Das Herzstück eines Studios ist die Crew. Insbesondere Trainer und Coaches stehen an vorderster Kundenfront. Auf fachlicher, aber auch emotionaler Ebene sind sie die wichtigsten Ansprechpartner für Kunden und Interessenten. Willst du sie optimal fordern und fördern, brauchst du heutzutage etwas mehr Handwerkszeug als „nur“ Zuckerbrot und Peitsche.

Menschen, die im Sportbereich arbeiten, haben ein starkes Eigeninteresse: Sie wollen aktiv mit Menschen arbeiten und sie mit ihrer Begeisterung für Gesundheit und Bewegung „infizieren“. Oft sind sie selbst sehr kommunikativ und begeisterungsfähig. Das hat aber nicht nur Vorteile! Wer solche Mitarbeiter nicht mit dem richtigen Händchen führt und zu wenig mit ihnen interagiert, der verliert sie auch schnell: Erst geht es in den Modus „innere Kündigung“, dann engagieren sie sich immer wenig aktiv für das Studio. Versucht man zu spät, sie zu reaktivieren, sind sie emotional schon zu weit weg. Dann wird der inhaltlich notwendige Druck, der von oben kommt, zum Kündigungsauslöser. 

Fordern und fördern ist in unserer Branche leichter gesagt als getan: Im Sport- und Fitnessbereich können selten hohe Gehälter oder Boni gezahlt werden. Auch hochwertige Vergünstigungen – etwa ein Firmenwagen – sind eher unüblich. Was kannst du also tun, damit deine die Mitarbeiter motiviert und leistungsfähig bleiben? Die folgenden zehn Merksätze erleichtern dir die erfolgreiche Gratwanderung zwischen fordern und fördern?

1. Du bist der Boss

Entscheidungen gehören zum deinem Job. Es gibt kritische Entscheidungen, die du am besten – und schneller – selbst triffst. Es gibt aber auch eine Vielzahl an Entscheidungen, die du dem Team überlassen kannst. Mitarbeiter werden so zu Entscheidungsträgern, übernehmen Verantwortung und sind aktiv beteiligt. Das zeigt dein Vertrauen und schafft eine Basis für die Motivation deiner Mitarbeiter. Gleichzeitig hast du auf diese Weise mehr Zeit für deine tatsächlichen Führungsaufgaben.

2. Arroganz ist schädlich

Ernst Prost, langjähriger Geschäftsführer von Liqui Moly (einem der international erfolgreichsten Familienunternehmen in Deutschland), bringt es so auf den Punkt: „Führen heißt mit gutem Beispiel vorangehen. Den Chef heraushängen zu lassen, das geht gar nicht! Keine Macht der Arroganz! […] Ein gepflegtes und zivilisiertes Miteinander, Respekt, Toleranz – ja, und auch die Nächstenliebe – zeichnen eine Firma, eine Gesellschaft und eine Nation mit ihren Werten und Idealen doch erst aus.“

3. Setze auf Empowerment

Wenn Mitarbeiter einen Kontext und Ziele bekommen, in dem sie selbstbestimmt arbeiten dürfen, können sie sich selbst koordinieren, zusammenarbeiten und herausfinden, was für das Unternehmen die jeweils beste Lösung ist. Deine Aufgabe als Chef ist nicht, die richtige Anzahl an Regeln zu schaffen, sondern die Rahmenbedingungen zu kreieren, damit Mitarbeiter die im jeweiligen Falle optimalen Regeln für die Zusammenarbeit finden.

4. Alle sind gleich

Es gibt statistisch nur einen marginalen Unterschied, wenn es um weibliche versus männliche Führungskräfte geht: Bei den Personen, welche mit weiblichen Führungskräften arbeiten, bezeichnen sich 23 Prozent selbst als engagiert. Bei denen mit männlichen Führungskräften stufen sich 18 Prozent als engagiert ein. Offensichtlich können geschlechtsspezifische Vorurteile bei Kontakt mit Führungstalenten verpuffen und das ist gut so!

4. Lerne dazu

Egal wie talentiert man ist, Input und Unterstützung sind nie verkehrt. Lass deine Führungskräften nicht alleine im Regen stehen, biete ihnen aktiv Support an. So ermöglichst du ihnen die Weiterentwicklung in ihrer Rolle. Aus- und Fortbildungen sind auch für dich selbst wichtig, damit du deine eigenen Skills stärken kannst.  

5. Traue dich

Auch ein scheinbar abgesteckter, gesättigte Markt steckt voller neuer Möglichkeiten. Um von diesen Chancen zu profitieren, muss kontinuierlich analysiert und ermittelt werden. Traue dich, auch im Bereich der Mitarbeiterführung Neues auszuprobieren. 

6. Führe „laut“

Mache deine Arbeit als Chef für das Team sichtbar. Lasse die Mitarbeiter an deinem Führungs- und Lernprozess teilhaben. Dadurch kommunizierst du Informationen in die Breite: vom Prinzip „need to know“ hin zu „open by default“. So bekommst du wertvolles Feedback und bist Vorbild für deine Führungskräfte. 

7. Jung trifft alt

Gerade bei Mitarbeitern über 50 kann es helfen, wenn eine jüngere Führungskraft signalisiert, dass die Führungskonstellation für sie selbst gewöhnungsbedürftig ist. Wer seine Mitarbeiter beim Kennenlernen offen fragt, was sie von ihnen als Führungskraft brauchen und erwarten, bekommt wichtigen Input und schafft Vertrauen. Das gilt für Mitarbeiter in allen Altersklassen!

8. Punkte digital

Jeder Manager sollte heute mit der digitalen Transformation vertraut sein. Die Schlüsselfrage ist: Was bedeutet es im Kontext meines Unternehmens? Setze dich aktiv mit dem Thema Digitalisierung auseinander, sensibilisiere Führungskräfte und Mitarbeiter für die Möglichkeiten und Grenzen (z. B. Datenschutz). Und denke daran: In einem Wandel passieren auch Fehler. Leider sind in unserer Gesellschaft Fehler oft negativ behaftet. Sie werden bestraft, Fehlerlosigkeit wird gleichzeitig belohnt. Dies ist in der digitalen Transformation nicht mehr möglich. Durch hohe Komplexität sind wir gezwungen, auszuprobieren und Fehler zuzulassen, um Neues zu erfahren.

9. Trenne dich fair

Viele Angestellte fallen in einer Trennungssituation ins Bodenlose, ein Kündigungsschutzprozess droht, Unruhe in der Belegschaft kommt auf, negative Bewertungen auf Portalen wie Kununu häufen sich und schaden der Arbeitgeber-Reputation. Auch bei derartigen Einträgen bewährt sich das Prinzipt der Prävention: Überprüfe das Betriebsklima immer wieder auf dicke Luft. Zeige Deinen Mitarbeitern, dass du für kontruktive Kritik offen bist. Gehe auf Verbesserungsvorschläge, so gut es geht, ein und mache gemeinsam erzielte Verbesserungen sichtbar.

10. Feedback macht stark

In den meisten Fällen helfen regelmäßige Feedbackgespräche, damit es gar nicht erst zu einer Kündigung kommen muss. Sprich hier auch Leistungsschwächen und ungenutzte Potenziale an und (!) definiert gemeinsame Lösungsansätze. Finde heraus, WARUM deine Mitarbeiter nicht (mehr) motiviert sind. So greifst du ein, bevor aus Motivationsmangel ein kündigungsrelevantes Problem wird. 

Quellen

5 Bausteine für die Führung und das Management intelligenter Organisationen: su.rpv.media/1ji; Zugriff am 20.08.2020

Die Arroganz der Macht: dn.rpv.media/1jr; Zugriff am 20.08.2020

Who Makes a Better Boss, Him or Her: su.rpv.media/1jj; Zugriff am 20.08.2020

Essenz des Führens: Innovate! su.rpv.media/1jk; Zugriff am 20.08.2020

Ledership 4.0 – Führung im digitalen Zeitalter: su.rpv.media/1jl; Zugriff am 20.08.2020

Digitale Führung im technologischen Wandel: su.rpv.media/1jm; Zugriff am 20.08.2020

Trennungsmanagement verbessern, vom Feedbackgespräch bis Outplacement: su.rpv.media/1jn; Zugriff am 20.8.2020

Junge Führungskräfte führen ältere Mitarbeiter – So gelingts: su.rpv.media/1jo; Zugriff am 20.08.2020

Vorsicht ist besser als Nachsicht, Prävention: su.rpv.media/1js; Zugriff am 21.08.2020