Education
shape UP Business 1/2022

Nachwuchsförderung

Ausbildung im eigenen Betrieb

Die eigene berufliche Laufbahn zu finden, ist ein herausfordernder Weg. Die ersten Schritte führen über Schulen und weiterführende Schulen hin zur ersten großen Entscheidung für junge Erwachsene. Sie müssen sich der Frage stellen, welchen Karriereweg sie einschlagen sollen.

David Klinkhammer
Lesezeit: ca. 6 Minuten
Robert Kneschke / shutterstock.com

Eine Ausbildung oder ein Studium? Möglicherweise braucht man noch etwas Bedenkzeit während eines Work-&-Travel-Jahres, dem Wehrdienst oder einem freiwilligen sozialen Jahr? Es gibt auch einige junge Menschen, die zunächst einen falschen Karriereweg eingeschlagen haben und sich dann neu orientieren möchten.

Die Hauptmotivation, einen Beruf zu erlernen, ist das Gehalt (Statista, 2022), welches die Lebensgrundlage bildet. Wenn dies der alleinige Grund für die Karrierewahl wäre, sähe der Arbeitsmarkt sehr einseitig aus und wir hätten einen Großteil an unzufriedenen Berufstätigen. Die individuellen Interessen spielen bei der Wahl eine ebenso große Rolle. Die Identifikation mit dem, was man tagtäglich leistet, bestimmt die langfristige Ausführung eines Berufs im Wesentlichen mit.

Das Interesse, Koch zu werden, sollte durch die Leidenschaft entstehen, Speisen zu kreieren und weiterzuentwickeln. Die Faszination für den menschlichen Körper, aber auch der Wunsch, am Genesungsprozess kranker Menschen beteiligt zu sein, sind beste Voraussetzungen für die Berufswahl zum Krankenpfleger oder Arzt. Die Begeisterung für die Durchführung sportlicher Aktivitäten, das Beobachten, wie Sport sich auf den eigenen Körper auswirkt, und den Wunsch, dieses Wissen an Menschen weiterzugeben, sind ausschlaggebend für diejenigen, die eine Karriere im Sport anstreben. Die Vermittlung dieses Wissens übernehmen Aus- und Weiterbildungsschulen im Rahmen der beruflichen Aus- und Weiterbildung sowie Hochschuleinrichtungen für akademische Studiengänge.

Im Rahmen der dualen Berufsausbildung wird Auszubildenden das Wissen in einem theoretischen und einem praktischen Teil vermittelt. Die Hauptzeit der Ausbildung wird in einem Betrieb absolviert. Hier lernt der Auszubildende das praktische Know-how und die verschiedenen Bereiche des Unternehmens kennen und kann bereits frühzeitig in verschiedene Arbeitsprozesse integriert werden. Das theoretische Fachwissen der Ausbildung erwirbt der Auszubildende dagegen im Schulunterricht. Dieses solide duale Ausbildungskonzept erfährt derzeit jedoch einen jährlichen Rückgang an Bewerbern. Es stellt sich daher die Frage, ob der Ausbildungsmarkt gesättigt ist. Unter welchen Voraussetzungen finden Arbeitgeber und Arbeitnehmer (auch langfristig) weiter zusammen?

Die Nachfrage nach Ausbildungen sinkt

Im Jahr 2020 wurden 9,3 % (Statista, 2021) weniger Ausbildungsverträge als im Jahr 2019 abgeschlossen. Auf 527.433 angebotene Ausbildungsplätze kamen lediglich 496.834 Bewerber. Davon kam es nur bei 467.485 Personen zu einem abgeschlossenen Ausbildungsvertrag. Die Zahl liegt somit erstmalig seit 1992 unter 500.000 (Statista, 2021). Die Corona-Pandemie beeinflusst die Arbeitsmarktlage negativ.

Umsatzeinbußen betreffen fast alle Branchen und während einige Unternehmen Insolvenz anmelden mussten, setzten andere wiederum auf die Reduzierung ihrer Arbeitskräfte oder boten flexible Arbeitszeitmodelle an. Die schwindende Nachfrage nach Ausbildungen existierte jedoch bereits vor der Pandemie: Deutschland hat ein Nachwuchsproblem. Der demografische Wandel prophezeit bis 2034, dass bei der Gesamtzahl aller Erwerbstätigen zwischen 20–67 der Anteil der über 67-Jährigen bei 30–45 % liegen wird. Wenn der Trend so weitergeht und keine steigenden Zuwanderungen erfolgen, gibt es in Deutschland 2060 ein Drittel weniger Erwerbspersonen (BMWI, 2019). 55 % aller Unternehmen sehen den Fachkräftemangel als Risiko für ihren zukünftigen Unternehmenserfolg an, 352 Berufsbranchen klagen bereits über einen Mangel (BMWI, 2019).

Umso wichtiger wird es für Arbeitgeber, junge Menschen frühzeitig an das eigene Unternehmen zu binden. Die Sport- und Fitnessbranche ist bei jungen Menschen sehr beliebt. Hier können Arbeitgeber ihre Ausbildungskapazitäten sogar noch erweitern. Duale Ausbildungen wie die zum/zur Sport- und Fitnesskaufmann/-kauffrau sind so gefragt, dass sich im Jahr 2020 sogar 34,1 % der Bewerber erfolglos um einen Ausbildungsplatz bemühten. Das Angebot seitens möglicher Ausbildungsbetriebe fiel zu gering aus.

Vorteile der dualen Ausbildung

Die Gründe, um sich für eine duale Ausbildung zu entscheiden, sind für einen jungen Menschen vielfältig: die hohe Praxisorientierung, ein festes Gehalt, Übernahmechancen nach der Ausbildung (77 % werden nach der Ausbildung übernommen) und die damit verbundenen Aufstiegschancen im Unternehmen. Außerdem existiert die Möglichkeit, sich nach der Ausbildung je nach Branche weiterzubilden: Ausbildungen zum Meister, Fachwirt oder spezifische Studiengänge an Fachhochschulen sind möglich.

In beliebten Branchen wie der Sport- und Fitnessbranche führt das Interesse vieler junger Menschen für die Themen der Ausbildung zu einer zusätzlichen Motivation, in dieses Berufsfeld zu starten. Die starke Begeisterung für Sport und die damit verbundene Nachfrage für eine Karriere im Sport lässt sich anhand der Mitgliederstrukturen von Sportvereinen zeigen. Etwa 66 % aller 7-14-Jährigen und 55 % aller 15-18-Jährigen sind Mitglieder eines Sportvereins (Statista, 2021). Sport macht bereits im heranwachsenden Alter einen Großteil des Lebens aus.

Chancen und Herausforderungen

Einem Unternehmen fallen gewiss gute Gründe für und gegen eine Ausbildung im eigenen Betrieb ein. Die Ausbildung eines jungen Menschen nimmt zeitliche Ressourcen in Anspruch und es dauert einige Monate, bis der Auszubildende eine vollwertige Arbeitskraft geworden ist. Für den Arbeitgeber werden die ersten Ausbildungsmonate ebenso zu einer Probezeit, wie für den Auszubildenden. Denn umso mehr Arbeit gerade zu Beginn seiner Ausbildung in die Entwicklung eines jungen Menschen investiert wird, umso mehr festigt sich sein Interesse an seinem Beruf und stärkt sich sein Zugehörigkeitsgefühl zum neuen Arbeitgeber.

Der Auszubildende sollte auch die Chance erhalten, die schönen Seiten eines Berufsbildes kennenzulernen und sich damit in seiner Ausbildungswahl bestärkt zu fühlen. Falls der Auszubildende das Gefühl bekommen sollte, nicht wertgeschätzt zu werden oder ausschließlich Arbeiten nachzugehen, die wenig oder nichts mit seinem ursprünglichen Berufswunsch gemein haben, könnte die vorzeitige Auflösung des Ausbildungsvertrags erfolgen. Im Jahr 2019 waren es immerhin 26,9 % aller Ausbildungsverhältnisse, die von Azubiseite aus vorzeitig gekündigt wurden. Betrachtet man die Vertragsauflösungen, stellt man fest, dass in 41 % dieser Fälle erneut eine Ausbildung im dualen System gestartet wurde. Das legt nahe, dass es nicht zwingend das Ausbildungskonzept ist, welches in erster Instanz zur Vertragsauflösung führte (BIBB, 2021).

Derartige Szenarien lassen sich mit geeigneten Recruiting-Maßnahmen bereits von Anfang an ausschließen. Denn nicht nur der Auszubildende sollte sich fragen, wie der perfekte Arbeitsplatz für ihn beschaffen sein sollte. Auch der Arbeitgeber muss sich überlegen, welche Eigenschaften seine potenziellen Auszubildenden für seinen Betrieb mitbringen sollten. Probearbeiten, Vorpraktikum und Assessments dienen dazu, den geeigneten Bewerber aus einer Vielzahl von Bewerbungen herauszufiltern.

Nachhaltig profitieren

Auch wenn die Ausbildung im eigenen Betrieb zunächst einige Herausforderungen mit sich bringt und Ressourcen bindet, bietet sie langfristig dem Unternehmen viele Vorteile. Die Einarbeitung von Fachkräften ist aufwendig und teuer. Wer Fachkräfte selbst ausbildet, spart langfristig Zeit und Geld und kann sich die Fachkräfte genau so ausbilden, wie er sie später im Betrieb benötigt. Ein im Betrieb ausgebildeter Mitarbeiter kann zudem flexibel eingesetzt werden. Gerade Sport- und Fitnesskaufleute lernen vielfältige Bereiche eines Unternehmens kennen und können später in allen Bereichen eingesetzt werden. Rechnungswesen, Vertragsgespräche, Verkauf, Projektmanagement und Personalmanagement bilden hier lediglich den verwaltungstechnischen Bereich ab.

Je nach Berufsschule oder Bildungsakademie, mit der das Unternehmen gemeinsam seine Auszubildenden ausbildet, werden im schulischen Bereich auch weitere Fachkompetenzen vermittelt. Bildungsakademien wie die Deutsche Sportakademie bieten neben der Vorbereitung auf die IHK-Abschlussprüfung auch ein umfassendes Trainerlizenzen-Paket an. Die Auszubildenden sind bereits nach wenigen Monaten der Ausbildung in der Lage, als Trainer eingesetzt zu werden und Trainings auf der Fläche und im Kursraum zu betreuen. Nach der abgeschlossenen Ausbildung verfügt das Unternehmen über einen Mitarbeiter mit kaufmännischen und sportpraktischen Expertenkenntnissen. Hinzu kommt die dreijährige Erfahrung der Betriebsabläufe im Unternehmen. Dies qualifiziert die neugewonnene Fachkraft für verantwortungsvolle Aufgaben, so etwa die Leitung verschiedener Bereiche – oder gar die komplette Leitung weiterer Filialen des Unternehmens.

Fazit

Wer selbst im eigenen Betrieb ausbildet, umgeht den drohenden Fachkräftemangel, welcher durch den demografischen Wandel entsteht. Die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen in der Sport- und Fitnessbranche ist hoch – der Markt ist nicht gesättigt. Die Vorteile, im eigenen Betrieb auszubilden, sind vielfältig. Insbesondere die flexiblen Einsatzmöglichkeiten von Auszubildenden machen das Konzept der dualen Berufsausbildung so attraktiv. Ausbilden lohnt sich!

Dieser Beitrag ist in Zusammenarbeit mit der Deutschen Sportakademie entstanden.

Surftipp

Hier findet ihr mehr Infos:

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Quellen

Statistisches Bundesamt. Duale Berufsausbildung: Historischer Rückgang der Zahl neuer Ausbildungsverträge im Jahr 2020. Pressemitteilung. Online-Zugriff am 28.01.2022: su.rpv.media/4do

Statista. Auszubildende: Anzahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in Deutschland von 1992 bis 2020. Online-Zugriff am 28.01.2022: su.rpv.media/4dp

Statista. Aus welchem Antrieb heraus arbeiten Sie? Online-Zugriff am 28.01.2022: su.rpv.media/4dq

Statista. Anteil der Bevölkerung in Deutschland mit Mitgliedschaft in einem Sportverein 2021 nach Altersgruppen. Online-Zugriff am 28.01.2022: su.rpv.media/4dr

Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz. Fachkräfte für Deutschland. Online-Zugriff am: 28.01.2022: su.rpv.media/4ds

Bundesinstitut für Berufsbildung. Datenreport. Online-Zugriff am 28.01.2022: su.rpv.media/4dt

Bundesinstitut für Berufsbildung. 2021. Die Entwicklung des Ausbildungsmarktes 2021. Online-Zugriff am 28.01.2022: su.rpv.media/4du

Bundesministerium für Bildung und Forschung. 2021. Berufsbildungsbericht 2021. Online-Zugriff am 28.01.2022: su.rpv.media/4dv

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