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Beratung & Betreuung · shape UP Business 3/2019

Be creative!

Kurse zum Nachexerzieren gibt es etliche. Sie haben ihre Vorteile und sind etabliert. Standardisiert vorchoreografiert, mit geschulten Instruktoren ausgestattet und ausgewählter Musik gestützt, schaffen sie – egal wann und wo – gleichbleibend hohe Qualität im Groupfitness-Bereich. Aber sie erfordern auch zum Teil recht hohe Investitionen. Warum als nicht mal selber etwas auf die Beine stellen?

Individualist oder Generalist

Möglichst viel, möglichst gut – irgendwo zwischen diesen beiden Herangehensweisen bewegt sich das Groupfitness-Angebot der meisten Studios (nicht nur) in Deutschland. „Möglichst viel“ heißt die inhomogene Kundennachfrage mit einer breiten Palette von Kursen derart abzudecken, dass so gut wie alle marktüblichen Wünsche erfüllt werden. „Möglichst gut“ geht eher in Richtung einer Spezialisierung, welche durchaus mit der Eröffnung eines Boutique-Studios enden kann. Hier ergibt sich die Attraktivität aus qualitativ überdurchschnittlichen Packages, die im Idealfall noch von namhaften Trainern präsentiert werden. Das Ganze dann gern exotisch und/oder unique.

Wie schon angedeutet, ist für die Mehrheit der nicht spezialisierten bzw. mit ungeheuren räumlichen und finanziellen Möglichkeiten ausgestatteten Clubs eine Art „Mischkultur“ die Realität. Die „normale“ Nachfrage, so gut es geht abdecken, und ein/zwei Highlight(s) setzen, um zu demonstrieren, dass man „hip“ genug ist.

Was ist machbar?

Unabhängig vom gewählten Programm ist im Group Training Business Manual (GBTM)(1) nachzulesen, sollten die Übungseinheiten „logisch, effektiv, progressiv und lohnend sein. Sie müssen das Fitnesserlebnis widerspiegeln, das durch die Programmvision festgelegt wurde, und stets kreativ gestaltet sein, um das Interesse zu wecken bzw. neu zu entfachen“. Dabei habe man die Wahl, ob man sich für zentral verwaltete Programme oder von Trainern selbst erstellte Formate entscheidet.

Trainerformate

Von Trainern selbst erstellte Formate kommen vornehmlich infrage, wenn das Studio auf spezialisierte Gruppentrainings-Experten, sei es in Frei- oder Festanstellung, im Großen und Ganzen verzichtet. Mit den Trainerformaten kommt man den Bedürfnissen des vorhandenen Personals meist mehr entgegen, da viele Übungsleiter gerne gestalten und weniger gerne einem Skript folgen als waschechte Gruppenprofis. Die Gefahr besteht dann darin, dass die Trainer irgendwann das Studio verlassen. Derartige Kurse schaffen nämlich in der Regel eine Anhängerschaft für die Trainer, und wenn diese dann eines Tages weg sind, ist die Enttäuschung bei den Teilnehmern nicht selten groß. Wichtig bei den Raum für Kreativität bietenden Eigenprogrammen ist auch darauf zu achten, dass diese im Einklang mit dem deklarierten Kursinhalt bleiben. Daher ist, laut GTBM, regelmäßig zu überprüfen, ob die von den Trainern übermittelte Botschaft mit der allgemeinen Vision und dem Leistungsversprechen des Programms übereinstimmt. Flapsig formuliertes Beispiel: Wo Pilates draufsteht, sollte nicht Yoga drin sein.

Zentral verwaltete Programme

Mit zentral verwalteten Einheiten können die gerade geschilderten Nachteile natürlich nicht auftreten, zudem sind sie leichter zu vermarkten, da das Leistungsversprechen klar definiert ist. Die eindeutig festgelegten Formate können zum einen von Entwickler(n) des Studios konzipiert werden oder, zum anderen, von Fremdanbietern erworben werden. In beiden Fällen gilt: Die Trainer haben sich an vorgegebene Abläufe zu halten. Bei vorgefertigten Einheiten, kann sich natürlich auch eine gewisse Trainerprominenz bilden, grundsätzlich gilt aber: Ist ein Trainer abwesend, kann jemand anderes ohne große Probleme einspringen. Ein nachhaltiger Erfolg erfordert, gemäß GTBM, dennoch eine regelmäßige Neubeurteilung des Programms, der Preise und des Personals. Zudem wird angeraten, wachsam gegenüber den Marketingbemühungen der Konkurrenz zu bleiben und auf eine mögliche fehlende Dynamik des eigenen Gruppentrainingsprogramms zu reagieren. „Eine regelmäßige Reflexion und kleinere Anpassungen tragen zum Erfolg uns zur anhaltenden Relevanz Ihres Programms bei“.

Wir werden uns in diesem Artikel nun ausführlicher dem oft etwas stiefmütterlich behandelten Segment widmen, das zwischen den beiden Polen Trainer- und Fremdanbieter-Programmen steht, nämlich den vom Studio selbstentwickelten Formaten. Denn hier schlummert Potential.

Do It Yourself

Jahr für Jahr warten Studios darauf, was da – meist über den großen Teich – an neuen Kurstrends anlandet. Klar, immer die alte Leier, langweilt das Publikum irgendwann. Auf die Möglichkeit, sich in der Angelegenheit, zumindest partiell, unabhängig zu machen und einen eigenen und damit exklusiven Workout zu stricken, greifen viele Studios gar nicht erst zurück. Fehlt es an Personal? Sofern die Studioleitung hier nicht selbst tätig wird, empfiehlt sich nämlich das Engagement von einem, im GTBM so bezeichneten, „Programm-Champion“. Hier handelt es sich um den gut zu entlohnenden „Programm-Botschafter, der Ergebnisse liefern soll, und zwar sowohl in finanzieller Hinsicht als auch im Hinblick auf den Erlebniswert. Diese Person verkörpert das Herz und die Seele Ihres Programms. Sie ist Cheerleader, Planer, Personalleiter, Visionsfinder, Gruppentrainer und Programmersteller in einem“.

Ob mit oder ohne Programm-Champion – greift man selbst in die Ideenkiste, ist es nicht verkehrt, bereits bekannte Komponenten zu integrieren und nicht zu sehr ins Exotische abzudriften. Dies spiegelt sich beispielsweise in der großen Zahl von Workouts wider, die in irgendeiner Form Pilates einbauen. Derart populäre Trainingsformen haben einen medial gestützten recht hohen Bekanntheitsgrad, der durchaus werbewirksam ist und sich auch für eigene Ideen gut nutzen lässt. Kurse sollten darüber hinaus einen griffigen Namen und eine klar definierte Zielgruppe haben. Und, nicht ganz unwichtig, irgendwie ist es auch ratsam zu kommunizieren, wozu die Teilnahme gut ist, also welcher Zweck verfolgt wird. Wobei wir bei der Frage wären, wie präzise, man dabei werden sollte. Die Antwort ist meist: nicht allzu sehr. So spricht beispielsweise ein Kurs gegen Rückenschmerzen vermutlich mehr Menschen an, als ein Kurs gegen Morbus Scheuermann (Rundrücken).

Wie sieht nun aber eine kurstechnische Unabhängigkeitserklärung in der Praxis aus? Stellvertretend dafür, dass auch kleinere Studios eigeninitiativ tätig werden können, sei hier das Engagement von der in der Fitnessszene recht bekannten Nadine Rebel erwähnt. Die Studioleiterin studierte Soziologie, Psychologie und Pädagogik. Hintergrundwissen aus diesen Bereichen sowie Ihre Erfahrung als Trainerin und Tänzerin fließen in den in ihrem Gym praktizierten „Kurs-Eigenkreationen“ ein. Unlängst wurde die Kursneuheit „Bring my body back“ auf Presseportalen beworben (2). Das Kurskonzept, richtet sich, so ist der Werbung zu entnehmen, an Frauen, die sich wieder etwas heimischer im eigenen Körper fühlen möchten und das Übungsprogramm sei besonders gut zur Rückbildung nach der Schwangerschaft geeignet. Die zuvor formulierten Kriterien – griffiger Name, klar definierte Zielgruppe und Verdeutlichung des Zwecks – sind mithin erfüllt. Inhaltlich greift der Kurs auf Elemente aus dem Yoga und Pilates, aber auch auf Bestandteile aus dem Chairdance, Poledance und Aerial Hoop zurück.

Vermarktung

Mit dem Einstellen von Infos auf Presseportalen, wurde bereits auf eine Möglichkeit der Vermarktung von Kursneuheiten hingewiesen. Um das Ganze abzukürzen: Vermutlich haben Sie bereits anhand vergangener Erfahrungen herausgefunden, welche Art von sonst gängigen Werbemaßnahmen (z. B. Website, Soziale Medien, Flyer/Hauswurf, Tag der offenen Tür, Werbung in lokalen Medien) für Ihr Studio am effektivsten sind. Im GTBM wird darüber hinaus auf „kreative und ungewohnte“ Methoden verwiesen, mit denen speziell neuartige Groupfitness-Angebote beworben werden können.

Werbevideo

In dem Film werden die Räumlichkeiten, das Equipment und ausgewählte Programmteile vorgestellt. Das Video sollte auf Ihrer Website und auf Geräten im Studio abgespielt werden (siehe auch nächster Punkt).

Werbung im Empfangsbereich

Kursleiter wecken an einem Präsentationstisch die Neugier. Ausstattung: Werbevideo-Abspielgerät, Plakat, kleineres Equipment, das im Programm zum Einsatz kommt, Flyer mit Terminen, Kurszeiten und Preisen.

Gruppentrainingstage

Laden Sie Mitglieder ein, die Gruppentrainingsumgebung zu besichtigen und zu erleben. Festzulegen wäre, welche Instruktoren zu welcher Uhrzeit die Interessenten im Trainingsbereich begrüßen, um anschließend, den Kurs vorzustellen und die Trainingszeiten bekanntzugeben. Das Ganze mit Gratisgetränken und Snacks sowie Minivorführungen von Programmteilen. Die Demo-Kurse finden idealerweise zu den Spitzenzeiten statt und zusätzliche Gruppentrainer sollten anwesend sein, um sich um Mitglieder zu kümmern, die während des Kurses eintreffen.

Gebührenfreie Kurseinheiten

Kostenlose Probekurseinheiten bieten eine gute Gelegenheit, die Vorzüge des Programms zu erläutern. Um Mitgliedern ein bestmögliches Timing zu ermöglichen, wäre die Möglichkeit zur Online-Terminauswahl wünschenswert.

Für ein möglichst viele ansprechendes Groupfitness-Portfolio eignen sich als Basis gesundheitsorientierte Kurse, Mixstunden aller Art und Zirkeltraining wavebreakmedia / shutterstock.com

Allgemeine Empfehlungen

Letztendlich hängt Ihr Angebot natürlich von Ihrer Philosophie, Ihrem Equipment und den personellen Gegebenheiten ab. Fürs Groupfitness-Portfolio eignen sich laut Christiane Ziemer (3), Wettkampfdirektorin des Deutschen Fitness und Aerobic Verbandes (DFAV), Choreographin und Inhaberin des Wormser Studios „Hitchkick“ grundsätzlich gesundheitsorientierte Kurse, Mixstunden aller Art und Zirkeltraining.

Gesundheitsorientierte Kurse

In Sachen Gesundheit werden explizit die Themenfelder Wirbelsäule und Haltung genannt. Hier, aber auch in anderen Bereichen, könnten auch kleine Studios ohne viel Platz tätig werden. Als Equipment würden sich beispielsweise Steps, Hanteln, Matten und Holz- oder Schwingstäbe anbieten. Ein attraktives Feld für eigene Kursideen sind hier sicherlich die von den Krankenkassen geförderten Präventionskurse. In diesem Segment ist § 20 SGB V maßgeblich – ein Gesetz, das den Kassen die Übernahme der mit der Kursteilnahme verbundenen Kosten vorschreibt (4). Wer Kurse anbietet, die Komponenten à la Nordic Walking, Yoga, Aquafitness, Autogenem Training oder gesunde Ernährung anbietet, hat gute Chancen anerkannt zu werden. Die „Kooperationsgemeinschaft gesetzlicher Krankenkassen zur Zertifizierung von Präventionskursen – § 20 SGB V“ prüft und zertifiziert Ihren Kurs, so er denn den Kriterien genügt, durch die Zentrale Prüfstelle Prävention kostenfrei und innerhalb von zehn Arbeitstagen (5).

Know-how und gute Ideen vorausgesetzt, kann für erfolgreiche gesundheitsorientierte Kurse schon ein bescheidenes Equipment ausreichen wavebreakmedia / shutterstock.com

Mixstunden

Bei Mixstunden werden verschiedene Groupfitness-Disziplinen miteinander kombiniert. Am Beispiel von Nadine Rebel haben wir das ja bereits im Absatz „Do It Yourself“ etwas durchexerziert. Grundsätzlich wächst in Sachen Groupfitness laut Expertin Ziemer in jüngster Zeit unter anderem die Einsicht, „dass ruhige wie kraftreiche sowie temporeiche Konditionsprogramme voneinander profitieren und miteinander verknüpft werden können“. Als Beispiel wird die Kombination von Yoga und Aerobic genannt. Zudem sei ein Ausbau des Action- und Party-Aspekts zu beobachten, bei dem die begleitende Musik im Vordergrund steht. Club-Feeling mit Animation würde somit zunehmend Einzug in die Groupfitness halten, es sei insgesamt mehr Animation und weniger Unterricht zu beobachten.

Zirkeltraining

Anders als bei den relativ leicht zu unterrichtenden Kursformaten, bei denen alle ihren eigenen Bereich und ihre eigenen Geräte haben und sich gleichzeitig oder tempotechnisch individuell bewegen, gelten Zirkel laut GTBM bezogen auf die Aufsicht, als besonders anspruchsvoll. Denn die Teilnehmer bewegen sich durch verschiedene Stationen mit unterschiedlichen Tools und Übungen. Vorteil ist dabei, dass insgesamt eine geringere Geräteverfügbarkeit benötigt wird. Zirkeltraining anzubieten scheint auf jeden Fall „hip“ zu sein.

Im Trend

Das Zirkeltraining und auch die Mixstunden belegen drei von sechs Plätzen in der 2019er Groupfitness-Trendliste des Lifestylemagazins Cosmopolitan (6). Als Mixstunden-Trend wird das Programm Barre Mixer genannt – eine Kombi aus Ballett, Aerobic und Pilates, die Kalorien verbrennt und die Core-Muskeln stärkt. Zirkeltraining ist durch den Dauerbrenner HIIT und dessen entschärfte Variante LIIT vertreten. Vielleicht geben ja auch die weiteren Platzierungen Anregungen. Komplettiert wird die Trendliste jedenfalls durch Indoor Rowing, Boxen und Virtual Reality Cycling. Letzteres gibt es beispielsweise als Radfahrerlebnis der besonderen Art schon zu kaufen (7). Auf diesem Gebiet eigenkreativ tätig zu werden, ist für viele Studios vielleicht ein Regal zu hoch, bedarf eine Virtual Reality Fitness-Inszenierung doch einer Riesenleinwand, eines beachtlichen Sound-Equipments und allerlei sonstigem technischen Schnickschnack. Etwas mit Rudern oder Boxen könnte da schon eher drin sein … be creative. (chd)

Literatur

  1. Precor „Group Training Business Manual“
  2. Rebel-Management-Training/openPR „Bring my body back – neues Kurskonzept für Frauen“
  3. F&G „Group-Fitness-Trends“
  4. academyofsports.de „Primärprävention nach § 20 SGB V“
  5. zentrale-pruefstelle-praevention.de
  6. cosmopolitan.de „Fitness-Trends 2019 – Die neusten Fitnesskurse im Cosma-Check
  7. Les Milles. https://www.lesmills.com/de/programme/gruppenfitness/the-trip/