Durch Ausgangsbeschränkungen und verstärkte Arbeit im Home-Office verbringen Paare derzeit mehr Zeit miteinander als sonst…

So schön die gemeinsamen Tage sein können, gleichzeitig steigt so das Risiko für Konflikte. Hier ein paar Tipps und Hinweise, wie man sich nicht den ganzen Tag „auf den Keks“ geht:

Aufgaben und Wünsche reflektieren

Jeder ist nicht nur Teil eines Paares, sondern auch ein Individuum mit eigenen Ansichten, Erfahrungen, Freundschaften etc. Es ist wichtig, die Verantwortung für das eigene Wohlergehen primär bei sich selbst zu sehen und nicht den Partner dafür verantwortlich zu machen. Jeder sollte sich daher über seine eigenen Aufgaben und Wünsche bewusst werden.

Tages- und Wochenplan abstimmen

Es ist sinnvoll, etwa zu Beginn jeder Woche oder beim täglichen Frühstück das Gespräch mit dem Partner zu suchen und einen Tagesablauf oder Wochenplan zu entwickeln, der beide fair berücksichtigt. Zum Beispiel gehört dazu die Planung der Berufstätigkeit/Home-Office und die dafür nötigen Zeiten und Ressourcen, die notwendigen Erledigungen (Einkaufen?) sowie die Wünsche nach Freizeit (Bewegung? Musik? Telefonieren?).

Wichtig könnte dabei z.B. Fragen sein wie:

  • Wer benutzt wann welches Zimmer?
  • Verkraftet die Netzkapazität zwei Videokonferenzen gleichzeitig – oder wie könnte man dies lösen?
  • Wann sollen die Mahlzeiten stattfinden?
  • Wer kocht?
  • Wie wird der Abend gestaltet?

Wenn die Pläne nicht mehr gut passen, dann ändern Sie sie ab – in gemeinsamer Absprache natürlich!

Gemeinsame und individuelle Zeit

Wichtig ist es, sowohl gemeinsame Zeiten als auch Zeiten für jeden allein vorzusehen. Es ist hilfreich, bewusst Zeit auf schöne Weise miteinander zu gestalten – und dabei z. B. an frühere Gemeinsamkeiten anzuknüpfen: lange Wanderungen mit Picknick, gemeinsames Musik hören oder Filme ansehen, Fotobücher von gemeinsamen Urlauben gestalten, etc.

Auch gemeinsam Neues auszuprobieren ist möglich, z. B. online ein Museum besuchen oder einen Internet-Tanzkurs machen. Auch Zeit für Zärtlichkeit und Sexualität gehört dazu.

Gerade wenn man viel Zeit (mehr) zusammen verbringt, werden Unterschiede in den Vorlieben und Bedürfnissen sichtbar, die respektiert werden müssen. Einer erholt sich vielleicht besser bei einem Workout im Wohnzimmer, während der Andere gerne mit nahe stehenden Menschen telefonieren möchte. Es ist wichtig, nach Möglichkeiten zu suchen, wie jeder etwas Freiraum auch ohne Partner pflegen kann.

Miteinander reden

Der Partner kann nicht wissen, was einen beschäftigt, was man sich wünscht oder was einen stört, wenn wir es nicht aussprechen! Eine gute Möglichkeit ist ein Ritual „Wir hören uns zu“, z. B. 20 Minuten jeden Abend oder alle paar Tage. Wichtig ist der offene Austausch: Wie ging es mir heute? Was hat mich belastet? Worüber habe ich mich gefreut? Was wünsche ich mir anders? Auch Enttäuschungen und Ärger können angesprochen werden. Wichtig ist dabei, zunächst gut zuzuhören, bevor man die eigene Sichtweise schildert.

Nicht auf die Goldwaage legen

Diese Zeit der Ungewissheit und der Sorge ist anstrengend. Vieles Schöne und Erholsame ist nicht möglich, und es gibt kein klar definiertes Ende. Das raubt Kraft, kann müde, traurig oder nervös machen und auch zu Spannungen miteinander führen. Haben Sie Verständnis für Ihren Partner und für missmutige Gefühle, auch wenn ihm oder ihr die Wortwahl mal nicht so gut gelingt.

Wut und Aggression

Wenn Ärger zu Wut wird: Unterbreche die Situation! Sag dir „Stopp“, geh aus dem Zimmer, geh ins Bad, geh eine Runde um den Block, ruf Freunde an oder die Telefonseelsorge. Setzt euer Gespräch erst fort, wenn die Erregung abgeklungen ist.

Kontakte außerhalb

Paare sollten nicht nur miteinander, sondern auch mit anderen Menschen im Austausch sein. Es ist wichtig, nicht nur die Arbeitsbeziehungen zu pflegen, sondern auch zur Familie, zum Freundeskreis, zu Kumpels oder Freundinnen den Kontakt aufrecht zu erhalten. Das geht über Chats, Telefon- oder Videokonferenzen. Manches geht gemeinsam, andere Kontakte möchte vielleicht jeder für sich pflegen – das ist okay!

Struktur für den Tag

Trenn Arbeit und Freizeit, Wochentag und Wochenende. Das bedeutet auch: Pflege dich, achte auch zu Hause auf dich und deine Kleidung

Streit ernst nehmen

Wenn die Streitigkeiten sehr häufig oder sehr intensiv sind, sollte man das Signal ernst nehmen. Helfen können hier „Konfliktgespräche“. Dabei geht es zunächst darum, die eigenen Gefühle beim Ansprechen der Probleme herauszuarbeiten (Was genau stört mich? Welche Gedanken/Gefühle habe ich? Wodurch kommen sie zustande?). Im nächsten Schritt werden die Bedürfnisse und Wünsche herausgearbeitet (Was wünsche ich mir? Was wünscht sich mein/e Partner*in?). Danach gilt es, die Änderungswünsche zu spezifizieren (Wie könnten wir eine Änderung erreichen? Was wünscht sich jede/r vom/von der Anderen genau? Was kann jeder selbst dazu beitragen?). Abschließend geht es darum, gemeinsam aus den spezifischen Vorschlägen eine praktikable und für beide faire Lösung zu erarbeiten. Diese kann man auch schriftlich festhalten.

Wer dazu mehr wissen möchte, „Klassiker“ zum Thema sind z. B. „Wie redest Du mit mir? Fehler und Möglichkeiten in der Paarkommunikation“ (Engl & Thurmaier) oder: „Gute Beziehungen: Wie sie entstehen und stärker werden“ (Thomas Gordon).

Je nach Intensität des Themas macht es Sinn, über eine Paartherapie nachdenken – rechtzeitig!

Abstand und Zeit

Es ist wichtig, dem Partner keine Vorwürfe zu machen („Du störst mich“), sondern die eigenen Befindlichkeiten anzusprechen („Ich brauche Zeit für mich allein“). Hilfreich kann es sein, Lösungsvorschläge einzubringen und ggf. dem/der Partner*in etwas anzubieten („Ich übernehme dann …“).

Gute Kommunikationsregeln gibt es z. B. im Buch „Miteinander reden“ Band 1 (Schulz von Thun).

Paar sein, nicht nur Eltern

Das ist wirklich eine Herausforderung. Viele Familien entdecken gemeinsame Aktivitäten mit den Kindern, bei denen auch beide Eltern Spaß haben, z. B. Spieleabende, gemeinsames Kochen, Backen oder Heimwerken. Für die Zeit zu zweit bleiben den Eltern oft nur „Nischen“ im Tagesablauf. Für die Eltern jüngerer Kinder ist es empfehlenswert, die Zeit zu nutzen, wenn die Kinder im Bett sind. Die Eltern älterer Kinder können z. B. Spaziergänge ohne die Kinder unternehmen oder in Abstimmung mit ihren Kindern auch mal freie Zeit „nur für sich“ organisieren.

Keine überstürzten Entscheidungen

Es ist möglich, dass Paare genau jetzt merken, dass sie sich nichts mehr zu sagen haben. Generell gilt: Schwerwiegende Entscheidungen sollte man nicht überstürzen und möglichst nicht in einer Ausnahmesituation treffen. Das erzwungene Zusammensein kann auch eine Chance bedeuten, miteinander ins Gespräch zu kommen oder sich die Freizeit bewusst schön zu gestalten, anstatt sich aus dem Weg zu gehen.

Quelle: www.dptv.de