Mehrheit will wieder genauso oft ins Studio, viele wollen die aktuelle Entwicklung noch abwarten. Droht Konkurrenz durch alternative Angebote?

Wie eine repräsentative Befragung zeigt, befürwortet die Mehrheit der Mitglieder in deutschen Fitnessstudios die Wiedereröffnungen. Zwei Drittel der Befragten geben an, „ihr“ Studio in Zukunft genau so oft wie vor der Corona-Krise aufsuchen, das gilt vor allem für die 30-65-Jährigen. Die Mehrheit will sich dabei allerdings erst einmal anschauen, wie gut die Umsetzung der geplanten Maßnahmen in den Studios funktioniert – und wohl auch, wie sich die allgemeine Lage weiterentwickelt. Ein Viertel der befragten Personen will direkt wieder mit dem Training loslegen.

Akzeptanz der Maßnahmen

DIFG e. V.

Für die Mehrheit der Mitglieder ist es entscheidend, dass die Corona-orientierten Hygiene-Maßnahmen vor Ort in den Studios korrekt umgesetzt werden. Das heißt für die Inhaber und Betreiber: Jetzt unbedingt weiter am Ball bleiben und die eigenen Mitglieder durch eine saubere Umsetzung überzeugen. Diese Personen, die sich momentan vielleicht noch nicht selbst zum Training „trauen“, wollen aber auch erreicht werden: Wie soll das funktionieren? Hier kann eine aktive Kommunikation der durchgeführten Aktion über Website und soziale Medien hilfreich sein. Damit die Mitglieder mit eigenen Augen sehen, dass sie mit gutem Gewissen wieder ins Studio kommen können. Denn lange Abwesenheitszeiten bringen natürlich auch immer ein Risiko für steigende Kündigungsraten mit sich.

Kein totaler Stillstand

Viele Studiomitglieder haben in der Phase des Shutdowns nicht komplett auf ihr Training verzichtet und z.B. auf die folgenden Aktivitäten gesetzt: Laufen, Walken sowie Fitnessübungen in Eigenregie oder kostenlose digitale Angebote. Letzteres ist überproportional häufig von den 16-29-Jährigen sowie von weiblichen Befragten benannt worden. Auf kostenpflichtige digitale Angebote setzte laut Befragung nur eine Minderheit von 8 Prozent. Die Eigeneinschätzung der Befragten, sie haben mit ihrem alternativen Training Bewegungsempfehlungen der WHO erfüllt, ist sicher eher mit Vorsicht zu genießen.

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Angst vor Konkurrenz?

Rund ein Drittel der Befragten sehen ihre Erfahrungen mit dem alternativen Training außerhalb des Studios als positiv. Droht hier Konkurrenz für die Studios?

Nicht unbedingt, es kommt jetzt vielmehr darauf an, wie man mit dieser Entwicklung umgeht. Positiv zu bewerten ist schon mal der Umstand, dass die Mehrheit der genutzten Angebote kostenlos war. Eine Kaufentscheidung im klassischen Sinne war damit also nicht verbunden, die nun zu einer Abkehr vom Studiotraining hätte verleiten können. Auch die geäußerte Motivation, mit dem alternativen Training weitermachen zu wollen, ist nicht als negativ zu beurteilen. Denn immer mehr Experten gehen davon aus, dass „nur“ ein Erfüllen der von der WHO geforderten 150 Minuten (moderater) körperlicher Aktivität pro Woche kaum ausreicht, um uns lange fit zu halten. Vielmehr ist es notwendig, körperliche Aktivität möglichst täglich ins Leben zu integrieren. Das gilt insbesondere für Personengruppen, die beruflich und/oder familiär stark eingespannt sind, Ältere und Menschen mit gesundheitlichen Risikofaktoren wie Übergewicht und Bewegungsmangel.

Auch wirtschaftlich betrachtet ist der zunehmende Wunsch nach MEHR Bewegung wünschenswert. Gerade sportliche Menschen bleiben eher bei der Sache und beim Training, integrieren Sport aktiv in ihren Lebensstil und wollen aus eigenem Interesse aktiv bleiben.

„Angst“ vor Abwanderung zu alternativen Angeboten könnte dort berechtigt sein, wo die Studio-Mitglieder unzufrieden mit der bisherigen Leistung sind. Und in den Fällen, in denen aufgrund von Kurzarbeit und anderen Faktoren bei den individuellen Ausgaben gekürzt werden muss. Hier gilt es durch Service und Qualität zu überzeugen, für spezielle Personengruppen können (zeitweise) Sonderregelungen und Sparangebote hilfreich sein. Denn nicht zu vergessen: Wer mehr Zeit zuhause verbringt, hat eigentlich auch mehr Zeit, sich sportlich zu betätigen. Wenn ihm bzw. ihr Angebote gemacht werden, die individuell überzeugen UND finanzierbar sind.

So mag vielleicht der ein oder andere, der eh schon kündigen wollte, auf kostenfreies Alternativtraining umsteigen, eine breite Mehrheit dürfte das eher weniger verlocken. Außerdem ist die positive Erfahrung mit alternativen (Outdoor-)Angeboten eine perfekte Möglichkeit, das eigene Studio-Portfolio zu erweitern, beispielsweise durch Laufgruppen für die Mitglieder oder zusätzliches Outdoor-Training z.B. als Functional Trainings-Classes. Werden solche Angebote gut kommuniziert, können sogar Zusatzeinnahmen möglich werden.

Ergebnisse im Überblick

  • Eine klare Mehrheit der Befragten befürwortet die Wiedereröffnung der Fitnessstudios mit Einschränkungen und Maßnahmen zum Gesundheitsschutz. Dies gilt insbesondere für Mitglieder in Fitnessstudios mit einem Monatsbeitrag von 45 € und mehr.
  • Nur ein gutes Viertel der Befragten hat die Absicht, das Fitnessstudio unmittelbar wieder aufzusuchen. Alle anderen wollen sich die umgesetzten Maßnahmen zunächst anschauen und dann entscheiden, ob sie das Studio wieder besuchen, bzw. planen allgemein, das Fitnessstudio erst später oder vereinzelt sogar gar nicht mehr aufzusuchen.
  • Die mit Abstand am häufigsten gewünschte Top-Maßnahme zum Gesundheitsschutz ist das regelmäßige Desinfizieren der Geräte durch das Personal der Fitnessstudios.
  • Danach folgt ein Bündel von ähnlich oft gewünschten Maßnahmen: die Beschränkung der Besucheranzahl, die Einhaltung des Mindestabstandes von 1,50 m, die Möglichkeit zur eigenständigen Geräte-Desinfektion, das verpflichtende Händewaschen nach der Ankunft im Studio sowie die Einrichtung eines Abstandes zwischen den Geräten.
  • Der Großteil der Befragten würde die Masken-Pflicht im gesamten Studio und die Schließung aller Umkleiden als besonders inakzeptabel empfinden. Mehr als jede dritte Person lehnt ein Verbot hoch intensiver Trainingsübungen ab.
  • Zwei Drittel der Befragten werden das Studio in Zukunft genau so oft wie vor der Corona-Krise aufsuchen, das gilt vor allem für die 30-65-Jährigen. Jüngere Mitglieder im Alterssegment 16-29 Jahre sind hier teilweise ambivalent: Jeweils rund ein Fünftel plant, das Fitnessstudio in Zukunft häufiger bzw. seltener aufzusuchen.
  • Die meisten Befragten haben sich während der Corona-Krise mit Laufen, Walken, Fitnessübungen in Eigenregie oder kostenlosen digitalen Angeboten fit gehalten. Letzteres ist überproportional häufig von den 16-29-Jährigen sowie von weiblichen Befragten genutzt worden.  Auf kostenpflichtige digitale Fitnessangebote sind nur 8 Prozent der Befragten ausgewichen.
  • Nur rund ein Drittel der Befragten mit alternativen Fitnessoptionen ist überzeugt vom Alternativtraining, fast ebenso viele – insbesondere Ältere – zeigen sich eher enttäuscht davon. Dennoch planen 73 % der Befragten, das während der Corona-Krise aufgenommene Alternativ-Training auch nach der Wiedereröffnung beizubehalten.
  • Mehr als die Hälfte der Befragten hat es laut eigener Aussage auch während der Corona-Krise geschafft, mindestens eine der WHO-Empfehlungen einzuhalten.

Das steckt dahinter

Die Umfrage wurde im Auftrag des Deutschen Industrieverbandes für Fitness und Gesundheit (e.V.) durchgeführt. Bei der Befragung ging es darum, die Einstellung der Mitglieder hinsichtlich einer Wiedereröffnung während bzw. nach der Corona-Krise zu erheben. Mit dem Ziel, den Betreibern von Fitnessstudios konkrete Empfehlungen hinsichtlich der einzuleitenden Maßnahmen zum Gesundheitsschutz an die Hand geben zu können. Hierzu wurden 1.000 Online-Interviews mit Personen im Alter zwischen 16 und 65 Jahren geführt, die Mitglieder in Fitnessstudios sind und mindestens quartalsweise ins Studio zum Training gehen.

Hier geht´s zum Download der Befragungsergebnisse.

Quelle: DIFG e.V.

 

 

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