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Management · shape UP Business 1/2021

Erfolgreich durch BewusstSEIN

Den wenigsten Menschen, die im direkten Kundenkontakt arbeiten, ist das Verkaufstalent in die Wiege gelegt. Die meisten Vertriebsmitarbeiter bauen beispielsweise durch Trainings und Schulungen einen Erfahrungsschatz auf, der ihnen hilft, Abschlüsse zu tätigen.

Hanns-Friedrich Beckmann

Verkäufer sind sich der Situation des Verkaufsgesprächs bewusst und steuern es zum Abschluss hin. Der Kunde kennt die angewandten Techniken in der Regel nicht und lässt sich so steuern. Der Verkäufer ist ihm einen Schritt voraus.

Nun besteht das Leben nicht nur aus Verkaufsgesprächen! Und nicht jeder hat die Techniken des Verkaufs erlernt und für sich adaptiert. Allerdings kann jeder durch Bewusstseinsübungen mehr Kontrolle über sich und sein Leben haben als die Menschen, die unbewusst handeln.

Ein Experiment, welches sehr deutlich darlegt, wie wichtig es ist, das Gefühl von Kontrolle über das eigene Leben zu haben, wurde vor kurzem in der Sendung „Galileo“ deutlich. Das Ergebnis: Menschen, die das Gefühl haben, über wenig Kontrolle über ihr eigenes Leben zu verfügen, sind sehr anfällig für Verschwörungstheorien. Gerade aktuell haben durch Corona sehr viele Leute das Gefühl eines solchen Kontrollverlusts. Die vielfältigen Auswüchse sieht man täglich in den Medien. Keine noch so absurde Idee findet nicht seine Gläubigen.

Sufttipp

Schau dir doch mal den Galileo-Beitrag an (ab Min. 13:55): su.rpv.media/2iy

Es ist zu einfach, diese Menschen als Spinner zu bezeichnen und zur Tagesordnung überzugehen. Personen, die das Gefühl von Kontrollverlust haben, sind auch empfänglich für Leute, die das Gefühl von Kontrolle vermitteln können, das zeigt der Blick in die deutsche Geschichte. Das Thema ist also zu ernst, um es zu ignorieren.

Ob das nachfolgend aufgezeigte Bewusstseinsmodell den aktuellen Aluhut-Trägern, Querdenkern etc. noch helfen kann, sei dahingestellt. Wahrscheinlich haben sie sich bereits ohne Ariadnefaden im Labyrinth ihres Bewusstseins so verrannt, dass sie schwerlich den Ausgang wiederfinden. Für alle anderen ist es möglich, zu einem bewussteren, konfliktfreieren und erfolgreicheren Leben zu finden.

Kontrolle über das eigene Leben

Völlige Kontrolle ist eine Illusion. Unvorhersehbare Ereignisse können den Menschen immer und überall treffen. Der vorsichtigste Fußgänger kann angefahren werden, der körperlich gesundeste Mensch kann mit einer Krankheit in Kontakt kommen. Das ist das Leben.

Aber: Jeder Mensch kann auch weitgehend Kontrolle über sein Leben gewinnen. Dazu ist die Balance von Körper, Seele und Geist wichtig. Körperliche Kontrolle ist relativ einfach zu erzielen: gesund essen, Stress minimieren, Sport treiben, auf den eigenen Körper hören und auf die üblichen Krankmacher wie Nikotin, Alkohol, Drogen etc. verzichten. Leider tun es zu wenig. Dafür wollen wir uns gezielt mit der Balance des Geistes beschäftigen − der Bewusstmachung was tue ich, wann tue ich es, warum tue ich etwas, was sind die Konsequenzen meines Handelns und wie kann die dieses zu einem erfolgreicheren, weil konfliktfreierem Leben führen.

Was ist Bewusstsein?

Am einfachsten lässt sich das Bewusstsein am Modell Eisberg beschreiben, siehe Grafik. Ein kleiner Teil davon, der Bereich über dem Wasser, ist das, was als „Verstand“ bezeichnet wird, die rationale Ebene. Unter Wasser liegt der Bereich des Unbewussten, das sogenannte Unterbewusstsein, die emotionale Ebene. Dazwischen liegt der „kritische Faktor“, der die Funktion eines Türstehers hat und den Verkehr zwischen Verstand und Unbewusstem regelt sowie eine Schutzfunktion einnimmt. In der Meditation oder auch in der Hypnosetherapie wird die Tür zum Unbewussten weiter geöffnet als im Normalzustand, so dass ein anderer Zugang zum Unbewussten möglich ist und unbewusste, versteckte Blockaden, falsche Glaubensätze oder Traumata entdeckt und geheilt werden können.

Nur ein kleiner Teil der Kommunikation läuft sichtbar ab. www.mentale-wellness.de

Hier ein Beispiel zum Interagieren von Verstand und Unbewusstem: Zwei Menschen unterhalten sich. Es fällt das Wort „Hund“. Ein ganz neutrales Wort für den Verstand, trotzdem kann folgendes passieren: Der Verstand von Person A schickt die Information „Hund“ an das Unbewusste. Von dort aus kommt eine positive Resonanz. A hat mit Hunden gute Erfahrungen gemacht und so reagiert A positiv. Person B hat schlechte Erfahrungen mit Hunden gemacht. Vielleicht wurde er als Kind gebissen. Auch dieses hat sich im Unbewussten manifestiert und so hat B ggf. Angst vor Hunden. Ein einziges neutrales Wort kann sehr unterschiedliche Emotionen wecken.

Für ein bewussteres Lebens ist es wichtig zu wissen, dass nicht nur emotional besetzte Begriffe, sondern auch neutrale Begriffe unterschiedliche Emotionen wecken können. Eine empathische, zielführende Kommunikation kann nur entstehen, wenn man sich dieses Umstandes bewusst ist. Einen Schritt voraus ist der Teilnehmer eines Gesprächs, der verstehen kann, ob der andere von einem Hund gebissen wurde oder nicht.

Praxistipp: Nimmt ein Gespräch einen unerwarteten Verlauf lohnt es, sich zu fragen, welcher Hund den Gesprächspartner gebissen hat. Oder ob man selbst gebissen wurde.

Ein weiterer Faktor, der eine Kommunikation erschwert ist das kleine Sprachzentrum im Hirn. Durch dieses kleine Zentrum wird ein Großteil der Informationen, die Menschen austauschen vermittelt. Es muss die komplexen Vorgänge, Verstand, kritischer Faktor, Unbewusstes in Worte fassen. Missverständnisse sind vorprogrammiert. Immer und überall. Jemand der bewusst kommuniziert, denkt erst und redet dann. So schwer es auch sein mag, speziell in einer Diskussion. Es ist besser und wirkungsvoller, drei durchdachte Sätze zu formulieren, anstatt 30 Minuten undurchdacht zu reden. Im Fußball gewinnt auch nicht derjenige, der die meiste Zeit den Ball hat, sondern derjenige, der am effektivsten spielt. Ein cleverer, durchdachter Spielzug kann trotz 85 Minuten Ballbesitz des Gegners das Spiel entscheiden.

Instinkt oder Intuition

Diese beiden Begriffe werden oft verwechselt. Vielfach wird „das, was mir gerade in den Kopf kommt“ als Intuition bezeichnet. Das ist grundlegend falsch. Das ist der Verstand, der seine Rolle als Ratgeber spielt, wohlwissend, dass er in Wirklichkeit gar nichts weiß und uns deshalb immer im Kreis herumführt. Wieso weiß der Verstand nichts? Ich bin doch intelligent! Frag‘ den Verstand doch mal, was vor dem Urknall war. Warum es geknallt hat. Was geknallt hat, etc. Er weiß nichts. Beim Urknall hört jedes Wissen auf die Theologie beginnt. Unser Verstand ist brillant, aber nur bis zu einem gewissen Punkt. Es bedarf sehr viel Übung, den Verstand richtig einzusetzen und nicht jeden Rat für bare Münze zu nehmen. Das führt lediglich zum immerwährenden Kreislauf der Gedanken, den nahezu jeder kennt und der nahezu jeden schon manche schlaflose Nacht verschafft hat.

Intuition ist eine Eigenschaft, die mit sehr viel Übung erlangt werden kann. Hierzu bedarf es das Wissen um die Chakren, speziell hier um die Funktionsweise des Stirnchakras. Denn Intuition bedarf der bewussten Konzentration auf das zu erreichende Ziel und die Fähigkeit, den Weg dorthin zu erkennen. Das kann trainiert werden. Die Intuition kann den Menschen auf den richtigen Weg führen.

Druck und Gegendruck

Instinktiv kennt der Mensch speziell in Konfliktsituationen nur zwei Wege: Angriff oder Flucht. Dass es auch noch andere Möglichkeiten gibt, wird im folgenden Beispiel deutlich.

Viele Menschen kennen die Situation, bei der ein kleiner Streit um Nichtigkeiten zu einer großen Auseinandersetzung eskaliert. Das kann von Schimpfwörtern über Beleidigungen bis hin zu tätlichen Übergriffen im schlimmsten Fall gehen. Später, wenn sich die Wogen geglättet haben, weiß man nicht mehr, warum der Streit überhaupt entstanden ist, aber die Verletzungen, die man selbst zugefügt hat und die, die man zugefügt bekommen hat, wirken noch lange nach. So ein Streit muss nicht sein. Wenn man sich bewusst macht, was wirklich passiert ist, ist es möglich, diese Situationen zu vermeiden und im besten Fall umzukehren und Zuneigung, statt Streit zu erfahren.

Machen wir uns bewusst, was in solchen Konfliktsituationen WIRKLICH passiert. In diesem Beispiel ist Person A der Auslöser und beginnt mit B einen Streit, zunächst um eine Nichtigkeit wie ein falsches Wort, eine falsche Geste oder ähnliches. B ist „aus heiterem Himmel“ einer Konfliktsituation ausgesetzt. Instinktiv ergreift er die Flucht, was meistens nicht möglich ist, oder begegnet dem Druck, dem er ausgesetzt ist mit Gegendruck. Erwidert den persönlichen Angriff auf sich ebenfalls durch einen Angriff auf A.

Veranschaulichen kann man diese Verhaltensweise durch ein Experiment, welches stets funktioniert. Man nehme eine Gruppe Menschen und teile sie in A und B auf. A und B sollen sich gegenüberstehen und die Handflächen der rechten Hand gegeneinanderhalten. Dann soll A gegen die Handfläche von B drücken. In 99 Prozent aller Fälle drückt B automatisch dagegen, obwohl dieses gar nicht gesagt wurde. Wird Druck auf uns ausgeübt, drücken wir dagegen. Selbstverständlich erhöht A dann den Druck, dann B und so weiter. So entstehen und eskalieren auch Konflikte.

Übung: Druck und Gegendruck Hanns-Friedrich Beckmann

Was ist in solch einer Konfliktsituation zu tun? Zunächst einmal soll man sich bewusst machen, dass man sich in solche einer Situation befindet. Das heißt, nicht sofort Gegendruck ausüben, sondern innehalten, so schwer es auch meistens fällt. Im Idealfall dreht man sich mental, gegebenenfalls auch körperlich zur Seite, so dass die erste negative Energie zunächst einmal verpufft.

Wie kann man sich mental wegdrehen? Ein der wichtigsten Eigenschaften eines bewussten Lebens, neben der geschulten Intuition, ist es, sich von Zeit zu Zeit „neben sich“ zu stellen und sich selbst zu beobachten. Das erfordert Übung und man sollte nicht erst in einer Konfliktsituation damit beginnen, aber es hilft in vielen Situationen des täglichen Lebens. Wenn man sich neben sich stellen kann, kann man sich auch zur Seite drehen.

Nachdem mental einen Schritt zu Seite gegangen wurde und der erste Druck verpufft ist, sollte man sich nach dem Grund des Angriffs von A fragen. In der Regel ist es nicht das falsche Wort oder die Geste, um die es geht, sondern die Gründe sind tieferliegend. Meist ist der Grund für den Angriff vergleichbar mit dem sprichwörtlichen Fass, welches zum Überlaufen gebracht wurde. Vielleicht hatte A anderweitige Konflikte, auf der Arbeit, das Gefühl fehlender Wertschätzung, Überforderung oder Ähnliches, die sich angestaut haben und nun kompensiert werden sollen.

Ist B an diesem Punkt angekommen, hat B im Gegensatz zu A Handlungsoptionen, kann den Konflikt steuern und hat die Kontrolle über den Konflikt. B kann den Streit deeskalieren, könnte aber auch BEWUSST eskalieren lassen oder könnte auch die negative Energie von A gegen A verwenden – was in manchen asiatischen Kampftechniken gelehrt wird. Ihm mental ein Bein stellen, so dass ihn seine eigene negative Energie zu Boden schickt.

Die Bewusstmachung einer Situation ermöglicht Handlungsoptionen, die derjenige, der sich der Situation nicht bewusst ist, nicht hat.

Jemand, der sich der Situation bewusst ist, in der er ist, ist anderen, die sich der Situation unbewusst sind, immer einen Schritt voraus.

Wege zu mehr Bewusstsein

Wie oben beschrieben hilft das Üben der Intuition. Des Weiteren ist es hilfreich, sich in bestimmten Situationen „neben sich“ zu stellen. Auch das erfordert Übung. Das bewusste Unterteilen des Lebens in Situationen hilft genauso, wie bewusst zu reden, zu argumentieren, statt instinktiv aus der Verteidigungshaltung zum Gegenangriff über zu gehen!

Das Ergebnis dieser Übungen ist, dass man immer mehr Kontrolle über die Situationen, in denen man sich befindet, gewinnt. Man setzt sich an das Steuerrad seines eigenen Lebens, anstatt von seinen Instinkten oder den Instinkten anderer Menschen gesteuert zu werden. Man steuert bewusst zum gewünschten Abschluss, anstatt gesteuert zu werden.

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