Neben den gesundheitlichen Risiken für die erkrankten Personen und dem wirtschaftlichen Schaden werden insbesondere die psychosozialen Folgen der Krise oft unterschätzt. Dabei bedroht die Kombination von Bewegungsmangel und psychischem Druck gerade die Gesundheit derer, die durch ihre wirtschaftliche und soziale Lage benachteiligt sind: Menschen, die bereits unter gesundheitlichen Problemen wie Bewegungsmangel, Übergewicht und Stress leiden. Gleichzeitig sehnen sich zwölf Millionen Menschen, die Mitglied in einer Fitness- und Gesundheitseinrichtung sind, danach, wieder trainieren zu können.

Isolation und Homeoffice bedeuten für viele Menschen, dass sie sich noch weniger bewegen. Gleichzeitig sind Sportangebote durch die Krise stark eingeschränkt. So dürfte kaum eine alleinerziehende Mutter, die mit ihren Kindern in einer kleinen Stadtwohnung ohne Balkon oder Garten festsitzt, über einen eigenen Trainingsraum verfügen. Und solange der Zugang zur Kinderbetreuung begrenzt ist, kann sie auch kaum schnell mal draußen eine Runde um den Block joggen.

Weniger Coach, mehr Couch

Die Trainingsangebote von Fitnessstudios und Sportvereinen sind für viele Menschen eine Möglichkeit, sportlich aktiv zu werden. Sie helfen auch denen, die sich selbst schlecht motivieren können und durch Beruf sowie Familie stark eingespannt sind. Immer wichtiger werden hier auch die spezifischen Bewegungsangebote von Reha-Zentren und Physiotherapeuten – wenn es beispielsweise um Menschen geht, die manifeste gesundheitliche Erkrankungen aufweisen und eben nicht allein und eigenverantwortlich trainieren können, wie Patienten nach Unfall oder Verletzung beziehungsweise 60 plus.

Was aber tun, wenn wie ab Mitte März in Deutschland alle Indoor-Bewegungsanbieter ihre Türen schließen müssen? Nach der Arbeit, wenn man sie noch hat, heißt es da bei vielen: ab auf die Couch! Dabei zeigen die rund zwölf Millionen Mitglieder in Fitness- und Gesundheitsstudios in Deutschland doch gerade, dass es auch anders geht. 

Psychischer Druck wächst

Parallel zum Bewegungsmangel nehmen in der Krise die psychischen Stressfaktoren rasant zu. Durch Isolation und Zukunftsangst steigt das Risiko für psychische Überlastungen und dadurch auch die Wahrscheinlichkeit für sozialen Stress und zwischenmenschliche Probleme. Wer weniger Geld hat, beispielsweise durch Kurzarbeit oder weniger Umsatz als Selbstständiger macht, investiert im Regelfall auch weniger in seine eigene Gesundheit und damit leider auch in seine eigene Zukunft. Gleichzeitig sind Menschen in sozial prekärer Situation überdurchschnittlich stark von Risikofaktoren wie Übergewicht, Bewegungsmangel, Substanzmissbrauch und Gewalt betroffen.

Psychische Belastungen können vorhandene Erkrankungen weiter verschlimmernigorstevanovic / Shutterstock.com
Psychische Belastungen können vorhandene Erkrankungen weiter verschlimmern

Branche hart getroffen

Von diesen Wechselwirkungen sind gerade die Selbstständigen in Deutschland, zu denen auch viele Trainer und Physiotherapeuten gehören, stark betroffen. Umsätze brechen ein, Kunden fallen weg, langfristige Kooperationen werden gekündigt und Neukunden sind keine in Sicht. So verliert die Gesundheitsbranche Experten und Innovationen, die wir durch die aktuellen demografischen Entwicklungen dringend benötigen.

Training hilft, physisch und psychisch

Zu diesem Fazit kommt ein wissenschaftliches Gutachten, das von der technischen Universität in München in Zusammenarbeit mit IST-Studieninstitut und IST-Hochschule in Düsseldorf erarbeitet wurde. Das Gutachten ist Teil der umfassenden Kampagne #GesundheitBrauchtBewegung, die vom Deutschen Industrieverband Fitness und Gesundheit (DIFG e.V.) ins Leben gerufen wurde.

#GesundheitBrauchtBewegung ist eine Kampagne des DIFG#GesundheitBrauchtFitness
#GesundheitBrauchtBewegung ist eine Kampagne des DIFG

Unter dem Motto #GesundheitBrauchtFitness appelliert der DIFG e. V. mit einem wissenschaftlich basierten Maßnahmenkonzept an die Bundesregierung, die Bundesländer und ihre Minister, die Fitnessstudios in Deutschland wieder zu öffnen: zum Wohle der körperlichen und mentalen Gesundheit von zwölf Millionen Mitgliedern.

In kaum einem anderen Setting wie dem Fitnessstudio erreicht man so viele verschiedene Personengruppenstockfour / Shutterstock.com
In kaum einem anderen Setting wie dem Fitnessstudio erreicht man so viele verschiedene Personengruppen

Die Kampagne wurde mit Jung von Matt, der Contact GmbH, Vorstand und Geschäftsführung des DIFG e.V. sowie einigen finanziellen Unterstützern entwickelt und dann den Mitgliedern vorgestellt. Sie weist auf die drastischen physischen und psychischen Folgen von Bewegungsmangel durch Isolation hin, wie unter anderem Diabetes, Depression und Herz-Kreislaufprobleme. Zentrum der Kommunikation ist ein umfassendes Maßnahmenkonzept, unter dessen Einhaltung die Risiken für eine Infektion im Studio für Mitglieder und Angestellte reduziert werden können. Ein eigener 5-Punkte-Plan bildet die Basis des Konzeptes. Er hilft dabei, das eigene Unternehmen mit dem Abklingen der Pandemie fit für eine verantwortungsvolle Wiederaufnahme zu machen.

Quellen

  • Gesundheit braucht Fitness: https://su.rpv.media/tq; Zugriff am 18.05.2020
  • Andrea Dietlmeier et al. Konzept zur Wiederöffnung von Fitnessstudios nach dem Höhepunkt der COVID-19 Pandemie. Technische Universität München, IST-Hochschule für Management, University of Glasgow Centre for Virus Research, 2020: https://su.rpv.media/tq; Zugriff am 18.05.2020