Wie fit die deutschen Studios sind: Dies in Erfahrung zu bringen, ist das Ziel des Branchenreports für die Fitnesswirtschaft. Studiobetreibern bietet der Bericht relevante Datenund Fakten für die Kommunikation mit Partnern und Investoren.

Wirtschaftlich kann nachhaltig sein

Der Branchenreport wird einmal im Jahr vom Deutschen Industrieverband für Fitness und Gesundheit e. V. (DIFG) und der Creditreform Rating AG (CRAG) herausgegeben (1). Er listet wichtige Kennzahlen aus der Studiopraxis auf, die wir hier auszugsweise vorstellen. Ein Blick auf diese Daten und Fakten lohnt in mehrerlei Hinsicht: „Auch im Sinne von Nachhaltigkeit, sozialer Verantwortung und Qualitätsorientierung stellt Wirtschaftlichkeit das Fundament für den Erfolg eines Unternehmens dar“, wie es der 1. Vorsitzende des DIFG, Ralf Scholz, und der Geschäfststellenleiter Prof. Nils Nagel zu Beginn des Reports auf den Punkt bringen.

Die Insolvenzsituation der Branche hat sich laut Report deutlich gebessert: Die Anzahl der Unternehmensinsolvenzen ging im Jahr 2017 von 69 registrierten Fällen auf 42 zurück. Dies entspricht einem Rückgang um 39,1 Prozent. Die Anzahl der Firmenpleiten befand sich im letzten Jahr 55,3 Prozent unter dem Niveau von vor zehn Jahren. 

Verbesserte Kreditwürdigkeit  

Ein weitere wichtige Kennzahl für die Unternehmenspraxis ist der Bonitätsindex: Er beziffert das Maß für die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalles. Gemäß den Berechnungen der Creditreform kann er einen Wert von 100 bis 500 oder 600 annehmen. Das umfasst das Spektrum zwischen einer ausgezeichneten Bonität und der Zahlungseinstellung (2). Ein Wert zwischen 250 und 299 Punkten entspricht dabei einer mittleren Kreditwürdigkeit.  

Der Bonitätsindex deutscher Studios hat laut Branchenreport 2018 erneut leicht abgenommen: Mit einem durchschnittlichen Bonitätsindex von 278 Punkten hat sich die Bonitätsbewertung gegenüber 2017 um drei Punkte verschlechtert. Damit sank die Kreditwürdigkeit deutscher Fitnessstudios zum dritten Mal hintereinander. Gleichzeitig befindet sich die Branche aber immer noch in der gleichen Bonitätskategorie wie die Gesamtwirtschaft.

Vom Osten lernen

Die durchschnittliche Kreditwürdigkeit der Studios kann je nach Bundesland deutlich variieren. Dabei machen die ostdeutschen Bundesländer vor, wie es geht: Mecklenburg-Vorpommern liegt – gemessen am Bonitätsindex – nach wie vor an der Spitze. Im Mittel verfügen die Studios dort über eine Bewertung von 269 Punkten. 

An zweiter Stelle befindet sich Sachsen mit 270 Punkten. Erst auf Platz drei erscheint mit Baden-Württemberg ein westdeutsches Bundesland. Studios in Berlin weisen mit einem durchschnittlichen Indexstand von 297 Punkten die geringste Solvenz aller Bundesländer auf. Erst nach einer Lücke von elf Punkten folgen Hamburg mit 286 und Nordrhein-Westfalen mit 285.

Dynamische Branche

Das Ausfallrisiko ist ebenfalls eine relevante Kennzahl für die Studiopraxis und wird auch als Verlustrisiko bezeichnet. Es macht die Gefahr der teilweisen oder völligen Undurchsetzbarkeit eines Zahlungsanspruchs sichtbar, die verschiedene Ursachen haben kann, wie beispielsweise Zahlungsunfähigkeit (3). Das Ausfallrisiko der Studios hat – gemessen am Creditreform Risikoindikator (CRI) – einen neuen Tiefstand erreicht. Der CRI auf gesamtwirtschaftlicher Ebene ist gleichermaßen rückläufig, weist aber eine nicht ganz so dynamische Entwicklung wie unsere Branche auf.

Klar über dem bundesweiten Schnitt von 1,42 Prozent notieren die Ausfallrisiken von Studios in Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Hessen. Deutlich besser sieht es bei den Anlagen in Thüringen und Rheinland-Pfalz aus: Rheinland-Pfalz befindet sich mit einem CRI von 0,46 % an letzter Stelle. Die dortigen Studios weisen damit das niedrigste Ausfallrisiko auf. Auch in Thüringen ist die Insolvenzgefahr relativ gering. Es folgen Saarland, Niedersachsen und Bayern.

Die Umsatzrentabilität in den deutschen Studios ist immer noch überdurchschnittlich hoch.Khakimullin Aleksandr / Shutterstock.com
Die Umsatzrentabilität in den deutschen Studios ist immer noch überdurchschnittlich hoch.

Zahlungen insgesamt zuverlässiger

Im vergangenen Jahr haben die Fitnesseinrichtungen ihre offenen Rechnungen schneller beglichen als 2017. Die Zahlungsmoral wurde im Report mittels Days Sales Outstanding (DSO) gemessen. Die durchschnittliche DSO sank deutlich von 13,47 Tagen im Jahr 2017 auf 12,34 Tage im Folgejahr. Die Fitnessbranche zeigte im dritten Jahr hintereinander einen DSO-Rückgang: 2015 waren es 14,53 Tage. Damit hat sich der Abstand zwischen Studios und Gesamtwirtschaft verringert, wobei diese weiterhin bessere DSO-Werte aufweist.

Hohe Rentabilität

Die Umsatzrentabilität der deutschen Studios ist im Jahr 2017 leicht zurückgegangen. Die Rentabilität umschreibt das Verhältnis einer Erfolgsgröße zum eingesetzten Kapital einer Rechnungsperiode. Beide Größen können zahlungs- und bilanzorientiert gemessen werden (4). Insgesamt betrachtet liegt die Umsatzrentabilität der Studios aber immer noch überdurchschnittlich hoch. Sie stellt sich im Vergleich mit der deutschen Wirtschaft deutlich vorteilhaft dar, denn die durchschnittliche Rentabilität der Fitnessbranche übertrifft weiter den Vergleichswert des gesamten deutschen Unternehmenssektors.

Die Eigenkapitalbasis deutscher Studios blieb 2017 weitestgehend stabil. Während die Eigenmittel im Jahr 2016 noch 12,9 Prozent am Gesamtkapital ausgemacht hatten, fiel die Eigenkapitalquote im Jahr 2017 leicht um 0,2 Prozentpunkte. Die Eigenkapitalpolster unserer Branche sind weiterhin deutlich geringer als in der Gesamtwirtschaft (30,8 Prozent). Laut einem Vergleich mit dem kompletten Dienstleistungssektor, zu dem die Fitnessbranche gehört, ist der Anteil der Fitnesseinrichtungen mit einem geringen Eigenkapitalpolster als relativ hoch zu bezeichnen (1).

Der Verschuldungsgrad wird als Indikator für das finanzwirtschaftliche Risiko herangezogen. Er zeigt an, inwieweit die Unternehmen einer Branche fremdfinanziert sind, indem das Fremdkapital in Beziehung zu den bereinigten Eigenmitteln gesetzt wird (1). Ein niedriger Verschuldungsgrad steht für ein geringeres finanzwirtschaftliches Risiko,  da damit eine bessere Bewältigung des Kapitaldienstes sicherzustellen ist. Der Verschuldungsgrad lässt sich mit folgender Formel berechnen: Verschuldungsgrad = Fremdkapital / Eigenkapital (5). 

Laut Report setzte sich die Ausweitung der Fremdfinanzierung in 2017 nicht fort, sodass vorerst von einer Stabilisierung der Verschuldung deutscher Fitnessstudios gesprochen werden kann. Nichtsdestotrotz liegt der Quotient aus Fremd- und Eigenkapital in unserer Branche weiterhin deutlich über dem Wert von 2, der einen Indikator für ein erhöhtes Finanzierungsrisiko darstellt. Im Vergleich dazu liegt der Verschuldungsgrad der Gesamtwirtschaft klar unter dieser Schwelle und notiert in 2017 mit 1,60 leicht erhöht zum Vorjahr (2016: 1,58). Verglichen mit der gesamten Wirtschaft ist die Fitnessbranche damit weiterhin in stärkerem Maße auf Fremdkapital angewiesen.

Personal bleibt wichtig

Die Personalaufwandsquote ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl, welche den Personalaufwand in ein Verhältnis zur Gesamtleistung eines Unternehmens setzt (6). Sie berechnet sich wie folgt:  Personalaufwandsquote = Personalaufwand / Gesamtleistung (7). 

Die Personalaufwandsquote der Branche hat im Bemessungszeitraum ihren langfristigen Aufwärtstrend wieder aufgenommen. Nachdem sich die Personalaufwandskosten von 2015 auf 2016 um 1,4 Prozent leicht verringerten und unter 30 Prozent lagen, ist das diesmal anders: Es wurde ein Anstieg auf 30,9 Prozent registriert. Unter anderem könnte der Trend zu betreuungsintensiven Angeboten eine Rolle spielen. Für den einzelnen Betreiber ein Argument, noch intensiver an seinem Ruf als „Arbeitgeber mit Zukunft“ zu arbeiten. Gleichzeitig scheinen die deutschen Studios laut Report im Vergleich mit den konsumnahen Dienstleistungen immer noch verhältnismäßig geringe Personalkosten zu haben. Zum Vergleich: Unternehmen ab einem Prozentsatz von über 50 gelten als kostenintensiv (6).

Fakten für die Zukunft

Wer weiter vorne mit dabei sein möchte, benötigt neben innovativen Konzepten und geschultem Personal auch die richtigen Partner und Investoren. Gerade für Gespräche mit Kooperationspartnern und Geldgebern bietet der vorliegende Report hilfreiche Argumente. 

Für die individuelle Auslegung und Bewertung empfiehlt sich dabei die fachmännische Unterstützung durch Unternehmens- und Steuerberater, die möglichst über einschlägiges Wissen aus der Branche verfügen sollten. Wer sich für die Gesamtdarstellung interessiert, dem sei der Branchenreport selbst ans Herz gelegt, der beim Verband angefordert werden kann. Er kann gegen eine Schutzgebühr von 25 Euro beim Deutschen Industrieverband für Fitness und Gesundheit (info@difg-verband.de) angefordert werden.

Quelle

  1. Deutscher Industrieverband für Fitness und Gesundheit. 2019. Branchenreport 2019. Die wirtschaftliche Lage der Fitnesswirtschaft
  2. Creditreform. Bonität und Risikobewertung. Zugriff am 13.1.2020: http://www.creditreform.de/loesungen/bonitaet-risikobewertung
  3. Gabler Wirtschaftslexikon. Ausfallrisiko. Zugriff am 13.01.2020: http://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/ausfallrisiko/27-112
  4. Gabler Wirtschaftslexikon. Rentabilität. Zugriff am 14.1.2020: 
    https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/rentabilitaet-45028
  5. Welt der BWL. Verschuldungsgrad. Zugriff am 14.01.2020: http://welt-der-bwl.de/Verschuldungsgrad
  6. Refa Service. Personalaufwandsquote. Zugriff am 14.01.2020: http://refa.de/service/refa-lexikon/personalaufwandsquote
  7. Welt der BWL. Personalaufwandsquote. Zugriff am 14.01.2020: http://welt-der-bwl.de/Personalaufwandsquote