Gesundheit
shape UP Business 2/2021

„Ein gutes BGM kann Krankmacher und Risiken beseitigen.“

Antonia Muriqi

Das Einbeziehen gesundheitsfördernder Maßnahmen am Arbeitsplatz fällt nicht jedem Arbeitgeber leicht. Bei der Umsetzung eines qualitativ hochwertigen Betrieblichen Gesundheitsmanagements fehlt oft das nötige Hintergrundwissen. Autorin und Fitnesstrainerin Antonia Muriqi ist der Meinung, dass es eine neue Art des BGM benötigt – eine, die sich auf vor allem auf das Thema Digitalisierung konzentiert: BGM 4.0.

Michelle Dian
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Antonia Muriqi

Welche Rolle spielt BGM in unserer Gesellschaft?

Definitiv. Wir sind noch lange nicht an die digitalen Grenzen gestoßen und auch die Gesetzeslage macht immer weiter Türen auf, um sich als Dienstleister weiterzuentwickeln und den Markt im BGM sinnvoll zu erweitern. BGM wird immer wichtiger. Gerade im Hinblick auf den demographischen und kulturellen Wandel. Zum einen gibt es immer ältere Mitarbeiter, die mehr in ihre Gesundheit investieren müssen. Unternehmen finden zum anderen aber auch nur wenige neue junge Mitarbeiter. Demnach wird BGM zu einer richtigen Marketingstrategie, um neue Mitarbeiter zu rekrutieren. Der kulturelle Aspekt sollte dabei nicht unbemerkt bleiben, sowohl der Mann als auch die Frau verbringen einen Großteil ihrer Zeit im Betrieb und das birgt natürlich auch gesundheitliche Risiken, wenn kein erfolgreiches BGM betrieben wird.

Wie kann sich ein Unternehmen beim BGM verbessern?

Jedes Unternehmen ist einzigartig und für jede Einzigartigkeit gibt es ein individuelles Konzept zur Gesundheitsförderung. Wir sprechen immer von verschiedenen Handlungsfeldern und Risiken. Der Bedarf eines Unternehmens wird durch eine Gefährdungsbeurteilung und verschiedene Reports sichtbar. Die meisten Kranken- und Fehltage resultieren im Allgemeinen aus Muskel- und Skeletterkrankungen und aus psychischen Belastungen. Erkennt der Arbeitgeber das Problem seiner Mitarbeiter, kann er Maßnahmen anbieten, um die Risiken zu minimieren.

Welche Qualitätsmerkmale muss ein gutes BGM haben?

  1. Strukturen und Prozesse, die eine hohe Qualität und Überprüfung möglich machen
  2. ein gutes Projektmanagement
  3. zeitgemäße Kommunikationskanäle und Marketingstrategien
  4. Führungskräfte, die als gute Vorbilder vorangehen

Worauf sollte bei der Ausstattung von Büroräumen geachtet werden?

Wir empfehlen den Unternehmen, die wir betreuen, immer eine Arbeitsplatzbegehung mit den Experten aus unserem Team. Dabei erhält jeder Mitarbeiter aus den einzelnen Bereichen eine individuelle Beratung zu seinem Arbeitsplatz und eventuellen Risiken. Die Menschen sind so unterschiedlich und eigentlich sollten es dann auch ihre Arbeitsplätze sein. Dies ist aber meist nicht der Fall. Das häufigste Problem sind starre Schreibtische, Bürostühle und fehlende Hilfsmittel.

Fünf Fakten zum Thema Gesundheitsförderung in Unternehmen.

  1. Viele Unternehmen haben noch Nachholbedarf sowohl beim Informieren über BGM als auch beim Umsetzen und sollten so langsam mit ersten Schritten starten.
  2. Die Gesetzeslage zu Arbeits- und Gesundheitsschutz wird immer konkreter.
  3. Digitale Umsetzungen im BGM werden zunehmend akzeptiert und finden Anklang im Mittelstand.
  4. Unternehmen mit BGM verlassen sich noch zu sehr auf die Angebote der gesetzlichen Krankenversicherung.
  5. Diese Unterstützung wird aber irgendwann weniger. Demnach sollten sich Betriebe um nachhaltige Strukturen bemühen.
  6. BGM wird digital – keine Frage. Die Vorteile sind immens, gerade für Unternehmen mit vielen Standorten und Mitarbeitern in Schichtarbeit und Homeoffice.

Was kannst du uns über dein Zeitmanagement verraten?

Ich werde immer wieder gefragt, wie alt ich sei und wie ich das alles schaffe. Das ist eine gute Frage, die ich aber auch beim Schreiben meines Buches beantwortet habe: Ich brenne für das, was ich tue. Habt ihr schon einmal ein spielendes Kind sagen hören, es habe ein Burnout? Nein, sicher nicht. Es spielt, weil es für das Spielen brennt und nicht, weil es spielen muss. Viele Arbeitgeber sollten bei ihren Angestellten sehr genau hinhören, wofür sie brennen.

Wie schafft man eine Balance zwischen Privatleben und Arbeit?

Früher sprach man von der sogenannten Work-Life-Balance. Die Balance zwischen Berufs- und Privatleben. Heute ist das aber nicht mehr so einfach zu trennen. Durch die ständige Erreichbarkeit und die Verschmelzung zwischen Arbeit und Freizeit, zum Beispiel beim Homeoffice, machen eine klare Trennung schwer oder unmöglich. Als digitale Gesundheitsmanagerin beschäftige ich mich auch mit den Themen des digitalen Arbeitsschutzes und den sogenannte Future Skills. BGM hat ein weiteres Aufgabenfeld dazubekommen, nämlich den Mitarbeiter auf die Digitalisierung vorzubereiten. Darunter zählt nicht nur der richtige Umgang mit digitalen Medien, sondern auch alles im digitalen Kontext zu Kommunikation, Soft Skills, Zeitmanagement und Unternehmensknigge.

Vielen Dank für das Gespräch!

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