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News · 17. Dezember 2020

Studie: Diskriminierung im Gesundheitsbereich

Privatpatienten werden bevorzugt, keine Diskriminierung nach ethnischer Zugehörigkeit

Gibt es in der ambulanten Gesundheitsversorgung diskriminierende Verhaltensweisen? So die Forschungsfrage, die WU Professor Rupert Sausgruber gemeinsam mit seinen Koautoren Martin Halla (JKU Linz) und Christopher Kah (Universität Innsbruck) in einer umfangreichen Feldstudie, beantwortet. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass gesetzlich Versicherte mit 25 % geringerer Wahrscheinlichkeit einen Termin erhielten als privat Versicherte. Außerdem mussten sie einen halben Tag länger auf einen Termin warten. Die wahrgenommene Ethnizität einer Person hat jedoch keinen Einfluss, so die Studie.

Feldexperiment mit über 3.000 Praxen

Bei dem Feldexperiment wurden mehr als 3.000 Praxen von Ärzten in Deutschland mit Terminanfragen per E-Mail kontaktiert. Einige der fiktiven Absendern waren privat versichert, andere gesetzlich. Ihre Namen ließen eine deutsche oder türkische Ethnie vermuten. Die Terminvergabe und Wartezeit korrelierte nicht mit der (vermeintlich) ethnischen Zugehörigkeit, diskriminiert wurden aber Personen, die gesetzlich versichert waren. Privat Versicherte wurden bevorzugt.

Stark wettbewerbsorientiert

Dieses Ergebnis ist überraschend, wenn man bedenkt, dass Diskriminierung aufgrund der ethnischen Herkunft durchaus in vielen Lebensbereichen häufig zu beobachten ist. Rupert Sausgruber argumentiert, dass der Markt der ambulanten Gesundheitsversorgung von wettbewerbsorientierten Kräften geprägt ist, die stark genug sind, um eine derartige Diskriminierung zu unterdrücken. Die Diskriminierung aufgrund des Versicherungsstatus führt Sausgruber auf den großen Einfluss zurück, den der Status auf das Einkommen der Ärztinnen und Ärzte hat.

Quelle: Institut für Finanzwissenschaft und Öffentliche Wirtschaft

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