In den sozialen Netzwerken geht die Meldung umher, dass in Schweden eine Fitnesskette wiedereröffnet hat. Aus dem Kontext gerissen scheint es, dass in Schweden Fitness-Studios nach einer Schließung wegen Corona wiedereröffnet werden. Dem ist aber nicht so.

Aktuell geht in den sozialen Netzwerken die Meldung herum, dass in Schweden eine Fitnesskette wiedereröffne. Diese Meldung ist schwer einzuordnen, da vielen das Hintergrundwissen fehlt. Aus dem Kontext gerissen könnte man meinen, dass in Schweden Fitness-Studios nach einer Schließung wegen Corona wiedereröffnet werden. Dem ist aber nicht so.

So war es wirklich

Unsere Kollegen von der Leistungslustredaktion haben beim ARD angefragt und  konnten den Sachverhalt aufklären. Die Fitness-Studiokette SATS zählt zu einer der größten Fitnessketten in Skandinavien. Auf freiwilliger Basis schlossen diese auf Grund der aktuellen Corona-Krise vor etwa zwei Wochen ihre Studios „zum Schutze der Kunden“ in Schweden, aber auch in Dänemark und Norwegen. Heute hat die Fitnesskette nun wiedereröffnet, da von Seiten der schwedischen Behörden keine Anordnung für eine Schliessung vorlag und auch nicht vorliegt.

Die Fitnesskette hat mit der Eröffnung in Schweden gewissen Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Fitnesskurse für Senioren stehen zum Beispiel nicht auf dem Programm. Gruppenkurse im Allgemeinen finden mit einer reduzierten Teilnehmeranzahl statt und einige Trainings wurden nach draußen verlegt. Auch die Reinigungsfrequenz in den Studios wurde erhöht.

Situation in Schweden

In Schweden ist der Umgang mit dem Corona-Virus ein anderer als in Deutschland und dem Rest von Europa. Zwar hat das Land die Grenzen geschlossen, das öffentliche Leben ist allerdings gering eingeschränkt. So sind etwa Veranstaltungen/ Versammlungen mit bis zu 500 Personen weiterhin erlaubt. Der Restaurantbetrieb geht mit geringen Einschränkungen weiter. Cafes, Kneipen und Speiselokale dürfen weiterhin Gäste empfangen, solang die Kundschaft an Tischen bedient wird. Der Verzehr von Speisen und Getränken an der Bar ist untersagt. Schulen sind weiterhin geöffnet, es gibt lediglich die Empfehlung an Hochschulen Vorlesungen einzustellen; Gymnasien sollen einen Fernunterricht in Betracht ziehen.

Empfehlungen der schwedischen Gesundheitsbehörde

Die Gesundheitsbehörde empfiehlt Risikogruppen wie älteren Menschen oder Personen mit Vorerkrankungen zu Hause zu bleiben. Für den Rest gilt keine Ausgangsbeschränkung. Der schwedische Epidemiologe John Giesecke arbeitet für die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Er sagte im öffentlich-rechtlichen Fernsehen des Landes: „Zu Hause zu sitzen ist schlecht für die Gesundheit“ und ermutigte so die Bevölkerung vor die Tür zu gehen. Der stellvertretende Staatsepidemiologe Anders Wallensten bekräftigte diese Aussage. Auf einer Pressekonferenz soll er sich für eine „gute öffentliche Gesundheit“ ausgesprochen haben. Auf der offiziellen Webseite zur schwedischen Krisenintervention steht, dass Training, Spiele und lokale Wettkämpfe aufgrund der Epidemie nicht abgesagt werden müssen. Turnhallen, Schwimmbäder und Sporthallen könnten ebenfalls geöffnet bleiben. Die schwedische Bevölkerung sieht den aktuellen Umgang mit der Situation als kontrovers an.

Sabrina Harper

Quellen

ARD Studio Stockholm
Leistungslust Online