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shape UP Business 3/2022

Man lernt nie aus

Aus- und Weiterbildung professioneller Fitnesstrainer
Miriam Müller
Lesezeit: ca. 5 Minuten
EtiAmmos / shutterstock.com

Das Angebot an Aus-, Fort- und Weiterbildungen in der Sport- und Fitnessbranche erscheint auf den ersten Blick sehr umfangreich und unübersichtlich. Es stellen sich Fragen wie: Welche Weiterbildung muss ich machen, um als Fitnesstrainer arbeiten zu können? Welche Weiterbildungen bringen mir wirklich etwas? Online, in Präsenz oder gemischt: Welche Lernform soll ich wählen? Schauen wir uns das im Detail an.

Aus- und Weiterbildungen sind für einen Fitnesstrainer unabdingbar, möchte er oder sie seine bzw. ihre Kunden optimal und professionell betreuen und auf dem aktuellen Stand der Fitness- und Ernährungstrends sein.

Stellen wir uns zunächst die Frage, was der Unterschied zwischen einer Fortbildung und einer Weiterbildung ist. Obwohl die Begriffe im Alltag oft synonym verwendet werden, bestehen wichtige Unterschiede. Während eine Fortbildung immer auf dem derzeit ausgeübten Beruf aufbaut, ist eine Weiterbildung jederzeit und unabhängig von der aktuell ausgeübten Tätigkeit möglich. Es geht in erster Linie darum, die eigenen Qualifikationen zu erweitern. Eine berufliche Weiterbildung kann ebenfalls in Form einer Fortbildung stattfinden. Dies ist zum Beispiel gegeben, wenn Fitnesstrainer eine weitere Lizenz erwerben, um ihren bisherigen Tätigkeitsbereich zu erweitern.

Weiterbildung geht immer

Zur Erweiterung des eigenen Qualifikationsprofils eignen sich berufliche Weiterbildungen in nahezu jeder Lebensphase. Jeder (angehende) Trainer kann flexibel und individuell entscheiden, in welchem Bereich er/sie Neues erlernen möchte. Eine berufliche Weiterbildung ist für alle Menschen sinnvoll, die sich selbst verwirklichen, neue Perspektiven aufbauen oder sich beruflich umorientieren möchten. Ebenso geben Weiterbildungen die Chance, flexibel auf Veränderungen am Arbeitsmarkt zu reagieren und gezielte Qualifikationen in Bereichen zu erwerben, in denen gerade starker Bedarf vorhanden ist.

Viele Weiterbildungsangebote sind staatlich geprüft und zugelassen und werden online, in Präsenz oder als Mischform wie zum Beispiel mit einem modernen Blended Learning System angeboten.

Fitnesstrends 2022

In den letzten zwei Jahren hat die COVID-19 Pandemie erhebliche Auswirkungen auf die Fitnessbranche gehabt, wie die aktuelle weltweite Umfrage des American College of Sports Medicine (ACSM) erneut bestätigte. Die aus der Fitnessstudie gewonnenen Trends zeigen das Verbraucherverhalten und geben wichtige Impulse für zukünftige Fitnessangebote, die jeder professionelle Fitnesstrainer strategisch nutzen kann, um daraus sein/ihr Portfolio weiterzuentwickeln und den eigenen Weiterbildungsbedarf zu eruieren.

Die Top-Trends 2022 für Fitnesstrainer sind:

  • Outdoor-Training
  • Krafttraining mit freien Gewichten
  • Training für Gewichtsabnahmen
  • Personal Training
  • Hochintensives Intervalltraining (HIIT)
  • Bodyweight Training
  • Online-Live- und On-Demand-Fitnesskurse
  • Gesundheits- und Wellnesscoaching

Qualifikationen in der Fitnessbranche

Die Basisqualifikation für alle, die einen haupt- oder nebenberuflichen Einstieg in die Fitnessbranche suchen, ist die Fitnesstrainer B-Lizenz. In dieser Weiterbildung lernen die angehenden Trainer die notwendigen Kompetenzen, um Anamnesen zu erstellen, erfolgreich individuell aufgebaute Trainingspläne zu entwickeln, Trainingsinhalte auf die Trainingsziele abzustimmen und Kunden beim Training rundum professionell zu betreuen. Hierzu gehören die relevanten Grundlagen und Zusammenhänge der Anatomie und Physiologie ebenso wie die theoretischen und praktischen Inhalte der Trainings- und Bewegungslehre.

Zur Spezialisierung und Vertiefung der Kenntnisse stehen den Trainern unzählige Lizenzen zur Verfügung. Sei es der Sprung in die Selbstständigkeit als Personal Trainer oder die Fokussierung auf bestimmte Trainingsmethoden, wie z. B. beim Trainer für Functional Fitness. Wichtig ist es, genau zu eruieren, wohin die eigene Reise gehen soll.

Online, Präsenz oder beides?

Ist die richtige Weiterbildung thematisch gefunden, stellt sich die Frage nach dem Weiterbildungsanbieter und somit nach dem Lernkonzept bzw. der Vermittlungsform der Inhalte. Hier können angehende Trainer zwischen Präsenzanbietern, reinen Onlineanbietern oder gemischten Anbietern mit sogenannten Blended-Learning-Konzepten auswählen.

Auf die beiden letztgenannten Konzepte möchte ich im Folgenden kurz eingehen.

E-Learning

Das E-Learning, auch bekannt als Online-Lernen, ist rein auf die Nutzung elektronischer Technologien und Medien ausgerichtet. E-Learning wird in der Regel online durchgeführt, wo die Lernmaterialien zu jeder Zeit und an jedem Ort gleichermaßen verfügbar sind. Die größten Vorteile von E-Learning sind im Folgenden genannt.

Flexibilität: Der größte und offensichtlichste Vorteil ist die räumliche und zeitliche Flexibilität. Teilnehmende können jederzeit und überall online auf Lehrinhalte zugreifen, Inhalte wiederholen und Übungen von zu Hause oder unterwegs durchführen. Dies ermöglicht ein Lernen im eigenen Tempo.

Verfügbarkeit und parallele Nutzung: Dank Lernplattformen kann jeder mit Internetzugang ohne physische Begrenzung zeitgleich auf das gewünschte Wissen zugreifen.

Kostenersparnis: Das E-Learning-Paket kann im Normalfall ohne zusätzliche Kosten so oft wiederverwendet werden, wie es die oder der Lernende wünscht.

Erleichterte Prüfungsvorbereitung: Inhalte können besser aufgefrischt, Probeklausuren oder Übungsaufgaben gelöst und Musterlösungen eingesehen werden.

Eigenverantwortliches Arbeiten: Das Online-Angebot ermöglicht ein flexibles Zeitmanagement. Verpasste (Online-)Veranstaltungen können nachgearbeitet werden. Es werden die Fähigkeit zur Selbstmotivation und zum eigenständigen Arbeiten geschult.

Die genannten Vorteile zeigen das unbegrenzte Potenzial von E-Learning, dennoch gibt es zahlreiche gute Gründe, warum konventionelle Lernmethoden, gerade in der Sport- und Fitnessbranche, noch nicht ausgedient haben:

Disziplin: E-Learning ist selbstorganisiertes und selbstbestimmtes Lernen. Wer jederzeit und überall lernen kann, kann dies auch morgen oder übermorgen machen. Auch die Umgebung, in der gelernt wird, erfordert viel Disziplin, um fokussiert zu bleiben: Partner, Mitbewohner oder Kinder können stören. Diese Ablenkungen fallen im Präsenzunterricht weg.

Praktisches Wissen: Während die Vermittlung von theoretischen Inhalten online kein Problem darstellt, können praktische Skills nach wie vor nur unbefriedigend erlangt werden. Übungsausführungen können physisch nicht korrigiert werden, Anweisungen nur beschränkt beobachtet und Bewegungsabläufe nur ungenau kontrolliert werden. Das praktische Wissen kann daher in einem Präsenztraining vor Ort einfacher und zielgenauer vermittelt werden.

Blended Learning

Das Portal e-teaching.org fasst Blended Learning als „Lehrszenarien, die nicht ausschließlich face-to-face oder online stattfinden, […] also als Kombination von virtuellen und nicht-virtuellen Lernsettings und Methoden“ zusammen. In der Aus- und Weiterbildung professioneller Fitnesstrainer hat sich das Konzept des Blended Learning weitestgehend etabliert. Es kombiniert die Vorteile von Präsenzunterricht mit E-Learning und kompensiert zugleich die Nachteile beider Methoden.

Teilnehmende an den Weiterbildungen profitieren beim Blended Learning von der ausgewogenen Kombination aus Online-Lernen und den anwendungsorientierten Veranstaltungen im Rahmen von Seminaren. Die Lernaktivitäten können flexibel und individuell, oftmals berufsbegleitend, gestaltet und im eigenen Lerntempo bearbeitet werden. Im Vergleich zu reinen Online-Kursen ist das Blended Learning aktivierend, beispielsweise durch die Kombination von Videos und interaktiven Inhalten mit analogen Interaktionen zwischen Lernenden und Lehrenden.

Fazit

Für Fitnesstrainer sind regelmäßige Weiterbildungen wichtig, um auf dem aktuellen Stand der Fitnesswelt zu bleiben. Für die Auswahl der richtigen Weiterbildung spielt auch die passende Lernform eine entscheidende Rolle. Zukunftsweisend sind Blended-Learning-Konzepte, bei denen sowohl individuell und flexibel als auch praktisch-anwendungsorientiert gelernt wird.

Dieser Artikel ist erschienen in

shape UP Business 3/2022

Aktuelle Ausgabe
Erschienen am 22. September 2022