Wenn Mitglieder nicht ins Studio können, kommt das Studio zu den Mitgliedern

Ob es um das Trainingsvideo für die eigenen Mitglieder geht oder einen Werbeclip für Facebook: Damit rechtlich nichts schief geht, sollte man ein paar Aspekte im Blick haben.

Welche das sind, verrät uns Rechtsanwältin Julia Ruch. Die aktive Triathletin hat eine Kanzlei in Ulm, die auf Rechtsfragen im Sport- und Fitnessbereich spezialisiert ist.

Persönlichkeitsrechte beachten

Bei der Frage, wer in einem Video zu sehen sein darf, ist das Persönlichkeitsrecht maßgeblich. Jeder darf frei entscheiden, ob und wie er sich in der Öffentlichkeit präsentieren möchte. Daher benötigst du für die Produktion und die Veröffentlichung das Einverständnis jeder beteiligten Person. Am besten lässt du dir die Einwilligung schriftlich geben – für den Fall, dass es später zum Rechtsstreit kommt. Wer nicht einverstanden ist, muss unkenntlich gemacht werden. Am unkompliziertesten ist es jedoch, vorher genau Rücksprache mit allen Beteiligten zu halten.

Sollten Mitarbeiter des Studios vor der Kamera stehen, solltest du dir von dem Mitarbeiter unbedingt eine schriftliche Einwilligung für die Veröffentlichung und die Nutzungsdauer des Videos einholen. Nur so kann das Video weiter genutzt werden, auch wenn das Arbeitsverhältnis mit dem Mitarbeiter beendet wird. Ein Widerruf der Einwilligung ist dann nur möglich, wenn das Video das Persönlichkeitsrecht des Mitarbeiters verletzt.

Eine Ausnahme zur Einwilligung gilt für Menschen, die zufällig im Video erscheinen, weil sie beispielsweise über die Wiese laufen, wo du gerade das Yoga-Video aufnimmst.

Sonderfall Livestreams

Livestreams sind Echtzeitübertragungen, zum Beispiel über soziale Medien. Grundsätzlich gelten hier zwar die gleichen rechtlichen Vorgaben wie für alle anderen dauerhaft im Internet abrufbaren Videos, dennoch gibt es einige Besonderheiten – und die sind wichtig.

Da Livestreams in der Regel nur zu dem Zeitpunkt abgerufen werden können, zu dem sie übertragen werden, sind sie juristisch gesehen mit dem klassischen Fernsehen vergleichbar. Daher gelten hier zusätzliche Regelungen speziell für dauerhaft abrufbare Inhalte. Um zum Beispiel die freie Meinungsbildung zu gewährleisten, benötigt man eine Zulassung durch die Landesmedienanstalten in Form von Rundfunk- oder Sendelizenzen.

Solchen Lizenzen werden immer dann notwendig, wenn der Livestream potenziell mehr als 500 Personen gleichzeitig erreichen kann. Ob tatsächlich 500 und mehr Leute zuschauen, spielt dabei keine Rolle. Daher erlauben bestimmte Server maximal 499 gleichzeitige Aufrufe. Die Lizenzpflicht entfällt übrigens, wenn die Landesmedienanstalt einem Antrag einer rundfunkrechtlichen Unbedenklichkeitsbescheinigung stattgibt.

Erfolgt der Livestream in fremden Räumlichkeiten, muss erst eine entsprechende Erlaubnis eingeholt werden. Andernfalls können Eigentümer beziehungsweise Mieter vom Hausrecht Gebrauch machen, was zur Folge haben kann, dass man auf Unterlassung verklagt werden kann und der Stream gelöscht werden müsste.

Urheberrecht

Auch auf Video-Plattformen gilt das Urheberrecht. Daher sollte man, um auf Nummer Sicher zu gehen und nur Videos hochladen, die man selbst gefilmt und aufgenommen hat.

Das Urheberrecht gilt auch für die verwendete Hintergrundmusik. Am besten erwirbt man für die Musiknutzung eine Lizenz, denn auch lizenzfreie Musik ist oftmals nicht für die kommerzielle Nutzung freigegeben. Achtung: Auch wenn man im Video nicht direkt Werbung machst, reicht es für die Annahme einer kommerziellen Nutzung aus, wenn das Logo des Studios erkennbar ist.

Manche Videoplattformen bieten einen Editor an, mit dessen Hilfe man Musik zur Tonspur hinzufügen kannst. Diese wird direkt von den Plattformen legal zur Verfügung gestellt. Alternativ gibt es verschiedene andere Plattformen, auf denen man Musikstücke mit den entsprechenden Lizenzen kaufen kann. Die Kosten für eine Lizenz liegen je nach Anbieter bei circa 65 Euro.

Und die Konkurrenz?

Studio A macht ein Video zu Kniebeugen. Unabhängig davon macht auch das Studio B zum gleichen Thema einen Videoclip. Ist dies bereits eine Urheberrechtsverletzung?

Im engeren Sinne schützt das Urheberrecht vornehmlich geistiges Eigentum aus Literatur, Wissenschaft und Kunst. Daher ist die Gefahr einer Abmahnung und Schadensersatzforderungen bei Sportvideos nicht all zu hoch. Um jeglichen Streitigkeiten vorzubeugen, solltest du jedoch auf die 1:1 Übernahme von Übungsabfolgen von Influencern oder bekannten Persönlichkeiten verzichten.

Auch bestimmte Choreografien oder Bewegungsabläufe können geistiges Eigentum von jemanden sein. Kommt es zu Plagiatsvorwürfen, beschäftigen sich die Juristen meist mit der Frage, ob eine sogenannte „Kernbewegung“ existiert und ob die Bewegungsabfolge ähnlich einer Melodie ist, die dann dem Schutz des Urheberrechts unterliegt.

Gut zu wissen: Sobald die Abfolge der Bewegungen in ein eigenes Programm integriert wird, spricht man von einer Bearbeitung. Diese ist wiederum erlaubt ist, da dann zumeist ein neues Werk geschaffen wird.

So sicherst du dich ab

Unfälle passieren. Dies ist natürlich auch bei Fitnessübungen nicht ausgeschlossen – erst recht nicht, wenn die professionelle Anleitung aus der Ferne und eben nicht „live“ stattfindet wie im Studio.

Indem du alles unternimmst, um Verletzungsgefahr beim Ausführen der Übungen gering zu halten, kannst du dein Haftungsrisiko reduzieren. Ein probates Mittel sind etwa Hinweise im Video, die die Mitverantwortung des Teilnehmers steigern.

Richtet sich dein Video an Sportanfänger, solltest du die Zuschauer darauf hinweisen, auch zuhause auf geeignete Übungsbedingungen zu achten. Sinnvoll ist beispielsweise ist der Tipp, für eine rutschfeste Trainingsmatte und zum Beispiel gute Trainingsschuhe zu sorgen. In Ratgebervideos muss der Hinweis erfolgen, dass die gezeigten Inhalte keinen Ersatz für eine persönliche medizinische oder psychologische Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch einen approbierten Arzt darstellen. Wichtig ist auch der Hinweis, dass es sich bei den Ratschlägen und Anleitungen nicht um Heilversprechen, sondern um die persönliche Meinung des Erstellers handelt und du deshalb keine Erfolgsgarantie geben kannst.

Bei Bewegungskursen solltest du außerdem darauf hinweisen, dass die Zuschauer neben dem Training zuhause Kursbesuche oder eine persönliche Beratungsstunde bei einem Studio beziehungsweise Trainer buchen sollten, sobald dies wieder möglich ist, damit eventuelle Fehlhaltungen korrigiert werden können.

Max Kreuzer

 

Über die Expertin

Julia Ruch

Als Rechtsanwältin ist Julia Ruch seit 2015 auf die Beratung von Dienstleistern aus dem Bereich Freizeit und Sport spezialisiert. Die aktive Sportlerin kümmert sich um alle rechtlichen Belange von Trainern, Studioinhabern und Veranstaltern von Sportevents und Camps, damit diese es nicht müssen und trotzdem abgesichert und erfolgreich sind. Julia Ruch ist Inhaberin der aktivKANZLEI.
Kontakt: j.ruch@aktivkanzlei.de