Die Bezuschussung von Präventionskursen nach § 20 des Sozialgesetzbuches kann eine lukrative Einnahme für Trainer und Therapeuten darstellen. Ab Oktober 2020 werden allerdings einige Änderungen in Kraft treten, die man auf dem Schirm haben sollte. Diese sind vor allem für diejenigen relevant, die sich erst ab Oktober neu zertifizieren lassen wollen.

Präventionskurse nach § 20

Unter bestimmten Bedingungen werden Sportkurse, wie etwa Pilates, Rückenschule oder auch Entspannungstraining von den gesetzlichen Krankenkassen bezuschusst. Grundlage dieser Regelung ist der § 20 des Fünften Sozialgesetzbuches (SGB V). Danach sind die gesetzlichen Krankenkassen verpflichtet, pro Versicherten jährlich einen gewissen Betrag für Präventionsleistungen bereit zu stellen. Im Falle der Präventionskurse wird dieser Betrag zur Bezuschussung von Bewegungs- und Entspannungsangeboten verwendet.

Zahlt ein Versicherter beispielsweise 140 Euro für die Teilnahme an einem zehnwöchigen Pilateskurs und handelt es sich um ein zertifiziertes Angebot, erhält er anschließend einen Teil des Kursbetrages erstattet. Manche Kassen erstatten den vollen Kursbetrag, andere nur einen bestimmten Prozentsatz oder es gibt feste Regelsätze von zum Beispiel 85 Euro. Versicherte können diese Regelung zweimal jährlich in Anspruch nehmen. Voraussetzung dafür ist bei den meisten Kassen, dass es sich um zwei unterschiedliche Kurse handelt.

Regeln Präventionskurse

Es werden ausschließlich Kurse bezuschusst, die bei der Zentralen Prüfstelle Prävention (ZPP) gelistet sind. Dabei handelt es sich um eine Datenbank, die als Ausführungsorgan der gesetzlichen Krankenkassen seit 2014 bundesweit kostenfrei Präventionsangebote prüft und zertifiziert. Die konkreten Modalitäten sind im Leitfaden Prävention festgelegt, der vom Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV-Spitzenverband) herausgegeben und regelmäßig aktualisiert wird. Er listet Voraussetzungen und Anforderungen auf, die der Anbieter erfüllen muss. So ist zum Beispiel die Gruppengröße auf mindestens sechs und maximal 15 Teilnehmer begrenzt, der Geräteanteil darf höchstens 50 Prozent betragen und es werden keine einzelnen Sportarten als Kursangebot zugelassen. Darüber hinaus besteht eine ganze Reihe weiterer Bedingungen. Der Leitfaden kann als PDF-Dokument auf der Seite des Spitzenverbandes heruntergeladen werden (1).

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Grundqualifikation 

Wichtigste Voraussetzung für eine Zertifizierung ist zunächst einmal eine Grundqualifikation. Das heißt, ein fachspezifischer Berufsabschluss. Für den Bereich Bewegung und Entspannung sind das Physiotherapeuten, Gymnastiklehrer, Sportwissenschaftler, Sportlehrer sowie Ärzte. Darüber hinaus muss eine Trainerlizenz für das jeweilige Kursangebot eingereicht werden. Wer eine Rückenschule zertifizieren lassen möchte, muss also nachweisen, dass er auch eine Fortbildung zum Rückenschullehrer absolviert hat. Damit sie anerkannt werden können, sind Fortbildungen an konkrete Anforderungen in Bezug auf den Stundenumfang oder den Fortbildungsanbieter gekoppelt. So werden beispielsweise nur Pilatesfortbildungen von Instituten anerkannt, die Mitglied im Deutschen Pilatesverband sind. Einzelheiten müssen im Bedarfsfall bei der ZPP erfragt werden.

Zertifizierung 

Eine Zertifizierung gilt jeweils drei Jahre und muss dann erneuert werden. Dazu reicht es, vor Ablauf der Frist die Unterlagen erneut einzureichen. Es empfiehlt sich, die Rezertifizierung etwas früher zu beantragen, um etwaige Änderungswünsche seitens der ZPP bearbeiten zu können. Dafür steht ein Zeitfenster von zehn Tagen zur Verfügung. Wird diese Frist überschritten, muss die Zertifizierung noch einmal von Grund auf neu beantragt werden.

Angebote

Grundsätzlich gibt es nur wenige Beschränkungen in Bezug auf die Kursinhalte. Populär sind noch immer die Klassiker, wie Yoga, Pilates und Rückenschule. Darüber hinaus steht es jedem frei, eigene Kurskonzepte zu entwickeln. Interessant für (Personal-)Trainer sind Kurse, wie Wirbelsäulengymnastik, Herz-Kreislauf- oder Zirkeltraining. Der Vorteil bei diesen eher allgemein gefassten Angeboten ist, dass die Grundqualifikation allein ausreicht und keine zusätzlichen Trainerlizenzen erforderlich sind. Im Zweifelsfall sollte aber auch hier bei der ZPP nachgefragt werden.

Finanzieller Aspekt

Präventionskurse können ein lohnendes Geschäft sein. Der übliche Satz für einen Zehn-Wochen-Kurs beträgt 120-140 Euro. Versteht man sich auf Marketing und schafft es, fünf Kurse pro Woche mit zehn Teilnehmern zu füllen, bedeutet das ein Bruttomonatshonorar von 2.400-2.800 Euro. Zieht man Nebenkosten, wie Raummiete oder Anfahrt ab, bleiben 2.000-2.200 Euro. Das entspricht einem Stundenhonorar von 100-110 Euro. Zu beachten ist, dass Präventionsleistungen in vollem Umfang umsatzsteuerpflichtig sind. Es müssen die regulären 19 Prozent Umsatzsteuer an das Finanzamt abgeführt werden.

Bevorstehende Änderungen

Der aktuelle Leitfaden enthält konkrete Hinweise auf Änderungen, die ab Herbst 2020 greifen werden. Genügten bislang eine fachspezifische Ausbildung und entsprechende Trainerlizenzen, so wird Anbietern ab Oktober deutlich mehr abverlangt. Die neuen Anforderungen sind inhaltlich sehr viel spezifischer formuliert und vor allem umfangreicher. Für das Präventionsprinzip „Reduzierung von Bewegungsmangel durch gesundheitssportliche Aktivität“ müssen Voraussetzungen erfüllt sein, die sich inhaltlich und quantitativ an Ausbildung oder Studium orientieren (Tab. 1).

Trainings- und Bewegungswissenschaften

150 Stunden oder 5 CP (Credit Points)

Medizin

150 Stunden oder 5 CP

Pädagogik, Psychologie

150 Stunden oder 5 CP

Theorie und Praxis der Sportarten und Bewegungsfelder

150 Stunden oder 5 CP

Grundlagen der Gesundheitsförderung und Prävention

30 Stunden oder 1 CP

zusätzlich frei wählbar aus den o.g. Inhalten

120 Stunden oder 4 CP

Gesamt

750 h oder 25 CP

Für das Präventionsprinzip „Vorbeugung und Reduzierung spezieller gesundheitlicher Risiken durch geeignete verhaltens- und gesundheitsorientierte Bewegungsprogramme“ sind insgesamt sogar 870 Stunden erforderlich sowie zusätzlich 120 Stunden im Bereich der Pathologie und Pathophysiologie.

Für das Handlungsfeld Entspannung sehen die Anforderungen für Kurse wie Autogenes Training und Progressive Muskelentspannung wiederum andere zeitliche Umfänge vor (Tab. 2) (2).

Pädagogik, Psychologie

180 Stunden oder 6 CP

Medizin

180 Stunden oder 6 CP

Beratung, Training und Schulung sowie Selbsterfahrung und Einweisung in PR/AT

90 Stunden oder 3 CP

Grundlagen der Gesundheitsförderung und Prävention

30 Stunden oder 1 CP

Zusätzlich frei wählbar aus den o.g. Inhalten

150 Stunden oder 5 CP

Gesamt

630 Stunden oder 21 CP

Credit Points (CP) werden vor allem im Rahmen der auf europäischer Ebene vereinheitlichten Bachelor- und Masterstudiengänge vergeben. Ein CP entspricht dabei rund 30 Zeitstunden. Synonym zum CP ist das Europäische System zur Übertragung und Akkumulierung von Studienleistungen (ETCS = European Credit Transfer System).

Bestandsschutz 

Trainer, die bereits vor Oktober 2020 zertifiziert waren, fallen unter den Bestandsschutz. Sie werden bei Rezertifizierungen auch zukünftig anhand der alten Maßstäbe beurteilt. Wer sich allerdings das erste Mal zertifizieren lassen möchte, für den gelten die neuen Regeln. Ausnahmen werden für Studenten und Auszubildende gemacht. Für sie gilt eine Übergangszeit bis Oktober 2024.

Folgen für den Gesundheitsmarkt

Aus Sicht der Krankenkassen bedeutet die Anhebung der Ausbildungsstandards eine Qualitätssteigerung. In Trainer- und Therapeutenkreisen wird dagegen gemunkelt, die Neuerungen zielten lediglich darauf ab, den Markt bewusst möglichst klein zu halten, um Geld zu sparen. Fakt ist, dass Physiotherapeuten und Gymnastiklehrern die Möglichkeit für Kurszertifizierungen zukünftig verwehrt bleiben wird. So etwa sind in der Physiotherapie-Ausbildung regelhaft nur 40 Unterrichtseinheiten (UE) Trainingslehre vorgesehen. Bewegungs- wie auch Entspannungsangebote können nur noch von Sportwissenschaftlern, Sportlehrern oder Ärzten geleitet werden. Für eine Nachqualifizierung sind dann umfangreiche Fortbildungen notwendig, die nach den Vorgaben des Leitfadens Prävention ausschließlich in Präsenzzeit absolviert werden können. Für 110 UE Trainingslehre entspricht das rund zwei vollen Wochen.

Problematisch könnte es auch für diejenigen werden, deren Ausbildung oder Studium schon länger zurückliegt. Denn ab Oktober muss nicht nur die Abschlussurkunde eingereicht werden, sondern sämtliche relevanten Unterlagen mit einer detaillierten Auflistung der jeweiligen Inhalte. Liegen Ausbildung oder Studium schon ein paar Jahre zurück, kann es sein, dass diese Unterlagen unter Umständen gar nicht mehr verfügbar sind.

Quellen

  1. GKV. Zugriff am 13.01.2020: www.gkv-spitzenverband.de/krankenversicherung/praevention_selbsthilfe_beratung/praevention_und_bgf/leitfaden_praevention/leitfaden_praevention.jsp. 
  2. GKV. Zugriff am 13.01.2020: https://www.gkv-spitzenverband.de/media/dokumente/krankenversicherung_1/praevention__selbsthilfe__beratung/praevention/praevention_leitfade
  3. n/2019_Leitfaden_Praev_Kriterien_zur_Zertifizierung.pdf.