Studioeinrichtung
shape UP Business 2/2021

Leasing von Trainingsgeräten

Macht das Sinn?

Wer sich als Trainer selbstständig machen möchte, kommt irgendwann an den Punkt, an dem die gewünschten Trainingsgeräte finanziert werden müssen. Wer sie nicht kaufen will, kann sie leasen – allerdings ist auch dabei so manche Hürde zu nehmen.

Nils Borgstedt
Lesezeit: ca. 6 Minuten
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Der Traum vom eigenen Studio steht und fällt mit zwei Dingen: einem guten Businessplan und, wie man in Bayern sagt, dem „Pulver“ – also dem Geld. Wer sich keine finanziellen Sorgen machen muss und wie Dagobert Duck gleich im Geld baden kann, für den ist die Finanzierung seiner Trainingsgeräte wohl kein Problem. Das aber ist eine seltene Ausnahme. Vielmehr gilt es als Start-up sein Hab und Gut zusammenzuhalten, Investitionen sorgfältig zu überlegen und sich verschiedene mögliche Finanzierungsmodelle anzusehen. Leasing ist eine gängige und auch in der Fitnessbranche weitverbreitete Methode. Was spricht dafür – und was dagegen?

Gut kalkulierbare Kosten

Ines Krämer ist Customer Finance and Leasing Expert beim Gerätehersteller PRECOR und berät sowohl etablierte Fitnessstudios als auch Neugründer bei der Finanzierung von Trainingsgeräten. Aus ihrer Sicht hat Leasing verschiedene Vorteile: „Ein großer Vorteil ist, dass die Kosten nicht auf einmal zu Buche schlagen. Ich kann sie also kongruent zu meinen Einnahmen planen, sprich, ich weiß genau, wie viel ich pro Monat einnehmen muss, um diesen monatlichen Kostenblock zu decken. Kann ich bereits eine Anzahlung machen, kann ich die ohnehin oft günstigen Raten noch weiter drücken oder die Laufzeit verringern.“

In der Regel läuft ein Leasingvertrag über vier bis fünf Jahre, bezahlt wird in monatlichen Raten. Er orientiert sich dabei an der sogenannten AfA-Zeit.

AfA steht für „Absetzung für Abnutzung“ und beschreibt die auf Erfahrungen aus der Industrie basierende normale Nutzungsdauer, herausgegeben vom Finanzministerium. Dadurch kann der angenommene jährliche Wertverlust eines Gerätes bestimmt werden. Auf Basis der AfA wird zudem festgelegt, über wie viele Jahre die steuerliche Abschreibung läuft.

Da noch Zinsen, Marge und gegebenenfalls Maklergebühren dazukommen, ist der Investitionsbetrag für den Kunden insgesamt höher als der bloße Warenwert der Geräte, die man sich anschaffen möchte. Und am Ende des Tages gehören einem die Geräte auch nicht, schließlich ist der Leasinggeber der Eigentümer. Erst nach Ablauf des Leasingvertrages kann man sie in der Regel zu einem am Marktwert orientierten Betrag erwerben. Kaufe ich die Geräte, statt sie zu leasen, bin ich sofort selbst der Eigentümer – dies scheint auf den ersten Blick günstiger.

Diese Rechnung geht allerdings nur auf, wenn man die Kosten komplett aus eigener Tasche bezahlen kann. Sobald man Geld von der Bank oder einem anderen Geldgeber benötigt, kommen auch hier Zinsen und etwaige Bearbeitungsgebühren hinzu. Im Vergleich sind die Raten zur Tilgung des Kredits aber oftmals höher als die Leasingraten. Letztere sind als Betriebsausgaben darüber hinaus voll steuerlich absetzbar; das gilt für Kredite in aller Regel nicht.

„Weitere Vorteile vom Leasing sind, dass oftmals die Wartung der Geräte während der Vertragslaufzeit beinhaltet ist und nach Ablauf des Leasingvertrages ein Austausch durch neue Geräte möglich wird. Um einen Weiterverkauf der Altgeräte muss man sich in diesem Fall meist nicht selbst kümmern“, sagt Ines Krämer. Bei einer Verlängerung des Leasingvertrags werden die Konditionen normalerweise an die aktuelle Zinsentwicklung angepasst.

Leasing und seine Tücken

Es gibt aber auch Hürden und Stolpersteine bei einer Leasingfinanzierung – und das geht schon bei der Suche nach einer Leasinggesellschaft los, wie die Finanzexpertin aus Erfahrung weiß: „Gerade bei kleinen Beträgen unter 5.000 Euro wird es sehr schwer, ein Leasingunternehmen zu finden, das einen unterstützt. Etwas besser wird es bei geplanten Investitionen zwischen 5.000 und 10.000 Euro. Geht es darüber hinaus, findet man in der Regel einen Partner dafür.“

„Die Basis jedweder Finanzierung ist ein solider Businessplan“, sagt Krämer. Viele Jungunternehmer agierten allerdings zu naiv. So stehe bei der Studiogründung oftmals die sportliche Ausrichtung im Vordergrund, nicht die wirtschaftliche. „Das ist unglücklich“, meint die Expertin. Wenn der Geldgeber nicht davon überzeugt werden kann, dass das Unternehmen erfolgreich wirtschaftet und am Ende auch etwas für ihn bei dem Geschäft herausspringt, wird er keine Finanzierung unterstützen.

Gerade in einer Branche, die bei Geldgebern nicht den besten Ruf genießt, ist ein solides Geschäftsmodell elementar, um eine Bonitätsprüfung erfolgreich zu bestehen. Je besser die Bonität eingeschätzt wird, umso geringer ist das vermeintliche Verlustrisiko auf Geldgeberseite und umso günstigere Konditionen kann man als Kunde schließlich bekommen.

Fitnessbranche ist kein Stiefkind mehr

Erfreulich für alle alten und neuen Studiobesitzer: Es tut sich etwas. Die stetige Professionalisierung der Fitnessbranche, speziell im kaufmännischen Bereich, wird auch von Leasingunternehmen registriert. „Immer mehr Leasinggesellschaften öffnen sich der Fitnessbranche, die bisher häufig ausgeschlossen wurde“, berichtet Krämer aus ihrer Erfahrung.

Hat man sich für eine Finanzierung per Leasing entschlossen und einen Leasingpartner im Auge, lohnt es sich immer, einen Steuer- oder Unternehmensberater bereits zum Beratungsgespräch mitzunehmen. Im Idealfall kennt dieser den Businessplan oder hat ihn sogar mit entworfen. Gerade im Kleingedruckten der Verträge lauern oftmals Stolpersteine. Ein Experte kann hier Missverständnisse und Fehlinterpretationen verhindern.

Vergleichsangebote helfen

„In jedem Fall sollte man sich auch immer Vergleichsangebote einholen“, rät Krämer. Den Hersteller direkt miteinzubeziehen kann ihrer Ansicht nach ebenfalls sinnvoll sein. „Häufig kooperieren diese mit Leasinggesellschaften oder Leasingmaklern und können so bessere Konditionen anbieten.“ Ein weiteres Instrument der Hersteller ist eine sogenannte Restwertgarantie: Nach Ablauf des Leasingvertrags kauft der Hersteller die Geräte zum Restwert zurück – eine Sicherheit für den Leasinggeber, am Ende des Tages nicht auf Kosten sitzen zu bleiben beziehungsweise sich nicht um den Weiterkauf kümmern zu müssen. Dies erleichtert ihm unter Umständen die Entscheidung, dem Leasinggeschäft zuzustimmen.

Gleiches gilt für die Rückkaufgarantie: Auch hier gibt der Hersteller dem Leasinggeber eine finanzielle Sicherheit. Kann der Leasingnehmer mindestens zwei Raten nicht mehr bedienen und der Leasinggeber kündigt den Vertrag, kauft der Hersteller die Geräte zum Restsaldo zurück. Aber Vorsicht: Kann der Hersteller sie nur zu einem geringeren Preis weiterverkaufen, wird der Leasingnehmer für die Differenz geradestehen müssen. Ist eine GmbH der Leasingnehmer, wird in der Regel zudem eine private Haftung des Geschäftsführers in den Vertrag aufgenommen.

Kann ich kündigen?

Einen Leasingvertrag vor Ablauf kündigen zu können, ist die Ausnahme. Auch hier gilt: Auf Restkosten will kein Leasinggeber sitzen bleiben. „Verträge, die auf unbestimmte Dauer abgeschlossen sind, sehen in der Regel eine Kündigungsmöglichkeit spätestens nach 90 Prozent der AfA-Zeit vor“, erklärt Krämer. „Diese muss aber explizit im Vertrag erwähnt sein.“ Der Leasinggeber kann gewöhnlich nach zwei nicht gezahlten Raten den Vertrag kündigen und Restforderungen auch juristisch durchsetzen. Doch auch hier helfen ein guter Businessplan und ein Liquiditätspolster, damit dieser Fall nicht eintritt.

Geschenkt gibt’s nichts

Grundsätzlich sei es aber so, „dass der Leasingnehmer immer dafür verantwortlich sein wird, dass der Leasinggeber seine Kosten wieder reinbekommt“, sagt Krämer. Dies gilt auch bei Verträgen mit Kündigungsmöglichkeit. In der Regel wird schon bei Vertragsschluss ein Restwert für die Geräte definiert, der nach Auslaufen des Leasingvertrags fällig wird. Normalerweise versucht der Leasinggeber, die Geräte zu diesem Wert oder einem höheren Betrag weiterzuverkaufen. Kann am Markt der kalkulierte Restwert aber nicht erzielt werden, wird meist der Leasingnehmer für die Differenz herangezogen.

Angst sollte man aber dennoch nicht haben. „In der Regel kann man die Geräte gut weiterverkaufen“, sagt Krämer. „Als Studiobetreiber hat das den Vorteil, dass man mit der Zeit gehen kann, da die Industrie ja fortwährend neue Geräte anbietet. Je nach Zinsentwicklung ist häufig ein Austausch der alten gegen neue Modelle sogar zu ähnlichen Konditionen machbar.“ Und es wollen letztlich ja auch alle ein erfolgreiches Geschäft zum Abschluss bringen.

Die Mischung macht’s

Leasing ist nur eine Möglichkeit der Finanzierung. Gerade bei Investitionen im unteren bis mittleren sechsstelligen Bereich sollte man eine Mischkalkulation ins Auge fassen. Die Trainingsgeräte zu leasen, kann in jedem Fall sinnvoll sein. Man kann so finanzielle Flexibilität gewinnen und meist seine Geräte ohne großen Aufwand aktuell halten. Aber: Man muss gerade das Kleingedruckte aufmerksam lesen, um nicht nach Ablauf des Leasingvertrags eine teure Überraschung zu erleben.

Tipps

  • Hole dir Vergleichsangebote von verschiedenen Anbietern (Leasingmakler, Leasinggesellschaft, Gerätehersteller).
  • Nimm einen Steuerberater oder Rechtsanwalt zum Leasing-Beratungstermin mit, er kennt die juristischen Feinheiten und Stolpersteine.
  • Ein solider Businessplan ist immer Voraussetzung für eine gute Finanzierung.
  • Plane auch beim Leasen von Trainingsgeräten ausreichend finanziellen Puffer ein.

Was ist Leasing?

„Anlagenmiete. [Besondere] Vertragsform der Vermietung und Verpachtung von Investitions- und Konsumgütern. Das Leasingobjekt wird entweder von einer speziellen Leasinggesellschaft vom Hersteller gekauft und dann dem Leasingnehmer übergeben (indirektes Leasing) oder direkt vom Produzenten verpachtet (direktes oder Herstellerleasing).“ (1)

Literatur

1. Springer Gabler Verlag. 2018. Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort: Leasing. http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/6859/leasing-v13.html; Zugriff am 16.04.2021 su.rpv.media/310

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