Wie das funktioniert? Wir fragen nach bei der Psychologin Elisa Holderied

Elisa Holderied ist Psychologin, Fitnesstrainerin und Yogalehrerin. Ihre verschiedenen Arbeitsbereiche setzt sie in einem ganzheitlichen Konzept um, das mittlerweile in einem eigenen Unternehmen gemündet ist.

Elisa befindet sich derzeit in der Ausbildung zur Psychotherapeutin. Neben ihrer Arbeit in der Klinik ist sie Yogalehrerin und Fitnesstrainerin. „Für mich entsteht eine ganz besondere Energie und Kraft, wenn viele Menschen gemeinsam eine Herausforderung bewältigen. Als Ergänzung zu diesen Powerstunden habe ich vor einiger Zeit in Indien meine Yogalehrerausbildung gemacht und dadurch auch Spiritualität und Emotionalität einen großen Platz in meinem Leben geschenkt. Das Wirken in diesen drei Arbeitsbereichen hat mich immer mehr zu der Erkenntnis gebracht, dass alles zusammen- und in einen ganzheitlichen Ansatz gehört,“, bringt sie ihre Motivation auf den Punkt.

Wir finden, das ist definitiv ein spannendes Thema und haben ihr daher die folgenden Fragen gestellt.

Elisa, wie kam es zu dieser Verbindung aus Bewegung und Psychologie?

EH: „In der Psychologie gehört es heute zu den fundierten Erkenntnissen, dass Emotionen, Gefühle, Gedanken und Glaubenssätze im Körper gespeichert und durch unsere Körperzellen wieder gespiegelt werden. Man nennt dieses Phänomen Embodyment. Wir fühlen uns zum Beispiel mit einer eingefallenen Körperhaltung unsicherer, als wenn wir mit stolzer Brust und einer aufgerichteten Haltung durch den Raum bewegen. Andersherum spüren wir aber auch psychische Empfindungen körperlich. Daher kommen auch Redewendungen wie „einen Kloß im Hals haben“ oder dass uns etwas „auf den Magen schlägt“. Unser Körper steht mit unserer Psyche in einer ständigen Wechselwirkung und genau hier setzt mein Konzept Yoga & Psychologie an.“

Warum gerade Yoga?

EH: „Yoga ist nicht nur Bewegungslehre, sondern verkörpert – im wortwörtlichen Sinne – eine jahrtausendealte, spirituelle Philosophie. Während ich für ein Jahr in Indien gelebt habe, faszinierte mich die hinduistische Kultur, die den Glauben an Verbundenheit in sich trägt. Wir gehören alle zusammen. Diesen Gedanken habe ich von Indien mit nach Deutschland genommen. Yoga bietet die perfekte Möglichkeit, sich ganz ohne Druck und Leistungsgedanken zu bewegen und auf eine einzigartige Art und Weise einen Zugang zum eigenen Körper zu finden.

Erstaunlich finde ich immer wieder, dass sich moderne, wissenschaftliche Erkenntnisse in der Yoga-Philosophie wiederfinden lassen. Zum Beispiel besagt ein Grundsatz der systemischen Psychotherapie, dass jeder Mensch seine eigene, subjektive Realität in Abhängigkeit seines Umfelds und seiner Genetik schafft. Bei neuen Erfahrungen sucht unser Gehirn quasi wie eine Suchmaschine unterbewusst nach Erinnerungen und Infos, die dann als Schablone für Neues dienen. In einer Jivamukti-Yogaklasse habe ich einmal einen Kurs mit genau diesem Fokus miterlebt. Es ging darum, dass jedes Individuum eine eigene Vorstellung und Wahrnehmung der Realität hat. Genau deshalb spielt Individualität bei meinem Konzept eine entscheidende Rolle.“

Elisa Holderied

Was macht dein Konzept einzigartig?

EH: „Je mehr man in der Praxis mit Menschen zusammenarbeitet und individuelle Betreuung anbietet, merkt man, wie wichtig psychologisches Hintergrundwissen ist. Wir Menschen sind alle vollkommen unterschiedlich, haben andere Bedürfnisse, Fragen und Baustellen. Bei einfachYOU gibt es daher keinen festgelegten Fahrplan, denn es geht schließlich um das Individuum.

Hier werden Psyche, Yoga und Bewegung vereint. Ich bin in diesen drei Bereichen ausgebildet, habe einzeln in ihnen gearbeitet und bringe nun in meinen ganzheitlichen Ansatz von allem etwas mit. Genau das macht das Gganze so spannend. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich Menschen gegenüber psychologischen Themen besser öffnen können, wenn Bewegung dazu kommt. Wir sind oft in unserem Kopf – also im rationalen Teil – gefangen. Durch Bewegung reduzieren sich Abwehrmechanismen und selbst manipulierende Gedanken. Wir bekommen im wortwörtlichen Sinne den Kopf frei und sind empfänglicher für emotionale Themen.

Bei meiner Arbeit ist es mir außerdem immer wichtig, nicht aus meiner Perspektive zu coachen, sondern einen Perspektivwechsel vorzunehmen, was zum Beispiel wichtiger Bestandteil meiner Ausbildung als Psychotherapeutin ist.“

Für wen eignet sich ein solches Konzept?

EH: „Vor allem möchte ich die Menschen ansprechen, die Lust haben, sich mehr mit sich selbst auseinanderzusetzen. In unserer schnelllebigen und leistungsorientierten Gesellschaft haben sich viele von sich selbst entfernt und sind nicht mehr bei sich. Daraus resultiert eine Vielzahl psychologischer Erkrankungen. Wir legen den Fokus oft darauf, stark zu sein, etwas zu leisten, zu machen, zu tun und geben Gefühlen dadurch zu wenig Platz. Emotionen herauszulassen wie zum Beispiel einen Wutanfall zu bekommen, hemmungslos zu weinen oder vor lauter Lachen nicht mehr sprechen zu können gehören zu unseren Grundbedürfnissen. Werden diese nicht befriedigt, weil sie unterdrückt oder gar nicht erst zugelassen werden, entsteht Unzufriedenheit und seelisches Ungleichgewicht. Zu meinen Kunden zählen deshalb vor allem Menschen, die sich entfremdet fühlen, in einer Lebenskrise stecken, von einer psychischen Vorgeschichte verfolgt werden, oder Angstpatienten. Aber ich arbeite auch mit „normalen Leuten“, die sich beispielsweise mit einer bestimmten Frage beschäftigen, sich weiterentwickeln oder schlichtweg ganzheitlich fit werden wollen.

Übrigens: Statistisch gesehen erfüllt jeder Mensch mindestens einmal in seinem Leben die Kriterien für eine psychische Störung. Auch, wenn die meisten so tun, als wäre nie etwas gewesen, sind eine Krise, Angst und Verzweiflung völlig normal und betreffen jeden. Entscheidend ist dann, Hilfe auch zuzulassen und aus solchen schwierigen Situationen zu wachsen.“

Elisa Holderied

Wie lassen sich Yoga und Psychologie im Studio verbinden?

EH: „Ich selbst arbeite vor allem mit Einzelcoachings, mit einer hoch individuellen Betreuung. Das Verhältnis von Psychologie und Yoga wird dann je nach Wünschen und Bedürfnissen angepasst. Daneben biete ich aber auch Kurse und Workshops für Gruppen an. Hier kommt der ganz besondere Aspekt des Empowerments dazu, also diese starke Gruppenkraft. Letztens wurde ich beispielsweise von einer Frauengruppe gebucht, die ihren „Mädelsurlaub“ mit einem Kurs Yoga & Psychologie zum Thema Freundschaft eingeleitet haben.

Durch die Corona-Zeit hat sich ein ganz neues Arbeitsfeld für mich ergeben: die Online-Kurse. Einen Kurs Yoga & Psychologie kann man sich dann so vorstellen: Zu Beginn wird eine bestimmte Yoga-Haltung eingenommen und ich führe in ein psychologisches Thema ein. Das kann zum Beispiel Liebe, Bedürfnisse, innere Unruhe oder Freundschaft sein. Danach folgt ein abgestimmter Yoga-Flow, um sich dem Thema auch körperlich zu öffnen. Im letzten Drittel wird ein Ruhemoment durch eine passende meditative oder psychologische Übung geschaffen, um die Stunde abzurunden.“

Was würdest du anderen empfehlen, die eine Business-Idee in die Tat umsetzen wollen?

EH: „Am allerwichtigsten finde ich, viel mit Menschen zu reden. Zum einen muss man herausfinden, wer Interesse zeigt, um so seine Zielgruppe zu bestimmen. Zum anderen hat aber auch das Netzwerken eine enorme Bedeutung. Unterhalte dich mit Personen, die in der gleichen Situation der Unternehmensgründung stecken, oder auch mit denen, die schon dort sind, wo du noch hin möchtest.

Ein weiterer Tipp ist, nicht nur das zu machen, was man schon gut kann, sondern auch über einen Businessplan nachzudenken und sich zum Beispiel mit BWL auseinanderzusetzen. Ich habe unter anderem viel Zeit in das Thema Steuern investiert, was im ersten Moment vielleicht langweilig und nervig klingen mag, aber es ist auch ein tolles Gefühl, alles selbst in der Hand zu haben.

Letztlich muss man aber auch wissen, dass viel Arbeit dahintersteckt, ein Business auf die Beine zu stellen. Der Weg ist von einem ständigen Auf und Ab gekennzeichnet. Es gibt Tage, da frage ich mich: Was machst du hier eigentlich? Aber an anderen Tagen weiß ich ganz genau, dass es richtig ist, woran ich arbeite und dass ich mein eigenes Baby voranbringe. Niemand ist von heute auf morgen selbstständig und erfolgreich geworden, aber diesen Prozess braucht man auch als Person. Wir alle müssen erst herausfinden, was wir wirklich wollen. Wir müssen ausprobieren, Fehler machen, aus ihnen lernen und die Gewissheit finden, dass man danach mehr weiß als vorher. Genau so entsteht Entwicklung, die sich wirklich lohnen kann.“

Elisa Holderied

Elisa, wo finde ich dich und dein Angebot?

EH: „Alle wichtigen Informationen findet man auf meiner Website www.einfachyou.de, die genau wie das Konzept an sich fortlaufend erweitert wird. Außerdem habe ich einen eigenen Instagram-Kanal mit dem Titel einfachyou, der sich rund um psychologische Themen wie Yoga und Bewegung dreht.

Das Interview führte Elisa Dambeck