Nicht nur das professionelle Geräte- und Kursangebot macht den Studioerfolg aus. Wichtig für die Trainierenden sind auch softe Fakten wie Farben, Licht oder Materialien, die dem Studio erst die richtige Atmosphäre geben.

Harte und weiche Fakten

Wer ins Fitnessstudio geht, achtet zuerst nur auf das Wichtigste. Was wird an Kursen angeboten? Wie umfangreich ist der Gerätepark? Wann und wie lange hat das Studio geöffnet? Vielleicht noch wie die Umkleideräume aussehen. Und natürlich: Was kostet der Spaß? Das sind die harten Fakten.

Doch es gibt auch weiche Fakten, die die Entscheidung für oder gegen ein Studio beeinflussen. Beispielsweise, welche Musik wird gespielt? Welche Farben dominieren? Mit welchen Materialien sind die Räume ausgestattet? Handelt es sich ausschließlich um Betonwände oder gibt es auch Elemente in wärmendem Holz? Das Design eines Studios spielt eine große Rolle bei der Entscheidung der Trainierenden für oder gegen ein Studio. Hier geht es um Emotionen, um den Wohlfühlcharakter, den Charme einer Trainings-Unit.

Veredelung

„Tatsache ist doch, dass erstklassiges Design wirklich dazu beitragen kann, sich von anderen Studios abzuheben“, weiß Rudy Fabiano, der mit seinem Designbüro mit Sitz in Montclair, New Jersey, seit 1989 weltweit Farben und Formen für Fitnessstudios entwickelt. Sein Credo lautet: Ein Studio muss das Mitgliedererlebnis in Szene setzen. „Wir handeln immer nach unserem Leitsatz: Wenn du designst, inszenierst du eigentlich das Erlebnis eines Menschen. Wie und wann sollen sich Menschen wie fühlen? Was passiert, wenn Mitglieder das Studio betreten? Wo sehen sie es? Wann sehen sie es? Wie ist die Raumaufteilung? Wie ist das Licht? Wie anpassungsfähig ist der Raum? Wie fühlen sich die Türgriffe an?“

Wer sein Studio also nicht nur funktional, sondern auch optisch zu einem Diamanten veredeln will, muss auf vieles – eben auch auf Kleinigkeiten wie Türgriffe – achten. Doch beim richtigen Konzept gehen die Meinungen der Innendesigner weit auseinander.

Minimalismus

„Trainingsräume für körperliche Fitness verbinden im Idealfall hohe Funktionalität mit hoher Ästhetik“, sagt Susanne Brückner von Brückner Innenarchitekten aus München. Sie hat für den Münchner Circle Health Cub-Franchiseanbieter ein Design-Konzept entwickelt, das vor allem in der arabischen Welt Studio-Partner gefunden hat. Susanne Brücker und ihr Team setzten bei dem Health-Club-Konzept auf das Credo „Weniger ist mehr“: Die Grundidee: „Das Raum- und Materialkonzept, das Interieur und die Farbwelten sollen den Sportler motivieren, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: seine körperliche Gesundheit.“

Um dieses Konzept auch wissenschaftlich abzusichern, hat sie mit Sportwissenschaftlern und Psychologen zusammengearbeitet, die sich intensiv mit dem Thema Emotionalität und Erfolg beschäftigt haben. Damit Studioräume entstehen, die nur eins im Fokus haben: den Trainingserfolg der Kunden.

Susanne Brückner von Brückner ArchitektenBrückner Architekten
Susanne Brückner von Brückner Architekten

Das Reduktionskonzept der Münchner Architekten zeigt komplett weiße Räume, schlichte Wände, dezente Chromelemente, keine Pflanzen, keine Musik. Der Trainierende soll sich auf sich selbst und das Training konzentrieren, nicht ablenken lassen von Design-Spielereien. Auch das Lichtkonzept ist auf pure Funktionalität reduziert. Die installierten Ringleuchten reagieren auf das Tageslicht. Sie vermitteln kühleres Licht, wenn die Sonne scheint und wärmeres Licht, wenn die Wolken den Himmel bedecken. Für soviel Reduktion und Funktionalität bekam das Münchner Architektenbüro dann auch den renommierten Red DotDesignAward.

Klares weißes Licht unterstützt ein pures Designkonzept.Brückner Architekten
Klares weißes Licht unterstützt ein pures Designkonzept.

Kommunikationsförderung

Ganz anders sieht das Anzhelika Krok, Innendesignerin aus Hannover. Sie hat das Designkonzept für einen Yoga-Spinning-Club entwickelt. Krok kritisiert die emotionale Kälte vieler Clubs: „In vielen dominieren dunkle Farben, kühle Materialien, kaltes Licht. Dadurch sind viele der Fitnessstudios leblos, emotionslos und sehr funktional.“ Sie setzt zum Beispiel auf fröhliche Farben: „Viele Studios setzen auf streng weiß oder dunkel gestrichene Wände. Weiß oder dunkle Farben sind meist nicht sehr kommunikativ. Das mag im Gerätebereich, wo jede und jeder für sich allein ist, stimmig sein. Aber dort, wo gemeinschaftlich trainiert wird, sollten fröhliche, warme, kommunikative Farben das Gemeinschaftsgefühl stärken. In meinem Konzept habe ich bewusst die Farbe gelb als die zentrale Farbe gewählt.“

Die Farbe Gelb kann ein echter Hingucker im Studio sein.Grafik: Anzhelika Krok
Die Farbe Gelb kann ein echter Hingucker im Studio sein.

Denn, so die Designerin weiter: „Die Farbe gelb strahlt – sie gibt uns unterbewusst Kraft und Energie.  Und dieses Strahlen soll sich auch auf die Trainierenden übertragen.“

Wärmendes Holz

Gedämpfte Farben und warmes Holz schaffen eine wohlige Atmosphäre.McFit/Dominik von Witnerfeld
Gedämpfte Farben und warmes Holz schaffen eine wohlige Atmosphäre.

Bei den Materialien bevorzugt Anzhelika Krok Holz: „Das ist für mich das wärmste Material. Die lebendige Maserung sowie die Farbspiele im Holz drücken Leben und Emotion aus. In vielen Studios wird Holz nur in den Spa-Bereichen eingesetzt. Mehr auch in den Trainingsbereichen eingesetzt, schafft es eine viel positivere und aktivierendere Atmosphäre.“

Angzelika KrokKrok/privat
Angzelika Krok

Auch bei der Lichtgebung hält die Designerin vieles für verbesserungswürdig: „Licht wird oft nur funktional verwendet. Alles meist nur so gut ausgeleuchtet, dass die Trainierenden nicht stolpern. Licht sollte viel stärker konzeptionell eingesetzt werden. Die Studiobetreiber müssen sich mehr Gedanken machen, was in welchem Trainingsbereich passiert und darauf das Licht abstimmen. Es sollte durch das Licht eine Leichtigkeit entstehen, es sollte zudem veränderbar sein in Stärke und Farbe – abgestimmt zum Beispiel auch auf die Tageszeit.“ Und ergänzt: „Ganz wichtig dabei ist, dass Licht und Musik korrespondieren. Das heißt nicht, dass aus dem Studio eine Disko wird. Licht und Musik beeinflussen indirekt den Spaß am Training und sind somit ganz wichtig für den Trainingserfolg.“ 

Farbgebung

Klare Elemente aus Beton, Holz und Stahl passen optimal zu Fitness.Dominik von Winterfeld/McFit
Klare Elemente aus Beton, Holz und Stahl passen optimal zu Fitness.

Wie wichtig das richtige Design für den Erfolg der Studios ist, weiß man auch bei McFit. „In unseren Studios sollen die Materialien nicht zu fancy sein. Wir sind eine Kette für die fitnessaffine Masse und setzen auf einfache Farben sowie Elemente wie Beton, Holz, Stahl oder Backstein“, sagt Unternehmenssprecher Pierre Geisensetter. Ronny Kindt, Creative Director des Studiobetreibers ergänzt: „Ein No-Go sind für uns jedoch  tierische Produkte.“

Die Farbgebung der Fitnessräume spielt für das Unternehmen daher eine wichtige Rolle: „Wir wissen um die Kraft der Farben und setzen sie bewusst ein. Im Power-Bereich zum Beispiel arbeiten wir mit motivierendem Rot, im Kardiopark mit kühlem Blau. Unsere Functional Areas bestechen durch erdige Töne und zweifelsohne sind die Frauenbereiche auch als solche erkennbar. Sie sind freundlich und hell gestaltet, während in den Umkleiden warme Farben wie Oliv, Brombeere oder Braun dominieren“, beschreibt Ronny Kindt die Farbphilosophie.

Ronny Kindt (links) und Pierre Geisensetter (rechts)Ronny Kindt/Pierre Geisensetter
Ronny Kindt (links) und Pierre Geisensetter (rechts)

Auch das Lichtkonzept basiert auf psychologischen Erkenntnissen, wie der Unternehmenssprecher ausführt: „In den Umkleiden ist das Licht eher gemütlich gedämpft. Die Laufwege hingegen sind hell und Richtung Freihanteln wird es wieder kraftvoll rötlich.“ Damit sich die Kunden immer in der für sie angenehmen Lichtumgebung bewegen.

Ganzheitliche Vision

Wie auch immer das Design eines Studios aussehen soll, ob nun weiß oder bunt, funktional oder emotional, zwei Ratschläge hat Studio-Design-Legende Rudy Fabiano an alle Geschäftsführer und Studioleiter: „Erstens: Stellen Sie einen Designer ein. Einen, der weiß, was er tut. Geschäftsführer und Studioleiter glauben häufig, alles zu wissen, weil sie bis dato mit ihrem Business erfolgreich sind, und daher keine Hilfe von einem Experten brauchen.“

„Zweitens: Studiobesitzer brauchen eine ganzheitliche Vision. Viele vergessen, dass die Mitgliedererfahrung beim Eingangsbereich anfängt und sich bis in die letzte Ecke der Einrichtung erstreckt. Leute stecken viel Geld in ein neues Lobbydesign, vergessen aber, dass die Beleuchtung im Freihantelbereich schrecklich und die Akkustik im Kursraum mies ist. Ein Studio muss immer ganzheitlich gesehen werden.“