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Schwerpunkt · shape UP Business 4/2019

Öko-Denke zahlt sich aus

Daran, dass Maßnahmen zur Verbesserung der Ökobilanz sinnvoll sind, dürften gegenwärtig eigentlich keine Zweifel mehr bestehen. Niedrigerer Energieverbrauch, engagiertere Mitarbeiter und angetane Studiokunden verschaffen nicht nur der Umwelt sondern dem Studio selbst Vorteile. Viele Maßnahmen sind dabei gar nicht so schwer umzusetzen.

Studios haben meist hohe Sparmöglichkeiten

Fitnessclubs nehmen im Branchenvergleich eine gewisse Sonderstellung beim Energie-Einsparpotential ein. Studios haben überdurchschnittlich lange Öffnungszeiten, je nach Architektur viele künstliche Lichtquellen und ein ungünstiges Verhältnis von Fenster- zu Raumflächen, oft veraltete Kühl- und Abluftanlagen, ineffiziente Duschtechnik und Equipment (Kardiogeräte, Saunen, Solarien) mit hohem Energieverbrauch.

Senkung der Energiekosten

Wie kann eine Strategie zur Senkung der Energiekosten und zur Reduzierung des CO2-Fußabdrucks aussehen? Relativ leicht zu realisierende Maßnahmen sind das Austauschen der Beleuchtung durch effizientere Lösungen und gegebenenfalls auch das Ersetzen von „stromfressenden“ Geräten und Equipment durch energieintelligentere Lösungen. Rechnen Sie dazu den Stromverbrauch Ihrer vorhandenen Ausdauergeräte, Kühlschränke und Dispenser aus. Anschließend kann mit Hilfe von Katalogen, fachkundiger Beratung oder dem Internet nach energiesparenden Alternativen Ausschau gehalten werden. Oft ist man dabei erstaunt, wie viel Energiekosten sich so einsparen lassen.

Nun aber noch einmal zurück zur gängigsten und einfachsten Methode des Stromsparens, nämlich der Beleuchtungsoptimierung. Viele Fitnessstudios – speziell solche, die in Industrie- oder Hallenbauten beheimatet sind – werden während der kompletten Öffnungszeiten künstlich bestrahlt, weil ein ungünstiges Verhältnis von Fensterfläche zu Raumtiefe vorliegt. Es sind oft kostengünstige Leuchtmittel eingesetzt, primär in Form von Neonröhren, die ein sehr diffuses, nicht gerichtetes Licht bieten und deshalb in großer Zahl installiert wurden, um die gewünschte Helligkeit zu erreichen. Ist dies bei Ihnen der Fall, ersetzen Sie als erstes alte Glühbirnen oder Leuchtstoffröhren durch effizientere Lichtquellen wie Energiespar-/Gasentladungslampen, LED-Leuchtdioden und E27 Halogenlampen. Die Installation von Lichtmanagement-Steuersystemen kann viel Strom sparen. Hierzu zählen etwa Timer und Sensoren für Bereiche mit häufigem Ein-/Ausschalten. Achten Sie darauf, dass Sie Glühlampen verwenden, die für das jeweilige Lichtmanagementsystem geeignet sind, da einige Typen bei zu häufigem Ein- und Ausschalten eine verringerte Lebensdauer aufweisen. In Bereichen mit sehr häufigem Ein- und Ausschalten der Beleuchtung bieten LED-Lampen, auf ihre Lebensdauer gerechnet, meist die kosteneffizienteste Lösung. Im Übrigen kann auch eine optimale Farbabstimmung der Wände und Einrichtung einen wesentlichen Unterschied hinsichtlich der erforderlichen Beleuchtung ausmachen. Helle Materialien und matte Oberflächen maximieren den Nutzen von Tageslicht in mit Fenstern ausgestatteten Bereichen, während helle Wände und Oberflächen mit hoher Reflexion die Effektivität des Beleuchtungssystems maximieren.

Ein beträchtlicher Anteil der Emissionen eines Gebäudes entfällt auf die Beheizung der Räumlichkeiten. Der Einbau von modernen Heizkesseln mit hoher Effizienz ist hier eine sehr naheliegende Verbesserungsmöglichkeit. An diesen Geräten lassen sich auch ohne Weiteres Stoß- und Abschaltzeiten timen.

Wasserverbrauch eindämmen

Gerade für Fitnessstudios und Wellnesszentren ist der Wasserverbrauch ein wichtiges Thema. Da in den Studios viele Mitglieder duschen und den Wellnessbereich nutzen, entstehen für die Betreiber der Fitnessstudios häufig enorme Wasserkosten. Doch der Wasserverbrauch kann stark reduziert werden ohne, dass die Mitglieder negative Effekte davon spüren. So können Verbrauchswerte und damit Kosten mit überschaubarem Aufwand gesenkt werden. Besonders hoch ist der Wasserverbrauch beim Händewaschen und Duschen. Er kann durch geeignete Maßnahmen bestimmt um die Hälfte gesenkt werden. Beim Duschen empfehlen sich der Einbau eines Duschstopps und/oder der Gebrauch von Wassersparbrausen. Mit Duschstopps kann die Wasserzufuhr etwa während des Einseifens bequem abgestellt werden, ohne dass die aktuell eingestellte Wassertemperatur verloren geht. Eine Wassersparbrause mischt dem Wasser zusätzlich Luft bei. Den Effekt erzielt man bei Wasserhähnen durch den Einbau von simplen Perlatoren (Durchflussbegrenzern). Zu beachten ist allerdings, dass solche Strahlregler nicht in Niederdruckarmaturen verbaut werden können. Ganz kostenlos ist das Verändern der Eckventileinstellungen. Dienen die Armaturen beispielsweise nur zum Händewaschen kann die Zufuhr auf diese Art einfach reduziert werden. Die Premiumlösung sind allerdings Sensortechnik-Armaturen, die ähnlich wie Bewegungsmelder arbeiten. Mit ihnen können nach Herstellerangaben bis zu 70 Prozent des Wasserverbrauchs eingespart werden. Es gibt zudem die Möglichkeit, eine Zeitschaltuhr in die Hähne einzubauen, so dass das Wasser nach einer gewissen Zeit von selbst abschaltet. Falls noch nicht vorhanden, ist zumindest die Verwendung von Einhebelmischern, die Warm- und Kaltwasser automatisch zusammenführen angeraten. Diese reduzieren insbesondere den Warmwasserverbrauch.

Es gibt Wassersparfunktionen aber auch bei Toiletten. Viele Modelle haben standardmäßig eine Spartaste. Ist dies nicht der Fall, kann mit günstigen Spülstopp-Vorrichtungen nachgerüstet werden. Somit rauscht es nur noch bei gedrückter Taste und der Spülkasten wird nicht jedes mal komplett geleert.

Regen- oder Grauwasser sinnvoll einsetzen

Wenn Ihr Studio sich in einem Gebäude befindet, dass dies erlaubt, könnten Sie die Installation eines Regenwassernutzungssystems in Betracht ziehen. Alternativ oder ergänzend, lässt sich auch eine Grauwasserrecyclinganlage zur Rückgewinnung des Wassers aus Duschen, Spülbecken und Geschirrspülern installieren. Dies ist insbesondere im Rahmen größerer Renovierungsarbeiten kosteneffizient. Das aufgefangene Wasser ohne Trinkwassereigenschaften kann dann für die Toilettenspülung oder zur Bewässerung verwendet werden.

Wasserdruck überprüfen

Checken Sie den Wasserdruck um einen Überdruck zu vermeiden. Stellen Sie den Wasserdruck möglichst auf den erforderlichen Mindestwert für die jeweiligen Verwendungen ein. Ein zu hoher Wasserdruck kann die Rohre und Rohrverbindungen übermäßig beanspruchen und zu undichten Stellen führen sowie Mitarbeiter, Gäste und Geräte zu einem unnötig überhöhten Wasserverbrauch verleiten. Bei bestimmten Geräten wird überschüssiges Wasser durch zu hohen Druck direkt in ein Überlaufsystem geleitet und geht so verloren.

Duschbrausen, die nur eine beschränkte Wassermenge durchlassen, senken den Verbrauch drastisch VVVproduct / shutterstock.com

Abfallvermeidung und -trennung

„Müllionäre“ sind unbeliebt. Daher gilt Abfallvermeidung und -wiedernutzbarmachung hat zwar keine gewaltigen Auswirkungen auf die Nebenkosten, ist aber gut für Image und Gewissen. Reduzieren lassen sich Abfälle am einfachsten, indem weniger von ihnen erzeugt werden. Ein paar einfache Methoden:

  • Ersetzen Sie portionierte Toilettenartikel und Lebensmittelverpackungen durch nachfüllbare Spender
  • Kontrollieren Sie die Vorratsmengen verderblicher Waren, um Überfluss zu vermeiden.
  • Wählen Sie Lieferanten aus, die kein unnötiges Verpackungsmaterial verwenden und Verpackungen zurücknehmen
  • Ersetzen Sie Wasserflaschen aus Plastik durch nachfüllbare Glasflaschen mit Leitungswasser oder gefiltertem Wasser
  • Mehrwegartikel können entweder im Studio oder anderswo wiederverwendet werden
  • Equipment, das nicht mehr benötigt werden, können Sie verkaufen oder spenden.

Auch das Trennen von Artikeln für Recycling ist nützlich und wird in Deutschland meist auch schon praktiziert, etwa durch das Aussortieren von Papier und Karton, Aluminium- und Kunststoffverpackungen sowie Glas. Auch der Ersatz bestimmter Kunststoffartikel durch recyclingfähige oder kompostierbare Materialien ist eine stimmige Maßnahme. Erkundigen Sie sich gegebenenfalls, welche anderen Abfallsorten in Ihrer Region recycelt werden können. Als Beispiel können hier Lebensmittelabfälle genannt werden, Diese können alternativ auch vor Ort kompostiert werden. Jeder noch so kleine Schritt in Richtung weniger oder wiederverwertbarem Müll wirkt sich positiv aus.

Umweltmanager beauftragen

Wenn umweltbezogen etwas verbessert werden soll, ist es notwendig, zuerst über den aktuellen Stand der Dinge Bescheid zu wissen. Nur durch Messen ist man dazu in der Lage, Stärken und Schwächen zu erkennen und Verbesserungen anzugehen. Es ist gut zu wissen, wie nah man an der aktuellen Branchenpraxis oder an der Erfüllung zumindest gängiger Umweltstandards dran ist. Das geht am besten, wenn die Verantwortung für diesen Bereich in eine Hand gelegt wird. Daher kann es sich empfehlen, eine Person als Umweltmanager zu ernennen. Dieser berichtet regelmäßig über das Abfallaufkommen, die Nutzung von Energie fürs Heizen und Kühlen sowie über den Einsatz von Wasser und Chemikalien. So lässt sich ein Betrieb ökologisch besser überwachen, zudem werden im Idealfall kreative Lösungen für etwaige Gegenmaßnahmen vorgeschlagen. Kleinere Betriebe können einfach einen engagierten Mitarbeiter aus dem Personalbestand mit den Kontrollen beauftragen, die zusätzlich zu den regulären Aufgaben ausgeführt werden. Jeder Mitarbeiter, der detailgenau und umweltbewusst ist, kann diese Aufgabe übernehmen. (chd)

Quellen

fitness.com „Das ökologisch korrekte und ethisch orientierte Fitnessstudio“

ec.europa.eu (Europäische Kommission/Umwelt/Gemeinschaftssystem für das Umweltmanagement und die Umweltbetriebsprüfung) „Take a green step“

fitnessmarkt.de „Wasser sparen heißt Energie sparen!“

schwaebisch-hall.de „Wasser sparen in Bad & WC“

wasser-sparen.org „Ressourcen schonen und Geld sparen“