Etwas für die Gesundheit tun, Erkrankungen vorbeugen, Kontakte pflegen oder knüpfen: Präventionsmaßnahmen und soziale Aspekte rücken zunehmend in den Fokus der Menschen. Dass davon auch die Fitnessbranche (zukünftig stärker) betroffen sein wird, gilt als gesichert. Daher ist kreatives Denken angesagter denn je.

Fitness und Gemeinschaft aus einer Hand

Eine Befragung der Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse (AWA) zum Gesundheitsbewusstsein ergab, dass sich in 2019 rund 20,70 Millionen Personen der deutschen Bevölkerung ab 14 Jahren jener Gruppe  zugehörig fühlte, die sehr auf ihre Gesundheit achtet. Etwa ein Viertel der 83 Millionen starken Gesamtbevölkerung besteht also aus Gesundheitsbewussten, wobei deren Zahl  in den letzten Jahren stets anwuchs (1). Werden von der Gesamtbevölkerung noch die 11,29 Millionen Kinder bis 14 Jahren (2) abgezogen, gelangt man zu dem Ergebnis, dass hierzulande knapp 30 Prozent der Erwachsenen als gesundheitsbewusst gelten können. Dass die treibende Kraft hinter der Weiterentwicklung von Fitnesskonzepten das wachsende Gesundheitsbewusstsein ist, bestätigte zuletzt auch die Eckdatenstudie der deutschen Fitnesswirtschaft 2019 des Arbeitgeberverbands der deutschen Fitness- und Gesundheits-Anlagen (DSSV). Somit liegt der Rückschluss nahe, dass immer mehr Menschen aktiv sein möchten, um sich bis ins hohe Alter fit und gesund zu halten.

Dieses gewaltige Marktpotential führt selbstverständlich auch zu neuen Chancen in unserer Branche, die es kreativ zu nutzen gilt. So verschmelzen Fitness, Regeneration und Prävention in Studios zunehmend miteinander und schließen in manchen Fällen auch physiotherapeutische Elemente ein. Denn viele wollen nicht darauf warten, bis es zu spät ist und eine Physiotherapie oder gar eine Rehamaßnahme von oben angeordnet wird. „Wer die Branche im Blick hat, merkt: Fitnessstudios entwickeln sich zu Präventions- und Rehazentren der Zukunft, außerhalb des Gesundheitssektors“, erklärt Kerstin Kolata, die für die Weiterentwicklung des Trainingskonzepts bei den Frauenfitnessspezialisten von Mrs.Sporty verantwortlich ist. Den Menschen sei bewusst, dass sowohl ein gesundheitsorientiertes Training als auch ein gesundheitsbewusster Alltag notwendig sind, um bis ins Alter einen aktiven Lebensstil zu bewahren (3).

Sport auch als sozialer Rückhalt

Für die britische Trendforscherin Oona Horx-Strathern ist klar, dass sowohl Sport und Gesundheit als auch das soziale Miteinander immer wichtiger werden. In einem bekannten Fitnessmagazin (4) führt sie aus, dass Fitness und Health als Trend in den kommenden Jahren und Jahrzehnten allein schon deshalb an Bedeutung gewinnen würden, weil wir in einer alternden Gesellschaft leben. Diejenigen, die sich jetzt in den Vierzigern befinden, sind zudem mit einem anderen Bewusstsein für Gesundheit und Fitness aufgewachsen als die Generationen davor. Horx-Strathern glaubt im Übrigen auch nicht, dass die Digitalisierung der entscheidende Punkt für die Branche sei. Roboter und künstliche Intelligenz (KI) als Trainingspartner werden irgendwann zur Normalität und Realität – das Zeug zum globalen Trend haben diese Dinge aber nicht. Auch digitale Helfer, wie Aktivitätstracker à la Fitbits, würden nicht so übermächtig, wie einige es erwarten. Denn letztendlich sei Sport analog und für viele auch eine soziale Aktivität. Alles, was gemeinsam mit anderen unternommen werden kann, wird nach Auffassung der Trendforscherin wachsen. Weniger ich, mehr wir: Zukünftig würde Sport als soziale Aktivität viel prägender. Nicht zuletzt deshalb haben auch Fitnessstudios eine Zukunft. Oona Horx-Strathern: „Obwohl wir heute mit unserem Laptop auch ganz allein zu Hause arbeiten könnten, wollen wir unter anderen Menschen sein. Wir brauchen die Verbundenheit und den Austausch. So ist es auch beim Sport: Wir gehen im Grunde ins Studio, um mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen.“

Betriebliche Gesundheitsförderung ist ein Bereich mit großem Potenzial für professionelle Gesundheitsdienstleister wie beispielsweise Studios.fizkes / shutterstock.com
Betriebliche Gesundheitsförderung ist ein Bereich mit großem Potenzial für professionelle Gesundheitsdienstleister wie beispielsweise Studios.

Elementare Trends von heute und morgen

Auch Prof. Dr. Niels Nagel, Head of Office des Deutschen Industrieverbandes für Fitness und Gesundheit (DIFG), macht sich Gedanken über die Herausforderungen der Branche (5). In der Tendenz hält er die Digitalisierung im Fitnessbereich wohl für bedeutender als Horx-Strathern. Zum Beispiel würde auch im Bereich der Marketingkommunikation die Bedeutung von Influencern größer. Nagel ist aber übereinstimmend mit ihr der Meinung, dass etliche Aufgaben eher analog zu lösen seien. Die Bedeutung des Sozialen streicht auch er heraus. Zu den großen Ideen und Weiterentwicklungen im Fitnessbereich gehöre nämlich, das Training als eine Form von Kultur zu erleben, in der Menschen sich zu Gruppen zusammenschließen. Nagel macht noch weitere Trends mit gewaltigem Potenzial aus.

Schon aktuell sei eine durch Verbrauchernachfrage verursachte Ausdifferenzierung von fitnessorientierten Businessmodellen zu beobachten. So auch die Entwicklung neuer Boutiquekonzepte: Hochindividualisierte Angebote erfreuen sich steigender Nachfrage. Angebotsformen mit besonders hoher Relevanz seien aus Sicht der Endkunden ferner Trends wie Intervall-, Functional- und Group-Training. Auch Marktsegmente wie Outdoor- oder Betriebsfitness erstarken. Wobei wir wieder beim Thema Gesundheit wären. Denn gerade die zunehmende Relevanz von Betriebsfitness macht deutlich, dass für die Sportclubs Themenfelder besonders bedeutsam werden, die den präventiven Gesundheitsmarkt fokussieren. Auch die Politik sieht Fitness zunehmend als förderungswürdig an. Ein Beispiel dafür ist das in diesem Heft an anderer Stelle behandelte Präventionsgesetz. Studios bringen sich hier als Medium zur Umsetzung von dessen Vorgaben ein, wobei verschiedene Modelle möglich sind. In der Regel stellen Clubs ihre Einrichtungen zur Verfügung oder entsenden Mitarbeiter in die Betriebe. Natürlich kann bewegungsorientierte Gesundheitsförderung gegebenenfalls auch in Betrieben stattfinden. Konkurrenz droht dann, wenn Firmen Fitnessgeräte auf dem Arbeitsgelände installieren, damit die Mitarbeiter in Pausen beziehungsweise vor oder nach der Arbeit kurz eigenständig trainieren können. Die Sorge, dass den Studios durch die Auslagerung an die Arbeitsstätten ein immenser Marktgegner erwächst, sei jedochr unbegründet. Firmenfitness sollte in der Branche vielmehr als einer der großen Wachstumstreiber angesehen werden, um neue Mitglieder zu gewinnen und neue Menschen zu erreichen.

Der soziale Austausch mit Gleichgesinnten ist insbesondere bei Kursangeboten ein zusätzlicher Vorteil.Syda Productions / Shutterstock
Der soziale Austausch mit Gleichgesinnten ist insbesondere bei Kursangeboten ein zusätzlicher Vorteil.

Die Fitness der  Senioren bleibt natürlich weiterhin ein Thema. Und auch hier spielt die soziale Frage eine enorme Rolle. Vor allem sei es wichtig, Personal zu haben, das die diesbezüglichen Bedürfnisse älterer Menschen lösen kann, denn die wollen nicht nur trainieren, sondern auch Kontakte knüpfen und sich mit Gleichgesinnten treffen.

Insgesamt glaubt Prof. Nagel, dass die Fitnessbranche vor der Herausforderung steht, Gesundheitstrends aufzugreifen und Fitness erfolgreich im zweiten Gesundheitsmarkt anzubieten. Hier stünde man in einem kooperativen Wettbewerb mit anderen Branchen, die den Markt für sich entdeckt haben. Es geht mithin darum, „mit diesen Partnern und Kostenträgern der Prävention – seien es Krankenkassen, Rentenversicherung oder Ärzte und Physiotherapeuten – erfolgreich zu kooperieren“. Gelingt dies, ist der Fitnessmarkt in der Lage, seine Position in diesem Zukunftsmarkt auszubauen.

Quellen

  1. Statista. Anzahl der Personen in Deutschland, die sehr auf ihre Gesundheit achten. Zugriff am 27.1.2020: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/272609/umfrage/gesundheit-anzahl-der-gesundheitsbewussten-in-deutschland/
  2. Statista. Anzahl der Kinder bis 14 Jahre in Deutschland bis 2018. Zugriff am 27.1.2020: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1253/umfrage/anzahl-der-kinder-bis-14-jahre-in-deutschland-seit-dem-jahr-1950/
  3. ots/Mrs.Sporty GmbH. Fitness, Regeneration und Prävention aus einer Hand: Physiotherapeutische Elemente halten Einzug in Fitnessstudios. Zugriff am 27.1.2020: https://www.presseportal.de/pm/60708/4336993
  4. Fit for fun. Fitness im Jahr 2044: Wohin geht der Fitness-Trend? Zugriff am 27.1.2020: https://www.fitforfun.de/sport/fit-in-25-jahren-wohin-geht-der-fitness-trend-355017.html
  5. ispo.com. Was Fitnessstudio-Betreiber, Händler und Hersteller jetzt wissen müssen. Zugriff am 27.1.2020: https://www.ispo.com/trends/fitnessbranche-digitalisierung-ist-auch-2019-entwicklungstreiber