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Beratung & Betreuung · shape UP Business 2/2019

Keine Reaktion? Keine Bewerbung!

Gerade für Studios, die einen vergleichsweise hohen Personalaufwand haben und über eine gewisse lokale, nationale oder internationale Prominenz verfügen, sind Arbeitgeberbewertungsplattformen im Internet ein nicht zu vernachlässigendes Tool bei der Suche nach Mitarbeitern. Eine Umfrage des e-recruiting-Unternehmens softgarden belegt die steigende Nutzung derartiger Portale durch Bewerber, aber auch einen Mangel an Aktivität auf der Arbeitgeberseite.

48,2 Prozent der Bewerberinnen und Bewerber nutzen internetbasierte Bewertungsplattformen, um sich über Arbeitgeber zu informieren, ergab die Umfrage. In einer früheren Erhebung (Februar/März 2017) lag die Zahl noch bei 45,7 Prozent. Damit ist das Interesse in etwas mehr als einem Jahr um 2,5 Prozentpunkte gestiegen. Die Zahlen lassen den Schluss zu: Wer für sein Studio Mitarbeiter sucht, hat bei entsprechender Pflege der Portale eine gute Möglichkeit, geeignete Kandidaten anzusprechen.

Textkommentare besonders geschätzt

Auf Arbeitgeberbewertungsplattformen können Jobinteressierte sich die Gesamtbewertung oder die Bewertung einzelner Kriterien wie Arbeitsatmosphäre oder Vorgesetztenverhalten ebenso ansehen wie ausführliche Kommentare in Textform. Je detaillierter die Bewertung ausfällt, als desto hilfreicher wird sie empfunden:

  • – Ausführliche Kommentare von Mitarbeitern des Unternehmens finden 81,2 Prozent „hilfreich“ oder „sehr hilfreich“, eine textlose Gesamtbewertung (wie bei Hotels meist in Form von Sternen) stößt nur auf 59,7 Prozent positive Resonanz.
  • – Ausführliche Kommentare von Bewerbern finden 72,2 Prozent „hilfreich“ oder „sehr hilfreich“, die textlose Gesamtbewertung kommt hier auf 46,0 Prozent.

Tue es, aber tue es richtig

Neben der Möglichkeit, Statements zu Kommentaren abzugeben haben Arbeitgeber meist auch die Gelegenheit, ein kostenpflichtiges Portrait des Unternehmens zu schalten, womit dem „inoffiziellen“ Bewertungsauftritt eine „offizielle“ Präsenz gegenübergestellt wird. 64,2 Prozent der Befragten bewerten das grundsätzlich als „hilfreich“ oder „sehr hilfreich“. Wird ein Portrait veröffentlicht, ist dies allerdings auch nicht frei von Tücken, denn etliche Bewerber empfinden die sichtbaren Unternehmensprofile als wenig realistisch oder zu gleichförmig. Die Porträts „bestehen häufig aus hohlen Phrasen“, schreibt ein Teilnehmer, ein anderer meint: „Sie gleichen sich alle. Bei keinem erkenne ich Einzigartigkeit. Von wegen USP“.

Schalten Arbeitgeber sich direkt ein, indem sie Statements zu Kommentaren veröffentlichen, sich für Feedback bedanken oder Stellung zur geäußerten Kritik nehmen wird das größtenteils sehr begrüßt: 78,1 Prozent der Bewerber schätzen den sichtbaren Umgang mit Kritik als „hilfreich“ oder „sehr hilfreich“ ein. Ein möglicher Stolperstein sind allerdings „08/15-Antworten“. Denn, wie bei den Porträts, wird auch bei den Reaktionen der Arbeitgeber öfters Gleichförmigkeit bemängelt: „Die Antworten klingen standardisiert“ oder „Copy-and-Paste hinterlässt keinen guten Eindruck“, heißt es in den Kommentaren.

Nichtstun ist in dem Zusammenhang übrigens auch keine Lösung. Eine passive Haltung, bei der Arbeitgeber die Dinge einfach laufen lassen, stößt auf eindeutige Ablehnung. Einem solchen Verhalten stimmen nur 8,9 Prozent zu, 66,4 Prozent finden es „schlecht“ oder „sehr schlecht“.

Wie läuft es rund?

Sehen Arbeitgeber auf den Plattformen „schlecht aus“, hat das durchaus Folgen: „Es gibt nichts Schlimmeres als ein Profil von einem Arbeitgeber, auf dem fast nur negative Bewertungen sichtbar sind und keine Reaktion. Ich habe mich schon öfter bei solch schlechten Bewertungen von Arbeitgebern nicht mehr dort beworben“, berichtet ein Bewerber. Was aber sollen Arbeitgeber aus Bewerbersicht tun? Hier deutet sich aus Bewerberperspektive ein klarer Korridor erwünschten Handelns ab. Neben den bereits erwähnten Arbeitgeberreaktionen auf Beiträge und der Schaltung eins validen Unternehmensportraits wird auch die regelmäßige Feedback-Aktivierung von Mitarbeitern und Bewerbern mit 55,2 Prozent als „gut“ oder „sehr gut“ betrachtet. Deutlich kritischer sehen Bewerber allerdings die gezielte Aktivierung von positiv gestimmten Mitarbeitern. Diese Maßnahme erhält nur 24,1 Prozent Zustimmung.

„Wie Arbeitgeber mit Bewertungen umgehen, entscheidet nach unserer Erfahrung über den Umfang und die Qualität von Bewerbungen mit – besonders in stark umworbenen Zielgruppen“, berichtet Mathias Heese, Geschäftsführer des Umfrageauftraggebers. „Arbeitgeber sollten deshalb neutral Feedback fördern und das erhaltene Feedback für Verbesserungen nutzen, sichtbar mit Kritik umgehen und mit einem erkennbaren Arbeitgeberprofil an den Markt treten.“

Praxisbeispiel – so könnten Fitnessstudios punkten

Bei kununu, einem der bekanntesten Bewertungsportale, wird die Möglichkeit geboten, verschiedene Punkte detailliert einzuschätzen. Wir führen diese im Folgenden auf und liefern jeweils – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – Anregungen dafür, was zu positiven Urteilen verleiten könnte.

Arbeitsatmosphäre

Goutiert wird in der Regel, wenn Führungskräfte in berechtigten Fällen nicht mit Lob sparen und sich für ein positives Miteinander einsetzen. Auch das ehrliche und personenunabhängige Bewerten von Leistungen ist ein ganz wichtiger Punkt.

Vorgesetztenverhalten

Eine gute Qualifikation der Clubmanager ist das A und O – dazu kommt die soziale Kompetenz, also z. B. keine Lieblinge bevorzugen. Schlechte Zahlen sollten nur in wirklich begründeten Fällen Mitarbeitern zugeschrieben werden. Fremdkritik annehmen und eigene Kritik offen kommunizieren, wird ebenfalls gerne gesehen.

Kollegenzusammenhalt

Intriganten, Denunzianten und Opportunisten gehören abgestraft – auch Mitarbeiter mit eher negativer Grundeinstellung machen Arbeitgeber nicht gerade zur Empfehlung. Gelingt es Kunden zu binden oder zu gewinnen, sollte dies auch den tatsächlichen „Verursachern“ gutgeschrieben werden – ergo: Leistung muss sich lohnen.

Interessante Aufgaben

Monotonie vermeiden und Angestellte nicht unterfordern, bringt Pluspunkte bei der Bewertung. Unterstützen Sie Aus- und Weiterbildungen – fördern Sie Mitarbeiter, die den Umgang mit Mitgliedern fachlich und verhaltenstechnisch beherrschen.

Kommunikation

Vordergründig, geht es um gute verbale und technische Vernetzungen. Transparenz hinsichtlich der wirtschaftlichen Lage des Clubs ist aber auch nicht verkehrt. Gelegentliche, aber eben auch nicht zu häufige, Meetings können dem sinnvollen Austausch dienen.

Gleichberechtigung

Im Fitnessbereich eigentlich kein Problem – bei Führungskräften und Trainern ist das Verhältnis Mann/Frau tendenziell ausgewogen. Problematisch ist eventuell der Wiedereinstieg nach Babypause, hier stoßen unfreiwillige Versetzungen oder Gehaltsreduzierungen auf wenig Gegenliebe.

Umgang mit älteren Kollegen

Im Studio sind Ü50-Mitarbeiter eher die Ausnahme, man hört, das einige Unternehmen gar versuchen, Ältere loszuwerden. Ganz schlechte Publicity, die auch bei jungen Bewerbern einen entsprechenden Eindruck hinterlässt. Gut kommen Betriebe an, in denen ältere Mitarbeiter als Wissensvermittler für junge Kollegen oder Identifikationsfiguren für mehr oder weniger gleichaltrige Mitglieder geschätzt werden.

Karriere / Weiterbildung

Der Punkt, Möglichkeiten für Aus- und Weiterbildungen zu schaffen, wurde weiter oben schon behandelt. Interne Schulungen und Workshops gehören unbedingt dazu, dürfen aber nicht den Charakter von Beschäftigungstherapien haben. Karriereperspektiven sollten generell realistisch dargestellt werden.

Gehalt / Sozialleistungen

Grundgehälter sind in der Fitnessbranche eher nicht so hoch. Provisionen für Neuverträge und Drop-Out-Vermeidung kommen gut an – erfolgsabhängige Komponenten auch. Pluspunkte: betriebliche Altersvorsorge, pünktliche Zahlungen, Jahresgespräche, Mitarbeiter kostenfrei trainieren lassen.

Arbeitsbedingungen

Damit ist vordergründig alles, was mit Lage und Ausstattung des Studios zusammenhängt, gemeint. Ein Club in bevorzugter Umgebung mit guter Infrastruktur kommt besser an, als einer im Problemviertel. Gute Erreichbarkeit spielt auch eine Rolle. Mitarbeiterparkplätze sind beliebt. Dazu kommen Faktoren wie saubere Sanitäranlagen, Wohlfühleinrichtung, gute Klimatisierung etc.

Umwelt- / Sozialbewusstsein

Heute gilt oft: Je grüner, desto besser. Viele Gäste und Mitarbeiter goutieren Ressourcenschonung (z. B. reduzierter Papierverbrauch), geringen Energieverbrauch (z. B. automatische Abschaltvorrichtungen) und loben, wenn ökologisches und soziales Bewusstsein demonstriert oder gefördert wird.

Work-Life-Balance

Bei Schichtbetrieb eher kompliziert, hier heißt es, das Beste daraus machen. Wochenenddienste und Spätschichten so verteilen, dass familiär stark Verpflichtete weniger Lasten tragen, kommt gut an. Des Weiteren: Prüfen, ob ständige Erreichbarkeit ein Muss ist. Dazu die Urlaubsplanung nicht zu langfristig anlegen: Flexibilität wird geschätzt.

Image

So gut wie jeder möchte in einem Unternehmen arbeiten, das gut angesehen ist. Fitness ist „in“, insofern passt das Branchenimage im Großen und Ganzen. Bei den Studios selbst, kommt es meist auf die Positionierung an. Discounter sollten zeigen, dass trotz niedriger Beiträge die Standards vergleichsweise hoch sind. Premiumanbieter können zu zu erkennen geben, dass sie auch „aus Fleisch und Blut“ sind. Gute Werbung hilft!

Quellen

kununu, ots/softgarden e-recruiting GmbH

chd