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Schwerpunkt · shape UP Business 4/2019

Grüne Welle

Auf der grünen Welle mitzuschwimmen, ist schon im Straßenverkehr eine gute Idee. Die Strategie ist kein Muss, kann aber der schnelleren Zielerreichung sehr nützlich sein. Das symbolische Umweltgrün wiederum signalisiert Unternehmen, das sie in Sachen ökologischer Wertigkeit Gas geben sollten. shape UP zeigt einige der Nutzen und Gestaltungsmöglichkeiten auf.

Ökologisch ist „in“

Umweltbewusstes, ressourcenschonendes Verhalten gebietet nicht nur der Zeitgeist, sondern wird für Unternehmen auch unter ökonomischen Gesichtspunkten immer angesagter. Insofern nicht ohnehin das eigene Gewissen befiehlt, in der Richtung etwas zu tun, bieten aktuelle Trends auf der Verbraucherseite sowie nachweisbare Einsparpotentiale Anlass genug, über ein grünes oder zumindest angegrüntes Fitnessstudio nachzudenken.

Bei vielen eher gut betuchten Konsumenten ist ein geänderter, ökologisch bewussterer Lebensstil bereits in Fleisch und Blut übergegangen. Deren Kinder bekommen diesen daheim und in der Schule ebenfalls vermittelt. Die Message lautet: Dein hinterlassener CO2-Fußabdruck soll sich mehr und mehr verkleinern. Sei es dadurch, dass man auf heimische umweltschonend produzierte Obst- und Gemüsesorten zurückgreift, durch tiergerechte Aufzucht gewonnene Fleischerzeugnisse bevorzugt oder über die Art der eigenen Mobilität nachdenkt. Auch im Freizeitverhalten spielen ökologische Überlegungen zunehmend eine wichtigere Rolle. Es gibt zum Beispiel schon viele Hotels, die mit ökologischer Nachhaltigkeit erfolgreich Gäste locken. Und da ist der Weg zum Fitnessstudio eigentlich gar nicht mehr so weit, denn auch dort wird, im erweiterten Sinn, Erholung gesucht. Da ist es nicht ganz zu vermessen, anzunehmen, dass ökologisch korrektes Handeln und Tun einen gewissen Wettbewerbsvorteil auch für Studios verspricht. Beim Gedanken an ökologisch korrektes Handeln mögen vielen die damit verbundenen Kosten in den Sinn kommen. Denn klar ist, dass es den Umstieg in Phase eins nicht für umsonst gibt. Aber das spielt sich ein. Wer den „Öko-Nachweis“ überzeugend führt, hat meist auch bei der Preisbildung schon etwas mehr Luft, höhere Preise für Öko-Lebensmittel werden beispielsweise rundum akzeptiert. Auf lange Sicht kann umweltbewusstes Handeln sogar Kosten senken, zum Beispiel dadurch, dass Strom-, Wasser- und Gasrechnungen sinken.

Handlungsspielräume

Im Folgenden soll sich der Blick auf ausgewählte ökologische Handlungsspielräume eines herkömmlichen Sportcenters richten. Der Fokus liegt dabei auf baulichen Maßnahmen. Denn, wird ein Fitnessstudio neu geplant oder komplett umgebaut, besteht ausreichend Spielraum für Innovationen oder Modifizierungen, die einen auf ein neues Energie-Level heben. Viel natürliches Licht spart Beleuchtungsstrom und trägt, wenn der Ausblick nicht gar zu trist ist, zu einem guten Trainingsfeeling bei. Das Einplanen möglichst vieler Fensterflächen ist daher dringend anzuraten, wobei sich dann im zweiten Schritt der Einsatz wärmegedämmten Isolierglases empfiehlt. Ist eine hohe Sonneneinstrahlung im Sommer zu erwarten, sollten zudem Rollos installiert werden, die ab einem bestimmten Einstrahlungswinkel automatisch ausfahren. Eine Ergänzung oder Alternative wäre der Einbau einer Lüftungsanlage mit Abluft-Wärmetauscher (2). Diese entzieht der Abluft ausreichend Abwärme, mit der geheizt werden kann.

Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe (3) wiederum saugt warme Außenluft an, um das Innere eines Gebäudes zu heizen. Sie kann entweder im Außenbereich oder im Keller aufgestellt werden. Wenn die Voraussetzungen gegeben sind, lassen sich die Heizkosten im Vergleich zu Heizungen mit fossilen Energieträgern um teilweise 50 Prozent reduzieren. Die Anschaffungskosten einer Luft-Wasser-Wärmepumpe amortisieren sich nach etwa zehn Jahren.

Auch Gebäudedämmung (4) ist eine hocheffiziente Weise, um Energie zu sparen und Geldverschwendung aufgrund von Wärmeverlust zu vermeiden. Über 60 Prozent der Wärme eines Gebäudes können durch ungedämmte Wände und Dachböden verloren gehen. Auch wenn es draußen warm ist leistet Dämmung einen Beitrag, denn sie senkt die Stromkosten für Klimaanlagen. Eine Nachrüstung der Dämmung ist bei verschiedenen Gebäudeteilen, wie etwa Dachböden, Mauerhohlräumen sowie Abdichtung von Türen und Fenstern, möglich – und wird oft staatlich gefördert. Bei einem Neubau kann man direkt die Karte „Passivhaus“ spielen. Derartige Gebäude verbrauchen dank optimaler Dämmung und eigener Energieerzeugung etwa durch besagte Luft-Wasser-Wärmepumpe nur minimale Heizenergie.

Think big

Wer wagt, gewinnt. Es gibt auch Ideen, mit denen man in den Kreis der Energielieferanten aufsteigt. Sie werden bereits seit längerer Zeit in einigen (wenigen) Studios praktiziert:

  • Studioeigenes Blockheizkraftwerk als Produzent von Strom, der auch erlöswirksam ins öffentliche Netz eingespeist werden kann. Die anfallende Wärme wird genutzt, um sämtliche Heizleistungen zu realisieren.
  • Installation von Photovotaikanlagen, mit denen auch etliche Haushalte mitversorgt werden können. Auch hier wird der – in diesem Fall durch Solarmodule erzeugte – Ökostrom dem Netz der Stadtwerke zugeführt. Voraussetzung ist eine entsprechende Größe der Dachfläche, die Fitnessstudios in der Regel aufweisen sollten.

Zu betonen ist, dass man sich von derlei „schweren Geschütz“ nicht abschrecken lassen sollte.Kleinere Maßnahmen, die an andere Stelle dieser Ausgabe vorgestellt werden sind natürlich auch möglich.

Ehrlich, sonst wird’s gefährlich

Wofür auch immer sich das Studio entscheidet, wichtig bei der Fahrt ins Grüne ist eine konsequente Haltung. Feigenblätter werden erkannt. Wenn man sein Unternehmen in ein „grünes“ Licht stellt, so dass der Eindruck entsteht, man würde besonders umweltfreundlich, ethisch korrekt und fair handeln, sollte dies auch belegbar sein. Fatal ist dagegen wenn bei den Angeboten der äußere Schein nicht den ökologischen Tatsachen entspricht. Dann liegt das sogenannte „Green Washing“ vor. Dieses rächt sich in der Außendarstellung und kann unter anderem Klagen von Verbraucherschutz-Organisationen nach sich ziehen. In einem E-Paper von TerraChoice Environmental Marketing Inc. (1) werden typische Verfehlungen von Green Washing identifiziert und in Sünden-Kategorien klassifiziert. Für Fitnessstudios relevant sind dabei die in Tabelle 1 aufgeführten Gründe.

Sin of No Proof:

Vorgabe eines umweltfreundlichen Attributs ohne Nachweis

Sin of Vagueness:

Unklare, schwammige Formulierungen, die Konsumenten verwirren

Sin of Fibbing:

Angabe von umweltfreundlichen Charakteristika, die falsch sind

Das Beispiel „Green Washing“ zeigt, dass zwischen Realität und Wunschzustand oft noch gewaltige Lücken klaffen. Eine Diagnose, die sicherlich auch in der Fitnessbranche ihre Gültigkeit hat. Einer Branche bei der es eigentlich um urgrüne Themen wie Lebensqualität, Gesundheit, Bewegung und Ernährung geht – und die sicher nicht zu den schlimmen Umweltsündern im Lande gehört. Dennoch: Das Bessere ist der Feind des Guten – und je ökologischer desto besser. Und das wird mit hoher Sicherheit auch in der Welt von morgen gelten.

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Blick nach vorne

Wie sieht es mit der Zukunft der Nachhaltigkeit aus? Politisch wird sich der (umwelt)technische Fortschritt kaum aufhalten lassen. Sollte Deutschland irgendwann eine konservativere Richtung einschlagen, geht der ideologisch gestützte Umweltschutz wohl allerdings ein paar Jahre lang in die Opposition. Das Fordern und Fördern von mehr Ökologie würde dann vermutlich zurückgefahren und auch strengere Umweltregelements wären eher nicht zu erwarten. Aber auch derart gestrickte Regierungen werden nicht die Totalkonfrontation mit einem großen und gutverdienenden Teil der Bevölkerung suchen, denn der verschwindet ja mit den Wahlen nicht. Daher wird Umweltbewusstsein so gut wie sicher nicht in Verruf geraten und sei es nur deshalb, weil die Machthabenden ein grünes Mäntelchen doch ganz schick finden.

Gesellschaftlich scheint die Sache dagegen klar entschieden zu sein. Auch in den nächsten Generationen wird ein grünes Bewusstsein in weiten Teilen der deutschen Bevölkerung fest verankert sein, das ist aufgrund der gegenwärtigen und seit Jahrzehnten gängigen Medien- sowie Erziehungs- und Beschulungspraxis quasi unausweichlich. Heute handeln, heißt also entweder das Unausweichliche vorwegnehmen oder das ohnehin Sinnvolle zu tun. Nicht handeln geht natürlich auch, denn natürlich surft nicht ganz Deutschland leidenschaftlich auf der grünen Welle. Ohnehin wird kein Studio weder ein reines Öko- oder Nichtöko-Publikum haben. Die Frage ist eher, wen man mehrheitlich bei sich sehen möchte. Das ist keine Fangfrage, sondern eine, die durchaus sehr offen beantwortet werden kann. Im Zweifel hat man dann halt ein nicht zeitgeistiges Fitnessstudio – soll und muss es auch geben!(chd)

Quellen

  1. TerraChoice Environmental Marketing Inc. „The Six Sins of Greenwashing“
  2. energiesparen-im-haushalt.de Luft-Wärmetauscher
  3. heizungsfinder.de „Funktionsweise einer Luft Wärmepumpe“
  4. ec.europa.eu (Europäische Kommission/Umwelt/Gemeinschaftssystem für das Umweltmanagement und die Umweltbetriebsprüfung) „Take a green step“

weitere Quelle:

fitness.com „Das ökologisch korrekte und ethisch orientierte Fitnessstudio“