Die Unternehmen der Fitnessbranche waren lange außen vor, wenn es um das Thema Wiederöffnung ging. Es galt wohl eher das Prinzip Hoffnung: Wenn wir uns still stellen, dann rutschen wir vielleicht bei der ersten Welle der Öffnungen mit durch. Das war nicht der Fall. Studios wurden vielmehr als belanglose Freizeitbetriebe eingestuft, mancherorts mit Bordellen in eine Ecke gestellt.

Es kam Action auf in der Branche. Viele teils recht unterschiedliche Stimmen und Tonarten wurden laut – richtig laut. Aus dem Wunsch, Gehör zu finden, wurde eine babylonische Sprachverwirrung. 

Und dann gelang etwas, auf das die Branche lange gewartet hatte! Unter dem Motto #GesundheitBrauchtFitness fanden Studios und Industrie zusammen. Mit dem Ziel, die Interessenten der Branche gemeinsam und wirkungsvoll zu vertreten. Schnell wurde klar: Es geht weniger um die Begründung der eigenen wirtschaftlichen Potenz. Gesundheit, das ist das schlagende Argument. Wenn wir es schaffen, den tatsächlichen, gesundheitlichen Nutzen des Trainings greifbar zu machen, dann sind wir GESUNDHEITSrelevant. Und genau darum wird es in Zukunft gehen. Dann hat die Fitnessbranche in Deutschland eine echte Zukunft als Wachstums- und Wirtschaftsfaktor.

Digital rules

Nach dieser Krise wird kaum ein Studioverantwortlicher mehr darauf beharren, dass digitale Tools und soziale Medien irrelevant sind. Denn zum Shutdown verfügten nur wenige Studios über digitales Know-how, welches plötzlich überlebensnotwendig wurde. Viele hatten kein eigenes Material, das sie als Online-Kursstunden anbieten konnten. Und so manches Studio hat sein Facebook-Profil nur genutzt, um den Shake der Woche zu posten. Wer bereits auf Apps mit entsprechenden Funktionen für die Mitglieder verfügte, konnte direkt starten. Andere setzten auf Webangebote ihrer Partner wie Geräthersteller und Vermittlerplattformen. Eine echte Win-win-Situation, denn eine erfolgreiche Zusammenarbeit schafft Vertrauen für künftige Partnerschaften.

Wir lernen nie aus

Die Auszeit in den Studios war auch eine große Chance. Kostenfreie Webinare und Lehrinhalte wurden fleißig genutzt. Der Austausch mit Gleichgesinnten in Webinaren und Video-Konferenzen war kostenlos, wurde aber emotional unbezahlbar und motivierte zum Durchhalten. Wenn es mit der Auswahl der Webinare und der Vielzahl der Termine manchmal auch etwas viel wurde.

Schmuddelecke ade

Hygienemaßnahmen und Arbeitsschutz fristeten im Studio lange ein Schattendasein. Und jetzt? Im Zuge der Diskussion um mögliche Wiedereröffnungen – egal in welcher Branche – zeigte sich schnell: Nur wer diese beiden Themen im Griff hat und seine Konzepte darauf ausrichtet, hat Zukunft.

In der Körperwerkstatt Hachenburg wurde über mehrere Stockwerke hinweg trainiertKörperwerkstatt Hachenburg
In der Körperwerkstatt Hachenburg wurde über mehrere Stockwerke hinweg trainiert

Auf und ab

Am 18. April postete die Körperwerkstatt aus Hachenburg ein Video auf Facebook, das innerhalb einer Woche über 8.000 Mal aufgerufen wird, um zu verkünden: Wir dürfen wieder öffnen. Man hatte der Corona-Arbeitsgruppe beim Kreis Montabaur ein Konzept vorgelegt, wodurch der Club in neun getrennte Trainingsräume mit jeweils eigenem Eingang von außen aufgeteilt wurde. Dafür gab es eine Erlaubnis zur Wiedereröffnung zum 22. April 2020 und innerhalb kurzer Zeit 200 Buchungen für den ersten Tag. Die Sondergenehmigung wird dann am 23. April widerrufen. Die Körperwerkstatt beruft sich auf ihre Zulassung zum Personal Training und erreicht beim Ministerium für Arbeit, Soziales und Gesundheit eine auf drei Tage befristete Duldung. In der Zwischenzeit präzisierte die Landesregierung ihre Vorgaben. Die Körperwerkstatt konnte weitermachen. Und es kamen Kurse für Kleingruppen im Freien dazu: Die Trainer standen auf dem Studiodach, die Teilnehmer mit Sicherheitsabstand unten auf dem Parkplatz. Ab dem 27. Mai durften dann alle Studios in Rheinland-Pfalz mit entsprechendem Konzept öffnen.

Ran an den Speck

Fitness muss seinen Platz finden als echter Faktor für die Gesundheit, damit wir eine echte Zukunft haben. Und das am besten nicht „nur“ für die Gesundheit unserer Mitglieder im Studio. Lasst uns aus den zwölf Millionen Menschen in den Gyms in Deutschland eine Massenbewegung für Fitness und Gesundheit machen, die durchaus mit der Aerobic-Welle der 80er konkurrieren kann. Wenn nicht jetzt, wann dann? 

Stimmen aus der Branche

„Unsere Kunden sind unheimlich loyal. Wir haben bisher keine einzige Kündigung, im Gegenteil, wir konnten sogar reine Online-Mitgliedschaften abschließen. Niemand hat seinen Beitrag zurückgebucht, einige wollen noch nicht einmal einen Ausgleich, weil sie uns einfach unterstützen wollen.“
Mel Lassotta, MuKiBude

„In der Branche gibt es harte Wettbewerbskämpfe und überall eine gewisse Stufenbissigkeit (…) Das alles müssen wir überwinden, wenn wir als Fitnessbranche etwas erreichen wollen.“
Nico Scheller, In Shape-Studios; Verein zur Förderung der Fitnessbranche in Deutschland

„Die Fitnessbranche sollte die Digitalisierung als Chance, nicht als Bedrohung wahrnehmen (…) Der Faktor Mensch wird aber auch in Zukunft eine entscheidende Rolle in der Fitnesswelt spielen – zum Beispiel als erste Anlaufstelle bei individuellen, gesundheitlichen Fragen und als Motivator.“
Ralf Aigner, Gympass

„Bewegung und Fitness sind wichtige Bausteine zur Stärkung der körperlichen und psychischen Abwehrkräfte und tragen so ihren Teil zur Eindämmung der Pandemie bei.“
Doron Dickman, Holmes Place

„Es wird digitaler und individueller. Die Trainierenden werden genau hinschauen, ob das Studio die neuen Hygienevorschriften ernst nimmt und werden sicherlich prüfen, ob und wann der Besuch im Studio ein Wohlfühlerlebnis wird (…)“
Jens Pracht, Hansefit GmbH & Co. KG

„Jetzt, wo wir in einer Gesundheitskrise stecken, haben wir es selbst gemerkt, dass Fitness an sich keinen Wert hat, dass wir schlecht organisiert sind (…) Wir müssen uns neu aufstellen, einen Verbund der Qualitätsanbieter schaffen und uns abgrenzen von den Discountern.“
Frank Krajewski, LifeFit med GmbH

„Herausforderungen wie die Covid-19-Pandemie kann man nur gemeinsam meistern. Jeder Fachmann muss auf seinem Gebiet Lösungen identifizieren, mit denen er dazu beitragen kann.“
Andreas Fischer, Wanzl GmbH

Tipps für die Studiopraxis

Thema

Weblink

Hilfestellung für Studiobetreiber von Magicline

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EGYM-Gesamtpaket für den Wiedereinstieg

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Hygiene-Haken von Wanzl

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Pandemie-Leitfaden der BDA

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Schulung zum Infektionsschutzhelfer

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