Sashkin / shutterstock.com
Chefsache · shape UP Business 4/2019

Von Einweg-Fitness zu Mehrzweck-Training

Kaum eine andere Branche trägt mehr Verantwortung für die Nachhaltigkeit ihrer Arbeitsweise als der Fitnessmarkt. Dieser Satz wird vielen Studio-Betreibern munden wie ein Sandwich mit vergammelter Wilke-Wurst. Denn sie glauben, mit Nachhaltigkeit nichts am Hut zu haben. Schließlich produzieren sie keinen oder nur wenig Plastikmüll, stoßen kein klimaschädliches CO2 aus, haben Wasser-Stopp in der Dusche und WC-Beleuchtung per Bewegungsmelder installiert. Ansonsten ist Nachhaltigkeit oft nur dann ein Thema, wenn Neu-Kunden sich für 24- statt für 12-Monats-Verträge entscheiden sollen.

Nachhaltigkeit als Daseinsberechtigung

Dabei trägt jedes anspruchsvolle Studio ein hohes Maß an Verantwortung für die nachhaltige Gesundheit seiner Kunden – außer denen vielleicht, die ihren Beitragszahlern lediglich eine Halle mit Trainingsgeräten zur freien Nutzung zur Verfügung stellen. Solche Anbieter sorgen zwar für nachhaltigen Patienten-Zustrom bei Physiotherapeuten und Mediziner-Praxen, verfehlen aber im Grunde den Nachweis ihrer Werthaltigkeit.

Denn Fitnesstraining trägt mehr als viele andere Therapien dazu bei

Blutdruck zu senken und Stress-Folgen abzubauen

– Übergewicht zu reduzieren,

– Herzinfarkt und Schlaganfall zu verhindern,

– Diabetes Typ II zu vermeiden und zu kurieren

– Osteoporose vorzubeugen,

– Rückenschmerzen zu kurieren

– Depressionen zu lindern

– Immunsystem zu stärken

Die Litanei ließe sich beliebig fortsetzen.

Fitness ist ein Menschenrecht

Nachhaltig arbeitende Fitness-Anbieter sind präventive Gesundheits-Dienstleister. Sie könnten die Epidemie der Wohlstandkrankheiten nicht nur bremsen, sondern sogar auf ein Minimum aller Fälle drücken. So ließen sich die seit Jahren ausufernden Krankheitskosten nachhaltig reduzieren. Aus dem Pflege-Notstand würde ein Normalstand – nicht durch mehr Pflegekräfte, sondern durch weniger Pflegebedürftige. Und ganz nebenbei würde die Fitnessbranche so dem Menschenrecht „auf höchstmögliche körperliche und geistige Gesundheit“ (Zitat UN-Sozialpakt) Geltung verschaffen.

Schlanke Jahre statt viele Kilos

Um solche Wirkungen zu erzielen, müsste es in der Fitnessbranche allerdings mehr um Qualität gehen, als um Quantität. Wenn nicht die Zahl der abgeschlossenen Verträge zählt, sondern die Zahl der erreichten Ziele der Mitglieder – dann käme wohl jetzt noch eine miserable Bilanz an Nachhaltigkeit zum Vorschein. Warum werben Studios mit den Kilos, die ihre Mitglieder angeblich bei fragwürdigen Stoffwechselkuren verloren hätten? Warum werben sie nicht mit den Jahren, die ihre einst dicken Kunden schlank geblieben sind? Das wäre ein Beweis für Nachhaltigkeit.

So funktioniert nachhaltige Fitness

Nachhaltiges Fitness-Training setzt exakte Anamnese, individuelle Trainingsplanung, intensive Beratung und regelmäßige Erfolgskontrolle voraus. Kunden könnten in die Pflicht genommen werden durch Zielvereinbarungen, verbunden mit einem Prämiensystem, das erreichte Ziele belohnt statt die Vermittlung von Neu-Kunden zu honorieren. Das System könnte kostenneutral durch den Verzicht auf Freimonate für Neu-Kunden und Dumping-Preis-Aktionen etabliert werden. Die Erfolge eines nachhaltigen – am Wohl des Kunden orientierten – Trainings ließe sich durch echte und neutrale Studien so eindrucksvoll belegen, dass Training auf Rezept nicht mehr nur als graue Theorie im Präventionsgesetz stünde, sondern zur täglich praktizierten Routine würde.

Anstatt seine Kursteilnehmer wie eine Londoner Studio-Kette den Strom fürs Studio beim Spinning erstrampeln zu lassen, diente es eher der Nachhaltigkeit, die eigenen Mitglieder durch Informationen über die Zusammenhänge von Training, Ernährung,, und Gesundheit langfristig zu einem Lebensstil zu motivieren, der ihnen selbst nützt und die Umwelt schont.

Nachhaltige Erfolge

wünscht

Burkhard Lüpke