Mit dem Beschluss, das bestehende Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz (AFBG) zu überarbeiten, sendet der Bundestag klare Signale in Richtung des Leit- und Leidthemas Fachkräftemangel. Ein wichtiges Thema für Studios, die qualifizierte Mitarbeiter als Qualitätsmerkmal brauchen, um sich von der Konkurrenz abzugrenzen.

Durch erhöhte Fördergelder, bessere Konditionen und gezielte Subventionen sollen die Bereiche Berufsbildung und Mitarbeiterqualifikation stärker in den Fokus rücken. Wichtiges Tool: das neue Aufstiegs-BAföG.

Welche interessanten Perspektiven eröffnet das neue Aufstiegs-BAföG konkret für eine Karriere in der Fitnessbranche beziehungsweise für die Weiterbildung der Mitarbeiter?

Bereits seit 1996 gibt es das Gesetz zur Förderung der Aufstiegsfortbildung. Unter dem Namen Meister-BAföG gestartet, ermöglicht es Bund und Ländern, Förderungsberechtigte bei der Finanzierung einer Aufstiegsfortbildung und damit der Verwirklichung zukünftiger Karriereschritte zu unterstützen. Seitdem wurde dieses Gesetz mehrfach aktualisiert und auf die spezifischen Bedingungen, Bedürfnisse und Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt angepasst. Anfang des Jahres hatte der Bundestag beschlossen, dass eine Überarbeitung des Gesetzes angesichts aktueller Marktentwicklungen zielführend sei. „Berufliche Weiterbildung hat bei uns in Deutschland Priorität. Denn ein Spitzenland braucht Spitzenpersonal. Und unser Land ist im Wandel“, so Bundesbildungsministerin Anja Karliczek. Dieser Wandel mache sich insbesondere in den Bereichen Digitalisierung und Globalisierung sowie einem stärker werdenden Wettbewerb bemerkbar. 

Finanzspritze für Berufsbildung

Eine Investition in Bildung und Forschung ist immer auch eine Investition in die Zukunft. Das hat sich auch die Bundesregierung gedacht, denn mit einem Investitionsvolumen von zusätzlichen 350 Millionen Euro für Bildung und Forschung in dieser Wahlperiode wird ein neuer Rekordpunkt markiert. Ziel des neuen Aufstiegs-BAföG ist es, die Fort- und Weiterbildung auf allen drei Stufen bis zum angestrebten Master-Level zu begleiten. Es soll finanzielle Unterstützung bereitstehen, damit Berufsbildung und Karriere in Zukunft keine Geldfrage mehr darstellen. Unterhaltsförderungen müssen im Rahmen des neuen Gesetzes nicht mehr zurückgezahlt werden und auch Existenzgründer können sich freuen: Damit diese ihre Selbstständigkeit ohne Schuldenlast beginnen, wird ihnen das Restdarlehen für die Fortbildungskosten vollständig erlassen. Die Bundesbildungsministerin begründet das so: „Berufliche Bildung ist genauso wichtig wie akademische Bildung.“

Gesundheitsdienstleister 

Das Aufstiegs-BAföG und die neu geschaffenen Anreize in den Bereichen Berufsbildung und Fortbildung kommen nicht aus dem nirgendwo. Der oft beklagte Fachkräftemangel ist ein Dauerthema in Deutschland. Er hat ein stärkeres Bewusstsein dafür geschaffen, wie wertvoll qualifiziertes Fachpersonal ist. Das gilt auch für die Fitnessbranche, die auf schnelle Veränderungen und gewachsene Kundenansprüche reagiert. Die Nachfrage nach Qualitätsanbietern im Fitness- und Gesundheitsbereich steigt. Die Ansicht, dass Gesundheitsvorsorge auf der Trainingsfläche des Studios beginnt und nicht erst beim Arzt, wenn der Schaden bereits da ist, erreicht immer größere Teile der Bevölkerung. Die Kundschaft in den Studios ist bunt, viele Trainierende sehnen sich nach persönlicher Beratung und Einzelbetreuung. Vor allem die ältere Generation sucht sich ihr Studio mit dem Anspruch aus, dort einen kompetenten Gesundheitsdienstleister vorzufinden. Dadurch sind auch die Ausbildungen anspruchsvoller geworden und bringen mehr Verantwortung, aber auch neue Chancen mit sich. 

Bei Verhandlungen sind Abschlüsse greifbare QualitätsnachweiseImageFlow / shutterstock.com
Bei Verhandlungen sind Abschlüsse greifbare Qualitätsnachweise

Meister für Fitness

Inzwischen gibt es eine große Auswahl spezieller Zertifizierungen und Ausbildungen zur Professionalisierung des Studiopersonals. Jenseits der einschlägigen Studiengänge stellt die Fachwirt-Ebene eine der höchsten Stufen dar, die dann nur noch von der dazugehörigen Meisterprüfung durch die IHK gekrönt wird. Gute Beispiele sind der Fitnessfachwirt (IHK) sowie der Fachwirt für Prävention und Gesundheitsförderung (IHK). Die Meisterprüfung erfolgt über die Industrie- und Handelskammer, die Ausbildungen selbst und die Prüfungsvorbereitungen können über Bildungsinstitute absolviert werden, die auch zur Förderung durch das Aufstiegs-BAföG beraten. Mit Hilfe der Förderungen lassen sich Lehrgangsgebühren beispielsweise als zinsgünstige Darlehen organisieren (zzgl. Zuschuss von 50 Prozent der Lehrgangsgebühren (neu)). Die nächste Sprosse auf der Karriereleiter für einen Trainer oder Fitnesskaufmann kann dann eine Tätigkeit im Management einer solchen Anlage oder als Cheftrainer sein.

Auf einen Blick

Mit dem 4. AFBGÄndG können sich die Geförderten auf höhere Zuschussanteile, höhere Freibeträge und höhere Darlehenserlasse freuen.

  • Stufenweise Förderung bis auf Master-Niveau wird eingeführt.
  • Unterhalt für Vollzeitgeförderte wird zu einem Vollzuschuss ausgebaut.
  • Einkommensunabhängiger Kinderbetreuungszuschlag für Alleinerziehende wird auf 150 Euro erhöht.
  • Zuschussanteil zum Maßnahmenbeitrag für Lehrgangs- und Prüfungsgebühren wird auf 50 Prozent erhöht.
  • Der Belohnungserlass steigt auf 50 Prozent, die sozialen Stundungs- und Sozialerlassmöglichkeiten für Geringverdiener werden erweitert.
  • Bei Existenzgründung erfolgt ein vollständiger Erlass der Darlehensschuld.

Mit dem Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz werden Teilnehmer jeden Alters an Maßnahmen der beruflichen Aufstiegsfortbildung finanziell unterstützt. Sie erhalten einkommensunabhängig einen Beitrag zu den Kosten der Fortbildung und bei Vollzeitmaßnahmen zusätzlich einkommensabhängig einen Beitrag zum Lebensunterhalt. Die Förderung erfolgt teils als Zuschuss, teils als zinsgünstiges KfW-Darlehen. 

Surftipps

Hilfreiche Informationen zum Thema findet man beispielsweise hier.

Beratung: https://su.rpv.media/kz

Förderrechner: https://su.rpv.media/k-

Quelle:

Bundesministerium für Bildung und Forschung. Karliczek: „Neues Aufstiegs-BAföG macht Berufsbildungskarrieren noch attraktiver“: https://su.rpv.media/l0; Zugriff am 20.04.2020