Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nah ist? Es gibt im wahrsten Sinne des Wortes sehr naheliegende Lösungen, wenn ein Studio qualitatives Wachstum anstrebt. Kooperationen mit Partnern vor Ort können neue Mitglieder bringen und bestehende Kunden binden, Werbekosten senken und das Image aufpolieren.

 Um im regionalen Umfeld eine Sonderstellung einzunehmen, setzen immer mehr Studios auf eine optimale Vernetzung. 

Kooperationspartner zu finden, bedeutet indes nicht, sich Verbündete mit dauerhaften Preisnachlässen zu erkaufen; Einstiegsvergünstigungen wiederum sind üblich. Solche Partnerbetriebe sollten eine gewisse Größe haben. Einige hundert Kunden mit ähnlichem Background wie ihn die eigenen Mitglieder haben, sind eine gute Voraussetzung. Umgekehrt ist es für das Studio von Vorteil, mit einer Mitgliederzahl im vierstelligen Bereich und/oder einer besonders kaufkräftigen Klientel werben zu können. Zudem gilt es, glaubhaft zu vermitteln, dass bei den Studiokunden ein grundsätzliches Interesse am Angebot des Partnerunternehmens vorhanden ist.

Möglichkeiten en masse

Beispiele für regionale Kooperationen, von denen Studio und Partnerbetrieb profitieren können, gibt es zuhauf.

Auf der Website des INJOY Dettingen, einem im Bereich Kooperationen sichtlich engagierten Studios, wird die Range der Möglichkeiten recht gut aufgezeigt:

  • Wohnen: Architekturbüro, Elektrotechnik, Gebäude-/Teppichreinigung und Holz
  • Finanzen: Vermögensberatung, Bausparen und Versicherungen
  • Gesundheit: Optiker, Hörgeräte, Apotheke, Sanitätshaus, Physiotherapie und Massagen 
  • Automobil: Werkstatt, Waschanlage, Reifendienst, Zubehör und Anhängerverleih
  • Freizeit: Reisen, Bikes, Attraktionen sowie Gastronomie/Hotel/Eiscafé/Bäckerei 
  • Handel: Bekleidung und Schuhe, Floristik, Uhren/Schmuck, Foto, Friseur/Beauty und Bürobedarf

Das ist natürlich noch nicht die ganze Palette, mehr als genug Anhaltspunkte für eigene Aktivitäten sollten aber dabei sein. Hebel in Sachen Kundenaustausch sind – im Idealfall – bilaterale Rabattierungen, Bonusleistungen oder andere Arten der Bevorzugung.

Kreative Partnersuche

„Um die Ecke denken“ muss sich nicht nur auf eine tatsächliche Ortsnähe beziehen. Mit unkonventioneller Herangehensweise lassen sich auch abseits bekannter Wege lukrative Bündnisse schmieden.

1. Club hilft Clubs

Wer vom geraden Lösungsweg abweicht, wird manchmal sogar im „Feindesland“ fündig. Und siehe da – auch dort ist etwas zu holen, wie das Beispiel des INJOY Worms zeigt. Mit dem Ziel, Vereine – nach herkömmlichen Vorstellungen Konkurrenten anzusprechen, ging man ans Werk. Zu diesem Zweck ging das Studio eine Kooperation mit dem örtlichen Stadtsportbund ein. Primär stand zunächst die Talentförderung von jungen Vereinssportlern im Fokus. Entsprechend vergab das Studio je interessiertem Verein fünf Gratismitgliedschaften an junge, verheißungsvolle Sportler. Diese waren nicht nur regelmäßig in der lokalen Presse vertreten, sondern brachten mit der Zeit auch weitere Familienmitglieder oder Freunde mit ins Studio. Im weiteren Verlauf der Kooperation verfestigte sich die Idee, den Club zu einem Leistungszentrum für Vereine zu machen. Unter der Voraussetzung, dass der jeweilige Verein der Sportförderung zustimmt, erhielten nun dessen Mitglieder 20 Euro Nachlass auf die jeweils aktuelle Preisliste. Mit Erfolg: Zum Berichtszeitpunkt kommen 300 der 3.500 Studiomitglieder aus Vereinen. 

2. K(l)assenschlager

Gute Noten gibt es auch für eine Bildungspartnerschaft zwischen dem Studio Tower Power in Siegburg und dem örtlichen Gymnasium. Ein wesentlicher Vorteil der Kooperation aus Sicht der Schule ist es, echten Erlebnisunterricht erteilen zu können. „Allein der Raumwechsel sei für die Schüler schon motivierend“, findet Sportlehrer Tobias Horn. Begrüßt wird die Gelegenheit, ein funktionales und gesundheitsorientiertes Fitnesstraining auf großen Flächen und mit Geräteunterstützung durchführen zu können. Erzielte sportliche Verbesserungen könnten auch in anderen Sportarten zur Leistungssteigerung beitragen. Nach einer Praxisphase wird die Kooperation wohl auch Aufnahme ins schulinterne Curriculum finden. 

Von Studioseite weiß man, dass von den angebotenen Trendsportarten eine Sogwirkung ausgeht und dass auch Aspekte gesunder Ernährung angesprochen werden können. Der Club stellt seine Räumlichkeiten im Übrigen kostenfrei zur Verfügung. Mithin darf angenommen werden, dass die Kooperation als eine Investition in die Zukunft verstanden wird, verbunden mit der Zielsetzung, dass aus Schülern von heute Mitglieder von morgen werden.

3. Gutes erreichen

Aus dem münsterländischen Borken kommt ein Beispiel für eine Kooperation, die mal nicht auf Mitgliederzuwachs, sondern auf Kundenbindung einzahlt. Das dort ansässige Studio ToBeWell hatte die Idee, einen Kochkurs anzubieten, bei dem ergänzend zum Training Gerichte nach Paleo-Art zubereitet werden. Eine in der Region bekannte Event-Kochschule wurde als Partner gefunden. Als Gegenleistung erhielt deren schwergewichtiger Besitzer ein Personal Coaching, das ihm zu seiner Wunschfigur verhalf. Dies ist natürlich ein sehr spezielles Arrangement. Bei einem klassischen Deal hätten die Kochschüler im Studio gewisse Vergünstigungen erhalten. Wie auch immer: Sich gesundheitsbewusster zu ernähren, ist ein Thema, das viele anspricht und mit Unterstützung von Spezialisten vor Ort (hier kommen natürlich auch Ernährungsberater infrage) das Studioangebot mit einiger Sicherheit an Attraktivität gewinnen lässt.

Beispiele für Aktionsideen und Partner

Frühling/Sommer – Friseur

Gut abschneiden sollen Gutscheine für eine Abnehmwoche. Am besten mit persönlicher Übergabe und Terminvereinbarung durch die Salonleitung, die pro Termin eine Provision einstreicht.

Frühling/Sommer – Autowaschanlage

Die Waschanlage bietet ein auf den Aktionszeitraum begrenztes Wasch-Upgrade für Studiomitglieder. Im Gegenzug erhalten Kunden der Waschanlage einen Gutschein für ein Sommertraining.

Herbst/Winter – Sportgeschäft

Durchführung einer gemeinsamen Mailing-Aktion. Inhalt: Ein Angebot für Laufschuhe kombiniert mit einem Indoortreff für Paare am Laufband plus eine weitere Trainingsart.

Herbst/Winter – Apotheke

Auch in den Apotheken ist jetzt Erkältungszeit. Seitens des Gyms werden Gutscheine für eine Woche Gratistraining eingesetzt. Die Apotheke revanchiert sich mit Proben, die im Studio verteilt werden. 

Quellen

  1. Silva, A. firmenpresse. 2016. Fitnessstudio – „Wir vertauschen unsere Kunden“: https://su.rpv.media/p1; Zugriff am 21.04.2020
  2. Injoy Dettingen. Partner & Kooperationen: https://su.rpv.media/p2; Zugriff am 21.04.2020
  3. Injoy Pressebereich. Verein und Fitnessstudio: INJOY Worms zeigt, wie ein Miteinander möglich wird: https://su.rpv.media/p3; Zugriff am 21.04.2020
  4. Gymnasium Siegburg Alleestraße. Fitness macht Schule: https://su.rpv.media/q0; Zugriff am 23.04.2020
  5. Lenz, M. Spitzenkoch Ralf Schwinning – 50 Kilo in acht Monaten mit Personal Training und Verhaltensumstellung. shape UP Vita 5/2018.