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Finanzen / Steuer / Recht · shape UP Business 4/2019

Geld anlegen mit System

Altersvorsorge und Vermögensaufbau sind gerade für Selbstständige besonders relevant und somit quasi eine Selbstverständlichkeit. Doch welche Sparmöglichkeiten sind am besten geeignet? Als Physiotherapeut und Anleger kann man im recht unüberschaubaren Dschungel der Börsen leicht den Überblick verlieren.

Andreas Houben

Schritt für Schritt

In Zeiten niedriger Zinsen fragen sich Selbstständige und Unternehmer immer häufiger, wie sie ihr Geld noch anlegen sollen. Wer eine ordentliche Rendite erzielen will, scheint an Wertpapieren wie Aktien nicht vorbeizukommen. Was muss man jedoch wissen, um mithilfe der Börse mehr aus seinem Geld zu machen?

Voraussetzung für eine zielgerichtete Vermögensbildung ist zunächst der Kassensturz: Welche Einnahmen und Ausgaben habe ich und wie viel Geld bleibt für eine langfristige Anlage übrig? Gerade selbstständige Physiotherapeuten sollten immer einen soliden Puffer für unerwartete Investitionen zurückhalten. Der nächste Schritt ist die Beschäftigung mit den Anlagezielen: Was genau möchte ich erreichen? Bin ich eher risikoscheu oder bin ich auch bereit, etwas mehr zu wagen? Wie lange möchte ich mein Geld anlegen? Und welche Anlageformen eignen sich dafür?

Buch mit sieben Siegeln?

Klar ist, dass Anleger ihr Vermögen nicht einfach auf dem Girokonto liegen lassen sollten. Aber auch beim klassischen Sparbuch, Tagesgeld und Co. sind kaum noch Zinsen zu erwarten. Mitunter werden die niedrigen Renditen sogar von der Inflation aufgezehrt. Wertpapiere wie Aktienfonds bieten dagegen mit ein wenig Geduld die Chance auf ansehnliche Renditen. Auch allgemein bevorzugen immer mehr Deutsche bei der Geldanlage Fondsanteile oder Aktien (Abb. 1).

Abb. 1 So legt Deutschland Geld an. (Quelle: Bankenverband, Befragung im Dezember 2018)

Doch für viele ist das Thema Investment noch immer ein Buch mit sieben Siegeln. Sich als Neuling an der Börse zurechtfinden, ist nicht einfach, zumal eine Wertpapieranlage immer auch ein gewisses Risiko birgt. Ein individueller und fundierter Fahrplan ist die Basis für jede Geldanlagestrategie: Er sollte auf die eigene Risikobereitschaft, die persönlichen Lebensziele und das vorhandene Kapital ausgerichtet sein.

Investmentfonds

Eines ist klar: Ohne Vorkenntnisse kann man kaum mit Aktien das schnelle Geld machen. Weltweit gibt es eine unüberschaubare Zahl an Investmentfonds und Wertpapieren. Das Sparen in Fonds hat im Gegensatz zum Investieren in einzelne Aktien mehrere Vorteile: Das Risiko wird über mehrere Werte gestreut, was das Verlustrisiko minimiert. Eventuell auftretende Kursschwankungen können so auf lange Sicht besser ausgeglichen werden. Der Anleger kann sowohl größere Summen auf einen Schlag als auch kleinere Beträge regelmäßig anlegen – beispielsweise über einen monatlichen Fondssparplan. Schon für 25 oder 50 Euro im Monat können Anleger so an der Wertentwicklung von Unternehmen, Märkten oder aufstrebenden Branchen teilhaben.

Plan aktuell halten

Wer sich für eine bestimmte Anlageform entschieden hat, sollte seinen Fahrplan dennoch regelmäßig überprüfen. Verändert sich die Lebenssituation, zum Beispiel aufgrund eines neuen Jobs, einer Heirat oder wegen eines Hausbaus, müssen die persönlichen Weichen neu gestellt werden – und damit auch diejenigen für die Geldanlage. Übrigens: Man muss kein Börsenprofi sein, um als Sparer von Aktienfonds profitieren zu können. Banken bieten Orientierung – entweder in einer persönlichen Anlageberatung vor Ort oder über vollautomatisierte Tools im Internet.

Automatisch anlegen

Vielen Anlegern fehlt es an Zeit und Muße, sich mit dem Thema Geldanlage intensiver zu befassen oder sich persönlich beraten zu lassen. Genau hier kommen sogenannte Robo-Advisors ins Spiel: Diese Tools zur Online-Vermögensverwaltung können über das Internet bedient werden und die Anlageentscheidungen automatisch treffen. Die Anwendungen erfassen Vorkenntnisse des Anlegers in Sachen Wertpapiere, seine gewünschte Rendite und seine Risikobereitschaft. Auf Basis der Daten erstellen sie ein Anlegerprofil und ein passendes Wertpapierportfolio samt Anlagestrategie. Bei den automatisch zusammengestellten Wertpapieren handelt es sich in der Regel um ETFs – also börsengehandelte Indexfonds, welche die Wertentwicklung eines Index wie etwa des DAX abbilden.

Das Einmaleins der Aktien

Wer Vermögen aufbauen möchte, kommt an Aktienanlagen kaum vorbei. Weil diese nicht ohne Risiko sind, sollten Anleger ein paar Regeln beachten:

Geld sollte nur dann in Aktien angelegt werden, wenn es langfristig entbehrlich ist und auch eventuell auftretende Kursverluste verkraftet werden können.

Anstatt nur auf die Aktie eines Unternehmens zu setzen, kann man das Verlustrisiko minimieren, indem Investitionen breit gestreut werden – etwa mit Aktienfonds.

Aktienanlagen bringen oft erst auf lange Sicht entsprechende Renditen, daher benötigen sie Zeit. Wer hektisch auf jede tagesaktuelle Nachricht reagiert und ständig Aktien (ver)kauft, erzielt oft nicht den gewünschten Gewinn, dafür aber hohe Kosten.

Eine professionelle Beratung ist unbedingt empfehlenswert, zum Beispiel verfügt die Hausbank über eigene Beratungsangebote. In einem ausführlichen Gespräch mit einem Anlageexperten können Risikobereitschaft und Anlagemöglichkeiten besprochen und individuell auf ein Angebot abgestimmt werden.