Diskussionen über ethisches Verhalten erscheinen häufig als philosophisch abgehoben und realitätsfern. Dies gilt auch für die Fitnessbranche. Dass sich jedoch die fehlende Reflexion über die Frage „Was ist richtig – was ist falsch?“ und deren Konsequenzen für das individuelle, unternehmerische und Branchenverhalten rächt, zeigen die zahlreichen Beispiele aus der großen Wirtschaft. Es lohnt sich, über die Frage nach der Ethik unseres Verhaltens in der Fitnessbranche nicht nur nachzudenken, sondern ein Wertesystem für unsere Branche zu formulieren.

Was verstehen wir unter Ethik?

Ethik ist jener Teilbereich der Philosophie, der sich mit den Voraussetzungen und der Bewertung menschlichen Handelns befasst (1). Ethik stellt somit keine Vorschrift dar, sondern ist lediglich eine Reflexion über das eigene Verhalten und das der anderen.

Wesentlicher Bestandteil ethischer Fragen ist die „Moral“, die die zugrundeliegenden Regeln und Werte menschlichen Verhaltens beschreibt. Je nach Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft (Kulturkreis, Staat, Kommune, Familie, Branche o.ä.) können unterschiedliche Werte und darauf aufbauende Verhaltensregeln existieren. Diese sind oft hierarchisch organisiert. Das heißt zum Beispiel, im christlich geprägten Lebensraum sind die „10 Gebote“ des Alten Testamentes prägend und finden sich in vielen Verfassungen und Gesetzen wieder. Sie prägen das Verhalten der meisten Menschen bis auf individueller Ebene. „Du sollst nicht morden“ ist zum Beispiel ein in unserer Kultur tief verwurzelter Wert. „Du sollst nicht falsch Zeugnis ablegen gegenüber Deinem nächsten“ heißt vereinfacht: Du sollst nicht lügen. Auch das ist ein Wert, der heute immer mehr infrage steht.