese Armbänder übertragen ihre Daten auf das Smartphone. Von dort werden sie – insofern die Anwender die DETEC-App des Scripps Research Translational Institute in La Jolla/Kalifornien heruntergeladen haben – an dieses weitergeleitet. Das Institut verzeichnete zwischen dem 25. März 2020 bis zum 24. Januar 2021 den Dateneingang von 37.146 US-Amerikanern. Darunter waren auch 827 Personen, die der App mitgeteilt hatten, dass sie sich wegen einer akuten Atemwegs­erkrankung auf SARS-CoV-2 testen ließen. Bei 234 Teilnehmern fiel der Test positiv aus.

Auswirkungen auf Körperfunktionen

Nach einer Auswertung dieser Daten durch das Scripps Institute zeigte sich, dass COVID-19 zunächst deutlich stärkere Auswirkungen auf die von den Fitnesstrackern gemessenen Körper­funktionen als eine einfache Erkältung hatte.
In der akuten Phase der Erkrankung kam es zu einem Anstieg der Herzfrequenz und der Schlafdauer, während die täg­liche Schrittzahl abnahm. Eine Besonderheit von COVID-19 im Vergleich zu anderen Atemwegserkran­kungen war eine vorübergehend auftretende „Bradykardie“, ein leichter Rückgang der Schlagzahl pro Minute, der bereits ande­ren Forschern aufgefallen war und dessen Bedeutung weiter unklar ist.

Diese Verlangsamung der Herzfrequenz  trat bei den Patienten etwa zwischen dem 9. und 15. Tag der Erkrankung auf. Danach stieg diese wieder an. Der Puls der COVID-19-Patienten blieb über durchschnittlich 79 Tage über den Werten vor der Erkrankung, was die Forscher als einen Hinweis auf Long COVID deuten.
Bei den meisten Patienten lag der Puls nur 1 bis 5 Schläge über der Frequenz vor der Erkrankung und damit weit von einer klinisch relevanten Tachykardie entfernt. Nur bei 32 Patienten nahm die Schlagzahl des Herzens um mehr als 5 pro Minute zu. Diese Patienten benötigten durchschnittlich 133 Tage, bis sich ihr Herz wieder vollständig beruhigt hatte. In der Akutphase der Erkrankung klagten diese Patienten häufiger über Husten, Körperschmerzen und Atemnot. Schneller als die Herzfrequenz hatten sich das Schlafverhalten und die körperliche Aktivität normalisiert. Die Schlafdauer hatte nach 24 Tagen und die Schrittzahl nach 32 Tagen die Vor-COVID-19-Werte erreicht.

Fitnesstrackerdaten können Diagnose erleichtern

In einer früheren Studie in Nature Medicine hatten die For­scher zeigen können, dass die Daten aus dem Fitnesstracker eine Verdachtsdiagnose von COVID-19 erleichtern können. Allein aufgrund der Symptome konnte die Diagnose mit einem AUC-Wert („area under the curve“) von 0,71 auf der ROC-Kurve („receiver operating characteristic“) vorhergesagt werden. Mit den zusätzlichen Daten aus dem Fitnesstracker stieg die „Trefferrate“ auf 0,80. Die ROC-Kurve kombi­niert Sensitivität und Spezifität. Ein AUC-Wert von 0,5 ist ein reiner Zufall, bei einem Wert von 1,0 gelingt die Diagnose in jedem Fall.

Quelle: Ärzteblatt, Originalstudie