Vom 28. bis 29. Februar kamen in Düsseldorf erfahrene Wissenschaftler, Jungforscher sowie Studierende aus unterschiedlichen Fachbereichen zusammen, um für einen regen Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis zu sorgen. Unser Fazit? Der Kongress war ein voller Erfolg, davon gern mehr. Das bestätigt auch Initiator und Fitnessprofessor Stefan Geisler, der sich vorstellen könnte, das Event künftig an verschiedenen Locations und mehrfach im Jahr anzubieten.

Man erlebt es immer wieder, dass bei Events fachliche Plattitüden ausgetauscht werden, die mit der Realität in der Praxis nur bedingt zu tun haben. Anders beim IST-Fitnesswissenschaftskongress in Düsseldorf: Hier traf sich das Who is Who der jungen Disziplin Fitnesswissenschaft – nicht, um sich selbst zu feiern, sondern um konkrete Themen und Inhalte nach vorn zu bringen. Neben der nationalen und internationalen Prominenz waren zahlreiche aufstrebende Talente, Jungforscher und Studenten sowie Absolventen der IST-Hochschule für Management vertreten. Ein Mix, der Hoffnung macht auf die Zukunft unserer Branche.

Der IST-Kongress war restlos ausverkauftIST Hochschule für Management
Der IST-Kongress war restlos ausverkauft

Unter den Teilnehmern befanden sich auch zahlreiche externe Experten, darunter auch Dozenten und Professoren, die an anderen Facheinrichtungen tätig sind. Der Austausch war extrem lebhaft und bot für Teilnehmer unterschiedlicher fachlicher Niveaus eine Vielzahl von spannenden Informationen.

Wenn alles funktioniert

Von der Organisation vorab über die Technik bis zur Ausnahme-Location lief alles genau so, wie man es sich von solch einem Event wünscht. Ein besonderes Highlight war neben der Qualität der Vorträge sicher die historische Seifenfabrik als Location für die Referate am ersten Kongresstag und für das abendliche Bankett.

Selbst als einer der Referenten (Greg Haff) kurzfristig von Australien live ins Plenum geschaltet wurde, weil seine Anreise aus Australien aufgrund des Coronavirus nicht wie geplant möglich war, funktionierte auch das nahezu ruckelfrei.

Fachlich ein Volltreffer

Der Initiator der Veranstaltung, Stefan Geisler, konnte seine Begeisterung kaum verbergen – sie stand ihm förmlich ins Gesicht geschrieben. Sein Fazit: „Ich bin sehr angetan davon, wie gut der Fitnesswissenschaftskongress angenommen wird. Dass auch sehr namhafte und äußerst erfahrene Kollegen die Veranstaltung zur Weiterbildung nutzen und hier etwas mitnehmen, freut mich ungemein!“

Fitnessprofessor Stefan Geisler war auch selbst begeistertIST Hochschule für Management
Fitnessprofessor Stefan Geisler war auch selbst begeistert

Die Liste der Referenten war dementsprechend prominent besetzt. Das Spektrum reichte von Fitness und Gesundheit über Ökotrophologie und Sportwissenschaft bis hin zu Therapie und Sportmedizin.

Bei den Posterpräsentationen konnten Jungforscher ihre Projekte vorstellenIST Hochschule für Management
Bei den Posterpräsentationen konnten Jungforscher ihre Projekte vorstellen

Jugend forscht

Auch der wissenschaftliche Nachwuchs bekam beim 2. Fitnesswissenschaftskongress seine Bühne. Beim „Young Investigators Award“ wurden Projekte von ambitionierten Jungakademikern vorgestellt, fachlich diskutiert und ausgezeichnet. Die teilweise noch recht jungen Forscher, die hier antraten, schlugen sich tapfer, um ihr individuelles Thema weiter voranzubringen. 

Die Gewinner des Young Investigators Award 2020

  1. Thorben Aussieker: The impact of two weeks bed rest on muscle stem cell content in healthy young men.
  2. Marius Kirmse: Resistance exercise training in combination with collagen peptide supplementation.
  3. Chaise Murphy: Caloric restriction induces anabolic resistance to resistance exercise.

Wissenschaft und Praxis unter der Lupe

Bei der Vielfalt der Themen und Referenten ist es an dieser Stelle kaum möglich, einen kompletten Überblick zu bieten. Sicher ist aber eines: Wer sich ins Wissensgetümmel stürzte, wurde fündig!

Hier eine Auswahl von Vorträgen und Referenten, die durch Klasse und Qualität überzeugten.

Prof. Dr. Wildor Hollmann – Eröffnungsrede

Am ersten Kongresstag machte Prof. Dr. Wildor Hollmann, der Vordenker der Sportmedizin, mit seiner Eröffnungsrede den Auftakt. Das Publikum war sichtbar beeindruckt von der Kombination aus fachlicher Präsenz und persönlicher Erscheinung. Denn mit seinem hohen Alter von bereits 95 Jahren und einem äußerst fitten körperlichen Zustand machte Hollmann uns allen deutlich, wie entscheidend Gesundheit im Alltag wirklich ist. Bereits in den 1950er-Jahren hatte er wesentliche gesundheitliche Schädigungsmöglichkeiten durch längere Bettruhe festgestellt. Dabei zeigte er auch auf, dass schon durch Minimal-Trainingsverfahren den Auswirkungen von Trainingsverlusten entgegengewirkt werden kann. Infolgedessen erforschte er die gesundheitlichen Vorteile aktiver Bewegung und wurde insbesondere ein Fürsprecher für das regelmäßige Ausdauertraining.

Hollmann ist unter anderem Gründer des Instituts für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS), ehemaliger Präsident des Deutschen Sportärztebundes, ehemaliger Präsident des Weltverbandes für Sportmedizin (International Federation of Sports Medicine) und hat als internistischer Arzt 20 Jahre lang die Deutsche Fußballnationalmannschaft betreut. Sein eigenes bis heute praktiziertes Arbeitspensum von durchschnittlich  zwölf Arbeitsstunden am Tag (!) macht auch heute noch so manchen jungen Kollegen neidisch ob seiner körperlichen und geistigen Form. Von einem solchen Experten lässt man sich als Zuhörer gern anstecken.

Merksätze zu Prof. Dr. Wildor Hollmann

  • Unser Gehirn reagiert genau wie unsere Skelettmuskulatur positiv auf Bewegungsreize und kann effektiv stimuliert werden.
  • Jede Form von körperlicher Bewegung ist nützlich für das menschliche Gehirn. 

Hollmann, der in den 70er-Jahren die „Trimm dich Bewegung“ mitgestartet hatte, absolviert selbst jeden Abend – zwischen 23:00 und 24:00 Uhr ein kleines Treppen-Workout mit ca. 100 Stufen, da er laut eigener Aussage nicht viel freie Zeit hat. .

Dr. Avery Faigenbaum – strength is the driving force

Vom College of New Jersey war Dr. Avery Faigenbaum angereist. Mit seinem Vortrag zum Thema „Muscle Disuse in Modern Day Youth“ setzte er ein deutliches Zeichen für den rechtzeitigen Start mit sportlicher Aktivität im Allgemeinen und Krafttraining im Besonderen. 

Der heutige Bewegungszustand von Kindern und Jugendlichen sei dermaßen besorgniserregend, dass wir nicht nur über die Zeit reden sollten, die in regelmäßige Bewegung investiert wird, sondern auch über die jeweils optimalen Bewegungsformen. Insbesondere Krafttraining, altersgerecht angepasst, ist dabei ein entscheidender Faktor, damit Kinder und Jugendliche bewegungsfähig werden beziehungsweise bleiben – auch abseits sportlicher Aktivitäten. Wie man Heranwachsenden und ihren Eltern die Angst vor Krafttraining bereits in jüngeren Jahren nimmt? Beispielsweise durch kindgerechte und motivierende Übungsbezeichnungen („Animals in Motion“), wie sie Faigenbaum auch selbst anleitet.

Merksätze zu Dr. Avery Faigenbaum

  • Kraft macht Kinder und Jugendliche mobil und ermöglicht Freude an der Bewegung. Sie ist essenziell für eine gesunde Bewegungsfähigkeit.
  • Bewegungsmangel kann einen Teufelskreis aus Bewegungsunfähigkeit, Angst vor sportlicher Aktivität und Bewegungsmangel bedingen, der frühzeitig durchbrochen werden sollte.
  • Bewegung ist komplex, Anleitung durch ausgebildete Experten ist wichtig.

Luc van Loon – Jede Mahlzeit zählt

Der Holländer referierte beim Thema „Wie hängen Ernährung und Muskelzusammensetzung zusammen?“ sichtlich über eines seiner absoluten Steckenpferde. Für den Experten zum Thema Nahrungsergänzungsmittel von der University of Maastricht ist klar: Wir bauen täglich Muskulatur auf, verlieren aber auch jeden Tag Muskeln. Deswegen zählt jeder einzelne Tag, wenn es um Training und insbesondere um eine sportartspezifische Ernährung geht. Luc van Loon ist unter anderem Mitglied beim Editorial Board of the International Journal of Sport Nutrition and Exercise Metabolism (IJSNEM), beim European Journal of Sport Science (EJSS) und beim Scientific Board of the European College of Sport Science (ECSS). 

Luc van Loon rät eher zu einer Zufuhr von tierischem Protein, da dies deutlich effektiver sei. Wer nach dem Training kein Protein mehr zuführe, riskiere eine stärkere Belastung der Muskulatur und einen Muskelabbau. Optimal sei eine Zufuhr innerhalb von einer bis drei Stunden nach dem Training. Aber auch noch 24 Stunden nach der körperlichen Belastung profitiere man von einer entsprechend angepassten Ernährung. Es zählt daher jede einzelne Mahlzeit an jedem einzelnen Tag. Insbesondere vor dem Schlafengehen habe sich für Sportler die Zufuhr einer kleinen Menge an Protein bewährt.

Merksätze zu Luc van Loon

  • Unsere Muskulatur braucht täglich Stimuli, dazu gehört auch eine ausreichende Zufuhr an Protein, möglichst in jeder Mahlzeit.
  • Man kann auch nur mit Gras groß und stark werden – effektiv ist dies jedoch nicht.

Dr. med. Mathias Ritsch – Finger weg vom Flachbankdrücken!

Der Facharzt für Orthopädie und Sportmedizin, Mathias Ritsch, gilt nicht umsonst als ausgewiesener Experte rund um Überlastungen beim Fitnesstraining und bei Sportverletzungen. Insbesondere Athleten, die ihm Rahmen ihrer Disziplinen ein hochintensives Krafttraining betreiben, wie beispielsweise Bodybuilder, Kraft-Dreikämpfer oder Strongmen und Strogwomen, setzen bei der Rehabilitation auf seine Fachkompetenz. Gleichzeitig ist er ein erfahrener Redner, der es versteht, medizinische Fakten unterhaltsam zu vermitteln. 

Auf dem IST-Kongress gab er unterhaltsame Einblicke in seine Arbeit mit Athleten und Trainern. Dabei machte er deutlich: Fitnesstraining bringt im Vergleich zu vielen anderen Sportarten ein deutlich niedrigeres Verletzungsrisiko mit sich. Kommt es zu Überlastungen, stehen meistens Verletzungen von Brust und Schultern im Fokus. 99 Prozent der Schulterverletzungen im Fitnessbereich kommen dabei seiner Erfahrung nach vom Flachbankdrücken. 

Merksätze zu Dr. med. Mathias Ritsch

  • Entscheidend bei Sportverletzungen sind eine klare Diagnose und ein zeitnaher Start der Therapie.
  • Man muss wissen, was und wie ein Athlet trainiert, um Belastungen und Verletzungen nachvollziehen zu können. Sportler sollten sich nicht mit einer oberflächlichen Diagnose wie Überreizung oder Zerrung zufriedengeben.

Prof. Dr. med. Wilhelm Bloch – Training hält unsere Gene fit

Das sind meine Gene, ich kann nichts dagegen machen. Ein Satz, der sicher schon so manchen Trainer zur Verzweiflung getrieben hat. Aber stimmt das wirklich? Wilhelm Bloch, Leiter des Instituts für Sportmedizin an der Sporthochschule Köln, ging dieser Frage auf dem diesjährigen Kongress nach. Denn natürlich gibt es genetische Veranlagungen, die unsere Gesundheit beeinflussen. Oftmals wird jedoch übersehen, dass auch unser Verhalten wiederum die individuelle Genetik beeinflusst. Wer mit besonders vorteilhaften Genen auf die Welt kommt, könne laut Bloch durch ein entsprechend schlechtes Bewegungs- und Ernährungsverhalten eines Tages sogar schlechter dastehen als jemand, der genetisch eher benachteiligt ist.

Spannend waren auch die von ihm vorgestellten Ergebnisse aus der Arbeit mit ehemaligen Krebspatienten, bei denen durch entsprechende Bewegungs- und Ernährungsmaßnahmen eine positive Einflussnahme auf die Aktivierung von Tumor-Suppressoren genommen werden konnte.

Merksätze zu Prof. Dr. med. Wilhelm Bloch

  • Der Teufelskreis von schlechten Genen kann durchbrochen werden.
  • Unser Lebensstil, insbesondere die Bewegung und die Ernährung – nimmt aktiv Einfluss auf unsere Gene. 
  • Sogar die Risiken für die Neuerkrankung bei ehemaligen Krebspatienten können durch Bewegungsprogramme positiv beeinflusst werden.
     

Weitere Infos

Video zum Kongress 2020: https://su.rpv.media/a2

Abstracts zu den einzelnen Fachbeiträgen: https://su.rpv.media/a3

Statements zum Event

„Wir freuen uns, dass der Kongress so intensiv besucht wird und so ein intensiver Austausch hier sattfindet. Alle sagen uns, dass sie unglaublich viel mitnehmen können.“
Dr. Katrin Gessner-Ulrich, Präsidentin IST-Hochschule

„Ich bin sehr angetan davon, wie gut der Fitnesswissenschaftskongress angenommen wird. Dass auch sehr namhafte und äußerst erfahrene Kollegen die Veranstaltung zur Weiterbildung nutzen und hier etwas mitnehmen, freut mich ungemein!“
Fitnessprofessor Stephan Geisler, Initiator des Events

„Die Qualität der Vorträge beim Fitnesswissenschaftskongress ist beeindruckend. Dass diese Veranstaltung, die im Fitnessbereich ihresgleichen sucht, an der IST-Hochschule ins Leben gerufen wurde und inzwischen auch schon zum zweiten Mal hier stattfindet, freut mich ungemein.
Christine Schacht, Leitung Sales & Marketing, Fachbereich Fitness bei der IST

„Ich finde es hervorragend gelungen, so viele unterschiedliche Richtungen hier miteinander zu vereinbaren. Was mir natürlich sehr gefällt, wie viel sehr junge Menschen hier sind – denn das ist ja die Zukunft.“
Prof. Dr. Dr. Wildor Hollmann, Deutsche Sporthochschule Köln, Referent

„Es ist glaube ich genau der richtige Zeitpunkt, um auch zu zeigen, dass die Fitnessindustrie nicht nur nackte Haut und Whey-Proteine zu bieten hat, sondern auch fundiertes Wissen – und Leute, die wirklich daran interessiert sind, die Fitnessindustrie auch wissenschaftlich weiter voranzubringen.“
Vanessa Koslowski, Teilnehmerin, IST-Dozentin

Der Kongress ist meines Erachtens ein sehr gelungenes Event, mit einer großen Ladung an geballter Kompetenz. Die Offenheit und Nähe der Professoren und Referenten hat mir besonders gut gefallen, sowohl während als auch nach den Vorträgen. Was ich unter anderem mit nach Hause nehme: Man lernt nie aus.“
Niko Pourraki, Teilnehmer, IST-Absolvent und Studio-Inhaber, mehrfacher Karate-Weltmeister