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Schwerpunkt · shape UP Business 3/2019

Ein starkes Team

In einer Gruppe sollte die Chemie stimmen. Privat suchen wir uns die Gruppe persönlich aus, im Beruf sind die Arbeitskollegen vorgegeben. Um ein gutes Miteinander in der Belegschaft zu fördern, werden Teambuilding-Maßnahmen eingesetzt. Eine moderne Methode sind sogenannte Escape Rooms. Aber was bringt es wirklich?

Sabrina Harper

Was macht ein gutes Team aus?

Ein Team ist ein heikles soziales Gefüge, welches seit vielen Jahren untersucht wird. Der Konzern Google startete dazu das zweijährige Projekt Aristoteles. Psychologen, Statistiker, Soziologen und Ingenieure analysierten rund 180 Teams und dokumentierten, was ein effizientes Team ausmacht. Untersuchte Fragestellungen waren unter anderem: Kommt es auf gemeinsame Interessen an oder sollten die Hobbies divergieren? Sind intro- oder extrovertierte Mitglieder von Vorteil oder sind private Kontakte zwischen den Mitarbeitern förderlich oder eher hemmend?

Am Ende standen fünf grundlegende Prinzipien auf dem Blatt, die für ein Teamgefüge entscheidend sind (Tab 1). Teamleiter Matt Sakaguchi sagte in einem Interview im SZ-Magazin zu den Ergebnissen: „Wir stellten fest, dass die Teams mit hoher psychologischer Sicherheit ihre Ziele um 19 Prozent übertrafen, während die unsicheren sie permanent um 17 Prozent untertrafen“.

Prinzip

Bedeutung

Psychologische Sicherheit

Jedes Mitglied kann Risiken eingehen, sich emotional öffnen und fühlt sich ernst genommen

Verlässlichkeit

Jeder bewältigt seine Arbeit pünktlich und gewissenhaft

Struktur und Klarheit

Die Ziele, die Rollenverteilung und die Prozesse im Team sind bekannt

Sinn

Die Arbeit ist jedem im Team persönlich wichtig

Einfluss der Arbeit

Jeder glaubt daran, dass die Arbeit etwas Wichtiges beiträgt

Wie entsteht ein Team

Das Phasenmodell nach Tuckman ist wohl das bekannteste, wenn es um Teamentwicklung geht. Jedes Mal, wenn ein neues Mitglied hinzukommt, durchläuft die Gruppe vier Phasen.

Forming

Forming beschreibt die Orientierungsphase. Die Teammitglieder lernen sich kennen und die Führungskraft vermittelt Orientierung.

Storming

In der Stormingphase werden unterschiedliche Auffassungen der Teammitglieder deutlich. In dieser Konfrontationsphase kann es zu Machtkämpfen kommen, welche für die spätere Rollenverteilung im Team wichtig sind. Führungskräfte sollten Konflikte zulassen, allerding Angriffe unterhalb der Gürtellinie unterbinden.

Norming

In der darauffolgenden Normingphase werden Strukturen verankert. Durch die Festlegung von Regeln und Verhaltensweisen entsteht ein Miteinander. In dieser Kooperationsphase sind Teammeetings von Bedeutung.

Performing

In dieser Wachstumsphase ist das Team selbstständig und organisiert sich selbst. In den Fokus rücken gemeinsame Ziele und Erfolge. Führungskräfte können in dieser Phase Aufgaben delegieren.

Adjourning

Manchmal kommt auch eine fünfte Phase hinzu, die sogenannte Auflösungsphase. Diese beschreibt den Ablauf, wenn eine Zusammenarbeit endet. Diese ist nur von Bedeutung, wenn sich das Team tatsächlich auflöst. Kommt lediglich ein neues Teammitglied hinzu, startet die Teambildung wieder in der Stormingphase.

Abbildung 1: Phasenmodell nach Tuckman arka38 / shutterstock.com

Spielerische Maßnahme

Um Teams zu festigen und die Bande zu verstärken, gibt es eine Vielzahl von Maßnahmen. Arbeitgeber versprechen sich von diesen mehr Arbeitseffizienz und eine gute Stimmung im Team. Die Frage, ob Maßnahmen einen relevanten Effekt haben, ist umstritten. Zwar wird Maßnahmen des Teambuildings ein positiver Effekt nachgesagt, ob dieser jedoch langfristig anhält, ist kontrovers diskutiert. Arbeitgeber und Führungspersonen sollten am besten Kosten und Nutzen ins Verhältnis setzen. Eine trendige Möglichkeit, das Teamgefüge zu stärken, sind sogenannte Adventure Games, zum Beispiel in Form eines Escape Rooms.

Die Hinweise in einem Escape Room sind nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. Tor May_Lana / shutterstock.com

Escape Rooms

Das sind konzipierte Rätselräume für in der Regel bis zu sechs Mitspielern. Ziel ist es, im Team eine Reihe an Hinweisen zu sammeln, zu kombinieren und in einen sinnvollen Kontext zu setzen. Indem Geschicklichkeits-, Logik- oder Geduldspiele gelöst werden, kommen die Spieler dem gemeinsamen Ziel näher. Dieses Ziel kann das Entkommen aus dem Raum sein, das Stoppen eines Countdown oder ähnliches. Die Aufgaben sind für ein festgelegtes Zeitfenster von meist einer Stunde ausgelegt.

Die verschiedenen Ansprüche bei der Bewältigung eines Escape Rooms sprechen mehrere Aspekte innerhalb eines Teams an. Vieles davon bedient die fünf Grundprinzipien aus Tabelle 1.

Kooperation

Um die diversen Anforderungen zu bedienen, ist jeder im Team wichtig. Daher muss das Team kooperieren und die Stärken eines jeden Mitglieds erkennen und einsetzen.

Führung

Gleichzeitig ist eine Führung nötig: Jemand gibt die nächste Stoßrichtung vor. Dabei wechselt die Führungsrolle je nach Aufgabe. Hat eine dominante Persönlichkeit wenig Geduld, dann rückt bei einer Geduldsaufgabe ein anderes Mitglied in den Vordergrund.

Um Hilfe bitten

Der sogenannte Spielleiter beobachtet die Gruppe über eine Kamera auf einem externen Monitor. Kommt die Gruppe trotz Teamwork nicht weiter, gibt es die Möglichkeit, den Spielleiter nach Hilfe zu fragen. Die Überwindung dazu, ist für manche Charaktere sehr schwer. Im Schutz des Teams erkennen diese Personen leichter, dass es keine Schwäche ist, Hilfe einzufordern.

Aufgabenverteilung

Manchmal benötigt es im Spiel parallele Vorgänge, um weiter zu kommen oder es liegen diverse Hinweise aus verschiedenen Rätselteilen vor. Teams, die sich dann aufteilen, um gleichzeitig an zwei verschiedenen Problemen zu arbeiten, werden mit Erfolg belohnt.

Vernetztes Denken

Sieht eine Person einen Gegenstand oder nimmt eine Information wahr, kann das im Spielverlauf der entscheidende Hinweis sein. Dieser Sachverhalt erfordert vom Teilnehmer die Relevanz für andere Beteiligte zu erkennen, und diese zu kommunizieren.

Ein entscheidender Hinweis? Ohne Information kommen die anderen Teammitglieder nicht weiter. shutterstock / Viacheslav Nikolaenko.com

Stressbewältigung

Mit fortschreitender Zeit werden die Rätsel ebenfalls komplexer. Dadurch wird das Team unter Stress gesetzt. Wer dennoch verständlich und sachlich bleibt, kommt zum Erfolg. Sollte sich die Gruppe streiten, liefert diesesVerhalten eineErkenntnis über das Teamgefüge.

Welche Maßnahme ist die beste?

Eine pauschale Antwort darauf gibt es nicht. Bei der Auswahl der Maßnahme sollte immer die aktuelle Situation im Team berücksichtigt werden. Mannschafts- und Gruppenaktivitäten sind ein indirekter Ansatz zur Stärkung des Teams. Durch spielerische Elemente ist die Tatsache, dass am Mannschaftsgefüge gearbeitet wird, nicht vordergründig präsent. Durch die gemeinsame Lösung und den daraus resultierenden Erfolg entwickelt sich ein Team weiter. Direkte kommunikative Maßnahmen, wie Feedbackrunden oder Mentoring, sind in konfrontativen Phasen von großer Bedeutung.

Quellen

Süddeutsche Zeitung: https://sz-magazin.sueddeutsche.de/die-loesung-fuer-alles/was-macht-ein-gutes-team-aus-86087, Zugriff am 9.7.2019

Teamworks GTQ Gesellschaft für Teamentwicklung und Qualifizierung mbH: https://teamworks-gmbh.de/teamstudie-googles-projekt-aristoteles/, Zugriff am 9.7.2019

Labyrintoom Berlin: https://labyrintoom.berlin/10-arten-auf-die-escape-rooms-teambuilding-f%C3%B6rdern, Zugriff am 9.7.2019