An phantasievollen Zukunftsvisionen herrscht im Allgemeinen kein Mangel. In der Fitnessbranche hingegen schon. Daher kann sich der oft beschworene Blick über den Tellerrand  durchaus rentieren. Speziell dann, wenn es um Bereiche geht, die Studios & Co. tangieren und in denen es sich lohnen könnte zu investieren. Namentlich sind dies Beauty, Ernährung und Erlebnisbedarf. 

1. Beauty

Jugendliche Schönheit ausstrahlen und bewahren – das ist das große Beauty-Thema der kommenden Jahrzehnte. Welche Tools und Trends dabei eine Rolle spielen, untersucht die Living-2038-Studie von QVC (1). Sie enthält damit auch Anregungen, mit denen speziell über einen Wellnessbereich verfügende Studios ihre Gäste anlocken können. Denn die Nachfrage nach neuen Ideen rund ums professionelle Stylisten steigt. Hautlaser für den Hausgebrauch sind nur der Anfang: Etwa jeder zweite Deutsche kann sich laut Studie vorstellen, dass Hightech-Geräte zur Schönheitspflege in Zukunft ganz selbstverständlich werden. Digitale BeautyCoaches sind dabei stark im Kommen. Der US-Kosmetikkonzern Coty stellte bereits einen smarten Spiegel vor, der mittels Augmented Reality neue Haarfarben am Kopf der Anwender simuliert und die Frisur im 360°-Videoeffekt von allen Seiten zeigt. Eine neue App der Kosmetikmarke Olay wiederum visualisiert auf Basis eines Algorithmus, wie die Haut unter verschiedenen Bedingungen aussehen wird. Neutrogena hat bereits eine App entwickelt, die das Gesicht der Nutzer vermisst, analysiert und eine individuelle Gesichtsmaske in 3-D ausdruckt. Ähnlich arbeitet ein neuer Mini-Make-up-Drucker namens Opté Precision Wand. Nach einem Hautscan mit LED-Licht und Minikamera druckt er genau die Menge Make-up aus, die kleine Unebenheiten abdeckt und für makellose Haut sorgt. Den benötigten Hautton berechnet ein Algorithmus des integrierten Minicomputers. 

„Schönheitsbehandlungen, mit denen ich mein Äußeres nach bestimmten Vorstellungen gestalten kann“: Diesen Zukunftswunsch hegt laut der Studie mehr als jede vierte Frau in Deutschland. Parallel zu dieser Entwicklung regt sich in der Generation Z, in der Gruppe der kaufkräftigen Kunden von morgen, ein gewisser Widerstand gegen das klassische Schönheitsideal. Als anziehend empfunden wird der Ausdruck von Identität, Einzigartigkeit und Erfahrung, der sich in einem Schönheitsbild mit Ecken, Kanten und Makeln niederschlägt. Zukünftig setzt sich unser Schönheitsideal also vermutlich aus ganz heterogenen Vorstellungen zusammen. Damit splitten sich auch die Zielgruppen immer weiter auf – und die Nische löst den Mainstream ab.

2. Ernährung

Wird in deinem Studio auch verköstigt? Dann könnte 3-D für Euch zum Thema werden. Denn insbesondere im Food-Bereich eröffnet der 3-D-Druck laut Living-2038 neue Möglichkeiten, Zeit zu sparen: Die Snack-Kultur aus dem Drucker ersetzt die Fertiggerichte von heute. Nach dem Erfolg der Superfoods wird sich zudem künftig viel um die eigene DNA drehen. Sie wird zur Grundlage der optimalen präventiven Ernährung, der Pro-Active Nutrition. Die größte Veränderung für unsere Ernährungsgewohnheiten kündigt sich aber durch kultiviertes Fleisch aus dem Labor an. Clean Meat rückt ins Blickfeld: Fleisch, das umweltbewusst und ohne Tierleid künstlich hergestellt wird. Gemäß den Zukunftsprognosen eines von der Hotelleriekette Hilton initiierten Reports (2) werden Speisen zudem verstärkt auf pflanzlicher Basis zubereitet und einige überraschende Proteinquellen entwickeln sich zu den neuen Standards. Als Beispiele werden Bolognese aus Käfern sowie Kuchen aus Plankton oder Seetang genannt. Und nicht nur der 3-D-Druck ermöglicht es, die Ernährung den persönlichen Vorlieben anzupassen: Die Zubereiter von Mahlzeiten erhalten biometrische Daten der zu Versorgenden und erstellen so Gerichte, die auf exakten Präferenzen und Ernährungsanforderungen basieren.

3. Erlebnisbedarf

Fitnesstempel und Wellnessbereiche gehobener Hotels sprechen ein ähnliches Publikum an. Somit ist es durchaus anregend, sich auch bezüglich der Studiokernbereiche mit den Hilton-Prognosen zu beschäftigen. So werden unter anderem Konzepte präsentiert, die dem wachsenden Erlebnishunger einer multimedial verwöhnten Gesellschaft entgegenkommen. So soll es etwa spätestens im Jahre 2119 dank entsprechender Technologien möglich sein, in Echtzeit jeden Raum und jede Einrichtung an die Bedürfnisse der Benutzer anzupassen. Von der Temperatur über die Beleuchtung bis hin zur Unterhaltung: Mikrochips unter der Haut erlauben es den Kunden zukünftig, ihre Umgebung drahtlos zu steuern.

Virtual Reality

Schwimmen mit virtuellen Meeresschildkröten oder das Besteigen eines digitalen Mount Everest – so könnten laut Hilton-Report die Trainingsroutinen der Zukunft aussehen. An diesen Beispielen wird deutlich, dass die virtuelle Realität (3), kurz VR, ein Fitnessthema von morgen sein wird. Hier ist speziell der Gaming-Bereich angesprochen, also in diesem Fall der spielerische Erwerb der Fitness mit Hilfe von Computern. Aaron Stanton, ein Business Angel und Berater für Start-ups im Silicon Valley, hat sich auf virtuelle und erweiterte Realität spezialisiert. Er ist auch an dem in diesem Bereich maßgebenden „Virtual Reality Institute of Health & Exercise der Universität von San Francisco beteiligt. Stantons Ansicht nach werden die Akteure der Fitnessbranche schon bald um Marktanteile bei der VR-Fitness ringen. Schon in wenigen Jahren werde es in den USA keine einzige Sporthalle mehr geben, die ohne einige Elemente von virtueller oder erweiterter Realität auskommt. Derzeit gibt es unseres Wissens nach mit Black Box VR nur ein Unternehmen, dass eine Simulation entwickelt, die dem Gewichtheben nahekommt.

Das Szenario könnte dann wie folgt aussehen. Die Anwender betreten einen Raum (Blackbox), wo sie ein Headset aufsetzen und verschiedene verkabelte Geräte mit ihrer Körpergröße und Kraft abstimmen. Das System speichert die Trainingshistorie und kalibriert die unterschiedlichen Übungen dergestalt, dass ein passender Widerstand entgegenwirkt, der sich mit zunehmender Fitness kontinuierlich steigert. Ein integrierter Trainer betreut die Spieler bei den einzelnen Übungstechniken, damit Wirksamkeit und Sicherheit gewährleistet sind. Wenn jemand beispielsweise nicht die geplante Wiederholungszahl erreicht, fällt die Gegenkraft weniger stark aus. Es kommt also darauf an, dass sich die Anwender beim Spiel ebenso wie beim körperlichen Training steigern und dabei eine gewisse Genugtuung empfinden, die sie entschädigt. 

Don’t worry

Für gute alte Fitnesstraditionen wird weiterhin Platz sein, denn ein Leben im offline-Modus wird der neue Luxus und Momente ganz ohne Technik der größte Genuss. Die Hilton-Studie besagt zudem: Je präsenter die künstliche Intelligenz ist, desto mehr Bedeutung bekommt der persönliche Kontakt. Übernimmt die Technologie einen Teil der Arbeit des Personals, hat dies mehr Zeit, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren – zwischenmenschliche Interaktion und das Schaffen besonderer Momente, die Besuchern in Erinnerung bleiben. Im Fitnessbereich werden holografische Personal Trainer zum Einsatz kommen. Die aus dem Training gewonnene Bewegungsenergie wird genutzt, um den Betrieb mit Energie zu versorgen: ein zirkulierendes System. Überhaupt ist Nachhaltigkeit ein Zukunftsthema, mit dem sich unter anderem die Ausgabe 4/2019 der shape UP Business schwerpunktmäßig beschäftigt hat. 

Quellen

  1. ots/QVC Deutschland. 2019. Schön, schöner, Zukunft: Diese Beautytrends bewegen uns in 20 Jahren. Zugriff am 28.1.2020: https://www.presseportal.de/pm/6333/4410754
  2. ots/Hilton. 2019. Kurzurlaube auf dem Mond, Zimmerservice via 3D-Druck und hyper-personalisierte Räume: Willkommen im Hotel des Jahres 2119. Zugriff am 28.1.2020: https://www.presseportal.de/pm/73998/4304189
  3. Black Box VR. 2018. Welche Konsequenzen hat der Einzug der virtuellen Realität in die Fitness-Welt?