Für viele Studiobesucher ist Selbstoptimierung schon seit jeher eines der Hauptziele. Dass Erfolge auf dem Wege dorthin zum Statussymbol werden, mag auch nicht ganz neu sein, hat aber durch den technologischen Fortschritt heute eine andere Qualitätsstufe erreicht. Wie Fitnessclubs damit am besten umgehen? Dieser Frage widmet sich ein aktueller Trendreport aus dem Bereich Medical Fitness.

Halb Deutschland arbeitet an sich

In der Vergangenheit konzentrierten sich Selbstoptimierer im Wesentlichen darauf, gesund, sportlich und leistungsfähig zu sein. Heute gesellen sich auch Attribute wie entspannt, selbstbestimmt und glücklich dazu. Dermaßen geprägte Menschen werden im Trendreport der Generation Selbstoptimierung 2.0 zugeordnet, einer Generation, die aus eigenem Antrieb vergleichsweise viel für ihr Wohlbefinden tut.

Die Studie „Healthstyle III: Ganzheitlich gesund“ (1) liefert Zahlen zum Thema Selbstoptimierung. Initiiert wurde sie vom Marktforschungsinstitut Kantar TNS (Infratest) und der Trend- und Zukunftsforscherin Corinna Mühlhausen, beide in Hamburg ansässig. In der Befragung bezeichneten sich immerhin 50 Prozent mehr oder weniger als Selbstoptimierer. Lediglich fünf Prozent geben an, nichts zu unternehmen, um sich und ihr Leben zu optimieren. 97 Prozent der Frauen und 90 Prozent der Männer geben an, in punkto Körper etwas verbessern zu wollen. Auffällig sind die Geschlechtsunterschiede beim Ausleben der Selbstoptimierung. Frauen setzen in erster Linie auf gesunde Ernährung, Männer hingegen auf Sport. Bei der Frage „Was planen Sie in Zukunft, um sich und Ihr Leben zu optimieren?“ sind sich die Geschlechter weitestgehend einig (Tab. 1).

Was planen Sie in Zukunft, um sich und Ihr Leben zu optimieren?

Rang 1

Gute Ernährung

58,2 Prozent

Rang 2

Für Entspannung und Ruhe sorgen

56,7 Prozent

Rang 3

Genug schlafen

55,5 Prozent

Rang 4

Regelmäßig Sport treiben

48,4 Prozent

Bei der Frage „Was bedeutet für Sie Gesundheit?“ landete „Persönliche Fitness“ mit 44,2 Prozent auf Rang fünf hinter „Persönliches Wohlgefühl“, „Abwesenheit von Krankheit/Schmerzen“, „Balance von Körper, Geist und Seele“, „Arbeitsfähigkeit/leistungsfähig sein“. „Schönheit/ein attraktiver Körper“ nahm mit 20,4 Prozent den letzten Platz der Top Six ein (Tab. 2). 

Was bedeutet für Sie Gesundheit ?

Rang 1

Persönliches Wohlgefühl

77,4 Prozent

Rang 2

Abwesenheit von Krankheit/Schmerzen

65,8 Prozent

Rang 3

Balance von Körper, Geist und Seele

59,1 Prozent

Rang 4

Arbeitsfähigkeit/leistungsfähig sein

53,7 Prozent

Rang 5

Persönliche Fitness

44,2 Prozent

Rang 6

Schönheit/ein attraktiver Körper

20,4 Prozent

Das Streben nach Selbstoptimierung und einem gesunden, fitten Körper schlägt sich seit Jahren auch in den Mitglieder- und Umsatzzahlen der deutschen Fitnessstudios nieder. Das bestätigen auch die Angaben für 2018 (2): 

  • Fitnessstudiomitglieder 11,09 Millionen (plus 4,5 Prozent)
  • Branchenumsatz 5,33 Miliarden Euro (plus 2,5 Prozent)

Nur Sport war gestern

„Mit dem Boom zahlreicher Gesundheits-Apps und Fitnesstracker hat das Streben nach dem optimalen Fitness-Selbst ein neues Level erreicht“, heißt es im seca Trendreport. Heute reiche es vielen Optimierern nicht mehr, einfach nur Sport zu treiben und sich gut zu ernähren. Trainings- und Ernährungserfolge müssen dokumentiert und gegebenenfalls auch geteilt werden können. Laut Zahlen aus Studien (3) vermisst etwa ein Drittel der Deutschen über 14 Jahre seinen Körper mit Fitnesstrackern und Wearables. Fast jede(r) Zweite benutzt Gesundheits-Apps auf dem Smartphone. Gerade Wearables bedienen dabei einen zentralen Anspruch der neuen Optimierer-Generation: Es werden nicht nur Momentaufnahmen aufgezeigt, sondern auch Statistiken gebildet, die Erfolge mess- und belegbar machen. 

Bringen Messwerte einen Mehrwert?

Damit aus dem Optimierungsdrang der Trainierenden und den erhobenen Fitnessdaten ein Erfolgsduo wird, müssten Trainer die Daten der Wearables auswerten und in die Zieldefinition und Trainingsplanung einfließen lassen, heißt es im Trendreport weiter. Gefragt sei ein ganzheitlicher Ansatz der Medical Fitness, bei dem weitere Gesundheitsinformationen die selbst erhobenen Daten ergänzen. Darauf hinzuweisen, spiegelt natürlich auch ein gewisses Eigeninteresse der in diesem Bereich tätigen Unternehmen wider. Dass man mit Datenerhebungen über Geräte, die sich Normalverbraucher nicht leisten können beziehungsweise nicht zum Tragen am Körper geeignet sind, Selbstvermessungsjunkies anfixen kann, scheint jedenfalls sehr plausibel. 

Anregungen für Studiobesitzer bieten die angeführten Ideen allemal. Namentlich geht es um Daten zum Stresslevel, zur Zellgesundheit und zur Körperzusammensetzung. All diese Informationen würden einen zusätzlichen Mehrwert für Kunden im Studio liefern. Denn wer mit medizinischen Messsystemen arbeitet und so die Trainingserfolge nachweisbar und sichtbar machen kann, ermöglicht ein individuelles und ganzheitliches Trainingserlebnis, das „Trackies“ zufriedenstelle. Zudem würden so auch die Voraussetzungen geschaffen, zukünftig mit Ärzten und Krankenkassen kompetent kommunizieren zu können. 

Körperanalyse-Equipment und ähnlich aufwendiger Hightech kann Selbstoptimierer anlockenDenys Kurbatov / shutterstock.com
Körperanalyse-Equipment und ähnlich aufwendiger Hightech kann Selbstoptimierer anlocken

Immer wieder Prävention

Interessanterweise spielt die Prävention  – der Dauerbrenner unter den Zukunftsthemen – auch im Zusammenhang mit der Selbstoptimierung eine gewisse Rolle.  Denn gesundheitsorientierte Fitnesskonzepte sind dazu in der Lage, sowohl Leute mit Problemen wie Übergewicht als auch Trainingsaktive mit ungebrochenem Verbesserungswillen anzusprechen. Zugleich machen sie sich gesundheitspolitische Trends wie Subventionierung der Studiobesuche zunutze. „Die Präventionsangebote versuchen, beide Seiten gleichermaßen abzuholen: Diejenigen, die einen eher ungesunden Lebensstil pflegen und Unterstützung benötigen und die Selbstoptimierer, deren Handeln nun nicht nur durch virtuelle Medaillen ihres Fitnesstrackers belohnt wird, sondern auch durch Bonusprogramme ihrer Krankenkasse“. 

Chancen und Herausforderungen

Die Folgen der Selbstoptimierung für die Fitnessstudios äußern sich nicht nur in Form des stärkeren Gewichts von Prävention. Seitens der Fitnessindustrie würde das Streben nach Selbstoptimierung im Zusammenspiel mit den neuen Trackingtechnologien insgesamt ein Umdenken erfordern.

Es gilt demnach, den Umstand zu nutzen, dass die Do-it-yourself-Vermessung ihre Schwächen hat. Zwei Studien aus den USA belegen, dass die positiven Effekte des Trackings zumindest zweifelhaft sind. Eine 2018 veröffentlichte Untersuchung von Forschern der Oregon Health and Science University (4) zeigte beispielsweise auf, dass die Nutzer von Trackinggeräten ihren eigenen Fitnesszustand überschätzen. Nutzer, die ein solches Gerät trugen, wurden im Laufe der Zeit eher träger als aktiver, was insbesondere für ältere Menschen gelte. Eine zwei Jahre zuvor durchgeführte und im „Journal of the American Medical Association“ publizierte Studie (5) einer Forschergruppe der University of Pennsylvania fand heraus, dass Selbstvermesser weniger abnahmen als eine Kontrollgruppe, die statt eines Armbands von realen Personen begleitet wurde. 

Was also können Studios in der Praxis tun? Sabrina Fütterer vom Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen (DSSV) gibt darauf eine Antwort: „Insbesondere Einzelbetriebe müssen sich im Preiskampf gegen den harten Wettbewerb abgrenzen und sich mit einer klaren Ausrichtung auf dem Markt positionieren. So etablieren sich Studios zum Beispiel als Gesundheitsanbieter oder entwickeln Angebote und Kompetenzen, die das Bedürfnis nach gesundheitlicher Optimierung und Tracking bedienen.“ 

Zudem sollten Studios ihren Mitgliedern einen Mehrwert zu dem bieten, was diese ohnehin schon wissen. Das Internet stellt Unmengen von Fitnessvideos mit Trainingsplänen und Hintergrundwissen teils frei zur Verfügung und ein Großteil der Trainierenden ist via Selftracking über die Entwicklung des eigenen Fitnesszustandes sehr gut informiert. Daher wäre mehr erforderlich als Coaches, die lediglich Trainingspläne von der Stange abliefern. Auch Verleger Janosch Marx glaubt: „Wir haben es mehr denn je mit informierten Mitgliedern zu tun, die hohe Ansprüche haben“. Dementsprechend würden sich künftig Studios und Trainer im Markt durchsetzen, die das bieten, was YouTube, Influencer und Fitnessarmbänder nicht leisten können. Dazu zählten eine durch ein fachspezifisches Studium oder eine entsprechende Ausbildung erworbene persönliche und qualifizierte Betreuung, zusätzliche Messwerte, die der Trainierende selbst nicht erheben könne und vor allem die professionelle Einordnung der gesammelten Daten.

Quellen

  1. news aktuell. 2016. Whitepaper 03 Selbstoptimierung
  2. ots/Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement. 2019. Eckdaten der deutschen Fitness-Wirtschaft 2019. Zugriff am 28.1.2020: https://www.presseportal.de/pm/70906/4221602
  3. Bitkom. 2016. Fast ein Drittel nutzt Fitness-Tracker. Zugriff am 28.1.2018: https://bit.ly/1X2fjE1/Bitkom. 2017. Fast jeder Zweite nutzt Gesundheits-Apps. Zugriff am 28.1.2018: https://bit.ly/2pNWJZc
  4. British Journal of Sports Medicine. 2018. Self-regulated use of a wearable activity sensor is not associated with improvements in physical activity, cardiometabolic risk or subjective health status. Zugriff am 28.1.2018: https://bit.ly/2Mp7koq
  5. JAMA. 2016. Effect of Wearable Technology Combined With a Lifestyle Intervention on Long-term Weight Loss: The IDEA Randomized Clinical Trial. Zugriff am 28.1.2018: https://bit.ly/2fFr0mj