Längst hat die Digitalisierung auch die einzelnen Studios erreicht. Aber welche Konzepte sind wirklich innovativ? Warum lohnt sich die digitale Komponente insbesondere beim funktionellen Training? Und machen solche digitalen Trainingskonzepte die Trainer überflüssig? Wir fragen nach bei Valerie Bures-Bönström, die sich als CEO von Pixformance Sports GmbH intensiv mit der Digitalisierung im Fitness- und Gesundheitsbereich beschäftigt.

Valerie Bures-Bönström (VB) hat sich mit ihrem Unternehmen auf die Entwicklung, Lizenzierung und den Vertrieb von Fitness-Übungssystemen spezialisiert. Im Fokus steht dabei ein hocheffizientes Training auf funktioneller Basis, das durch eine selbst entwickelte, volldigitale Trainingsstation, die webbasierte Pixformance Onlineplattform und eine eigene App gesteuert wird. 

SU: Warum lohnt sich digitale Unterstützung gerade beim funktionellen Training? 

VB: „Als wir auf das Thema funktionelles Training gestoßen sind, war ich direkt von der Effektivität der Trainingsmethode begeistert: Vor allem die vielfältigen Bewegungsmöglichkeiten je nach Problemstellung und Zielgruppe sind großartig. Damit ist man als Trainer deutlich variabler als bei einem rein Maschinen geführten Training. Gleichzeitig stellt das Functional Training den Trainer bis heute auch vor größere Herausforderungen. Denn wenn sich der Kunde vielseitig bewegen kann, steigt auch das Fehlerrisiko. Man müsste den Kunden quasi die ganze Zeit beim Training beobachten und direkt eingreifen können, wenn Abweichungen vorliegen. Nur so können die einzelnen Trainingsparameter perfekt gesteuert werden. Mit der professionellen Digitalisierung des funktionellen Trainings wollen wir es dem Trainer ermöglichen, diese stetige Kontrolle einfacher und dennoch optimal zu steuern.“

SU: Macht digitaler Support den Trainer dann nicht überflüssig?

VB: „Im Gegenteil: Wir verstehen unser digitales Trainingskonzept als Tool FÜR den Trainer. Wir wollen dem Coach beziehungsweise Therapeuten optimale Unterstützung bei seiner Arbeit im Studio bieten. Dieser digitale Support spart Zeit und der Trainer respektive die Trainerin kann sich so auf seine Stärken wie Trainingsplanung, Auswertung und Trainingsoptimierung konzentrieren. Regelmäßiges Training auf einem ausreichend intensiven Niveau ist die entscheidende Voraussetzung für Trainingserfolg. Muss deswegen ein hochqualifizierter Trainer die ganze Zeit neben seinem Kunden stehen und das bei jeder Trainingseinheit? Mit einer digitalen Trainingsüberwachung ist das nicht mehr notwendig, da der Coach das Training während jeder Einheit dank digitalem Support im Blick hat – und das Training anschließend optimal auswerten kann.“

SU: Welche Vorteile hat das für den Sportler?

VB: „Für den Sportler bedeutet das, dass er  beim und nach dem Training einen Einblick in sein individuelles Training erhält: Bereits während der Trainingseinheit bekommt er leicht verständliche Hinweise bei Abweichungen; zum Beispiel zur korrekten Trainingshaltung, sodass direkt gegengesteuert werden kann. Nach dem Training kann sich der Kunde die Bewertung seiner gerade absolvierten Trainingseinheit anschauen und so sehen, wie erfolgreich er bereits trainiert, aber auch, was er besser machen kann. Er erhält konkrete Hinweise, wo seine Stärken und Schwächen liegen.“

Der Sportler erhält bereits während des Trainings wertvolle Hinweise zur Optimierung.Pixformance
Der Sportler erhält bereits während des Trainings wertvolle Hinweise zur Optimierung.

SU: Wie kann der Trainer das Training steuern?

VB: „Über Pixformance hat der Coach Zugriff auf einen Übungskatalog mit mehr als 200 funktionellen Übungen, aus denen sich mit wenigen Klicks eigene Work-outs und Trainingspläne zusammenstellen lassen. Dabei kann auch auf Standard-Work-outs mit bereits vordefinierten Übungsabfolgen und Clubtrainingsplänen oder Work-outs mit individuell zugeschnittenen, progressiven Trainingsprogrammen zurückgegriffen werden. Durch eine Zieleingabe auf der Pixformance Onlineplattform wie Gewichtsreduktion, Marathonteilnahme oder eine andere persönliche Motivation wird sichergestellt, dass die Trainingsprogramme auf jedes individuelle Ziel unter Beachtung des Fitnesslevels und des Gesundheitszustandes abgestimmt sind. Neben der Trainingsintensität und -effektivität gibt Pixformance auch Auskunft über wichtige Faktoren, wie die individuelle Haltung beim Training. Es kann auch auf spezielle Faktoren wie Balance und Ausdauer ausgerichtet werden.“

SU: Wie kann man sich die Auswertung durch den Trainer vorstellen?

VB: „Der Trainer kann dank der erhobenen Trainingsparameter (Präzision der Ausführung, Bewegungsradius, Tempo etc.) nach dem Training die Trainingseffektivität genau bewerten und den Trainingserfolg stetig optimieren. Im Rahmen der Trainingszyklen erfolgen regelmäßige Checks beziehungsweise Re-Tests, die fest ins Konzept integriert sind. Es gibt kaum eine bessere Möglichkeit, den Kunden zum regelmäßigen Training zu motivieren, wenn er selbst schwarz auf weiß sieht, wie er sich verbessert hat. Auch für die fortlaufende Trainingssteuerung sind die Checks entscheidend. So kann der Trainer bei Abweichungen frühzeitig eingreifen.“

SU: Für welche Einrichtungen eignet sich das Konzept besonders gut?

VB: „Bei über 300.000 Trainierenden pro Jahr in elf Ländern, die jährlich vier Millionen Work-outs absolvieren, kann man mit gutem Gewissen von einer fundierten Kundenbasis sprechen. Im Fitnessbereich gehören vor allem Einrichtungen mit einem gewissen qualitativen Anspruch, vielen PersonalTrainingseinheiten oder einer medizinischen Ausrichtung zu unseren Kunden. Die Studios von Mrs.Sporty arbeiten beispielsweise bereits seit 2013 erfolgreich mit Pixformance. Hinzu kommt eine große Nachfrage im Bereich Physiotherapie und Klinik: So setzen bereits zahlreiche große medizinische Einrichtungen wie alle vier Rehabilitationseinrichtungen der Charité in Berlin auf das Konzept von Pixformance – und auch immer mehr physiotherapeutische Einrichtungen.“

Für den einzelnen Nutzer ,aber auch für viele Einrichtungen , ist Datenschutz ein entscheidendes Thema.Pixformance
Für den einzelnen Nutzer ,aber auch für viele Einrichtungen , ist Datenschutz ein entscheidendes Thema.

SU: Stichwort gläserner Mensch: Wie sieht es mit dem Datenschutz aus?

VB: „Wegen der medizinischen Einrichtungen, mit denen wir zusammenarbeiten, wird das Thema Datenschutz bei uns hoch aufgehängt. In der Trainingspraxis wird dem Kunden beziehungsweise Patienten sein Training in Echtzeit als Video angezeigt. Ganz wichtig: Diese Daten verlassen die Station nicht. Es werden also keinerlei Videodaten übertragen. Vielmehr übermittelt das System verschlüsselt die Fakten zum Trainingsablauf an die Pixformance Onlineplattform. Auf dieser Basis erfolgt dann die individuelle Auswertung. Auch für andere Anbieter, die datensensibel arbeiten, sind diese Aspekte wichtig, beispielsweise im Bereich Betriebliche Gesundheitsförderung, wenn es um die Auswertung von Gruppen oder Abteilungen geht.“

SU: Euer Unternehmen ist seit 2013 auf dem Markt. Wie schafft man es, innovativ zu bleiben?

VB: „Wer mit einer solchen Innovation an den Start geht, darf sich darauf nicht ausruhen. Wir haben unser Konzept daher stetig weiterentwickelt, ergänzt und verbessert. Aktuell gibt es beispielsweise eine neue Kamera, die noch genauere und bessere Messwerte liefert. Auch die Station selbst ist noch schlanker geworden – das Design hat sich nochmal entscheidend verbessert. Es geht also stetig vorwärts und das ist uns wichtig: Wir werden ein Vorreiter für Technik und Innovation bleiben. Als nächsten Schritt haben wir ein Endverbrauchergerät in Arbeit, das technisch natürlich ganz anders aufgesetzt werden muss, da es ohne den Trainer vor Ort auskommen wird, der jedoch virtuell zugeschaltet wird. Einen Einsatz könnten wir uns hier beispielsweise auch im Bereich Hotellerie vorstellen, wo Kunden unabhängig und zu jederzeit trainieren möchten.“

So funktioniert das Training 

Mit ihren Feedback- und Korrekturmöglichkeiten ist die Pixformance-Station eine effektive Unterstützung für Trainer und Therapeuten. Die Übungen jeder Trainingseinheit können an einer oder mehreren Stationen durchgeführt werden. Jede Pixformance-Station stellt eine definierte Auswahl von Trainingsgeräten (z. B. Hanteln, Bälle, Bank etc.) zur Verfügung, sodass alle gewünschten Trainingsübungen angeboten werden können.

Check-in: Der Trainierende erhält seinen persönlichen Code auf einer mit einem QR-Code versehenen Karte, über die der Login mittels Onlineplattform gesteuert wird. Um mit dem Training an der Pixformance-Station zu beginnen, kann der Trainierende entweder sein personalisiertes Work-out per QR-Code oder auch Standardübungen und bereits hinterlegte Work-outs auf dem Touchscreen auswählen. Sobald ein Work-out gestartet wird, wird die jeweilige Übung als Videovorschau gezeigt. Dabei wird unter anderem visualisiert, welche Bereiche der Muskulatur trainiert werden, welche Wiederholungen notwendig sind sowie ob und welche Kleingeräte genutzt werden sollen.

Echtzeit-Video: Nach Ablauf der Videovorschau startet nun das Work-out. Der Trainierende folgt der Übung, die durch das Video fortlaufend visualisiert wird. Durch die installierte Kamera, die 25 Gelenk- sowie neun statische Punkte des Körpers erfasst und die Bewegungen analysiert, sieht sich der Sportler während des Trainings stets auf dem Bildschirm. Sämtliche Bewegungsabläufe werden dabei technisch korrekt und im optimalen Tempo durchgeführt. Die ausgeführten Wiederholungen und die verbleibende Trainingszeit werden ebenso auf dem Bildschirm angezeigt.

Fortlaufende Korrektur: Anhand der Bewegungsanalyse liefert die Pixformance Station bereits während der Übungsausführung eine durchgehende personalisierte Korrektur in Echtzeit. Der Trainierende erhält dabei einfach umsetzbare, visuelle und textliche Trainingsanweisungen und Verbesserungshinweise. Das sorgt dafür, dass die Übungen richtig und sicher ausgeführt werden. Das visuell betreute Training steigert das Trainingserlebnis und hilft, Ziele mit mehr Motivation zu erreichen und das Training oder die Therapie effizienter und nachhaltiger zu gestalten.

Pixformance bietet dem Trainer zahlreiche Möglichkeiten, um direkt mit dem Kunden zu arbeiten oder das Training aus "naher Ferne" optimal zu überwachen.Pixformance
Pixformance bietet dem Trainer zahlreiche Möglichkeiten, um direkt mit dem Kunden zu arbeiten oder das Training aus "naher Ferne" optimal zu überwachen.

Übungsauswertung: Nach jeder einzelnen Übung erfolgt eine unmittelbare Auswertung in Form des Pixformance Scores mit den Parametern Präzision, Tempo, Bewegungsradius und Wiederholungszahl. Der Trainierende kann sein Training durch diese Trainingsergebnisse selbst besser einschätzen und sehen, in welchem Bereich er sich verbessern kann und/oder sollte. So werden die Ausführungsqualität einer Übung und die Trainingsleistung des Trainierenden stetig verbessert. Dem Trainer stehen durch die fortlaufende Trainingsbeobachtung und Auswertung nach jeder Trainingseinheit umfangreiche Daten zur Trainingseffektivität zur Verfügung. Auf dieser Basis kann, kombiniert mit regelmäßigen Check-ups, eine optimale Trainingssteuerung erfolgen.

Eigene App: Mit der Pixformance-App können Trainierende und Patienten auch problemlos zu Hause auf ihre Trainingspläne und Übungen zugreifen und eigenständig ein Work-out durchführen. Außerdem liefert die App jederzeit einen Einblick in die persönliche Fitness.