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Schwerpunkt · shape UP Business 4/2019

Smart Solutions

Gerade in Sachen Nachhaltigkeit muss es für Fitnessstudios nicht immer die ganz große Lösung sein. Aufgrund der Raumsituation sind viele von Ihnen bezüglich der Öko-Bilanz ohnehin die Hände gebunden, da sie in wenig Gestaltungsfreiheiten zulassenden Mietverhältnissen stecken. Daher nachfolgend ein paar Anregungen, die auch mit geringem Raum-, Logistik- und Kostenaufwand realisierbar sind. Das Ganze natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Ökologisches Begrüßungsgeschenk

Um gute Absichten von Tag eins an zu demonstrieren, ist ein Öko-Gimmick für Neumitglieder denkbar. Angehängt wäre jeweils eine Kleininfo, aus der hervorgeht das man sich für Nachhaltigkeit engagiert, in welcher Form auch immer. Wie wäre es zum Beispiel mit einem knallgrünen Badetuch? Eine sehr studiogerechte Lösung könnte die Übergabe einer Großpackung veganen Proteins sein. Ein Einkaufsgutschein für einen ortsansässigen Biomarkt eignet sich ebenfalls prima als Willkommensgeschenk. Derzeit in der Diskussion ist auch die Eindämmung der Flut von Einwegbechern. Inzwischen sind diese in sehr schicken Ausführungen erhältlich. Bestens als Präsent geeignete Alternativen sind hier Thermobecher mit rostfreiem Stahlkern, die Getränke lange warm oder kalt halten. Dies sind nur einige von vielen Ideen, mit denen man gleich von Beginn an, kostengünstig Öko-Bewusstsein demonstrieren kann. Vielleicht fällt Ihnen ja spontan noch etwas anderes ein?

Spenden sammeln

Mit dem Aufstellen von Spendendosen im Fitnessstudio lassen sich durchaus schon Ansätze eines Öko- oder Sozio-Image konturieren. Hier liegt die Kunst darin, ein Projekt oder eine Person zu finden, bei der auch eine sehr überschaubare Geldsumme etwas bewirkt. Wenn das Ganze dann noch einen sportlichen Bezug hat, ist es perfekt. Ungünstig wäre hingegen, wenn die Aktion lieblos wirkt, also keine zu große Zurückhaltung. Spenden sollten durchaus an mehreren Orten möglich sein, also nicht nur eine Spendendose, sondern mehrere davon platzieren. Wenn die Aktion noch mit Flyern oder Postern gestützt wird, hat man sich mit geringstem Aufwand schon einen kleinen Sympathievorsprung erarbeitet.

Patenschaften

Ökologisches und/oder soziales Engagement lässt sich auch mit Patenschaften demonstrieren. Bei einer großangelegten Patenschaft ist jedes Studiomitglied automatisch involviert. Hier könnte sich anbieten, einen Teil des Mitgliedbeitrags einem Projekt, einer Person oder einer Gemeinschaft zukommen zu lassen. Es geht natürlich auch deutlich unkonventioneller. So besteht beispielsweise im Norden Brandenburgs eine Kooperation zwischen einem Fitnessstudio und einer Kita (1). Beide teilen sich die Patenschaft für eine Ziege in einen Tierpark der Region. In Bamberg wiederum arbeitet ein Studio mit der dortigen Arbeiterwohlfahrt AWO zusammen (2). Dabei werden Paten gesucht, die regelmäßig mit einem von der AWO betreuten Jugendlichen, zum Training geht. Im Bamberger Fall ist der Studiobesuch für beide Beteiligten kostenlos, rekrutiert sich die Patin oder der Pate aus den Mitgliedern, kann sich das Gratistraining auf den Schützling beschränken.

Auch im Kursbereich kann über Patenschaften nachgedacht werden. In der Groupfitness gibt es zum Beispiel Formate, die aus weniger begüterten Ländern stammen. Hier könnte ein Teil der Kursgebühren zur einer Fördermaßnahme im Herkunftsland verwendet werden. Das supportete Projekt kann dann auch im Kursnamen aufgenommen werden. Wichtig ist dabei, sich in einem realistischen und zugleich emotional ansprechenden Rahmen zu bewegen. „Rainforest Zumba“ wäre wohl deutlich zu überambitioniert, denn ein jeder weiß, dass der Regenwald mit Salsa Moves nicht zu retten ist. Mit einem Patenkind ist man da schon geerdeter: Zumba for [Name des Kindes] könnte funktionieren.

Umweltschutzaktionen

Bei sportlichen Umweltschutzaktionen hat sich speziell das „Plogging“ (3) einen guten Ruf erarbeitet. Das Wort setzt aus dem schwedischen Begriff für aufheben (plocka upp) und „Jogging“ zusammen. Plogging bedeutet übertragen also, dass man beim Laufen Müll sammelt. Der große Vorteil ist also, dass man nicht nur Gutes für die Umwelt, sondern auch für sich selbst tut, denn gesunde sportliche Bewegung ist Bestandteil des Konzepts. Viel braucht man nicht für den Öko-Spaß: Müllbeutel, Handschuhe – gegebenenfalls noch eine Greifzange. Müllsammeln als Aktionsidee funktioniert erstaunlich gut: In Berlin lesen inzwischen sogar Touristen während Stadtführungen Abfall auf und, kaum zu glauben, das soll der komplette Renner sein.

Auch in den Studioräumen lassen sich zählbare Erfolge in ökologischer oder sozialer Richtung erzielen. Zählbar sind zum Beispiel Kilometer, die an einem Aktionstag auf Fahrradergometern abgestrampelt werden. Für jede Einheit könnte das Studio dann einen Betrag X an eine förderungswürdige Sache, Person oder Menschengruppe überweisen. Speziell bei solchen Aktionen, sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt, die dem Überweisungsbetrag zugrunde liegenden sportlichen Leistungen müssen lediglich valide erfassbar sein.

Mit sportliches Müllsammeln, auch Plogging genannt, lässt sich Öko-Engagement demonstrieren Roman Rybaleov /shutterstock.com

Nachhaltig wirtschaften

Das Beispiel des Hamburger Frauenfitnessclubs „Schmuggel Ladies“ (wegen der Lage an der Straße „Schmuggelstieg“) zeigt, wie sich mit ökologisch orientiertem Wirtschaften eine positive Außenwirkung erzielen lässt. Auf der Homepage (4) findet sich unter Leitbild das Zitat: „Umweltschutz geht uns alle an! Deshalb war uns von Anfang an klar, auch wir möchten so viel wie möglich für unsere Umwelt tun“. Die dann folgende Aufzählung beschreibt Maßnahmen für jedes Studio realisierbar sind:

Bezug von Ökostrom und -gas | Regionale Zulieferer | Fair-Trade Trainerbekleidung | Bio-Kaffee | Akkus statt Einweg-Batterien | Energiesparlampen | Geräte ohne Strom | Bio-Reinigungsmittel | Mehrweg-Handtücher | Regionales Mineralwasser | Weitgehender Verzicht auf Einweg-Getränkebehälter | Hochwertige Massageöle, frei von Mineralölzusätzen und Konservierungsstoffen | Massageliegen/-stühle mit hohem Qualitätsstandard aus naturverträglichen Werkstoffen

In der Aufzählung sind mit den nicht mit Strom betriebenen Geräten und dem Massageequipment zwar zwei potentielle Anschaffungen dabei, die einen höheren finanziellen Aufwand nach sich ziehen. Es bietet sich aber zumindest der schrittweise Austausch nach altersbedingter Aussortierung an. Beim Einkauf neuer Ausdauergeräte also solche wählen, die ihren Strom mittels Generator selbst erzeugen. Diese sind ebenso leicht zu finden wie umweltfreundliche, PVC-freie Massageliegen und -stühle.

Insgesamt zeigt das Beispiel aus Hamburg einmal mehr, worauf es ankommt: Das Engagement muss ehrlich und authentisch wirken. Geheucheltes Interesse fällt gerade bei budgetschonenden Mensch-Umwelt-Ideen allzu leicht auf. Nur wenn Überzeugung dahinter steckt, trägt das grüne Pflänzlein Früchte. (chd)

Quellen

  1. AWO Ostprignitz-Ruppin: awo-opr.de/news/1/394843/nachrichten/eine-ziege-mit-zwei-paten.html
  2. Feki: feki.de/jobboerse/details/14738-Lust-auf-eine-Fitnessstudio-Patenschaft
  3. Plogging: Beim Jogging Gutes für die Umwelt tun: presseportal.de/pm/52678/4432720
  4. Schmuggel Ladies Leitbild: schmuggel-ladies.de/startseite/leitbild/