Einige Unternehmer haben das Thema Nachhaltigkeit bereits in ihr Portfolio integriert. Einer davon ist der Tiroler Christian Jäger. Ihn interessieren Ideen und Innovationen, die Gesundheit und Lebensqualität nachhaltig verbessern. Im Interview mit shape UP verrät er, wie alte Märkte revolutioniert und neue Märkte erschlossen werden können. 

sUP: Wie definieren Sie Nachhaltigkeit und warum ist diese so wichtig?

Christian Jäger: Nachhaltigkeit bedeutet für mich generell, jetzt für die Zukunft zu verbessern.

Das kann die Umwelt betreffen, genauso wie Wirtschaft und Gesellschaft. Es sollte im ureigenen Interesse des Menschen stehen, laufend alle Aspekte des Lebens zu verbessern und zu optimieren. 

sUP: Ist der nachhaltige Gedanke aktuell nur ein Trend oder wird dies Ihrer Meinung nach ein dauerhafter Aspekt sein?

Christian Jäger: Der nachhaltige Gedanke muss dauerhaft sein. Der Schutz der Umwelt beispielsweise ist essentiell – es ist 5 nach 12. Leider wird das Thema „nachhaltiger Umweltschutz“ oft als reines Marketinginstrument missbraucht.

sUP: Wie profitieren Unternehmen, insbesondere Fitnessstudios, von einem nachhaltigen Ansatz oder Konzept?

Christian Jäger: Der nachhaltige Ansatz bringt mehr Flexibilität und letztlich zufriedene Kunden mit besserer Bindung.  Zum Beispiel durch eine App und moderne Trainingskonzepte.

Mitglieder trainieren beispielsweise drei- bis viermal pro Woche zu Hause in Eigenregie und kombinieren dies mit einem Besuch ein- bis zweimal ins Fitnessstudio. 

Wir adressieren mit modernen Trainingskonzepten vor allem auch die Zielgruppe, die bis dato gar nichts für ihren Körper gemacht hat. Das sind laut verschiedener Auswertungen bis zu 80 Prozent der Bevölkerung. Diese holen wir von der Untätigkeit in die Aktion. 

sUP: Sie beschäftigen sich intensiv mit dem Nachhaltigkeitsgedanken. Sicherlich haben Sie damit nicht nur offene Türen eingerannt. Wann sind Sie auf Widerstände gestoßen?

Christian Jäger: Beim Thema Umwelt stehen die Türen offen, beim Thema Nahrungsmittel scheiden sich die Geister – oft auch am Preis. Im Bereich Fitness muss man erklären, dass die Flexibilität, auch zu Hause trainieren zu können, ebenfalls einen Vorteil für Fitnessstudios bietet. Es bringt nicht nur viele Kunden wieder zurück zur Aktion, sondern aktiviert insbesondere die Karteileichen. 

Alles „Geknebelte“ ist out – also Trainieren zu fixen Zeiten, Fernsehen um 20:15 Uhr und so weiter. Menschen wollen flexibel sein und frei wählen können, wie sie ihren Alltag und ihre Freizeit gestalten. Deshalb ist zum Beispiel auch Streaming nicht mehr wegzudenken. Wir setzen beispielsweise mit Apps als Add-on stark auf diese Entwicklung und unterstützen die Entscheidungsfreiheit unserer Kunden. Die gehen natürlich auch weiterhin ins Fitnessstudio, allein schon wegen der Sozialkontakte. 

sUP: Wie haben Sie diese Widerstände gemeistert? 

Christian Jäger: Man wächst ja generell an Widerständen. Durch viele Gespräche, Aufklärung und große Kampagnen kann man Verständnis erzeugen und Ängste nehmen. Aus Widerstand kann Begeisterung werden.  

sUP: Sie sind sehr aktiv in China. Sind die Chinesen schon weiter als der deutsche Fitness- und Gesundheitsmarkt?

Christian Jäger: Das kann man so nicht sagen. Natürlich sind allein die Zahlen in China gigantisch. Wir stehen in engem Austausch mit den Nationalen Kadern, welche vergleichbar sind mit den hiesigen Olympiastützpunkten. In einem Kader trainieren beispielsweise 17.000 Athleten. Das sind für uns ungewohnte Dimensionen. Die Mittel stehen scheinbar unbegrenzt zur Verfügung. Technisches Know-how und Manpower sind große Themen, insbesondere bei der Trainerausbildung. Wir bilden aktuell Athletiktrainer sowohl für den Spitzensport als auch für Fitnessstudios aus. 

sUP: Sie sind auch im Allgemeinen im Gesundheitsmarkt sehr aktiv. Aktuell lancieren Sie beispielsweise ein Projekt in einem Seniorenheim. Die Bewohner werden mit EMS insbesondere für den Muskelerhalt, also gegen den Muskelabbau (Sarkopenie), trainieren. Der Schritt raus aus dem Fitnessmarkt, rein in den Gesundheitsmarkt, ist naheliegend und findet in der Realität doch noch selten statt. Wie packt man das am besten an? 

Christian Jäger: Es gibt viele Überschneidungen; der Unterschied für mich ist nur der Zeitpunkt der Betrachtung. Ein junger Mensch trainiert, weil er schön sein will. Ein älterer trainiert, weil er muss. Letztlich ist beides Training. Muskelaufbau ist Muskelaufbau – der Unterschied ist, ob ich das mit 20, 30, 40, 60 oder 80 mache. Muskeln können durch EMS schonend und mit minimaler Belastung aufgebaut werden. Beim Spazierengehen oder sogar beim Sitzen. Wichtig sind vor allem die Rücken- und Oberschenkelmuskulatur. Viele Probleme werden im Alter durch Oberschenkelhalsbrüche und deren Folgen verursacht. Letzten Endes kann das sogar der entscheidende Faktor für das Lebensende sein. Für Senioren ist EMS-Training daher eine wichtige Möglichkeit. [sh]