Themenspezial
shape UP Business 2/2021

Leistungsdiagnostik

Der erste Schritt zur Trainingssteuerung

Noch bevor Ziele festgelegt und Trainingspläne entwickelt werden, solltest du mit geeigneten Diagnoseverfahren den Gesundheits- und Leistungszustand des Kunden ermitteln. In der Arbeit mit Gesundheits- und Fitnesssportlern wird die Leistungsdiagnostik oft noch zu wenig eingesetzt. Auch im BGM kann die Diagnose dabei helfen, gesundheitliche Probleme vorzubeugen oder bereits bestehende in den Griff zu bekommen.

Dr. Julia Röder
Lesezeit: ca. 5 Minuten
Jacob Lund / shutterstock.com

Irgendwelche Faustformeln bringen nichts; auch die Ratschläge und Empfehlungen diverser Trainingscomputer sollte man mit Vorsicht genießen. Denn wenn es darum geht, die optimalen Trainings- und Leistungsbereiche zu definieren, sollten laborgenaue Messungen erfolgen. Es ist wichtig, dies auch direkt an deine Kunden zu kommunizieren, sonst trainieren sie womöglich mit falschen Werten, verschwenden quasi ihre Trainingszeit und verfehlen ihr -ziel. Im schlimmsten Fall erfolgt ein Übertraining und sie schädigen ihren Stoffwechsel.

Training für Anfänger

Gerade für ungeübte Sportler ohne große Trainingserfahrung eignet sich die regelmäßige Durchführung einer Trainings- beziehungsweise Leistungsdiagnostik. So können ihre Fortschritte regelmäßig überprüft und das Training gegebenenfalls angepasst werden.

Diese Diagnosewerte ermöglichen eine erfolgreiche Planung und Optimierung des Trainings. Das gilt für alle Trainingsbereiche: von Therapie über Fitness bis hin zum Leistungssport und ebenso für jedes Ziel. Egal, ob es darum geht, gesund zu trainieren, die Leistung zu steigern, an einem Wettkampf teilzunehmen oder Gewicht zu reduzieren.

Warum Diagnostik?

Es gibt eine ganze Reihe von Gründen, warum die Leistungsfähigkeit und die Muskelkraft gescreent werden sollten:

  • Erfassung des Gesundheits- und Leistungszustandes
  • Ermittlung von Stärken und Schwächen
  • Frühzeitige Erkennung von muskulären Dysbalancen und Übertraining
  • Prognostizierung von Wettkampfleistungen
  • Sammeln von Daten für die spätere Evaluation
  • objektive Messung der Wirkung der Trainingsprogramme

Diagnostik im Gesundheits- und Fitnesstraining

Der Leistungsdiagnostik wird im Gesundheits- und Fitnesstraining häufig noch zu wenig Bedeutung beigemessen. In der Praxis erfassen Trainer oft nur wenige anthropometrische Daten und vernachlässigen sportmotorische Tests.

Eine optimale Diagnose setzt sich zusammen aus:

  • Eingangsgespräch
  • Erfassung von biometrischen Daten
  • Durchführung von motorischen Tests

Im Eingangsgespräch geht es darum, den Kunden kennenzulernen und wichtige Informationen für die Trainingsplanung zu bekommen, wie:

  • zeitliche Verfügbarkeit
  • Trainingserfahrungen
  • Vorerkrankungen und körperliche Einschränkungen

Im Anschluss können biometrische Daten wie der Body-Mass-Index, der Körperfettanteil und der Taille-Hüft-Quotient dokumentiert und evaluiert werden. Der letzte Schritt einer umfassenden Diagnostik mit Sportlern und sportbewussten Menschen sollte aus ausgewählten sportmotorischen Tests bestehen. Beispielsweise bietet der BackCheck® 617 von Dr. Wolff ein zuverlässiges, mobiles und umfassendes System, um die Kraftfähigkeit der Rumpf-, Oberkörper und Halswirbelsäulenmuskulatur unter Alltagsbedingungen zu messen. Die isometrische Maximalkraftmessung erfolgt hierbei bei direkter Datenübertragung in Echtzeit durch hochsensible Kraftsensoren. Durch personalisierte Reports sind verschiedenste Einsatzzwecke inklusive BGM möglich. Der BackCheck ist zudem in die mobee 360 Plattform für Gesundmacher intergrierbar und kann so beispielsweise mit der digitalen Diagnostikplattform mobee fit kombiniert werden. So kann ein noch größeres Diagnosespektrum abgedeckt werden. Die Einsatzmöglichkeiten gehen von Breiten- und Leistungssport über Therapie, Prävention, BGM und noch vieles mehr.

Diagnostik & BGM

In Deutschland leidet mittlerweile fast jeder Zweite unter Rückenproblemen. Etwa 30 Prozent der Fehltage sind bedingt durch Muskel- und Skeletterkrankungen – mit steigender Tendenz. Wirbelsäulen- und Rückenerkrankungen machen dabei, mit etwa zwei Dritteln, den höchsten Anteil aus. Verspannungen, chronische Rückenschmerzen oder Bandscheibenvorfälle ereignen sich jedoch nicht über Nacht. Durch gezielte Messungen können unausgewogene Kraftverhältnisse aufgedeckt und eine gezielte Therapie inklusive Training erarbeitet werden. Vorhandene Defizite werden dokumentiert und gemeinsam mit den Betroffenen ein geeigneter Trainingsplan ausgearbeitet, um eine Verschlechterung zu vermeiden und eine Besserung anzustreben. Damit Arbeit auch wieder Spaß machen kann.

Fragen an den Experten Dr. Wolff

Wie kamen Sie auf die Idee, den BackCheck zu entwickeln?

Die ersten Ideen entstanden in den 90er-Jahren im Institut für Prävention und Nachsorge, einem meiner Kooperationspartner. Sie hatten sich damals mit dem Thema der einfachen Kraftmessung der Rumpfmuskulatur auseinandergesetzt. Da ich mich ebenfalls im Rahmen meiner Dissertation mit dieser Fragestellung beschäftigt hatte und ein Messsystem zur Ergänzung des Dr. Wolff Rückenkonzeptes suchte, kamen wir schnell zusammen. Durch meine damalige Arbeit auf der Trainingsfläche mit Rückenpatienten war mir sehr schnell bewusst, dass ein valides und reliables Messsystem zur Beurteilung der Rumpfkraftfähigkeit sehr wertvoll für die Trainingsplanung und Verlaufskontrolle sein kann.

Ist die Trainingsdiagnostik auch etwas für Physiotherapeuten?

Ohne eine entsprechende manuelle Befundung ist die Therapie schwer zu planen. An dieser Stelle hilft ein computerunterstütztes und apparatives Messverfahren sehr. Therapieerfolge werden quantifizierbar und die eindrucksvolle Darstellung der Erfolge motiviert die Patienten. Weiterhin lässt sich durch die Messergebnisse die Fortsetzung der Therapie oder präventiver Trainingsmaßnahmen gut begründen.

Lassen sich hiermit auch Erkrankungen wie Skoliose o. Ä. erkennen?

Erkrankungen werden grundsätzlich von Ärzten diagnostiziert. Im Rahmen der Diagnostik können trainingsdiagnostische Verfahren wie der BackCheck ergänzend hinzugezogen werden und liefern dem Arzt und Therapeuten wichtige Hinweise zum muskulären Status des Patienten. In der Vorsorge können trainingsdiagnostische Messergebnisse wichtige Daten zu motorischen Defiziten aufzeigen, die dann für präventiv-medizinische Empfehlungen herangezogen werden. Somit können Krankheiten, wie z. B. Rückenschmerz, vermieden werden.

Wie nachhaltig ist Ihr Gerät?

Der BackCheck ist so konstruiert, dass wir mechanische und elektronische Komponenten gut austauschen können. Die Mechanik ist allerdings derart robust gebaut, dass wir hier kaum Ersatzteile liefern müssen. Unsere messtechnischen Elektronikkomponenten sind ebenfalls sehr langlebig. Bei der Entwicklung neuer Messtechnik haben wir darauf geachtet, dass die neuen Systeme „abwärtskompatibel“ sind und somit ältere Geräte nachgerüstet werden können. Gleiches gilt für die Software. Dementsprechend erzielt der gebrauchte BackCheck einen hohen Wiederverkaufspreis.

Welches wissenschaftliche Konzept steckt hinter dem BackCheck-Gerät?

Der Rückenschmerz ist multifaktoriell. Die degenerative Rumpfmuskulatur wird als ein wichtiger Faktor in der Literatur beschrieben. Die Entwicklung einer frühzeitigen muskulären Schwäche gilt es zu vermeiden und eben rechtzeitig zu entdecken. Neben dem muskulären Defizit bestehen muskulären Dysbalancen, die ebenfalls Fehlbelastungen hervorrufen können. Sowohl Kraftdefizite, als auch das muskuläre Ungleichgewicht können mit dem BackCheck erfasst und beschrieben werden. Diese Daten und Befunde unterstützen Therapie und Trainingsplanung.

Gibt es eine Limitierung beim Alter des Patienten beziehungsweise für welches Alter ist der BackCheck geeignet?

Der BackCheck ist für Erwachsene entwickelt worden. Eine Begrenzung beim kalendarischen Alter ist schwer festzulegen. Warum soll der fitte 80-Jährige keinen Back-Check machen? Hier stellt sich vielmehr die Frage der Kontraindikationen. Da kann die an Osteoporose erkrankte 50-Jährige bereits an ihre Grenze kommen und eine BackCheck-Messung schließt sich aus.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit mobee?

Mit Christian Egen, Geschäftsführer von mobee 360, besteht seit zwei Jahrzehnten eine geschäftliche und freundschaftliche Verbundenheit. Die Mobee-360-Plattform bietet dem BackCheck eine ideale Rahmenbedingung. Die „trainingsdiagnostische Welt“ mobee 360 umfasst alle wichtigen Verfahren und Systeme, die in Prävention und Therapie gefordert werden. In dieser ganzheitlichen und professionellen Lösung ist der BackCheck perfekt integriert und korrespondiert mit den weiteren eingebundenen trainingsdiagnostischen Tools. Die aktuelle BackCheck-Software – entwickelt von mobee 360/Sportmed – ist somit die Schnittstelle der „Hardware“ BackCheck und der gesamten mobee-360-Plattform. Wir befinden uns somit in einer sehr glücklichen und synergiereichen Partnerschaft.

Quellen

1. McGuigan M. 2016. Die Evaluierung athletischer Fähigkeiten. In: Athletiktraining für sportliche Höchstleistung. Herausgeber: D. Joyce, D. Lewindon. München: riva

2. Dickhuth HH, et al. 1996. Bedeutung der Leistungsdiagnostik und Trainingssteuerung bei Ausdauer- und Spielsportarten. Dtsch. Z. Sportmed. 47:183-189

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