Die Verantwortlichen in den Unternehmen sind zunehmend daran interessiert, Fitness und Gesundheit ihrer Belegschaft aktiv zu fördern – und zwar über den Hebel Sport. Studios wiederum können einen ganzen Schub neuer Kunden gut gebrauchen. Also bieten sich Kooperationen geradezu an. Wie aber lässt sich dieses Zusammenkommen forcieren?

Der positive Einfluss von körperlicher Aktivität auf die Gesundheit einer bewegungsarmen Gesellschaft hat sich längst herumgesprochen. Fitte Mitarbeiter gelten als leistungsfähiger, weniger krankheitsanfällig und motivierter. Das bringt immer mehr Betriebe dazu, Maßnahmen betrieblicher Gesundheitsförderung anzubieten.

Der Finanzrahmen ist dabei relativ klar abgesteckt. Seit 2020 können Arbeitgeber pro Beschäftigtem und Jahr bis zu 600 Euro ausgeben, ohne dass diese Zuwendungen von den Begünstigten als geldwerter Vorteil versteuert werden müssen. Voraussetzung ist, dass die Maßnahmen den Kriterien des GKV-Leitfadens Prävention entsprechen.

Eine dieser Maßnahmen ist die Kooperation mit Fitnessclubs und anderen Gesundheitszentren. Ein Modell, das zwei Gewinner haben kann: Die Firmen ermöglichen ihren Mitarbeitern die Teilnahme an einer Vielzahl von gesundheitsfördernden Angeboten. Die Clubs verzeichnen einen nicht zu verachtenden Kundenzuwachs. Kitt dieser Kooperation sind häufig attraktive Sonderkonditionen zwischen Studio und Unternehmen.

Umsetzungsvarianten

Für die Gestaltung einer Firmen-Studio-Kooperation bestehen zwei Realisierungsmöglichkeiten.

Bei Variante 1 einigen sich Betrieb und Sportclub über Studioleistungen, deren Nutzbarkeit durch die Mitarbeiter und den finanziellen Support durch das Unternehmen.

Mitgliedschaften sind hier möglich und erwünscht. Das Training im Club kann auch mit außer-Haus-Aktivitäten kombiniert werden. Etwa wenn Studiotrainer im Unternehmen Anamnese, Workshops, Vorträge und weitgehend gerätelose Trainingsformen durchführen und im Gym die dazugehörigen Kernleistungen wie etwa gerätegestütztes Kraft- und Gruppentraining anbieten.

Bei Variante 2 geht es um eine spezifische Nutzung der Fitnessanlage, wobei Präventionskurse gemäß § 20 SGB V klar im Vordergrund stehen. Eine sonstige Nutzung des Studios sowie Mitgliedschaften werden ausgeschlossen, Kurse finden nur für das jeweilige Unternehmen statt oder die Teilnahme ist an regulär stattfindende Kurse des Studios gekoppelt.

Im Folgenden wollen wir uns beispielhaft auf Variante 1 konzentrieren, also der Generierung von Mitgliedschaften.

Firmenkunden gewinnen

Über eine gängige Methode, Firmenkunden zu akquirieren, berichtet Antonio e Silva, Experte für Gesundheitswirtschaft und Fitnessstudio Consulting. Die Ansatz dahinter ist, dass die eigenen Bestandsmitglieder ihre Arbeitgeber auf die Möglichkeit aktiv hinweisen, Firmenfitness in diesem Studio zu betreiben.

So könne das Studio über sein Mitglied beispielsweise in der Firma einen Termin zur BGM-Präsentation initiieren und im Gegenzug für jeden neu geworbenen Kollegen eine Zeit lang kostenlos trainieren.

„Nutze Mitglieder als Mittler“

Um Mitglieder als Mittler zwischen Studio und Firma zu gewinnen, sind Vorbereitungen notwendig. Dazu gehöre ein spezielles Infoblatt, das in vielfacher Zahl an prominenter Stelle im Studio ausliegt oder aktiv verteilt wird. Die Aktion kann von Plakaten, etwa im Umkleideraum unterstützt werden. Auch die Trainer sollten mit dem Thema vertraut sein und können dafür speziell motiviert werden. Hier bietet sich für die erfolgreiche Anbahnung eines Kontakts beispielsweise die Auszahlung einer Provision an. Zudem sollte auf der Internetseite des Studios Kompetenz in Sachen Firmenfitness sichtbar sein – mit allen wichtigen Informationen und Ansprechpartnern. 

Auch die Nutzung sozialer Netzwerke ist eine Überlegung wert. Als Hashtag bietet sich zum Beispiel „#Firmenfitness+[Ort des Studios]“ an. Das Thema kann auch bei Neuanmeldungen ins Spiel gebracht werden. Nach Hinweis auf den Datenschutz etwa mit der Frage nach dem Arbeitgeber und dem Vorfühlen, ob bei diesem eventuell ein noch nicht erkannter Bedarf vorhanden ist. 

Das Nutzen bestehender Institutionen in der Region kann ebenfalls ein guter Akquiseweg sein. Ein sehr wertvoller Partner für das Fitnessstudio ist die Industrie- und Handelskammer (IHK) vor Ort. Antonio de Silva gibt an, enorm durch vermittelte Kontakte zu zahlreichen Unternehmen profitiert zu haben, mit denen er sonst nie in Berührung gekommen wäre. Er rät dazu, einen persönlichen Termin mit dem Ansprechpartner für betriebliche Gesundheitsförderung zu vereinbaren, den jede IHK habe. 

Weitere Möglichkeiten, Firmenkunden zu gewinnen, bestehen in der Teilnahme an Veranstaltungen und örtlichen Vernetzungen. Unter anderem kommen Events infrage wie  Unternehmerfrühstück, Messen und Gewerbeschauen – ein eigener Stand erleichtert die Kontaktaufnahme. 

Für Vernetzungen bieten sich auch in der Gesundheitsbranche involvierte Personen oder Institutionen an, wie Krankenkassen, Berufsgenossenschaften, Ärzte und Physiotherapeuten.

Unabdingbar: ein Konzept

Egal, mit wem man auch immer in Sachen Betriebssport Kontakt aufnehmen möchte, unerlässlich ist ein schlüssiges Firmenfitness-Konzept.

In der Praxis wird für dessen Erstellung häufig ein für das Thema verantwortliches Team von Studiomitarbeitern formiert: Es hat die Aufgabe, ein vielseitiges, flexibles und innovatives Firmenfitness-Angebot zu entwickeln, das gleichermaßen auf die Wünsche von Arbeitgebern und -nehmern eingeht.

Was sich so einfach liest, ist in der Realität durchaus mit Schwierigkeiten behaftet. Denn Firmenfitness ist ein Bereich, in dem sich viele Studios versuchen, aber nicht alle auch betriebswirtschaftlich erfolgreich sind.

Das kann auch Dipl.-Sportwissenschaftler und BGM-Experte Simon Kellerhoff bestätigen, der berichtet, dass der erhoffte Umsatz durch Neumitgliedschaften häufig ausbleibt und abgeschlossene Kooperationsverträge nach kurzer Zeit wieder gekündigt werden. Es gelte, Firmenfitnesskooperationen von vornherein nachhaltig zu gestalten. Je detaillierter Kooperations- und Betreuungsschritte definiert seien, desto eher kämen neu gewonnene Firmenkunden wieder und bleiben dem Club als zufriedene Mitglieder erhalten. 

„Erfolgreiche Konzepte sind nachhaltig“

Kellerhoff sieht hier, wie Silva, den Einsatz von mit Begeisterung und Vertriebsgeschick ausgestatteten Firmenfitness-Spezialisten als notwendig an. 

Die zweite Ebene

Bei der Frage nach der Mitarbeiterqualifizierung kommt erstmals eine zweite Kooperationsebene ins Spiel. Denn neben der Zusammenarbeit zwischen Firmen und Studios gibt es noch jene zwischen Studios und Anbietern, die Input in Form von Ausbildung, Konzepten und Produkten liefern.

Dementsprechend rät Silva dazu, die involvierten Mitarbeiter an ein Ausbildungsinstitut zu vermitteln. So lernten diese die Grundlagen von Firmenfitness und mögliche Kooperationsmodelle kennen. Anbieter sind hier unter anderem die BSA-Akademie mit dem Lehrgang „Berater/in für Firmenfitness“, das IST Studieninstitut mit der Weiterbildung „Betriebliches Gesundheitsmanagement (IHK)“ und die Deutsche Sportakademie mit der Weiterbildung „Betriebliches Gesundheitsmanagement“. 

Neben der Mitarbeiterschulung kommt es wesentlich auch auf die vertragliche Ausgestaltung an. Dabei ist es vor allem wichtig, den Leistungsumfang transparent darzustellen, damit die vom Studio erbrachten Leistungen auch tatsächlich entsprechend bezahlt werden. 

Um optimale Servicequalität gewährleisten zu können, treten Clubs in vielen Dingen in Vorleistung. Wem das alles zu viel ist, der kann auch eine weitere Möglichkeit nutzen, die einem die zweite Kooperationsebene eröffnet. Nämlich die, das komplette Management in geschulte Hände zu legen.

Ausbildungen vermitteln  das notwendige Expertenwissendindumphoto / Shutterstock.com
Ausbildungen vermitteln das notwendige Expertenwissen

Erfolgreich Netzwerken

Beispiele für entsprechende Netzwerke sind Hansefit, qualitrain und Urban Sports. Es handelt sich hier um Plattformen, die aus einer bestimmten Zahl von Partnerstudios und Firmenkunden bestehen. Die Komplettanbieter treten dabei als Mittler auf. 

Möchte man als Studio aufgenommen werden, ist es erforderlich, sich als Partner zu bewerben. Dies ist problemlos online möglich. Allerdings gilt es, Qualitätsanforderungen zu erfüllen.

Da Firmenfitnesskunden in allen teilnehmenden Einrichtungen trainieren können, ist die Lenkung in das eigene Studio umso wahrscheinlicher, je besser die gebietsmäßigen Voraussetzungen stimmen. Heißt, aus dem Pool der jeweiligen Firmenkunden, sollten sich Clubs auch tatsächlich in Studionähe befinden.

Auch Unterstützung vor Ort gibt es in der Folge. Etwa bei der Planung und Umsetzung beim Vertrieb und Marketing sowie mit der Durchführung von Aktionen und Veranstaltungen.

Beispiele für Netzwerke

Hansefit

Das Bremer Unternehmen wirbt damit, Deutschlands größtes Firmenfitness-Netzwerk zu sein. Bundesweit sind rund 2.300 Fitnessanlagen, Bäder oder Gesundheitsstudios angeschlossen. Es befinden sich über 1.900 Unternehmen mit über 310.000 Mitarbeitern im Netzwerk.

qualitrain

Das Netzwerk von qualitrain aus München umfasst deutschlandweit an die 3.000 Sport- und Wellnesseinrichtungen. Partner auf der Anbieterseite sind aktuell Premium Fitnessstudios, Schwimm- und Freizeitbäder, Yogastudios sowie Kletter- und Boulderhallen. Auf der Nachfrageseite stehen über 70.000 Angehörige aus über 1.700 Firmen.

Urban Sports Club

Die Berliner bezeichnen sich als „Nr. 1 Plattform für Sport- und Wellnessanbieter“. Betont wird besonders die Vielfalt der Sportarten. Mehr als 50 sind im Angebot. Es gibt insgesamt über 8.000 Fitnesspartner in neun Ländern. Deutschlandweit arbeiten rund 3.000 Sportpartner mit; dem stehen über 500 Firmensport-Kunden gegenüber, darunter prominente Namen wie Axel Springer, C&A oder Coca Cola.

Quellen

  • GKV Spitzenverband. Betriebliche Gesundheitsförderung: su.rpv.media/p6; Zugriff am 21.4.2020
  • Kellerhoff, S. IST-Hochschule für Management. 2018. Wie Sie erfolgreich nachhaltige Firmenfitnesskooperationen eingehen: su.rpv.media/q1; Zugriff am 23.04.2020
  • Mächler, A. Fitness Management. 2019. Firmenfitness – Chancen für Unternehmen und Studios: su.rpv.media/q2; Zugriff am 23.4.2020
  • Staut, S. Fitness Management. 2017. Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM): su.rpv.media/p9; Zugriff am 23.4.2020 
  • Silva, A. OpenPR. 2018. Betriebliches Gesundheitsmanagement: su.rpv.media/pa; Zugriff am 23.4.2020
  • BSA-Akademie. Berater für Firmenfitness: su.rpv.media/pb; Zugriff am 21.4.2020
  • IST-Studieninstitut GmbH. Betriebliches Gesundheitsmanagement (IHK): su.rpv.media/pc; Zugriff am 21.4.2020
  • Deutsche Sportakademie. Betriebliches Gesundheitsmanagement Ausbildung: su.rpv.media/pd; Zugriff am 21.4.2020
  • Urban Sports Club Blog. 2018. Lass’ Deinen Chef zahlen! Firmensport mit Urban Sports Club: su.rpv.media/pe; Zugriff am 21.4.2020
  • Hansefit: su.rpv.media/pw; Zugriff am 22.04.2020
  • qualitrainin: su.rpv.media/px; Zugriff am 22.04.2020
  • urban sports: su.rpv.media/py; Zugriff am 22.04.2020