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Beruf & Karriere · shape UP Business 2/2019

Gesundheit am Arbeitsplatz

Immer schneller, immer mehr – im Arbeitsstress kommt die mentale Gesundheit schnell zu kurz. Mit Mentaltechniken kann dem entgegen gewirkt werden, sowie eine Arbeitssteigerung erreicht werden.

Sabrina Dankert

Besser, höher, weiter, schneller…

Eigentlich positive Wörter, doch im falschen Kontext genutzt oder mit Druck besetzt, können genau diese Wörter krank machen.Die Zunahme der Arbeitsunfähigkeit durch psychische Erkrankungen zeigt in den letzten 15 Jahren eine alarmierende Entwicklung.

Gesundheitsreporte der Krankenkassen belegen eine Steigerung von Arbeitsausfällen durch psychische Erkrankungen von über 100 Prozent (1). Diese Ergebnisse decken sich mit den Erkenntnissen der Bundespsychotherapeutenkammer, die ebenfalls steigende Arbeitsunfähigkeitstage durch psychische Erkrankungen verzeichnet (2). Dass genau dieses Ausbrennen in unserer Leistungsgesellschaft mehr als nur ein Trend ist, ist längst erkannt. Doch aus diesen Erkenntnissen entstehen viele Warum-Fragen:Warum fühlen sich immer mehr Menschen leer, antriebslos und vollkommen erschöpft, sind Yogaklassen regelmäßig überfüllt, sind Selbstoptimierungsbücher häufigunter den Bestsellern? Das sind nur wenige von einer Vielzahl von Fragen.

An dieser Stelle zeigt das Sprichwort „Der Fisch fängt immer am Kopf zuerst an zu stinken“, dass eigentliche Problem auf. Denn wenn die eigene Führungskraft selbst im Hamsterrad läuft, im Autopiloten funktioniert und nicht für ihre eigenen Gesundheit sorgt, wie soll sie dann die Gesundheit der eigenen Mitarbeiter fördern und hier den Raum für Bewusstsein und Gesundheit schaffen? Denn wer Selbstoptimierung falsch versteht, sich selbst und seine eigenen Grenzen nicht wahrnimmt, schadet nicht nur sich selbst, sondern auch Anderen.

Vorbild Führungskraft

Führungskräfte haben eine klare Vorbildfunktion. Mit ihrem Verhalten sind sie für sich selbst aber auch für die Mitarbeiter verantwortlich. In diversen Studienwurde bereits bewiesen, dass gesundheitsorientiere Führungskräfte einen positiven Einfluss auf ihre Mitarbeiter ausüben (3). Viele Führungskräfte sind gegenüber ihren Mitarbeitern (Staff care) sehr aufopfernd vergessen darüber hinaus allerdings sich selbst. Eine gesunde Selbstführung ist aber wichtig, da diese unterschwellig genauso auf die Mitarbeiter abfärbt. Mache ich als Vorgesetzter nie eine Pause, esse im Stehen und überlaste mich selbst, wird mein Mitarbeiter sicherlich nicht völlig ruhig in seine Mittagspause gehen. Führungskräfte sollten sich dieser Wirkung bewusst sein.

Neuroleadership

Es gilt aufzuklären und ein Raum für Bewusstsein und Achtsamkeit im Unternehmenskontext zu schaffen, der unter dem Begriff „Neuroleadership“ immer mehr auf positive Resonanz trifft. Denn dieser Ansatz verspricht nicht nur die Leistung innerhalb des Unternehmens, sondern auch die Gesundheit der Führungskräfte und Mitarbeiter zu fördern.

Neuroleadership

Neuroleadership kombiniert Erkenntnisse aus der Wissenschaft mit Managementtheorien. Je nach Ansatz werden fünf bis sieben Grundsätze verwendet. Diese drehen sich inhaltlich um intrinsische und extrinsische Motivatoren, Verständnis für Abläufe und Tätigkeiten sowie Erfahrungswerte.

Die bekannstesten Ansätze stammen von David Rock und Jeffrey Schwartz, Christian E. Elger sowie Theo Peters und Argang Ghadiri.

Achtsamkeit

Für das Wort „Achtsamkeit“ oder „Mindfullness“ existieren mittlerweile zahlreiche Definitionen. Die wohl bekannteste aus dem Gebiet der Achtsamkeitsforschung kommt vom J. Kabat-Zinn, dem Vater der Achtsamkeit. Diese lautet: „One purpose”, „present Moment“ and „nonjudgement“ .Das bedeutet, einfach im gegenwärtigen Augenblick zu sein ohne jegliche Bewertung. Doch so ganz einfach ist genau diese achtsame Haltung nicht. Um den Kontakt zu sich selbst nicht zu verlieren.Dazu bedarf eseines besonderen und regelmäßigen Trainings auf der körperlichenund geistigen Ebene. Hinzu kommt eine ausgewogene Ernährung mit moderatem Alkohol- und Zuckerkonsum, regelmäßiger Sport und täglichem geistigen Training.

Geistiges Training

Das von J. Kabat-Zinn entwickelte Achtsamkeitsprogramm MBSR (Mindfulness-Based Stress Reduction) beinhaltet viele einzelne Mentaltrainings, die auch einzeln durchzuführen sind. Da man den Atem immer dabei hat, wäre die Technik der Atem-Meditation gut in den Alltag integrierbar. Man nimmt eine bequeme und aufrechte Sitzposition ein, sodass die Wirbelsäule gerade ausgerichtet ist und neigt das Kinn etwas zur Brust. Die Augen werden geschlossen und die Aufmerksamkeit wird sanft auf den eigenen Atem gelenkt, ohne diesen verändern zu wollen. Es geht dabei um die geistige Fokussierung. Im gegenwärtigen Augenblick dem eigene Atemrhythmus zu folgen, auch wenn gerade am Beginn des Trainings immer wiederkehrende Gedanken auftauchen. Diese Gedanken ohne Bewertung wahrnehmen und immer wieder mit der Aufmerksamkeit zurück zum Atemfluss kehren, verhilft beim längeren

Üben auch im Alltag fokussierter zu werden. Am Anfang reichen schon fünf Minuten tägliches Training vollkommen aus, um bereits nach einer Woche Veränderung wahrnehmen zu können.

Solch ein Mental Training wirkt sich positiv auf die Tätigkeit einer Führungskraft aus, da durch diese Fokussierung und das Ruhen in sich die Verbindung zur eigenen Person gehalten wird. Die dadurch erfolgte Selbstoptimierung führt zurSelbsterkenntnis und zeigt sich in der Führungsqualität. Denn hinter jeder Führungskraft und jedem Arbeitnehmer steckt letztendlich ein Individuum mit einer ganz persönlichen Geschichte und eigenen Wesenszügen, das bei einer Überbelastung aus dem Gleichgewicht geraten kann, ob nun körperlich oder geistig.

Oftmals steckt hinter dem Wort Stress, immer wiederkehrenden Konflikten oder subtil empfundenen Blockaden einfach nur Angst. Angst eine falsche Entscheidung zu treffen, Angst die Aufgaben nicht rechtzeitig erfüllen zu können, Angst zu versagen, Angst nicht gut genug zu sein.

Mentaltechniken

Mentaltraining im Allgemeinen ist nichts anderes, als die Optimierung der eigenen Informationsverarbeitung (4).Um Muster zu erkennen und um sie gezielt verändern zu können, müssen diese erst einmal bewusst wahrgenommen werden. Egal ob mittels Bodyscan, Autogenem Training, Visualisierung oder Meditation, es geht primär um die Schulung der Wahrnehmung und das Erkennen der eigenen – oftmals krankmachenden – Muster. Denn das bewusste Erkennen ist der erste Schritt zur Veränderung und damit zur Heilung.

Mentaltechniken Unterscheidung

Das Autogene Training ist eine Entspannungsmethode, die auf Autosuggestion basiert und dazu verhilft, dem Unterbewusstsein zu helfen den kompletten Körper zu entspannen.

Bei der Visualisierung werden im Geiste bestimmte Situationen durchgespielt. Die Führungskraft mittels dieser Technik immer wiederkehrende, vielleicht auch stressauslösende, Situationen mit Mitarbeitern im Vorwege umprogrammieren.

Die Meditation trainiert den Geist: es fällt bei regelmäßig Anwendung leichter sich zu sammeln und zur Ruhe zu kommen, beispielsweise durch die Fokussierung auf einen Bestimmten Gegenstand.

So ist das Ziel einer jeden Mentaltechnik die Optimierung der eigenen Leistung, insbesondere im Hinblick auf die eigene Gesundheit und Lebensqualität, wodurch die Wörter besser, höher, weiter und schneller einen ganz eigenen und individuellen Weg der Persönlichkeitsentwicklung beschreiben. Persönlicher Fortschritt braucht Zeit, Ausdauer und Mut, und zahlt sich am Ende positiv auf das Konto der Gesundheit und Lebensqualität aus.

Quellen

  1. Marschall, Nolting und Hildebrandt (2013). Schwerpunktthema: Sind wir heute anders Krank? In: Rebscher, H. (Hrsg.): Gesundheitsreport, DAK. Band 5. Berlin: medhochzwei Verlag GmbH
  2. BPtK, (2010). Komplexe Abhängigkeiten machen psychisch krank – BPtK-Studie zu psychischen Belastungen in der modernen Arbeitswelt
  3. Franke und Felfe (2011) Diagnose gesundheitsförderlicher Führung- Das Instrument „Health-oriented leadership“. Fehlzeitenreport 2011: Führung und Gesundheit.Zahlen, Daten und Analysen aus allen Branchen. Berlin:Springer
  4. Bender, C., & Draksal, M. (2011). Das Lexikon der Mentaltechniken. Leipzig: Draksal Fachverlag