Gestern war Fitness eine Muckibude. Heute ist Fitness eine Maschinenhalle. Morgen wird Fitness sein, was wir daraus machen: Dating-Point der Generation Y? Freizeitschuppen für Testosteron-Junkies?, Cyberhall mit Fitness-Automaten? Oder vielleicht doch Zentrum für aktive Gesundheit? Bislang scheint die Suche nach der Zukunft der Fitnessbranche eher auf die Suche nach der größten Goldader beschränkt zu bleiben. Dann bliebe Fitness eine Lifestyle-Mode von fragiler Vergänglichkeit. Ein Haus ohne Fundament. Ein Auto ohne Motor. Ein Business ohne nachhaltige Bedeutung.

Wer nach der Basis von Fitness forscht, wird in der Studio-Gegenwart kaum die logische Weiterentwicklung jenes menschlichen Bedürfnisses erkennen können, das als „körperliches und auch geistiges Wohlbefinden“ definiert wird. Und als „Vermögen, im Alltag leistungsfähig zu sein und Belastungen eher standzuhalten“ (Wikipedia). Was also macht die Existenzberechtigung von Fitness als Massenbewegung von morgen und übermorgen aus?

Bauern demonstrieren – Studios frustrieren

Pünktlich zur Eröffnung der Grünen Woche sind im Januar tausende von Bauern mit Treckern nach Berlin getuckert, um gegen niedrige Preise und hohe Anforderungen zu protestieren.

Pünktlich zur FIBO werden im April tausende von Studiobesitzern mit ihren SUVs und per Inlandsflügen nach Köln eilen, um sich im Glanze ihres boomenden Business zu sonnen.

Keine Sternfahrt gegen Dumpingpreise für Fitness- und Gesundheits-Training.

Kein Protest gegen ihre Diskriminierung als Muckibude.

Kein Apell für mehr Anerkennung als Anbieter hochwertiger Gesundheits-Dienstleistungen, als vielleicht einziges Bollwerk gegen Adipositas, Diabetes, Osteoporose, Sarkopenie.

Wie denn auch? Die Frustrierten werden zu Hause bleiben und weiter ums Überleben kämpfen. Die anderen kommen, um sich zu feiern.

Alle brauchen Bauern – Wer braucht Fitness?

Fitness und Landwirtschaft haben viel Gemeinsames. Beide Erwerbszweige sind systemimmanent, gehören also zu unserem Leben. Die Landwirtschaft, weil sie für die Ernährung der Menschen sorgt durch Ackerbau und Viehzucht. Fitness, weil sie für die Gesundheit der Menschen sorgen könnte durch Angebote für mehr Bewegung, Informationen über gesunde Ernährung und Lebensweise.

Die Bedeutung der Bauern wird grundsätzlich auch anerkannt und sogar mit Steuergeldern subventioniert. Namhafte Organisationen machen sich stark dafür, dass Bauern mehr Geld für Ihre Leistungen erhalten. Dass die Gesellschaft von ihnen außer erstklassigen Produkten auch noch Rücksicht auf Fauna und Flora verlangt, ist auch ein Zeichen des Vertrauens in bäuerliche Leistungsfähigkeit.

Durch Dumpingpreise selbst ruiniert

Und Fitness? Wer macht sich für Fitness-Studios stark? Niemand! Nicht mal die eigenen Branchenverbände. Wer subventioniert Fitness-Studios? Keiner! Wozu auch. Deren Preise werden ihnen ja nicht diktiert wie die der Bauern vom Handel. Die Branche hat ihre schlechte Ertragslage durch Dumpingpreise selbst ruiniert. Statt für gerechte Preise zu kämpfen, kürzt sie lieber ihre Leistungen, verzichtet auf Beratung und Betreuung. Und spart am Ende die wahre Fitness kaputt.

Sie haben vieles gemeinsam, reagieren aber völlig verschieden. Die Bauern tun alles, um ihre Lage zu verbessern, die Fitness-Studios dagegen tun nichts oder viel zu wenig.

Verschlafen – Verschmäht – Verhökert

Oder was ist aus all den Steilvorlagen geworden, die der Branche in den letzten Jahren serviert wurden? Präventionsgesetz – verschlafen! Fitness-Norm – verschmäht! Betriebliche Gesundheits-Förderung – verhökert!

Auf die bloße Erwähnung des Wortes „Fitness“ im Präventionsgesetz wurden Freudenfeuer aus Stroh entzündet. Das dort ausgestellte Rezept für Bewegung liegt noch immer in der Asche. Es zu nutzen hätte ja Arbeit gemacht, zum Beispiel um einen Katalog von detaillierten und zum ärztlichen Befund passenden Trainingsmaßnahmen zu erarbeiten. Damit im Rezept nicht bloß Bewegung steht, sondern die exakte Fundstelle aus dem Handbuch einer Trainingstherapie.

Vor drei Jahren hat shape UP Business Vorreiter einer neuen Beratungs- und Betreuungskultur im Fitnessmarkt vorgestellt und Unternehmen der Fitness-Industrie benannt, deren Produkte und Programme ein Plus an Beratung und Betreuung bieten. Was ist daraus geworden? Nichts. Die Vorreiter von damals sind immer noch Einzelkämpfer und wohl auf verlorenem Posten gegen die Vermieter von Hallen mit Geräten zur Selbstbedienung.

Schade, diese Zukunft hat die Fitness-Idee nicht verdient,

bedauert Burkhard Lüpke