Erst waren wir nicht systemrelevant, dann nicht hilfsbedürftig genug und künftig – wenn wir nichts ändern – wohl auch nicht förderungswürdig. Dabei wollen die Stimmen aus der Branche nicht verstummen, die staatliche Unterstützung für „Fitness“ fordern. Mit welchem Recht eigentlich? Und wer sollte da was fördern? Fitnessstudios sind ja nicht gemeinnützig wie Vereine. Sie sind nicht einmal als Teil des zweiten, geschweige denn des ersten Gesundheitsmarktes anerkannt.

Trotzdem ist „Fitness“ an sich ja durchaus förderungswürdig. Wohl aber nicht als Subvention für das Angebot von Studios jeder Art, sondern allenfalls als Prämie für den Zustand, den aber jede/r dann für sich selbst herstellen muss. Deshalb könnten Menschen zwar Förderung fordern, wenn sie sich fit halten. Aber Studios? Denen dürfte diese Forderung doch wohl nur dann zustehen, wenn sie die Fitness des/der Einzelnen maßgeblich herbeigeführt hätten.

Das setzt voraus:

  • seriöse Ermittlung des körperlichen Zustands auf wissenschaftlicher Basis vor Aufnahme des Trainings sowie dessen objektive, zum Beispiel medizinische, Überprüfbarkeit,
  • individuelle Trainings-, Ernährungs- und Lebensstilplanung für alle Trainierenden,
  • qualifizierte, persönliche Beratung und Betreuung jeder/jedes Trainierenden und
  • regelmäßige Feststellung des erreichten Trainings-Fortschritts.

Fitness-Prämie statt Krankheitskosten

Je nach dokumentiertem Zustand könnte/sollte/müsste einem Trainierenden eine finanzielle Fitness-Förderung gezahlt werden. Dann aber echtes Geld und keine Peanuts, wie sie heute noch für die Teilnahme an Präventions- oder Reha-Kursen gewährt werden. Nicht 50 Euro im Jahr, sondern 50 Euro pro Monat und das auch nur als Minimum. Echte Fitness-Förderung sollte monatlich 100 Euro bringen. Und selbst das ist nicht mehr als ein Almosen angesichts der 4.712 Euro (Stand 2018; su.rpv.media/1ey, Zugriff am 29.07.2020), die jeder Bundesbürger pro Jahr an Krankenkosten verursacht. Das sind fast 400 Euro pro Monat.

Zuckerbrot und Peitsche

Wer von der Krankenkasse 50 bis 100 Euro pro Monat Fitness- und Gesundheitsförderung kassiert, zahlt im Studio für qualitativ hochwertige und erfolgreiche Beratung und Betreuung gut und gerne das Doppelte des heutigen Monatsbeitrags. Dann braucht das Studio keine Fördermittel; weder direkt noch über Subventionen oder Steuersenkungen. Staatliche Wohltaten sind nämlich entweder an existentielle Corona-Einbußen oder an den gesamt-gesellschaftlichen Nutzen gebunden. Fördern und fordern ist ja nur die freundliche Umschreibung von Zuckerbrot und Peitsche. Wer das Zuckerbrot der Staatsknete will, muss auch mit der Amts-Knute der Bürokratie leben.

Gesundheitstraining statt Freizeit-Vergnügen 

Und das will die Branche wohl kaum und sie kann es ja auch gar nicht. Denn von den 9.669 Anlagen (Stand 2019; DSSV) erfüllen – wohlwollend geschätzt – kaum mehr als zehn Prozent die Voraussetzungen für eine staatliche Unterstützung als gesundheitsfördernde Einrichtung. Sie gehen aber in der Masse unter. Deren Geschäftsmodell gehört in die Kategorie Freizeit-Industrie und ist nicht förderungswürdig. In der Coronakrise haben sich weitsichtige Studiobetreiber geschworen, jetzt müsse alles anders werden. Was aber ist alles?

Alles wäre anders, wenn…

  • eine separate Organisation mit strengen Qualitätsregeln die Botschaft eines gesundheitsorientierten Fitnesstrainings glaubwürdiger vertreten würde als das bisherige Sammelbecken unterschiedlichster Interessen. 
  • eine Initiative von Qualitätsstudios zur Förderung von Fitness und Gesundheit mit deutlicher Abgrenzung gegen Freizeitanlagen und Studios ohne fachliche Beratung und Betreuung agiert. 
  • eine Serie wissenschaftlicher Studien zum Nachweis der Wirksamkeit evaluierter Trainingsformen gegen Volkskrankheiten wie Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck undSchlaganfall führt. 
  • es eine Nutzung von Programmen wie Bewegungs-Rezepte und Fitness-Atteste (z. B. auf Basis des European Fitness Badge) gibt.

In Fitnessstudios mit solchen Qualitätsnormen könnten Mitglieder förderungswürdige Trainingserfolge erreichen, von denen auch die Studiobetreiber durch gerechtere Preise profitieren können. Denn für Studios und Kunden gilt: Wer gefördert werden will, muss sich auch Forderungen stellen.