Laufende Studie liefert wichtige Einblicke in die Köpfe der Bürger

Medien und Politik diskutieren lautstark über die Folgen von Corona im gesamtgesellschaftlichen Rahmen. Fernab der Schlagzeilen und erst in den leiseren Zwischentönen schwingt mit, wie der Einzelne in den Zeiten der Pandemie denkt und fühlt. Dabei liefert das psychologische Klima der Bevölkerung unverzichtbare Erkenntnisse für Politik und Wissenschaft –  insbesondere im Hinblick auf den weiteren Umgang mit dem Virus. Aus diesem Grunde befragt die COSMO-Studie „Covid-19 Snapshot Monitoring“ unter Federführung der Universität Erfurt in einer Untersuchungsreihe mit jeweils 1.000 Menschen die Bevölkerung nach ihren persönlichen Ansichten. Zentrale Fragestellungen: Wie informiert ist der durchschnittliche Bürger in Deutschland? Wie schätzt er/sie das Risiko einer Infektion ein? Wie schützen wir uns selbst und andere? Und welches Vertrauen bringt die Bevölkerung der Politik entgegen?

Ergebnisse für jeden

Die Ergebnisse der Studie sollen nicht nur Politikern und Forschern dienen, sondern auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. In Zusammenarbeit mit der Klaus Tschira Stiftung (KTS) werden die Ergebnisse der Studie aus diesem Grunde anschaulich aufbereitet und leserfreundlich im Web präsentiert (https://www.klaus-tschira-stiftung.de/unterstuetzung-zur-bewaeltigung-der-corona-krise/). D

Der Initiatorin der Studie, Cornelia Betsch von der Universität Erfurt, ist es ein Anliegen, informierte Bürger zu schaffen und dadurch das Risiko von Falschinformation und Panikmache zu minimieren. Die in Echtzeit verfolgbare Studie greift seit März aktuelle Themen aus den Medien auf, die genau zu diesem Zeitpunkt die Lebenswirklichkeit der Menschen berühren, wie zum Beispiel Hamsterkäufe, Demonstrationen und Verschwörungstheorien. „Es nimmt ein wenig die Aufgeregtheit heraus aus dem täglichen Mediengewitter, hilft Dinge einzusortieren“, so Cornelia Betsch. Somit könne die Studie durch transparente Informationsverteilung dabei unterstützen, den Dialog in der Gesellschaft zu fördern. Denn der Erfolg der Präventionsmaßnahmen sei nicht nur auf ein entschlossenes Durchgreifen der Behörden angewiesen, sondern auch auf ein geschlossenes Mitwirken des Einzelnen.

Wichtige Erkenntnisse

Den Ergebnissen der Studie nach sind die Deutschen inzwischen ein wenig „Corona-müde“ geworden. Nach den Entbehrungen und Beschränkungen der vergangenen Monate ist laut Studie das Belastungsempfinden deutlich größer geworden, während das Vertrauen in die Regierung stetig abgenommen hat. Besonders junge Menschen gaben an, den derzeitigen Status Quo als psychisch stark belastend zu empfinden und psychologische Unterstützung zu benötigen, auch wenn sie das Risiko einer Infektion weniger fürchten als Ältere. Obwohl 93 Prozent der Befragten aussagten, dass sie ihre Maske häufig bis immer tragen, hat die allgemeine Vorsicht doch sichtlich nachgelassen. Rund 45 Prozent der Befragten gaben zu, in den letzten Wochen an privaten Treffen mit mehr als zehn Personen teilgenommen zu haben. Die Studie zeigte, dass insbesondere die Treffen mit vertrauten Personen große Gefahrenherde darstellen, da Menschen in diesem Rahmen leichtsinniger agieren. Auch die Gastronomie wurde wieder stärker in Anspruch genommen: Dreißig Prozent der Studienteilnehmer hatten in letzter Zeit Bars und Kneipen besucht.

Darüber hinaus offenbarte die Studie, dass viele Deutsche noch immer Wissenslücken haben, die es zu schließen gilt. Obwohl sich 78 Prozent der Befragten darüber im Klaren sind, dass konsequent praktiziertes Social Distancing die Eindämmung der Pandemie maßgeblich beeinflusst, wussten nur 70 Prozent über die Verbreitung des Virus durch Aerosole Bescheid: Diese lassen insbesondere geschlossene Räume zu Gefahrenzonen werden.

Besondere Bedeutung soll den Ergebnissen der Studie unter anderem im Hinblick auf den Umgang mit dem kommenden Covid 19-Impfstoff zukommen. Durch die systematische Erfassung vorherrschender Meinungsbilder und Vorbehalte, lässt sich die Sensibilisierung der breiten Bevölkerung schon jetzt gezielter vorbereiten.

Dominic Fernandez

 

Quelle: Klaus Tschira Stiftung