Die Studie „Erwerbsarbeit in Zeiten von Corona“ zeigt, wie stark die Belastung für erwerbstätige Eltern ist, vor allem für die Mütter…

Wenn von der Generation Corona gesprochen wird, richtet sich der Blick oft auf Schulabgänger und Auszubildende. Und es stimmt: Beim Wechsel von der Schule in den Beruf bringt die Krise große Probleme mit sich. Aber ist das die Personengruppe, die individuell am meisten unter den Folgeerscheinungen der Krise leidet, vor allem in der Zukunft leiden wird? Wie die Studie „Erwerbsarbeit in Zeiten von Corona“ zeigt, könnten das eher erwerbstätige Eltern sein, vor allem – und das überrascht nicht– Frauen und Mütter.

Eltern unter Druck

Homeoffice, Kinderbetreuung und Home-Teaching – und die Partnerschaft bitte nicht vernachlässigen, die unter erschwerten Bedingungen auch „funktionieren“ soll. Erwerbstätige Eltern sehen sich einer Situation ausgesetzt, die erheblichen wirtschaftlichen und emotionalen Druck aufbaut.

Im Vergleich zu Kinderlosen arbeiten Mütter und Väter laut Studie in der jetzigen Situation deutlich häufiger mit reduziertem Stundenumfang. Dabei ist bei den Eltern die Zufriedenheit mit der eigenen Situation noch stärker zurückgegangen als bei Kinderlosen: bei Müttern sogar noch mehr als bei Vätern. Die Soziologin Mareike Bünning bringt das wie folgt auf den Punkt: „Vor allem Mütter üben aktuell zwei Jobs gleichzeitig aus und da bleibt immer etwas auf der Strecke. Das schlägt sich dann in der Zufriedenheit nieder.“

Frauen auf dem Abstellgleis?

Immer noch liegt der Großteil der Mehrbelastung – nun noch verstärkt durch Homeoffice und Heim-Lernen – in den meisten Fällen bei den Müttern.

Drohen unsere weiblichen Fach- und Führungskräfte an Herd und Wiege zu versauern? Das wäre vielleicht eine etwas überzogen harte Schlussfolgerung. Aber: Mit der Dauer der Auszeit aus dem aktiven Berufsleben z.B. durch Kurzarbeit steigt auch das Risiko für finanzielle Verluste in der Zukunft. Wenn beispielsweise Chancen für die berufliche Weiterentwicklung nicht genutzt werden, der Abteil der Teilzeitarbeit unter Frauen weiter zunimmt etc.

Und darf sich eine Gesellschaft erst einmal daran gewöhnt, dass Frauen im Notfall zuhause bei Heim, Herd und Kindern bleiben? Wie würde es dann künftig weitergehen mit der gesellschaftlichen Teilhabe und ökonomischen Emanzipation? Vergessen wir dabei nicht: Deutschland liegt bei der gelebten Gleichberechtigung auch ohne Corona nicht gerade auf einem der vordersten Plätze. Wir befinden wir uns laut dem Gender Gap Report 2020 nur auf Rang 10, hinter Ländern wie Nicaragua und Ruanda. Es lohnt sich also aus gesamtgesellschaftlicher Sicht, die Situation der erwerbstätigen Eltern in Deutschland, insbesondere der Mütter, im Blick zu behalten.

Hinweis: Die Autorin (Sabine Mack) ist bekennende Nicht-Mutter.

 

Weitere Informationen

Bericht zur Studie von den Kollegen des ZDF

Ergebnisse der Studie „Erwerbsarbeit in Zeiten von Corona