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Fitnessszene · shape UP Business 2/2019

Mehr Demokratie wagen

Alle Erhebungen und sonstigen Erkenntnisse bestätigen es: Auch Trainerinnen und Trainer sind, wenn es gut läuft, entscheidende Wohlfühlfaktoren für die Mitglieder. Das gilt speziell für den Groupfitness-Bereich, wo es mehr als in der Fläche auf, nennen wir es mal Charisma, ankommt. Wie also das richtige Personal finden?

Gut ausgebildete Kurstrainer werden immer wieder gesucht und können gerade in Sachen Kundenbindung eine Menge bewirken. Leider herrscht bei vielen Fitnessstudios aber eine zu große Trainerfluktuation, was sich negativ auf die Zufriedenheit der Mitglieder auswirkt. Wechselt eine Trainerin oder ein Trainer in ein anderes Studio, nimmt er auch nicht selten Klienten mit.

Einstellung via Voting

Nach einer erfolgten Verpflichtung für den Groupfitness-Bereich kann es vorkommen, dass sich nach einiger Zeit herausstellt, dass die oder der Neue doch nicht die nötigen Voraussetzungen erfüllt. Es kommt zur Trennung und die freigewordene Stelle muss selbstverständlich wiederbesetzt werden. Das Ganze kostet viel Geld und ist für das Image eines Fitnessstudios nicht von Vorteil. Der Ablauf ist immer gleich, eine Stellenanzeige wird – meist online – geschaltet, Interessenten bewerben sich, danach wird ein Interview vereinbart und bei Gefallen wird die entsprechende Person angestellt. Entspricht ein derartiges System dem Ideal eines personell gut geführten Studios? Sicher nicht, meiner Meinung nach.

Eine mögliche Lösung für die beschriebene Problematik wäre, die Mitglieder mittels einer Umfrage an der Trainereinstellung teilhaben zu lassen. Beispiel: Im Einstellungsgespräch wird die neue Trainerin darüber informiert, dass sie für die Zeitspanne von einem Monat Yogastunden übernimmt – selbstverständlich gegen Vergütung. Die Teilnehmer ihres Kurses haben nun die Möglichkeit, ein positives oder negatives Votum bezüglich ihrer beruflichen Qualitäten abzugeben. Bei einem positiven Feedback wird sie sofort übernommen und die Probezeit ist beendet.

Warum ist diese Einstellungsmethode eine gute Lösung?

Fitnessmitglieder sind diejenigen, die das Produkt „kaufen“, nicht ich als Club-Inhaber. Neue Trainer werden ihre sportlichen Fertigkeiten, ihr Wissen, ihren Leistungswillen sowie ihre soziale und personelle Kompetenz zeigen wollen. Und Mitglieder mögen es in aller Regel, ihr Feedback zu geben. Selbstverständlich erwarten sie dann auch, über das Ergebnis ihrer Entscheidung in Kenntnis gesetzt zu werden.

Auf zum „Casting“!

Gute geleitete Kursstunden verbreiten Wohlgefühl und verhindern Mitgliedschaftskündigungen fizkes / shutterstock.com

Das Procedere könnte, wie folgt, aussehen. Kursteilnehmer bekommen einen Bewertungsbogen ausgehändigt, auf dem sie nach Absolvierung des Kurses ihre Meinung bezüglich der Qualität der Stunde mittels drei verschiedener Kriterien zum Ausdruck bringen können. Der Grad der Zustimmung erfolgt über eine Skala, welche die Noten 1 (sehr gut), 2 (gut), 3 (befriedigend), 4 (ausreichend) und 5 (mangelhaft) umfasst. Beispiel:

  • Der Kurs wurde fachlich kompetent geleitet – Note …
  • Der Kurs hat Spaß gemacht – Note …
  • Ich kann Kurse dieser Art weiterempfehlen – Note …

Dieser Bogen wird über die Dauer eines Monats an alle Kunden der Trainerin/des Trainers verteilt, danach wird er ausgewertet und in einer individuellen Besprechung erläutert.

Die „Casting“-Einstellungsmethode hat den Vorteil, dass die Ergebnisse der Auswertung ein realistisches Bild neu eingestellter Mitarbeiter bringen. Ich habe die lehrreiche Erfahrung gemacht, dass aktive Mitglieder die Veranstaltungen im Kursbereich, auch bezüglich der fachlichen und personenbezogenen Qualitäten der die Stunden leitenden Trainer, häufig durch eine andere „Brille“ sehen und beurteilen als Studiobesitzer.

Bewertungen als Marketinginstrument

Qualität ist immer ein entscheidendes Kriterium, ob ein Fitnessstudio die dominierende Stellung vor Ort erreichen oder behaupten kann. Starten Sie zum Beispiel viermal im Jahr Bewertungsaktionen. Dabei muss es nicht zwangsläufig um Personalfragen gehen. Über Newsletter informieren Sie dann jeweils über die Schwerpunkte des Feedbacks und welche Maßnahmen daraufhin ergriffen wurden.

Kündigungsbremse durch Kurs-Notdienstplan

Wenn die Kursleitung krankheitsbedingt zurücksteckt, muss Ersatz her, Kursausfall ist schlecht fürs Geschäft eggeegg / shutterstock.com

Eine weitere Problematik neben der Trainerfluktuation ist der Ausfall von Kursen. Man beachte, dass nach meinen Erfahrungen 40 Prozent der Fitnesskunden kündigen, weil sie sich über Mitarbeiter ärgern, sich über den Service beschweren oder den hohen Ausfall von Kursstunden beanstanden.

Existiert in Ihrem Studio ein Kurs-Notdienstplan? Will heißen, dass, falls ein Mitarbeiter für einen bestimmten Kurs, zum Beispiel aus Krankheitsgründen, nicht zur Verfügung steht, ein Mitarbeiter aus einem parallel zu den Kursen bestehenden Bereitschaftspool eingesetzt werden kann. Ein solches Konzept wird verhindern, dass zahlende Kunden ihre Mitgliedschaft kündigen, weil Sie unzufrieden oder auch erbost darüber sind, dass der Kurs, den sie teuer belegt haben, öfter ausfällt. Es ist für die Kursteilnehmer kein Trost, den Frust über den Ausfall mit einem kostenfreien Eiweißdrink an der Studiotheke umgelenkt zu bekommen oder bei etwas anderem mitmachen zu dürfen. Die Teilnehmer haben sich ihre Kurse ganz bewusst ausgesucht und legen Wert darauf, in den Genuss des genau in diesen Einheiten angebotenen Programms zu kommen.

Bei jeder neuen Mitarbeitereinstellung für den Kursbereich kommen Sie dann auf den in Ihrem Studio praktizierten Notdienstplan zu sprechen. Bieten Sie den Bereitschaftskräften durchaus auch eine zusätzliche Vergütung an. Selbst wenn Sie als Studiobesitzer bis zu 15 Prozent mehr Lohn für die Bereitschaftstrainer aufbringen sollten: Eine steigende Kündigungsrate bei den Mitgliedern wäre nicht nur unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten geschäftsschädigend, es geht in diesem Rahmen auch um den möglichen Verlust des guten Rufes.

Antonio Silva, Master in Leisure and Sport Management“