Was können wir jetzt gegen eine zweite Infektionswelle tun? Infektionsschutzhelfer werden gesucht und ausgebildet…

Das gesellschaftliche Leben in Deutschland ist auf dem Weg zurück in Richtung Normalität. Die Kontaktvorschriften werden gelockert, und die meisten während des Lockdowns geschlossenen Unternehmen nehmen ihre Geschäftstätigkeit wieder auf.

Das fühlt sich gut an, hat jedoch einen Haken, denn: Es droht eine zweite Infektionswelle – auch weil sich in den kommenden Wochen in das Verhalten vieler Menschen eine gewisse Nachlässigkeit einschleichen wird:

·     „Ach, das mit dem Mindestabstand halten, ist doch nicht so wichtig.“

Oder:

·     „Was die Maske bringt, ist ohnehin umstritten. Also weg mit dem lästigen Ding.“

Kein Bock auf Maske – das freut Corona

Eine solche Entwicklung ist menschlich verständlich, doch: Würde eine zweite Infektionswelle aufflammen und käme es zu einem erneuten Lockdown, würde dies für viele Unternehmen das endgültige wirtschaftliche Aus bedeuten. Außerdem wäre das Resultat eine noch weit stärkere Rezession, als diejenige, die uns ohnehin erwartet.

Das gilt es zu vermeiden. Deshalb haben Inhaber mittelständischer Unternehmen Anfang April, als die Diskussion über eine mögliche Lockerung des Lockdowns aufkeimte, die Initiative „Deutschland sucht eine Million Infektionsschutzhelfer!“ ins Leben gerufen. Sie möchte einen substanziellen Beitrag dazu leisten, eine zweite Corona-Welle zu verhindern.

Macht der Unternehmen im Kampf gegen Corona

Dahinter steckt folgende Überlegung: Betriebe sind Orte der Begegnung von Menschen unterschiedlichster Herkunft. Mitarbeiter treffen und kommunizieren dort nicht nur mit Kollegen, sondern auch Kunden und Lieferanten. Deshalb sind sie auch Orte, die potenziell einen Beitrag zur Verbreitung des Corona-Virus leisten, zumal beispielsweise deren Mitarbeiter nach Feierabend wieder getrennte Wege gehen. Zugleich sind Betriebe jedoch Orte, an denen man den Menschen, die sich dort befinden, gewisse Infektionsschutzmaßnahmen verbindlich vorschreiben kann – nicht um sie zu gängeln, sondern um das Gemeinwohl zu schützen.

Vor diesem Hintergrund entstand die Idee, in den Unternehmen Infektionsschutzhelfer zu etablieren,

·     die Infektionsrisiken wahrnehmen und erkennen,

·     die Arbeit (mit ihren Kollegen) dort so organisieren, dass Infektionen verhindert werden, und

·     im Dialog mit ihren Kollegen, deren Bewusstsein dafür schärfen, warum gewisse Schutzmaßnahmen sinnvoll und nötig sind.

Schutzhelfer erachten die Organisatoren der Initiative auch als wichtig, weil die Top-Entscheider in den Unternehmen nach Aufhebung des Lockdowns sehr viele wichtige und dringliche Dinge erledigen müssen, um den normalen Geschäftsbetrieb wieder ans Laufen zu bringen. Also benötigen sie Unterstützer, die ihnen im Arbeitsalltag gewisse Aufgaben im Bereich Infektionsschutz abnehmen – selbst wenn sie persönlich weiterhin verantwortlich hierfür zeichnen.

Online-Schulung und -Analyse

Deshalb riefen die Initiatoren der Mittelstandsinitiative, der inzwischen über 100 Klein- und Mittelunternehmen bzw. KMU angehören, in den letzten Wochen die Webseite https://infektionsschutzhelfer.de/ ins Leben.

Hier können sich Interessierte in einer interaktiven Online-Schulung kostenlos zu Infektionsschutzhelfern ausbilden lassen. In der Ausbildung lernen sie in etwa 20 Minuten die wichtigsten Grundsätze der Arbeitssicherheit und des Infektionsschutzes kennen, und nach einer bestandenen Prüfung erhalten sie ein Zertifikat als Infektionsschutzhelfer.

Auf der Webseite können Unternehmen zudem in 10 Minuten analysieren, wie hoch die Infektionsgefahr an ihren Arbeitsstätten ist. Das ist wichtig, denn nach § 5 ArbSchG sind Arbeitgeber dazu verpflichtet, potenzielle Gefährdungen für ihre Mitarbeiter zu identifizieren und Maßnahmen zur Senkung der Risiken einzuleiten. Auf Basis verschiedener Fragen werden den Unternehmen individuelle Schutzmaßnahmen vorgeschlagen.

Zudem werden ihnen und den ausgebildeten Infektionsschutzhelfern auf der Homepage kostenlos Muster-Betriebsanweisungen als Download zur Verfügung gestellt. Diese lassen sich leicht dem Bedarf des jeweiligen Unternehmens anpassen und mit ihnen können die Infektionsschutzhelfer ihr Wissen aus der Ausbildung sofort umsetzen.

Die von der Aktionsgemeinschaft entwickelte Schulung und die Gefährdungsbeurteilung orientieren sich am SARS-COV-2-Arbeitsschutzstandard des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales.

Bereits über 13.000 Infektionsschutzhelfer

Die Aktion läuft seit Ostern, und inzwischen haben sich mehr als 13.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von rund 1.000 Unternehmen zu Infektionsschutzhelfern ausgebildet. Und viele Freiberufler, insbesondere solche mit Publikumsverkehr, wie Physiotherapeuten, Rechtsanwälte und Fotografen haben ihre Zertifikate auf ihrer Homepage veröffentlicht – auch als vertrauensbildende Maßnahme für ihre Kunden.

Doch die Mittelstandsinitiative „Deutschland sucht eine Million Infektionsschutzhelfer!“ will mehr. Sie möchte, dass an jeder Arbeitsstätte mindestens ein Infektionsschutzhelfer (m/w) existiert, der/die zum Beispiel sagt:

·          „Stopp! Wir sollten unsere (Zusammen-)Arbeit anders organisieren, damit wir uns nicht anstecken.“ Oder:

·          „Achtung! An dieser Stelle besteht eine erhöhte Ansteckungsgefahr!“

Dabei geht es nicht nur darum, neue Infektionsherde zu vermeiden, sondern auch das Bewusstsein aller Mitarbeiter für Infektionsrisiken zu stärken, denn: Nur so können die Unternehmen gemeinsam eine zweite Infektionswelle verhindern – zumindest eine Welle, die von Betrieben ausgeht.

Quelle: https://infektionsschutzhelfer.de/