Redaktioneller Beitrag
FitnessConnected 1/2021

Niemand will in muffige Praxen

In Markenbekanntheit zu investieren, ist alternativlos – auch für Therapieunternehmer. Ein hervorragend ausgestatteter Praxisbetrieb ist dafür die unbedingte Grundlage, denn Patienten und Arbeitskräfte von morgen wollen ihren Alltag nicht in muffigen Therapiebutzen verbringen.

Ein Beitrag von Nils Peter Hey
Lesezeit: ca. 2 Minuten
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Neulich, irgendwann vor der Corona-Zeit, sprach ich vor einer Gruppe Physiotherapeuten über Markenführung. Ein schwieriges Unterfangen, wie sich herausstellte. „Die Verfügbarkeit von Patienten ist unser kleinstes Problem“, rief mir eine Kollegin zu. Wieso sollte man da noch in Marke, Marketing und Werbung investieren? „Wegen Erfolg geschlossen“, könnte man auch meinen.

Fatale Selbsteinschätzung

Diese Haltung ist eine auf Erfolg beruhende fatale Selbsttäuschung. Ja, die Situation der Physios ist zwiegespalten. Einerseits ist das Patientenpotential auf lange Sicht enorm, während die Rahmenbedingungen zu wünschen übrig lassen. Insofern lassen manche Praxisunternehmer heutzutage lieber die Hölle zufrieren, als dass sie in Aufmerksamkeit investieren.

Wenn man sich von Berufs wegen mit der Frage nach der Überlebensfähigkeit von Marken befasst, dann lässt sich vieles auf eine einfache Formel reduzieren: Es gibt für die Bekanntheit keine Ersatzwährung. Kurz: Wer nicht wirbt, stirbt. Lachen Sie nur, natürlich ist das eine olle Binsenweisheit.

Die Investition in Reichweite und Bekanntheit ist von unschätzbarer Bedeutung für die Zukunftsfähigkeit jedes Unternehmens. Ohne Reichweite gibt es keine Chance, die Inhalte einer Marke zu transportieren. Daher: Die Überlegung, wie eine Marke zu mehr Reichweite und höherer Bekanntheit kommt, ist alternativlos.

Fachkräftemangel macht Druck

Was viele übersehen: Es geht gerade jetzt um die Praxismarke als Arbeitgeber. Wer Menschen für sich begeistern will, muss präsent sein. Ein unsichtbares Unternehmen ist auch für potenzielle Mitarbeiter unsichtbar und damit weniger begehrlich. Der Stolz auf die eigene Arbeit beruht auch auf der positiven Wahrnehmung des Arbeitgebers, denn wer will schon im Verborgenen arbeiten? Im Wettbewerb um die besten Therapie-Talente sind die erfolgreicher, deren Strahlkraft auch im Arbeitsmarkt überzeugt, denn ohne hervorragendes Personal keine Spitzenleistung und ohne Spitzenleistung keine Garantie für langfristigen Erfolg. Aus all dem ergibt sich, dass das Aufbauen von Marken nur etwas für Leute ist, die über kurzfristige Auslastung hinaus denken können. Die Zeit dafür muss man sich nehmen und wirksame Kommunikation ist kein Hexenwerk.

Dem Markendreiklang folgen

Man folge dafür dem klassischen Markendreiklang: 1. Bekanntheit, 2. Sympathie, 3. Verwendung. Schiere Bekanntheit ist der erste Schritt. Bekanntere Unternehmen wirken eben sympathischer. Sympathie wiederum ist die Voraussetzung für Verwendung, logisch. So baut wachsende Bekanntheit automatisch Sympathie auf und beide zusammen ziehen mehr Verwendung nach sich. Oder wie schon der Volksmund weiß: Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht.

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FitnessConnected 1/2021

Erschienen am 15. Oktober 2021