COVID-19, Sport und Daten – das deutsche Herz schlägt 61 mal pro Minute (in Ruhe)

Wie verändert die Corona-Krise den Sport? Diese Frage wird Prof. Dirk Brockmann beantworten als einer der ersten Referenten der 8. MEDICA MEDICINE + SPORTS CONFERENCE, die am Mittwoch und Donnerstag, den 18. und 19. November, im Rahmen der weltführenden Medizinmesse MEDICA 2020 (Laufzeit: 16. – 19. November), in Düsseldorf stattfinden wird. Die Themen der hochkarätig besetzten englischsprachigen Sportmedizinkonferenz reichen von der Weltraummedizin, dem Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) bis zu maßgeschneiderten Übungsprogrammen und Sport in Zeiten einer hoch infektiösen viralen Erkrankung wie COVID-19 oder auch vor dem Hintergrund zunehmender Umweltbelastungen.

Das erwartet die Teilnehmer

Zu Beginn der Konferenz wird Brockmann aus einer epidemiologischen Sicht Infektionskrankheiten und ihre Folgen für den Profi- sowie Freizeit-Sport beleuchten. Brockmann arbeitet an der Humboldt-Universität in Berlin und am Robert-Koch-Institut (RKI), wo er mathematische Modelle zum COVID-19-Ausbruch entwickelt. Den „Puls der Nation“, den misst das RKI dank einer Datenspende-App bereits seit Anfang April. Brockmann war an deren Entwicklung beteiligt. Die Idee: Daten von Wearables (z. B. Fitnessarmbänder und Smartwatches) können Hinweise liefern auf Symptome von COVID-19 – und das schneller, als dies den Betroffenen selbst bewusst ist. Mit Hilfe der Corona-Datenspende-App lassen sich diese Daten durch die Nutzer dem RKI zur Verfügung stellen. Zusammen mit Daten aus anderen Quellen, z. B. den offiziellen Meldedaten, helfen die Wearables-Daten der Wissenschaft, die Ausbreitung des Coronavirus besser zu erfassen und zu verstehen. Sie erstellen auf diese Weise etwa eine Landkarte, die den „Puls der Nation“ wiedergibt. Der durchschnittliche Ruhepuls in Deutschland beträgt derzeit 60,79 Schläge pro Minute (Stand 12. Juni 2020, Internet: https://corona-datenspende.de/science/reports/pulse/). Mehr als 500.000 Personen (Stand: 24. April 2020) sollen laut RKI die App bereits heruntergeladen haben. Damit wird ein Stück weit die Möglichkeit zur Datenspende vorweggenommen, die der Nutzer der kommenden elektronischen Patientenakte im Jahr 2023 erhalten soll.

Return-to-sports nach COVID-19

Obwohl niemand weiß, wie sich die Covid-19-Pandemie in den kommenden Monaten entwickeln wird: Sport in Zeiten hochinfektiöser Viruserkrankungen wird ein Thema bleiben, selbst wenn die Pandemie abebbt. Prof. Wilhelm Bloch, Leiter der Abteilung Molekulare und zelluläre Sportmedizin der Sporthochschule Köln, warnte bereits frühzeitig vor möglichen Folgeschäden einer Coronavirus-Infektion, die für Profisportler fatal sein könnten. Und Amateursportlern – insbesondere mit Symptomen – empfahl er, sich richtig durchchecken zu lassen vor dem sportlichen Neustart. Dies entspricht auch den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP) zum Sport nach einer COVID-19-Erkrankung. Vor Wiederaufnahme des Sports ohne anamnestische Hinweise sollte demnach eine Risikoanalyse auch für Freizeitsportler durchgeführt und dokumentiert werden. Diese sollte enthalten: Anamnese, Kontakt mit COVID-19 infizierten Personen oder Aufenthalt in einem Risikogebiet sowie enger Kontakt mit Risikopersonen. Nur wenn kein Risiko besteht, könne der Sport in Sportanlagen oder „Mannschaftssport“ unter Beachtung der Hygienevorgaben erlaubt werden. Im Zweifelsfall sind Tests angezeigt.

Prof. Bloch wird im November bei der MEDICA 2020 ein Update geben in Anlehnung an die sich bis dahin entwickelnde Pandemie-Situation. Da dann mit hoher Wahrscheinlichkeit noch keine flächendeckenden Impfungen durchgeführt worden sein werden, bleibt Vorbeugung entscheidend im Kampf gegen Corona. Das gilt auch für den Sport. Dr. Ulrich Jerichow, CEO, VitaScale, arbeitet an Systemen, die Teamsportler während des Spiels tragen können, um eine Infektion zu verhindern. Konkret geht es dabei um die Entwicklung eines Gesichtsschutzes, bestehend aus Silikon und Polykarbon mit Belüftung und Atemgasdiagnostik – nach Art einer flexiblen Scheibe mit Plastikumrandung und Gummibandbefestigung zur Realisation sicheren Wettkampfsports ohne Sichteinschränkung.

Auch Umweltbelastung kann tödlich sein

Ein Thema, das auch noch lange nach der Corona-Pandemie vorherrschend sein wird, ist die Umweltverschmutzung. Ende letzten Jahres schlugen Forscher der Europäischen Umweltagentur Alarm: Die Zahl vorzeitiger Todesfälle in Europa, die durch Luftverschmutzung verursacht wurden, scheint größer als bislang vermutet. Als einer der gravierendsten Verursacher für Herz-Kreislauf-bedingte Todesfälle gilt Feinstaub. Jetzt ermittelten Münsteraner Wissenschaftler, dass die Folgen von Luftverschmutzung die durchschnittliche Lebenserwartung von Europäern um 2,2 Jahre verringern und dass an Todesursachen in erster Linie Herzkreislauferkrankungen dominieren. Damit liegen die Studienergebnisse, die im European Heart Journal veröffentlicht werden, deutlich über den jüngsten Berechnungen des Global Burden of Disease (GBD) zu den Auswirkungen verschmutzter Luft. Der Direktor der Kardiologie I im Zentrum für Kardiologie der Universitätsmedizin Mainz, Univ.-Prof. Dr. med. Thomas Münzel, wird seine Ergebnisse und die Schlussfolgerungen daraus darlegen im November in Düsseldorf. Möglicherweise ist Sport unter bestimmten Umweltbedingungen sogar schädlicher als nützlich.

Passender Rahmen

Abgerundet wird die MEDICA MEDICINE + SPORTS CONFERENCE durch eine Session zu digitalen Innovationen im Sport und im Gesundheitswesen. Dazu zählen neue Trainingstools, die Messung der Körperkerntemperatur mit „Hearables“, die Perkussionstherapie und die genaue 3D-Erfassung und Analyse von Körperbewegungen mit Sensoren oder Kameradaten.

Die Liste der renommierten Konferenzpartner reicht in diesem Jahr von der Fédération Internationale de Médecine du Sport (FIMS), der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP), der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft (DVS) und dem WISS (Bundesinstitut für Sportwissenschaft), der European Federation of Sports Medicine Associations (EFSMA), über das American College of Sports Medicine (Initiative „Exercise is Medicine“) bis hin zu Firmen wie Sport Speaker, Orthogen, movX, movisens, DORNER Health IT Solutions, ledsreact, Loewi und WT Wearable Technologies.

Informationen und Programmhinweise zur 8. MEDICA MEDICINE + SPORTS CONFERENCE sind online abrufbar unter:
https://www.medica.de/mmsc1