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Management · shape UP Business 1/2021

Stark mit der Community

Sind die Kunden mehr als "nur" zahlende Mitglieder, halten sie einem Studio auch in einer Krise eher die Stange. Wie das in der Praxis funktioniert, zeigt das Maori Fitness in Saarwellingen, das seine Mitglieder mit Gruppenfitness in Clubatmosphäre mitreißt.

Sabine Mack

Auf welchem Kanal auch immer: Wenn man mit den „Maoris aus Saarwellingen“ kommuniziert, hat man direkt das Gefühl, Teil einer Familie zu sein: ein Mitglied des Maori-Stammes. Deswegen spricht man dort auch nicht vom Fitnessstudio Maori, sondern von der Maori Fitness Community.

So schließt beispielsweise der Mailkontakt immer anstatt der abgedroschenen Floskel „mit sportlichen Grüßen“ mit „Kia Kaha“. Die Maoris verstehen sich als eine verschworene Einheit und leben das auch aktiv. Aber warum ausgerechnet Motivationsworte auf Neuseeländisch? „Kia Kaha“ ist ein Maori-Ausdruck, der so viel bedeutet wie: Bleiben wir stark. Und die beiden Inhaber des Maori, Bastian Glasmacher und Claudio Falletta, sind nicht weniger als Nationaltrainer beim Kurs- und Konzeptanbieter Les Mills. Den familiären Vibe mit neuseeländischem Touch, der bei Les Mills großgeschrieben wird, lebt man auch bei den Maoris im saarländischen Saarwellingen.

Bastian Glasmacher, der das Studio zusammen mit Claudio Falletta betreibt, bringt es auf den Punkt: „Wir trainieren in unserer Community alle gemeinsam und genau das lieben wir so. Die Werte, die uns allen am Herzen liegen, sind Spaß und Motivation, aber auch Gemeinschaft und Zuverlässigkeit – wir formulieren das so: Hab Spaß – sei Maori-fit – denn das ist so viel mehr als Fitness.“

Claudio Falletta (links) und Bastian Glasmacher (Mitte) beim Einsatz als LES MILLS Nationaltrainer (vor Corona) LES MILLS BODYATTACK 89 Footage

Das Wir im Mittelpunkt

Trainiert wird immer in der Gruppe. Einzeltraining auf einer anonymen Trainingsfläche gibt es nicht. Die Maoris setzen auf reine Gruppenfitness, ergänzt durch individuelle Angebote wie EMS-Personaltraining und Ernährungscoaching. Claudio Falletta erinnert sich: „Wir haben uns als Kurstrainer / Instructor lange gefragt: Warum macht das eigentlich keiner? Das ist doch das perfekte Angebot für Kunden, die dann ihr Training wirklich durchziehen und das mit einer Extraportion Spaß. Unser Fazit war: Okay, dann müssen wir das unbedingt machen! Für den Kursbereich brennen wir schließlich selbst von ganzem Herzen.“

Los ging es 2009 mit einem kleinen Kursraum plus einem kleinen Raum mit Cyclingrädern und kleiner Umkleide. Über die Jahre wurde das Studioangebot stetig ausgebaut: Mehr Fläche und neue Kurse kamen hinzu. Heute nutzt die Maori Fitness Community Räumlichkeiten in einer Größenordnung von 800 qm, die sich auf drei Kursräume,Cyclingraum, Umkleide und Eingangsbereich aufteilen.

Zu „ihrem“ Kurstrainer bauen Mitglieder einen noch emotionaleren Kontakt auf als zu einem Trainer auf der Fläche. Das gemeinsame Schwitzen in der Gruppe, der intensive Austausch untereinander und nicht zuletzt das Training zu aktuellen Chart- und Clubhits: All das schafft Gemeinsamkeit und Zusammenhalt.

Das sieht man auch bei den Maori-Mitgliedern: „Hier trainieren Menschen, die Spaß am Training mit Gleichgesinnten haben. Sie möchten sich von der Gruppe mitreißen lassen; suchen stets aktiv den Austausch mit anderen. Man geht Anderen beim Training nicht aus dem Weg, sondern freut sich darauf, Freunde und Familie zu treffen,“ weiß Claudio zu berichten.

Training wie im Club: mit Lichtshow und Nebelmaschine Maori Fitness Community

Jeder zieht mit

Ob es darum geht, Gewicht abzubauen, die Fitness zu verbessern oder den Blutdruck zu senken: Die Trainingsmotive der Kunden sind ganz unterschiedlich. Der für den Kursbereich sehr gute Anteil an männlichen Kunden von 20 Prozent liegt sicher auch daran, dass viele Les Mills Konzepte ganz gezielt „auch“ Männer adressieren wie Bodypump oder Grit. Der Altersdurchschnitt liegt bei ca. 42. Das Publikum ist bunt gemischt: von zweijährigen Kids in den „Born to Move“-Kursen bis hin zu fitten Rehasportlern mit 85.

Mit Lichteffekten und Nebelmaschine ist das Training bei den Maoris ein echtes Cluberlebnis. Und das spricht sich herum: „An sich machen wir relativ wenig Werbung,“ so Bastian. „Bei uns läuft ganz viel über Mitglieder, die ihre Freunde mitbringen. Begeisterung steckt einfach an. Und wenn es auf einmal richtig Spaß macht zu trainieren, dann spricht sich das schnell rum.“

Da steppt nicht nur der Bär: Gruppenaction bei der Maori Fitness Community (Foto vor Corona erstellt). Maori Fitness Community

EMS, weil es so gut passt

Seit einiger Zeit kann man bei den Maoris auch EMS-Training absolvieren: „Damit können wir unseren Mitgliedern ein Zusatztraining anbieten, bei dem man intensiv und gleichzeitig schonend arbeiten kann. Wir haben zum Beispiel Rehasportler, die EMS als Privatzahler nutzen, um ihren Erfolg beim Muskelaufbau zu steigern. Auch nach einer Verletzung ist das Training mit Elektrostimulation perfekt, um schneller wieder fit zu werden“, erklärt Bastian. „Das EMS-Personaltraining kann man bei uns zum Gruppentraining dazu buchen, aber auch nur EMS nutzen. 70 Prozent der EMS-Kunden sind auch in den Gruppenkursen aktiv. Das zeigt, wie gut sich das ergänzt“, ergänzt Claudio.

Perfekter Mix im Kursbereich

Bei den Maoris in Saarwellingen liegt der Schwerpunkt klar auf Les Mills MILLS-Kursen, wie Bastian berichtet: „Wir bieten bei uns im Club alle LES MILLS Kurse an. Gerade dieser Mix macht das Angebot so spannend für unsere Mitglieder – und dadurch können wir in Kombi mit der Wirbelsäulengymnastik Trainingsmöglichkeiten von 2 bis über 80 Jahren anbieten.“ Den Kurs The Trip gibt es aktuell ausschließlich als virtuelle Variante. Neben den LES MILLS Kursen hat die Maori Fitness Community auch Rehasport und Wirbelsäulengymnastik im Angebot. Hinzu kommen Zusatzangebote wie EMS und Myline.

Claudio bringt das so auf den Punkt: „Wir haben im Lockdown selbst noch einmal ein wenig Freestyle unterrichtet. Mein Fazit als Kursleiter: Es ist ein so viel größerer Aufwand, um ein vergleichbares Ergebnis zu erzielen. Bis die Musik passend ist, die Choreografie steht und gelernt ist, dauert es eine ganze Weile und es birgt immer auch das Risiko, eher einseitig zu sein und mehr nach den eigenen Vorlieben auszuwählen. Und als Studioleiter kannst du bei LES MILLS-Kursen zu 100 Prozent sicher sein, dass die Kursstunden gleichbleibend gut ist − egal bei welchem Trainer.“

Kontakt zur MAORI Fitness Community: info@maori-fit.com
Infos zu LES MILLS: su.rpv.media/2k4

Corona als Herausforderung

„Natürlich trifft uns der zweite Lockdown wieder richtig hart. Für uns ist aber klar: Wir lassen unsere Mitglieder, unsere Maoris, nicht im Stich,“ so Claudio. „Wir haben dafür fast den kompletten Kursplan dank unseres großartigen Instruktoren-Teams mit rund 70 Kursen pro Woche ins Online-Training übertragen. Nur die Spinning-Kurse fallen im Moment etwas geringer aus, da wenige Kunden zu Hause das passende Trainingsgerät für Indoor-Cycling stehen haben. Alle anderen Kursangebote bieten wir komplett 1:1 online an. Schließlich sollen unsere Mitglieder ihr Training unbegrenzt weiterführen können.“

Beim schweißtreibenden Gruppentraining in einem geschlossenen Raum ergeben sich durch Corona besondere Probleme. Hier konzentrieren sich die Aerosole möglicherweise intensiver im Raum als bei einem Einzeltraining auf großer Fläche. Bastian erklärt das wie folgt: „Im ersten Lockdown haben wir uns intensiv mit dem Thema beschäftigt und ein eigenes Hygiene- und Lüftungskonzept entwickelt. Dafür gab es eine Ausnahmegenehmigung, sodass wir statt wie andernorts mit 5-10 Personen mit bis zu 30 Mitgliedern im Kursraum trainieren konnten. In den kleineren Räumen waren es dann 10 bzw. 15 Personen plus Kursleiter.“

Von Beginn an gab es eine strikte Maskenpflicht in all den Bereichen, in denen gerade nicht trainiert wird. „Für die meisten Mitglieder ist das kein Problem. Sie fühlen sich in „ihrer Gruppe“ wie unter Familie und Freunden − und wollen diese schützen,“ erklärt Claudio. Das kann Bastian bestätigen: „Die Mitglieder sind so froh, dass sie etwas machen können und mit jemand trainieren, den sie kennen. Wir hören von unseren Mitgliedern immer wieder: Das ist so viel persönlicher als auf einer anonymen Online-Plattform.“

Die Umkleiden wurden nach dem ersten Lockdown extra umgebaut. Maori Fitness Community

Mutig voran

Natürlich häufen sich mit der Dauer der Schließungen automatisch auch Probleme, es bleiben Kunden weg, weil es ihnen am direkten Kontakt mangelt. „Das war insbesondere im November zu beobachten, denn in diesem eher trüben Monat tun sich viele schwer, sich selbst zu motivieren“, weiß auch Bastian. „Auch gewinnt man ohne Publikumsverkehr nur schwer Neukunden. Das ist für uns aber kein Grund, schwermütig zu werden. Wir schauen lieber aktiv und zuversichtlich nach vorne! In diesem Jahr wollen wir der Kommunikation noch mehr auf die persönlichen Erfolgsgeschichten unserer Maoris setzen. Auch unser Zusatzangebote wie das Myline-Ernährungskonzept können wir gerade erfolgreich in der Online-Betreuung anbieten. Und alle, die hier erfolgreich abspecken, haben genau die tollen Geschichten zu erzählen, die auch für neue Mitglieder so interessant sind.“

Auch bei der aktiven Entspannung wollen die Maoris nochmal draufsatteln: „Wir könnten uns beispielsweise Yogastunden für einzelne Zielgruppen vorstellen – und überlegen gerade, ob wir das eher als laufendes Kurskonzept oder als kompakte Events anbieten wollen“, gibt Bastian Einblick. „Damit wir direkt loslegen können, wenn das wieder möglich ist.“ Denn dass es weitergeht, da sind sich die beiden sicher.