Die Fitnessindustrie befindet sich schon seit Jahren im Wandel. Ein anfänglich schleichender Prozess entwickelte sich zu einer disruptiven Innovation, die nun vor keinem Fitnessstudio-Betreiber mehr Halt macht. In diesem Zusammenhang fallen Begriffe wie Big Data, Smart Data und DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung), die nur wenige in vollem Umfang verstehen oder zu nutzen wissen.

Hoch aktuell ist die Zusammenführung aller Daten aus den verschiedenen Bereichen eines Fitnessstudios, um den Trainierenden in seiner Zielerreichung besser zu unterstützen. In diesem Dschungel von neuen Begriffen, Geräten, Prozessen und Gadgets, wie beispielsweise Fitnesstracker, wird es zunehmend schwierig, den Durchblick zu behalten. Daraus entstehen für das eigene Business meist nicht durchdachte oder leichtfertige Entscheidungen. 

Des Weiteren steht oft vor der Nutzung der Daten ein großes Fragezeichen, denn einen Fehler möchten sich weder der Betreiber des Fitnessstudios noch der Kunde erlauben. Dieser Artikel soll Ihnen zum einen eine theoretische Basis geben, auf der Sie aufbauen können und praktische Anregungen aufzeigen, über die Sie sich definitiv mehr als nur einen Gedanken machen sollten. 

Big Data und Smart Data

Mit Big Data werden große Mengen an Daten bezeichnet, die u. a. aus Bereichen  Internet, Mobilfunk,  Finanzindustrie, Energiewirtschaft, Gesundheitswesen und Verkehr sowie aus Quellen wie intelligenten Agenten, sozialen Medien, Kredit- und Kundenkarten, Smart-Metering-Systemen, Assistenzgeräten, Überwachungskameras und Flug- und Fahrzeugen stammen.

Diese werden mit speziellen Lösungen gespeichert, verarbeitet und ausgewertet. Es geht u. a. um Rasterfahndung, (Inter-)Dependenzanalyse, Umfeld- und Trendforschung sowie System- und Produktionssteuerung. Wie im Data Mining ist Wissensentdeckung ein Anliegen. Das weltweite Datenvolumen ist derart angeschwollen, dass bis dato nicht gekannte Möglichkeiten eröffnet werden. Auch die Vernetzung von Datenquellen führt zu neuartigen Nutzungen, zudem zu Risiken für Benutzer und Organisationen. Die Wirtschaft verspricht sich neue Einblicke in Interessenten und Kunden, in ihr Risikopotenzial und ihr Kaufverhalten und generiert personenbezogene Profile. Sie versucht, im Sinne einer Industrie 4.0, die Produktion zu optimieren und zu flexibilisieren und Innovationen durch Vorausberechnungen besser in die Märkte zu bringen (1).

Unter Smart Data wiederum versteht man Daten, die nach einer speziellen Aufgabenstellung und mit speziellen Konzepten aus dem Fundus von Big Data analysiert, interpretiert, verknüpft, ergänzt und somit veredelt werden. Smart Data lässt sich für die Steuerung, Wartung und Verbesserung smarter Produkte und Dienstleistungen verwenden (2).

DSGVO hat Potential

Bei der Sammlung von großen Datenmengen und deren Auswertung müssen Grenzen geschaffen werden, damit der rechtliche Rahmen definiert ist. Die Datenschutz-Grundverordnung vereinheitlicht das Datenschutzrecht innerhalb der EU, da bisher überall verschiedene Datenschutzgesetze und damit unterschiedliche Standards galten. Unternehmer können also zukünftig darauf vertrauen, dass innerhalb der EU ein überwiegend einheitliches Datenschutzrecht gilt. Die Verordnung gilt auch für Unternehmen mit Sitz außerhalb der EU, wenn diese Daten von Personen aus der EU verarbeiten.

Zweites Ziel der Verordnung: Das Datenschutzrecht soll datenschutzfreundlicher für die betroffenen Nutzer werden. Der Bürger soll die Hoheit über seine Daten soweit wie möglich zurückerhalten. In Kombination mit deutlich höheren Bußgeldern wird so sichergestellt, dass sich auch außereuropäische Cloud-Dienste oder soziale Netzwerke, etwa aus den USA, an die Regeln halten müssen.

Laut DSGVO dürfen Daten nur nach Einwilligung der Nutzer gesammelt werden. Welchen Inhalt eine korrekte Einwilligung haben soll und wie eingewilligt werden muss, ist höchst umstritten und Gegenstand ständiger Diskussionen. Auch, ob es eine vermutete Einwilligung geben kann und wenn nicht, welche Voraussetzungen der rechtswirksamen Einwilligung erfüllt werden müssen.

In Artikel 4 wird bestimmt, dass nur eine informierte und unmissverständlich abgegebene Einwilligung in Form einer Erklärung oder einer sonstigen eindeutigen Handlung wirksam ist. Darüber hinaus muss, wenn die Verarbeitung auf einer Einwilligung beruht, der für die Verarbeitung Verantwortliche nachweisen können, dass die betroffene Person ihre Einwilligung zu der Verarbeitung ihrer personenbezogenen Daten erteilt hat (3).

Die DSGVO ist damit ein wichtiger Pfeiler in der weiteren digitalen Entwicklung und darf nicht als Hindernis verstanden werden, sondern als Chance, die Daten von Kunden sicher und effektiv nutzen zu können.

Abbildung 1: Einflussfaktoren Customer Journey (eigene Darstellung)
Abbildung 1: Einflussfaktoren Customer Journey (eigene Darstellung)

Customer Journey goes digital

Die Fitnessindustrie fokussiert sich auf all jene Vorhaben, die auf den Kunden abzielen. Genauer: auf Vorhaben, mit denen sich neue Kunden gewinnen und bestehende Kunden halten lassen. Auf Neudeutsch würde man sagen auf die Customer Journey. Den Kunden in den Mittelpunkt rücken, das ist die wahre Stärke der Digitalisierung und macht den Unterschied zu den übrigen Innovationswellen, die sich im Wesentlichen auf schlanke Prozesse und größere Produktivität konzentrierten (4).

Seien Sie nicht überrascht, wenn Sie bestimmte Mitarbeiter auf dem Weg der Digitalisierung verlieren, da es große Vorurteile gegenüber der Digitalisierung gibt. Aber genau diese Mitarbeiter brauchen Sie nun alle an Bord, damit das Vertrauen zu Ihren Kunden aufrechterhalten wird. Denn unabhängig davon, dass Ihre Kunden über die DSGVO geschützt sind, wird Ihr Kunde emotional auf Änderungen reagieren und braucht das Vertrauen, dass Sie gewissenhaft mit den Daten umgehen.

Jetzt haben Sie eine erste Idee, wollen in den Change-Prozess einsteigen und Ihr Fitnessstudio bereit für den digitalen Wandel machen. Aber wie umsetzen? Die untere Abbildung soll Ihnen eine Hilfestellung bieten für einen Lösungsansatz, mit dem Sie Kunden sowie Mitarbeiter mit auf die Reise nehmen. Denn Ihr erster Schritt sollte nicht eine große Investition sein, sondern Ihr erster Schritt muss zwingend die Menschen betreffen. Die Menschen, die für Sie arbeiten, die Sie ausbilden und die Menschen, die Sie zu Ihrem Trainingsziel bringen wollen. Schaffen Sie es, alle in ein Boot zu holen, haben Sie das volle Vertrauen und können Ihre nächsten Investitionen geplant und erfolgreich durchführen. Die negativ belastete Bezeichnung „gläserne Menschen“ werden Sie nun weniger zu hören bekommen. 

Steht heute der Kunde im Mittelpunkt? Geht es erst zweitrangig um die Verschlankung der Ressourcen? Wird zuerst ein Change-Lösungsansatz erarbeitet? Die Antwort lautet leider: NEIN.

Abbildung 2: Der Change-Lösungsansatz (5)Timo Marx/Axxcon
Abbildung 2: Der Change-Lösungsansatz (5)

In der Branche ist der Trend zu erkennen, dass erst eine große Investition getätigt wird und beispielsweise  im ersten Schritt neue digitale Geräte gekauft werden. Danach versucht man alle mit auf die Reise zu nehmen und scheitert, weil kein System vorhanden ist. Inzwischen ist aber die Entwicklung zu erkennen, dass die Geräteanbieter ihren eigenen Ansatz ändern. Es geht nicht mehr um das reine Produkt, sondern um die Integration in die Studiowelt. Hier wechselt man vom Verkauf in eine digitale Beratung, welche aber noch nicht an ihrem höchsten Wirkungsgrad angekommen ist.

Weitere mögliche Fehler beim Change-Prozess:

  • Sie dulden keinen Widerstand. Den wird es aber auf jeden Fall geben. Nutzen Sie ihn für Ihre Strategie: Die Gegenargumente der Mitarbeiter verraten Ihnen viel über deren Bedürfnisse und wie es gelingen kann, den Change durchzusetzen.
  • Sie beziehen nicht das gesamte Unternehmen mit ein: Ein tiefgreifender Veränderungsprozess geht jeden an – übrigens bis hin zu Kunden und Partnern.
  • Es gelingt Ihnen nicht, genügend Fans für den Change zu gewinnen: Wenn der Prozess stockt, brauchen Sie treibende Kräfte, die die Motivation für die Sache aufrechterhalten.
  • Sie verfügen nicht über ausreichende Ressourcen: Fehlt es an Mitarbeitern, Budget oder Zeit, werden Veränderungen scheitern. Sind Ihre Teams heute schon überlastet, finden sie kaum Zeit für neue Prozesse – dann dürften sie auch nicht sonderlich motiviert dafür sein. Fehlt es am Budget, bleiben nötige Investitionen auf der Strecke. Ohne sie funktioniert aber kaum ein Change.
  • Die Veränderungen bleiben an der Oberfläche: Change-Management sollte zum Ziel haben, die Unternehmenskultur zu verändern. Andernfalls werden Veränderungen nicht nachhaltig bestehen bleiben (6).

Zusammenfassend ist die Bezeichnung „gläserner Mensch“ also gar nicht unbedingt negativ zu bewerten. Die negative Bewertung in der Gesellschaft und in Fitnessstudios entsteht durch fehlendes Vertrauen, welches durch die erläuterten Schritte verhindert werden kann. Gehen Sie einen solchen Change langsam an, denn genau DAS werden Ihnen Ihre Mitarbeiter und Kunden danken.

Praxistipps

  • Theorie ist die Basis der Praxis.
  • Konzentrieren Sie sich auf Smart Data
  • Nehmen Sie Ihr Team mit auf die digitale Reise.
  • Versetzen Sie sich in den Kunden.
  • Erzwingen Sie nicht die Digitalisierung aller Prozesse.

Literatur

1. GABLER Wirtschaftslexikon. Definition Big Data. Zugriff am 03.01.2020: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/big-data-54101/version-277155

2. YouCcom. Digitale Transformation. Zugriff am 03.01.2020: https://youccom.de/digitale-transformation-digitalisierung/glossar-digitale-transformation/

3. Feiler L, Horn B: Umsetzung der DSGVO in der Praxis: Fragen, Antworten, Muster. Verlag Österreich, 2018

4. Bloching B.: Smart Data: Datenstrategien, die Kunden wirklich wollen und Unternehmen wirklich nützen. Redline Verlag, 2015

5. AXXCON. Change Management. Zugriff 11.01.2020: https://axxcon.com/kompetenzen/change-management/

6. Kununu engage. Change Management. Zugriff 14.01.2020: https://engage.kununu.com/de/blog/change-management-in-unternehmen/