Über den ehemaligen amerikanischen Präsidenten Bill Clinton wird gesagt, er habe die Gabe, seinem jeweiligen Gesprächspartner das Gefühl zu vermitteln, dieser wäre für ihn der wichtigste Mensch auf der Welt. Das beeindruckt auch viele, die ihn oder seine politische Karriere eher kritisch sehen.

Ob das Vermitteln dieses Gefühls eine Gabe ist oder ob Clinton das gezielt geübt und perfektioniert hat, sei dahingestellt. In jedem Fall ist es eine sehr hohe Form der Wertschätzung, die ihn über sein Präsidentenamt hinaus bei vielen auch heute noch sehr beliebt macht. Auch unser tägliches Leben – sowohl privat als auch im Umgang mit Mitarbeitern und Kunden – wird sich greifbar verbessern, wenn wir lernen, uns, unsere Mitmenschen und die Umwelt wirklich wertzuschätzen.

Der ehemalige amerikanische Präsident Bill Clinton ist ein Profi darin, anderen Wertschätzung zu vermittelnOleg Batrak / Shutterstock.com
Der ehemalige amerikanische Präsident Bill Clinton ist ein Profi darin, anderen Wertschätzung zu vermitteln

Was ist Wertschätzung?

Weder Likes in den sozialen Medien noch einfaches Lob treffen den Kern. Wertschätzung geht weiter. Geht ins Detail. Bedarf eines zeitlichen Aufwandes. Bedarf des Wissens um das Geheimnis der kleinen Gesten. Bedarf Empathie, Sympathie und letztlich auch eines positiven Menschenbildes, um Worthülsen und leere, große Gesten in Wertschätzung zu transformieren. Wertschätzung erfordert offenbar einen hohen Aufwand.

Lohnt sich das?

Sehr selten erwähnt jemand, dass er wertgeschätzt wurde. Wertschätzung im täglichen Sprachgebrauch wird oft nur im Zusammenhang mit einem Mangel daran gebraucht. Weder die tägliche Arbeit noch die Arbeit im familiären Bereich werden entsprechend gewürdigt. Und wenn man genau hinsieht, schätzen sich die Menschen selbst kaum wert. Genau da gilt es anzusetzen: bei der Selbst-Wertschätzung. Unser Auto bekommt natürlich das Hochleistungs-Motoröl und für uns selbst ist das billigste Öl vom Discounter gut genug? Das, was uns am Leben erhält, unsere Nahrung, muss in erster Linie billig sein. Wir selbst sind unsere schärfsten Kritiker, verdammen uns für jede noch so kleine Lappalie,  vergraulen uns so unser eigenes Leben – und treten unsere Lebensfreude mit Füßen.

Wo beginnt Wertschätzung?

Wie bitte sollen uns andere wertschätzen, wenn wir uns nicht selbst wertschätzen? Ein sehr erfolgreicher Verkäufer antwortete auf die Frage nach seinem Geheimnis: Ganz einfach, ich schaue jeden Morgen in den Spiegel und lache mich an.

Die eigene, innere Wertschätzung ist der erste Schritt für die Wertschätzung anderer. Wenn der Chef uns lobt, weil wir 150 Überstunden gemacht haben, freuen wir uns zwar über die Worte, aber wenn wir uns nicht selbst wertschätzen, bleiben nichts als leere Worthülsen übrig, die nach kurzer Zeit verflogen sind.

Mach dir bewusst, wer du bist, was du bist und dass du in erster Linie der Hauptdarsteller des Filmes „Mein Leben“ bist. Wie möchtest du deine Rolle in deinem Film anlegen? Möchtest du der Miesepeter sein oder der strahlende Held?

Warum entscheiden sich so viele Menschen für den Miesepeter? Der Held muss sich im Spiegel anlachen, sich einen wunderschönen Tag wünschen, muss positiv denken, andere wertschätzen … wie furchtbar! Dem Miesepeter geht es einfach schlecht und die anderen haben Schuld. Schätzen ihn nicht wert. Glücklicherweise ist es ja nicht seine Schuld, sondern die der anderen. Ansonsten gibt es Psychopharmaka, Alkohol, die Unterhaltungsindustrie und noch eine Vielzahl sonstiger Kompensationen seiner Unzufriedenheit.

Ist dieser Weg wirklich einfacher? Wenn man sich entschließt, aus seinem mittelmäßigen B-Movie mit dem Titel Miesepeter auszusteigen und sich auf den Weg in ein erfülltes, angstfreies und zufriedenes Leben macht, wird man feststellen, dass der Anfang zunächst schwierig ist. Vorhandene Glaubenssätze werden über den Haufen geworfen und das Erlernen von alternativen Handlungsstrategien und deren Umsetzung ist ungewohnt. Aber, wie bei allem, was man übt, das klappt mit der Zeit immer besser.

„Werde der Hauptdarsteller in deinem eigenen Leben“

Selbstwertschätzung bedarf

  • der Liebe zum Detail: Große Gesten, große Versprechen sind leicht gemacht. Darum geht es nicht. Es geht um das Detail. Sieh genau hin. Achte auf Kleinigkeiten: the simple things!
  • eines zeitlichen Aufwandes: Nimm dir Zeit für dich und nutze sie, indem du übst, dich selbst wertzuschätzen. Tipp: Schreibe alles auf, was dir an dir gefällt und was dir nicht an dir gefällt. Unterscheide dabei zwischen rationalen Dingen, die dir an dir nicht gefallen und rein emotionalen Punkten, die eventuell nur auf momentanen Stimmungsschwankungen beruhen (siehe Grafik). Und nun kommt der Kniff: Versuche jedes Argument, was dir an dir nicht gefällt, ins Positive zu drehen. Beispiel: „Ich bin zu dick“. Positive Umkehrung: „Ich fühle mich wohl, so wie ich bin“. Alternativ: „Jetzt habe ich die Gelegenheit, das zu ändern.“ Die Übung ist nicht leicht, aber nach kurzer Zeit stellst du fest, dass es dir gelingt, nahezu in allem etwas Positives zu sehen.
  • des Wissens um die kleinen Gesten: Zeige Dir selbst, dass du dich wertschätzt. Egal wie schwer es dir fällt, versuche jedes Mal, wenn du in einen Spiegel schaust, zu lachen, oder wenigstens zu lächeln. Irgendwann passiert es automatisch und du wirst außerdem feststellen, dass lachen ansteckend ist. Wenn du das Leben anlachst, lacht es zurück. Glaubst du nicht? Versuch es einfach. Es funktioniert. Es gibt viele dieser kleinen Gesten. Baue sie in dein Leben ein und lerne dich wertzuschätzen.
  • Empathie, Sympathie und ein positives Menschenbild: Wer besser als du selbst kann sich in dich hineinfühlen, kennt deinen Reichtum an Erfahrungen. Du weißt alles über dich. Bewusst und unbewusst. Wichtig ist, dass du dir und deinen Erfahrungen mit Sympathie begegnest. Sowohl die schwersten wie auch die schönsten Stunden formen dich.
Eine gute Übung ist es, Argumente ins Positive zu ziehenHanns-Friedrich Beckmann
Eine gute Übung ist es, Argumente ins Positive zu ziehen

Berechtigt ist natürlich die Frage, wie beispielsweise Opfer von Gewalt zu Sympathie und einem positiven Menschenbild finden sollen. Indem sie ­– genau wie du – jetzt damit beginnen. Niemand hat gesagt, dass es leicht ist. Nur wer sich selbst wertschätzt, ist auch in der Lage, andere wertzuschätzen!

Wertschätzung auf der Arbeit

Viele Arbeitnehmer sind unzufrieden mit ihrem Arbeitsplatz. Häufig wird als Grund mangelnde Wertschätzung genannt. Kaum jemand, der sich selbst nicht wertschätzt, kann andere wertschätzen. Die Chefs oder Führungskräfte, deren Mitarbeiter einen Wertschätzungsmangel beklagen, schätzen sich offensichtlich selbst auch nicht wert. Es nutzt nichts, wenn Führungskräfte Techniken zur Wertschätzung ihrer Mitarbeiter in Seminaren erlernen, sie jedoch nicht erlernen, sich selbst wertzuschätzen.

Wenn du dich selbst wertschätzt, ist dir auch die Wertschätzung anderer egal. Die brauchst du nicht mehr. Sie kommt von ganz allein.

Wenn du gelernt hast, dich wertzuschätzen, wirst du auch deine Mitmenschen wertschätzen; sei es dein Chef, deine Mitarbeiter, deinen Lebenspartner oder deinen Freundeskreis. Wirklich wertschätzen. Nicht durch Likes oder Lob, sondern so, wie du es bei dir selbst erfahren hast. Nimm dir Zeit für deine Mitmenschen und Kollegen, sieh Details, zeige deine Wertschätzung tagtäglich in kleinen Gesten  und begegne deinen Mitmenschen mit Empathie, Sympathie und einem positiven Menschenbild. Mach es und lass dich überraschen, wie viel Wertschätzung du zurückbekommst.

Konstanz ist wichtig

Lass dich nicht sofort entmutigen, wenn der erste Versuch nicht gleich den erwünschten Erfolg bringt. Es braucht Zeit bis sich neue Verhaltensweisen im Unterbewusstsein verankern, sowohl bei dir wie auch bei deinen Mitmenschen. Lass die Wertschätzung für dich selbst und andere ein Teil vor dir werden und schaue mal, wie viel Erfolg du damit haben wirst. Lachen ist nicht das Einzige, was ansteckt. Erfolg steckt an! Wertschätzung steckt an! 

Um den Erfolg deiner Bemühungen sichtbar zu machen, kannst du auf ein Blatt Papier Kästchen zeichnen. Immer wenn du jemanden wertgeschätzt hast, mache ein rotes Kreuzchen in das Kästchen und wenn du selbst Wertschätzung erfahren hast, ein blaues. Nach 100 Kreuzchen hat sich dein Leben verändert. Zum besseren. Garantiert! Du brauchst nur auf dein Blatt Papier zu schauen und die Kreuzchen zu zählen, um zu sehen, dass das, was du anderen an Wertschätzung zukommen lässt, vielfach zurückkommt! Dabei geht es natürlich nicht um Likes in den sozialen Medien, sondern um wirkliche Wertschätzung, wie oben beschrieben.

Lachen ist ansteckend und kann Wertschätzung vermitteln, auch einem selbst gegenüberPhotographee.eu / Shutterstock.com
Lachen ist ansteckend und kann Wertschätzung vermitteln, auch einem selbst gegenüber

„Schätze die Erde, die Umwelt, die Natur wert!“

Sie ist der Boden, auf dem du stehst. Achte darauf, dass die Balance zwischen Geben und Nehmen ausgeglichen ist.

Sei gewiss: Wenn du dich selbst wertschätzt, wird dein Leben Tag für Tag erfreulicher; wenn du andere wertschätzt, wirst auch du Wertschätzung und Erfolg erfahren. Und wenn du beginnst, die Natur und die Umwelt wertzuschätzen, wird dir auch hier Wertschätzung zuteil werden.

Weg vom Ich – hin zum Wir

Menschen, die sich selbst wertschätzen, schätzen auch ihre Mitmenschen und die Natur wert. Selbst benötigen sie keine Wertschätzung anderer mehr, trotzdem wird sie ihnen vielfach zuteil werden. Genauso verhält es sich mit Liebe, Glück, dem inneren Frieden, dem Reichtum und vielen anderen Dingen mehr. Wenn du dich nicht selbst liebst, wer soll es dann tun? Wenn du deinen eigenen Schatz in dir nicht erkennst, nutzen dir alle Schätze dieser Welt nichts. Du wirst weder Glück noch Frieden darin finden. Werde der Held in dem Film „Mein Leben“ und alles kommt auf dich zu. Wertschätzung, Erfolg, Glück … eine größere Wertschöpfung ist kaum denkbar.

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