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shape UP Business 1/2022

Fitspiration

Social-Media-Potenziale clever nutzen

In der Pandemie stand die Fitnesswelt Kopf. Zwar kehren Hobby-Athleten, Freizeit-Olympioniken und alle anderen Bewegungsbegeisterten wieder ins Gym zurück, dennoch wollen viele Mitglieder die oft neu geschaffenen virtuellen Möglichkeiten nicht missen. Laut dem "2021 Les Mills Global Fitness Report" planen sogar 80 Prozent der Mitglieder, Online-Angebote weiterhin in ihren Trainingsplan zu integrieren. Der Sprung in die digitale Welt ist also geschafft.

Sebastian Retz
Lesezeit: ca. 4 Minuten
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Trotzdem steht die Fitness- und Gesundheitsbranche vor großen Herausforderungen. In Deutschland geht es vor allem darum, wieder das Mitgliederniveau von Dezember 2019 zu erreichen. Ein hybrides Angebot stellt dabei nur eine wichtige Säule dar. Fitness-Konsumenten wollen schließlich erreicht, überzeugt und immer wieder gewonnen werden. Social Web heißt das Zauberwort der Stunde. Doch welches Netzwerk ist überhaupt sinnvoll? Wie stehen Aufwand und Kosten im Verhältnis zu erreichten Zielen? Welchen Mehrwert kann der Social-Media-Auftritt überhaupt bieten? Und lohnt sich die Zusammenarbeit mit Influencern?

In die engere Kanalwahl kommen

Mit circa 33 Millionen aktiven Nutzern in Deutschland nehmen soziale Medien einen wachsenden Raum in der Gesellschaft und damit auch für die Positionierung von Unternehmen in der Fitness- und Gesundheitsbranche ein. Grundsätzlich ergibt es dabei Sinn, verschiedene Online-Plattformen in eigener Sache zu nutzen. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass jedes Studio auf allen Kanälen aktiv werden muss. Stattdessen sollten die strategischen Vor- und Nachteile der jeweiligen Plattformen im Vordergrund stehen. Ob Facebook, Instagram oder YouTube für ein Unternehmen relevant sind, entscheiden in erster Linie die Ziele und Zielgruppen.

Beabsichtigt ein Studio, Bootcamp oder Full-Service-Gym beispielsweise, die eigene Markenbekanntheit zu steigern, gilt es unter anderem zu definieren, bis wann dieses Ziel erreicht werden und wie groß die angestrebte Steigerung sein soll. Ein weiterer wichtiger Aspekt, den es in Sachen Kanalwahl zu berücksichtigen gibt, ist die Frage nach den Adressaten. Nur ein umfangreiches Verständnis davon, wie Kunden ticken, hilft bei der maßgeschneiderten Kommunikation. Schließlich soll der richtige Content die richtigen Interessenten erreichen. Persona-Beschreibungen, die auf die selbstinszenierte, virtuelle Identität der Wunschkunden abgestimmt sind, bilden dafür die Basis.

Unique, relevant und mit Mehrwehrt

Stehen die Kanäle fest, dreht sich alles um die Produktion von passendem Content. Vor allem die heterogene Fitness-Community erwartet neben tiefgreifendem Verständnis von den jeweiligen Übungen stetige Motivations- und Erinnerungsstützen sowie Lifestyle- und Ernährungshacks. Es empfiehlt sich daher, Freunde und Follower mit hochwertigen Inhalten anzusprechen. Statt platte Werbebotschaften in die Welt zu posaunen, gilt es, eine Balance zwischen kreativem Entertainment und nützlichen Informationen zu finden. Konkret bedeutet das: Posts, Clips und Co. können und sollen unterhalten, gleichzeitig aber immer einen Mehrwert liefern, indem sie Anleitungen geben, hilfreiche Tipps und Tricks vermitteln oder neue Ideen beflügeln.

In diesem Zusammenhang spielt auch die Formatwahl eine wichtige Rolle. Als ideale Träger für Emotionen geben gut durchdachte Videos auf Facebook oder Instagram dem Unternehmen ein Gesicht, vermitteln so Nähe und wecken positive Gefühle. Mit entsprechenden Tags versehene Bilder oder GIFs können die Bewertung der eigenen Homepage durch Suchmaschinen verbessern. Virtual-Reality-Erlebnisse oder animierte Erklärvideos wecken Interesse und bedienen gleichzeitig das Informationsbedürfnis der Nutzer.
Reine Verkaufsshows mit dem Titel „Jetzt Mitglied werden“ straft die Community hingegen für gewöhnlich schnell ab, wodurch nicht zuletzt auch die gewünschte Sogwirkung innerhalb der eigenen Zielgruppe ausbleibt.

Und was ist eigentlich mit Influencern?

Content mit Mehrwert muss allerdings nicht immer selbst produziert werden. Manchmal lohnt sich auch die Zusammenarbeit mit Social-Media-Testimonials – insbesondere, wenn es darum geht, ein junges Publikum zu erreichen. Als Markenbotschafter richtig eingesetzt, erhöhen sogenannte Content Creator den Bekanntheitsgrad, verbessern das Image und kurbeln den Umsatz an. Um eine positive Resonanz zu bekommen, passt die Community des jeweiligen Influencers idealerweise zu der gewünschten Zielgruppe. Stehen die digitalen Meinungsmacher für die Werte des Unternehmens? Sprechen sie mit ihren Storys, Videos und Posts passende Interessenten an? Welchen Einfluss haben sie auf ihre Follower? Und erreichen sie die richtige Zielgruppe über ihre Kanäle?

Micro-Influencer

Häufig genügt hier schon ein genauerer Blick auf den bereits produzierten Content, um sich einen Überblick zu verschaffen. Unter Umständen lohnt sich auch Storytelling mit mehreren Influencern, um die eigene Botschaft zu verbreiten. Micro-Influencer mit bis zu 50.000 Abonnenten nehmen hier eine wichtige Rolle ein, denn anders als die internationalen Stars der Szene interagieren sie mit ihrer digitalen Gefolgschaft, haben sich eine organische Reichweite erarbeitet und gelten häufig als Experten auf einem spezifischen Themengebiet. Vor allem, wenn bestimmte Anwendungen, Angebote und Kurse direkt an die richtige Zielgruppe adressiert werden, ist eine Kooperation mit solchen Micro-Influencern meistens effektiver und auch kostengünstiger als mit Social-Media-Testimonials, die ein Millionenpublikum haben.

Inhouse-Markenbotschafter

Wer in Sachen Influencer-Marketing nicht in die Ferne schweifen möchte, findet möglicherweise auch im eigenen Unternehmen Mitarbeiter mit entsprechender Expertise, die sich als Markenbotschafter eignen. In der Praxis dauert das zwar häufig länger und ist zunächst mit Kosten, beispielsweise für Coaching, verbunden, wirkt aber nach außen umso glaubwürdiger. Gibt es inhouse passende Kandidaten, gilt es diese aufzubauen und durch Coaching, Workshops und Guidelines zu unterstützen. Dabei können Social-Media-Neulinge auch vom Know-how einer Agentur profitieren – Beratung, Strategieentwicklung und Umsetzung inklusive: für alle eine Win-win-Situation.
Im Idealfall gewinnt durch hochwertigen Content und Kooperationen neben der Community auch das Studio.

Beim sogenannten Return of Influence profitiert das Unternehmen insbesondere von den Gesprächen, die über sie entstehen. Sie sorgen für gesteigerte Markenwahrnehmung, Feedback, Zielgruppenengagement und im besten Fall Leads. Außerdem bringt ein erfolgreicher Social-Media-Auftritt eine Reihe von Einsparungspotenzialen, zum Beispiel im Kundenservice, mit sich. Mit einer ausreichend großen und loyalen Community helfen sich Follower bei Fragen häufig gegenseitig, sodass der eigentliche Customer Service sich nur einschalten muss, wenn persönliche Daten im Spiel sind oder auf interne Informationen zugegriffen werden muss.
Wer den Wert von Social Media langfristig auch beziffern möchte, sollte auf spezielle Messwerte wie Fans, Likes oder Reichweite achten. Ins Verhältnis zueinander und zu den eigenen Zielen gesetzt, bilden sie Kennzahlen, die den Beitrag von Social Media insgesamt transparent machen.

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